Was genau macht eine Mühle aus?
Dazu meine kleine Geschichte vom vorgemahlene Lidl-Espresso, über Tchibomühle zur Graef CM80:
Ich hab ja die Krups Novo 2100. Sie hat ein paar Macken. Aber auch klare Vorteile.
Hier im Forum werden überwiegend schwere Maschinen empfohlen. Die muss man dann >10 Minuten aufheizen lassen. Oder man muss sie den ganzen Tag laufen lassen. Beides ist ja eher unrealistisch für Otto-Normaltrinker. Wenn ich einen Espresso (meist als Cappucino) will, finde ich 10 Minuten Aufwärmzeit genauso inakzeptabel wie schlechten Espresso aus einem Vollautomaten oder aus einer Kapselmaschine. Ausserdem steht einem eine größere Maschine, egal ob Siebträger oder Vollautomat, die Küche voll - und reißt ein fettes Loch ins Portemonnaie.
Meine Billig-Krups macht (in Kombination mit einer Aeroccino) immerhin prima Cappucino innerhalb von 1 Minute. Tendenziell ist bei meinem Trink- und Komfortanspruch also eine kompakte Thermoblockmaschine wie die Krups schon ein guter Kompromiss.
Nun zum Mühlenmantra:
Das Problem der Krups ist, dass deren Siebe Microlöcher haben. In Verbindung mit einer "Feinstaubmühle" wie der Tchibo (die hab ich), ist es ein Glücksfall, wenn der Puck den genau passenden Gegendruck erzeugt und hält. Dadurch hat man in den meisten Shots Channeling. Und er schmeckt nicht.
Meine Vorgehensweise: Leerbezug durch den Siebträger in eine Tasse, damit sich alles gut vorwärmt. Anschließend sollte man nicht mehr heizen, sonst wird der Thermoblock zu heiß. Beim Bezug heizt der Thermoblock natürlich, bei korrektem Durchfluss passt die Heizleistung aber genau zur Wassermenge, so dass man passende Temperatur erhalten sollte. Ich glaube jedenfalls, dass die Krups bei konstantem Durchfluss einigermaßen temperatustabil ist (um das genauer festzustellen, müsste man natürlich mal genau nachmessen).
Das 1er Sieb ist normal, das 2er ist microgelöchert. Für z.B. vorgemalenen Lidl Espresso hat letzteres ganz gut funktioniert. Das Tchibo-Mahlresultat setz die Microlöcher aber oft dicht. Inzwischen hab ich die Microlöcher mit einer feinen Nadel aufgebohrt. Manchmal gelingt der Shot richtig gut. Aber trotzdem setzen sich die Löcher manchmal dicht - oder es rauscht durch mit deutlichem Channeling. Meistens beides, also erst Druckaufbau, dann Dammbruch und Durchrauschen. Ich hab das mal mit abgeschraubtem Siebträgerboden versucht zu analysieren.
In diesen Fällen hüpft jedenfalls die Brühwassertemperatur bei einem Thermoblocksystem natürlich wild umher - das stehende Wasser wird stark erhitzt bzw. das schnell durchlaufende wird zu kühl. Das Ergebnis wird dann fad, bitter und sauer (alles gleichzeitig).
Die Frage ist, ob das an der Mühle und dem inhomogenen Mahlergebnis liegt.
Oder ob es unbedingt auch eine andere Maschine sein muss mit einem gegenüber Durchflussschwankungen temperaturstabileren Kessel - und den damit verbundenen, unschönen Aufheizzeiten. Oder ob man besser ein prozessorgesteuertes Thermoblocksystem wählt wie die Graef EM90.
Nun hab ich mir also erstmal eine Graef CM80 Mühle bestellt - mal schaun was die bringt.
Überraschend finde ich jedenfalls, dass diese Zusammenhänge hier kaum richtig erläutert werden. Stattdessen wird mantrahaft rezitiert: Mühle, Mühle, Mühle, omm. Mit der Begründung, man braucht frische Bohnen. Und müsse den Mahlgrad richtig einstellen können. Auf die Bohnensorte. Und aufs Wetter. Das scheint bei der Thermoblock-Krups aber wohl ziemlich nachrangig im Verhältnis zu dem Microlöcher/Channeling/Temperaturschwankungs-Effekt.


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