Gaggia Roma Erfahrungsbericht
Schon mehrmals habe ich gelesen, dass hier nach Testberichten der neuen Mühle von Gaggia gesucht wird. Anscheinend ist es ja das Nachfolgemodell der MDF. Es handelt sich um nichts anderes als um die Quickmill 031 ohne Siebträgerablage.
Wie ich dazu gekommen bin? Bitte nicht entsetzt sein: Ich besass 10 Jahre lang eine Jura Impressa Scala, die nun angefangen hat zu schwächeln. Nun entschloss ich mich, auf Siebträger umzustellen. Turmix 560? Sieht noch so nett aus. Oder geht es auch billiger? Nun, ich bin Euch allen sehr dankbar, dass Ihr mich unbekannterweise dazu angestiftet habt, gleich "richtig" einzusteigen. Mein Ideal sind die italienischen Kaffeebars, und ich habe mich lange gefragt, wie die ihren Espresso eigentlich hinkriegen. Eben nichts mit Crema-Membran. Bei den Billigmaschinen passiert ja eigentlich etwas ähnliches wie beim Vollautomaten: Grob gemahlener, dicker Kaffeepflock, durch den das Wasser mit wenig Druck zu schnell hindurchläuft. Muss nicht unbedingt schlecht schmecken, halt ähnlich wie in den meisten Schweizer Bahnhofbuffets.
Meine Frau trinkt keinen Kaffee, bei mir sind es an die 3 Espressi pro Tag. Selten Cappuccino. Da finde ich die Gaggia Classic ideal, nicht zuletzt wegen der doch recht zügigen Aufheizzeit. Und - es mag bessere Maschinen geben - es ist möglich, damit wirklich guten Espresso zu brauen.
Nun zur Mühle: Gleiche Marke wie die Maschine, preisgünstig, in der Schweiz leicht aufzutreiben... Das waren so die Gründe für meine Entscheidung. Auch braucht sie nicht viel Platz und sieht für meinen Geschmack ganz gediegen aus.
Beim folgenden Erfahrungsbericht müsst Ihr davon ausgehen, dass ich ausser YouTube-Videos keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Ich glaube aber dennoch, etwas sagen zu können.- Lässt sich der Kaffee fein genug mahlen? Ja! Mit Café Blaser Italia ist es ohne weiteres möglich, dass kein Tropfen herauskommt.
- Lautstärke: Nicht übermässig. Es kann sein, dass sich hier das Kunststoffgehäuse als Vorteil erweist.
- Abstufung: Zu grob. In der Werbung wird die Mühle gelegentlich als "stufenlos" bezeichnet. Dem ist überhaupt nicht so. Es liegen jeweils noch zwei Stufen zwischen zwei Ziffern. Für den Blaser-Kaffee ist es bei mir entweder näher bei zwei oder näher bei drei. Zwei ist zu fein, drei zu grob. Manchmal liegt das Ideal auch genau zwischen "meinen" beiden Stufen. Fazit: Stufenlos wäre besser. Ich hätte nicht gedacht, dass der Unterschied zwischen zwei Klicks so gross sein kann!
- Bedienung: Hauptschalter befindet sich links, Mahlknopf rechts unten. Also kein Auslösen durch den Siebträger. Die Gaggia-Version hat auch keine Siebträger-Ablage. Finde ich nicht schlecht, denn so kann ich mit der rechten Hand den Knopf drücken und mit der linken Hand den Siebträger so halten und bewegen, wie ich will.
- Kaffee-Auswurf: Eine dünne Metallklappe wird angehoben. Probleme mit Herumsauen habe ich nicht. Am Schluss Klappe auf und zu, dann kommt auch noch der Rest. Das Mahlgut kommt recht bröckelig heraus, ich muss es hinterher umrühren, sonst sieht der Puck aus wie eine Mondlandschaft. Vielleicht liegt das auch am Kaffee. Bald ist der Blaser alle, dann probiere ich Mauro Espresso Bar. Bin sehr gespannt, wie der wird.
- Verarbeitung: Macht insgesamt einen wertigen Eindruck, bis auf eine kleine Ausnahme. Der Fingerschutz besteht aus so dünnen Plastikstreifchen, dass ich ihn anfangs für Verpackungsmaterial hielt. Es passierte folgendes: Als ich die Mühle zum ersten Mal fast leergemahlt hatte, ertönte ein lautes krachendes Geräusch, und sie war blockiert. Der Fingerschutz wurde durch herumfliegende Kaffeebohnen glatt zertrümmert! Ich musste das Oberteil abschrauben und das Mahlwerk von Plastikkrümeln befreien. Den Rest des Fingerschutzes brach ich heraus, seither tut die Mühle wieder klaglos ihren Dienst.
Was man noch sagen kann: Der Totraum vom Mahlwerk bis zur Auswurföffnung scheint mir etwas lang zu sein, aber da müsste ich mit andern Mühlen vergleichen können.
Fazit: Nach ziemlich viel Übung gelingt mir mit der Gaggia-Kombi inzwischen meist sehr guter Espresso. Vor allem Doppio. Auch das Marzocco-Einersieb geht gut. Aber da wirken sich Schwankungen in den Parametern halt stärker aus, und es besteht die Gefahr, dass es immer ein wenig der "zweitbeste Espresso" wird.
In nächster Zeit habe ich nicht im Sinn, mir eine neue Mühle zu kaufen. Sie macht, was sie soll.
Würde ich mich nochmals für die Gaggia-Kombi entscheiden?
Maschine Gaggia Classic: Ja! Mühle Roma: Nein!
Es gibt Mühlen mit besserem Preis-Leistungsverhältnis. Laut Euren Berichten sicher die Iberital Challenge. Ich schliesse nicht aus, dass ich mir zu einem späteren Zeitpunkt sogar etwas Grösseres leisten werde.
Soweit dieser Testbericht aus Anfängersicht. Vielleicht könnt Ihr etwas damit anfangen.
Gaggia Classic, Gaggia Roma
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