Nachdem meine bessere Hälfte mir mit meiner Iberital Challenge aufgrund des "unerträglichen Lärms" (ich weiss, für uns Hobby-Baristas ist das alles Relativ...) die Ausweisung ins Keller-Asyl angedroht hatte, und ich keinen Espresso zwischen Werkzeug und alten Kisten machen wollte, habe ich mich zu einer neuen Mühle durchgerungen.
Dazu habe ich erstmal die Kaffee-Ecke mit einer größeren Ikea Echtholz Küchenplatte (die Haushaltserperten werden jetzt aufstöhnen, aber ich habe das Ding eine Woche lang mit "Behandla" geölt. Wenn´s jetzt noch Flecken gibt, werden die weggeschliffen...) aufgerüstet, um das Ganze überhaupt stellen zu können.
Nach einigen Überlegungen und Recherchen war mühlentechnisch der nächste logische Schritt eigentlich eine Compak K3. Die soll auch leiser sein als die Iberital und als programmierbarer Direktmahler bei meinem meistens aus Einzelbezügen bestehenden Kaffeekonsum die sinnvollste Lösung.
Da ich beruflich schon genug von Hightech umgeben bin, und das Ganze ja der Entspannung dienen soll, wollte ich keine blinkenden Plastikmonster à la Vario, sondern richtiges chromglänzendes Heavy Metal, sozusagen die Harley als Kaffemühle passend zu meiner Bezzi 07.
Die K3 in Chrom mit kleinem Bohnenbehälter kostete dann allerdings schon über 400 € und sie sollte laut einigen Foren zwar leiser, aber unangenehm in der Frequenz sein, sodaß sie subjektiv gar nicht so leise wirkt.
Bei dem Preisgefüge angekommen habe ich mir dann auch mal die "Oberliga" der Mühlen angekuckt, also die Mazzers und Macaps dieser Welt. Die kosten dann in den entsprechend für Home-Baristas geeigneten komfortablen Versionen mit Timer und als Direktmahler (Macap M4D und Mazzer Mini E) schon über 600 €.
Eine Mühle ist mit dabei allerdings aufgefallen, die eigentlich gar nicht für den Home-Bereich gedacht ist, sondern für kleine Läden und Geschäfte. Es ist die Macap MC4 Stepless, die als "Tütenmahler" konzipiert ist und deshalb auf dem "Rüssel" ein Clip zum Befestigen der Tüten hat. Die Mühle hat auch keinen Timer, sondern nur einen Ausschalter. Die MC4 kostet dabei auch noch deutlich weniger als die Chrom K3 (so um die 360 €)
Die Mühle hat die gleiche technische Basis und den Grundkorpus wie die Macap M4D, M4 und M5 Doser und ähnliche Basisdaten wie die Mazzer Minis (250 Watt Motor, 1400 Upm und 58 mm Mahlscheiben). Sie ist ultrarobust, schwer, sehr leise, sehr genau und einfach einzustellen (Stepless mit mikrometrischem Antrieb) und, wie ich meine, bildschön. Es ist auch wirklich nochmal eine andere Liga wie die K3´s, Rocky´s und Eureka MCI´s, die auch schon sehr gute Mühlen sind. Sozusagen eigentlich die "letzte Mühle", die man braucht...
Da ich schon bei der Iberital nicht wirklich direkt in den ST gemahlen hatte (wegen der Sauerei und des lästigen Haltens des ST), sondern in ein kleines Stahlkännchen, wollte ich so auch das Problem der MC4, die eigentlich nicht als Direktmahler gedacht ist (z.B. kein ST-Halter) angehen. Und das geht wegen des Tütenclips sogar noch viel besser als vorher...(siehe Bild)
Das Mahlen ist dadurch wirklich sehr entspannt und kleine Klümpchen kann man hinterher noch wegschütteln. Der Arbeitsplatz bleibt außerdem komplett sauber, weil ich den Kaffee hinterher über dem Ausklopfbehälter umfülle.
Das Problem mit dem fehlenden Timer hab ich mit dem Reanimieren meines 30 Jahre alten Fototimers gelöst. Der hat ein "Feature", welches sogar den heutigen Timermühlen gut zu Gesicht stehen würde, nämlich einen Faktor-Knopf. Die zwei Einstellungen heutiger Mühlen (wenn überhaupt vorhanden) lassen immer nur einfache und doppelte Espressi zu, ich brauche aber auch am Sonntag Morgen einen Dreifachen für meinen Jumbo-Cappuccino aus dem bodenlosen ST.
Mit dem Faktor-Knopf kein Problem. Der Doppelte ist Faktor 1 (z.B. 15 Sekunden), der Einfache Faktor 0,5 (7,5 Sekunden) und der Dreifache Faktor 1,5 (22,5 Sekunden). Das Ganze wie auch alle anderen Zeiten dauert z.B. im Vergleich zur M4D keine Sekunde zum Einstellen...(Siehe Bild. Vielleicht sollte man diese 30 Jahre alte Technik wieder übernehmen...)
Zwei "Mods" sind bei der Mühle noch zu empfehlen. Zuerst sollte man den Rüssel von innen schleifen und polieren um so möglichst wenig Restkaffee und Klümpchen zu erzeugen. Die Mühle ist "ab Werk" innerhalb des Rüssels sehr rau, was beim Tütenmahlen wohl auch keine Rolle spielt. Beim Mahlen von Einzelportionen ist aber die Reproduzierbarkeit der Menge sehr wichtig. Ich hab das mit 400er und 800er Schleifpapier, sowie ein paar Dremel Scheif- und Poliervorsätzen gemacht. Alu-Polierpaste nicht vergessen ! Siehe auch: CoffeeGeek - Espresso: Grinders - Espresso, Macap MC4 Doserless Spout Improvement.
Den Rüssel kriegt man übrigens durch Lösen von zwei ! Inbusschrauben ab. Die Zweite ist nach Abschrauben der Bodenplatte zu erreichen...
Um den leider immer noch vorhandenen Restkaffee (z.B. den im Mühlenausgang) zu entfernen, verwende ich die Essstäbchenmethode. Durch den großen Durchmesser des Rüssels kann man problemlos den Restkaffee fast vollständig aus der Mühle holen. Die Wiederholgenauigkeit liegt dann beim Wiegen im zehntel Gramm Bereich...
Ein zweiter, sehr sinnvoller Mod, ist das ausklappbar Machen des mikrometrischen Antriebes zum Verstellen des Mahlgrades. So schön das ultragenaue Einstellen des Mahlgrades im Prinzip ist, möchte man manchmal gerne schnell auf einen anderen Mahngrad gehen, um z.B. French Press Kaffee zu mahlen. Außerdem kann man die Mahlscheiben mit dem eingeklingten Antrieb nur schwer reinigen. Wenn man zwei Schrauben löst, kann man den Antrieb einfach kurz mal wegklappen, um diese Probleme zu lösen. Der Kopf kann dann einfach mitsamt Bohnengehälter im Uhrzeigersinn abgedreht werden (vorher am besten einen Markierungspunkt mit Tipp-Ex auf das Gehäuse machen und die Zahl merken...). Wie das genau geht siehe hier: CoffeeGeek - Espresso: Grinders - Espresso, Easy Mod for Stepless Macap M4/Upgraded w/return spring 2/26/08


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