Hallo zusammen,
vor ungefähr drei Jahren habe ich mir eine Gaggia Evolution zugelegt, den Kaffee dafür mahle ich mit meiner etwa 20 Jahre alten, vorher selten benutzten Zassenhaus Handmühle (Sieht sehr ähnlich aus wie das aktuelle Modell Managua). Seit der Zeit lese ich gelegentlich hier mit und auch bei den Home-Baristas. Das Problem mit der eigenmächtigen Verstellung des Mahlgrads an der Zassenhaus habe ich inzwischen durch einen Briefgummi gelöst, welcher die Einstellmutter etwas verklemmt.
Vor kurzem habe ich die Maschine aufgerüstet zu einer Rocket Giotto Professional, hauptsächlich weil das Auge ja auch mit Kaffee kocht und der Chrom so schön glänzt. Für meinen Espresso- und Cappuchinokonsum war die Gaggia auf jeden Fall auch ausreichend.
Leider hat mich seither die gefürchtete Upgraderitis geplagt und ich habe das weltweite Netz nach Mühlen durchstöbert. Da so ein wirklicher Konsens nicht herauszulesen war, welche Mühle denn am besten schmeckt, habe ich beschlosssen, das selbst mal auszuprobieren.
Für einen Vergleichstest habe ich mir eine Demoka 203 und eine Anfim Best ausgeliehen. An dieser Stelle vielen Dank an Rainer Roth vom Espresso-Maschinenraum (siehe Home - Espresso-Maschinenraum - Espressomaschinen und Mühlen von ECM, Vibiemme, Nuova Era, Nuova Simonelli, B.F.C., Rancilio, Rocket, Eureka, Anfim, Ascaso) für das Verleihen der Anfim. Ich will hier nicht lange über Vor- und Nachteile von stufenlosen Einstellungen, Toträume, Dosierer und Direktmahler diskutieren sondern nur meine Eindrücke während 5 Tagen Kaffeeprobieren wiedergeben.
Als Software habe ich mir bei KFE in Landau (siehe Home - KFE Die Kaffeerösterei - E-Shop) 750gr. Turbo, 500gr. Bonga und 250gr. Yeyibito eingekauft.
Damit im Vergleich einigermaßen reproduzierbare Bedingungen herschen, habe ich mich nach einigem herumprobieren mit diversen Einersieben auf das mitgelieferte Rocket Zweiersieb und 14g +-0,1g Kaffee für den Test festgelegt. Damit sollen in 25 Sekunden 50ml Espresso produziert werden. Jede Portion wurde einzeln gewogen und die Mühle leergemahlen. Damit das Wiegen nicht ganz so umständlich ist habe ich die ganzen Bohnen vorher mit einem Schnapsglas abgemessen. Den unteren Teil des Schnapsglases habe ich mit etwas Küchenpapier ausgestopft, so dass es mit 14gr. randvoll ist. Das ist übrigens erstaunlich genau, die Toleranz lag so etwa bei -0,3 bis +0,5 Gramm.
Wo ich schon beim Wiegen war, habe ich auch mal den "Output" verglichen: Hier liegt die Handmühle klar vorn, meine Waage hat hier genau das Gewicht der ungemahlenen Bohnen angezeigt. Wen wundert's, es gibt ja auch kaum Versteckmöglichkeiten in der Handmühle.
Bei den Elektromühlen gab es schon mal Abweichungen von +-0,3 gr, je nach dem ob die letzten Krümel gerade in der Maschine hängenbleiben oder herausgehustet werden.
Damit nicht die "Mano dell' Operatore" den Vergleich zu stark verfälscht, habe ich einen bodenlosen ST verwendet. So fällt wenigstens sofort auf, wenn ich das Kaffeepulver nicht ordentlich verteilt oder mal schräg getampt habe..... Damit sich die Crema gut beurteilen läßt, habe ich Gläser statt Tassen verwendet, die zufällig auch bei 50ml eine deutliche Markierung haben. Bei der Crema hatte ich sehr geringe Streuung zwischen den einzelnen Mühlen, die war während des gesamten Vergleichs immer schön dick und rotbraun getigert wie es sein soll.
Bevor die ganze Testerei losgeht habe ich das Kaffeemehl aus den verschiedenen Mühlen direkt verglichen: Das aus der Handmühle fühlt sich etwas körniger an als das aus den beiden Elektromühlen, ungefähr so als wären einige kleine Sandkörnchen dazwischen.
Vom optischen Eindruck hat die Anfim mit Dosierer die Nase vorn, hier klumpt es bei allen drei Kaffeesorten am wenigsten.
Die ersten beiden Tage und etwa 500gr. Turbo gingen dafür drauf, die Mühlen und die "Mano dell' Operatore" so einzustellen, dass mehrere aufeinanderfolgende Bezüge 25 Sekunden durchlaufen und nicht mal einer mit 21 und dann wieder einer mit 28. Es ist zu verrückt werden, irgend einer tanzt immer aus der Reihe.
Daraufhin habe ich mir einen Plastikbecher passend abgeschnitten um zu überprüfen, ob durch Rühren im Siebträger mit dem Pellkartoffeldreizack nach der WDT- Methode die Bezüge gleichmäßiger werden. Und siehe da, das bringt echt was...
Ohne Rühren scheint die Anfim am gleichmäßigsten zu arbeiten, was ich auf den Dosierer schieben würde.
Nach allem, was ich so bisher im weltweiten Netz über den Einfluss der Mühle auf den Kaffeegeschmack gelesen habe, hätte ich ein wesentlich deutlicheres Ergebnis erwartet. Zwischendurch habe ich mich schon gefragt, ob ich inzwischen Hornhaut auf der Zunge habe oder so voller Koffein bin, dass ich schon gar nix mehr merke. Als ich während des Vergleichs die Bohnensorte gewechselt habe und nachvollziehbar der Kaffee aus allen drei Mühlen deutlich den Geschmack verändert hat, konnte ich immerhin die Theorie mit der Hornhaut etwas entkräften.
Dann habe ich mal zwei Tassen unter den Zweier-Auslauf gestellt und die beiden Tassen aus dem selben Bezug gegeneinander verglichen. Nicht mal die sind identisch, fast zwar, aber eben doch nicht ganz. Ich nehme mal an wenn man hier einen Unterschied merkt können die Geschmacksnerven nicht ganz betäubt sein.
Beim Wechsel der Kaffeesorte vom Turbo auf den Bonga ist mir aufgefallen, dass bei unveränderter Mahlgradeinstellung der Kaffee aus der Demoka deutlich schneller ~20 sek. und aus der Anfim langsamer ~35 sek. durchläuft, während er bei der Handmühle immer noch in 25 Sekunden durchläuft. Das hätte ich so nicht erwartet.... Auch beim zweiten Bohnenwechsel hatte ich den selben Effekt, dass die Elektromühlen justiert werden mussten und die Handmühle nicht.
Vor dem Bohnenwechsel habe ich aus der Demoka ca. 2gr. und aus der Anfim etwa 3gr. Pulver herausgekehrt und geschüttelt.
Nach dem ich etwa ein Kilo Bohnen durchgezogen und verkostet habe, habe ich den Test beendet. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben die Testbedingungen so gleich wie möglich zu halten, dennoch kann ich keinen klaren Sieger erkennen. Das soll jetzt nicht heißen, dass der Kaffee aus allen drei Mühlen gleich schmeckt. In jeder Testrunde hatte mal die eine oder andere Mühle einen kleinen Vorsprung. Allerdings fand ich, dass die Unterschiede insgesamt gering waren, so dass ich sie durchaus noch innerhalb der Ungenauigkeit des Dosieren, Verteilen und Anpressen ansiedeln würde.
Meine Upgraderitis ist vorerst kuriert und ich kann ganz entspannt eine Mühle nach Form und Farbe aussuchen....


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