Und jetzt kommt die Story der Gaggia MD 64 aus Österreich:
Das gute Stück war richtig zugig nach nur 4 Tagen hier in Deutschland. Sofort beim Auspacken viel mir auf, die sehr der Verkäufer darum bemüht war, die Mühle zu verpacken. Mengen an Styropor taten sich auf und waren auch der Garant dafür, dass die Mühle unbeschadet angekommen ist.
Nunja, was macht man mit einer gebrauchten Maschine? Na klar, auseinanderbauen und vom Schlonz befreien.
Also das übliche Prozedere: Bohnenbehälter abnehmen... huch der klemmt ja?? Kein Wunder. Auf dem Frontalbild sieht man ein angeschraubtes Blech zwischen Bohnenbehälter und Frontblende. Also Imbusschraube gelöst und Blechhebel nach rechts umgelegt. Dieser Mechanismus gibt den Bohnenbehälter frei und verschließt gleichzeitig den selbigen. Gute Idee, aber die Umsetzung hätte für den ehemaligen Verkaufspreis durchaus etwas solider sein dürfen...
Weiter geht's: Mahlwerkabdeckung runter, Schreiben gelöst vom Gehäuse und da offenbart sich mir, warum die sachliche Italienerin so schwer ist: Ein Gehäuse aus Guss. Verschraubt, als müsste man seinen Espresso in einem Atomsturm noch zubereiten können.
Auch die Aufnahme der oberen Mahlscheibe kann sich sehen lassen (Bilder sprechen mehr als Worte):
Die Mahlscheiben schauen aber auch noch ganz brauchbar aus:
Die Mengenautomatik ist aber auch richtig lustig gelöst. Wenn der Doser voll ist, klappt ein kleines Blech, welches da so sehr fragil hineinbaumelt einfach auf einen kleinen Mikroschalter und "knack" die Mühle geht aus. Sehr simpel, aber exakt ist halt auch was anderes

Allerdings ist mir dieses Vorrichtung sehr recht, dieser Schalter, bzw. eher seine Verkabelung, wird mir für eine kleine Timerschaltung dienen. Vorerst tut es aber seinen Zweck und sorgt trotzdem erstaunlich zuverlässig für eine regelmäßige Befüllung nach 4-6 Espressi (lässt sich auch durch verbiegen minimal anpassen). Allerdings stellt sich mir bei diesem Materialaufwand wiedermal die Frage, warum der geneigte italienische Mühlenbauer nicht von vornherein eine Timerschaltung eingebaut hat.
Na gut, für knapp 1000€ vielleicht etwas zu viel verlangt.
Dafür ist die Mahlgradeinstellung sehr gut über eine Schnecke gelöst mit stufenloser Einstellbarkeit. Man kann anhand der Skala in der Front dann auch verschiedene Mahlgrade leicht wiederfinden.
Hier der Mechanismus:
Der Mikroschalter auf dem Dosierer:
Das Zählwerk und die Siebträgerhalterung, die auch sehr stabil ist und sich sich in der Höhe anpassen lässt:
Ein schöner Rücken kann auch entzücken:
Ein Blick in den Dosierer mit dem schweren, verchromten Verstellzapfen:
Und hier zu guter letzt nimmt die Dienerin auf dem Mühlenthron Platz.
Die andere Mühle aus Berlin ist übrigens ein typisches Ebay-Wrack. Angeschmolzener Deckel (von einer Lampe oder irgendetwas sehr heissem), noch NIE gereinigt, Blech im Dosierer fehlt (damit wäre es eigentlich schon nicht mehr der Beschreibung entsprechend funktionierend...) und beim Bohnenbehälter ist unten auch ein Teil abgebrochen. Nun gut, da wo der Wirt mit seinen inkompetenten Fingern nicht hin griffeln konnte, schaut die Mühe aber auch aus wie neu und damit ist der Restaurationsaufwand auch überschaubar. Bezüge hatte sie übrigens kaum mehr als die Mühle aus Österreich (!). Die wird mir also als Testobjekt für so einige Sachen dienen (Galvanisierungen, Testgerät für die Timerschaltung). Ausserdem hat sie nicht das Pagodenartige Klappdächlein auf dem Bohnenbehälter, sonder einen einfachen Deckel... komisch zumindest. Vielleicht ist das auch eine ganz andere Version.