Vorgeschichte
Gesucht habe ich noch eine Mühle, die sehr geräuscharm für den Morgen-Espresso die Bohnen zerkleinert, da neben meiner Küche ein Kinderzimmer ist, und ich niemanden aufwecken will, wenn ich um 6 Uhr meinen Koffeinspiegel normalisiere. Da ist die Eureka viel zu laut, die Rocky zwar erheblich besser, aber noch nicht leise genug. Von den mir bekannten elektrisch betriebenen Mühlen kommt bisher nur die Casadio Istantaneo in Frage, welche nebenbei auch sehr schnell ist (knapp über 4 s für einen Doppio). Auch wenn sie für die gebotene Leistung sehr günstig ist, habe ich Probleme bei der Platzwahl, sie verträgt sich meiner Meinung nach optisch nicht mit meinen Maschinen, und wenn ich sie irgendwo verstecke, gebe ich den Geschwindigkeitsvorteil auf.
So verwendete ich bisher wechselweise die Zassenhaus Brasilia, Havanna, Santiago – sie haben alle ihre spezifischen Vor- und Nachteile, sodass ich noch gar keine Lieblings-Morgen-Mühle hatte.
Am Freitag brachte der Postbote nun die Zassenhaus Panama, weil ich schon gelegentlich andere Erfahrungen als die kommunizierte Mehrheitsmeinung im Forum gemacht habe, und wenn sie nicht taugen sollte, könnte ich sie ja zurückgeben. Deshalb musste ich sie ja schnell intensiv testen.
Wen es nun nur um die Panama geht, der klickt hier , wen interessiert, warum ich noch eine Mühle gekauft habe, liest einfach weiter.
Zum Einfüllen nehme ich hierbei einen Messlöffel, wie ihn Monbana bei den Kilopackungen beilegt (für 20g Trinkschokolade gedacht, passen da ca. 8 g Bohnen hinein). Und der besseren Vergleichbarkeit wegen in diesem Test auch für die Panama, soweit ich nichts anderes angegeben habe. Wer sich übrigens an diesem Löffel stört, kann gerne die Versuche mit seiner geliebten Feinwaage wiederholen. Mir ging es um die Espressotauglichkeit und nicht um irgendwelche Milligramm.
Ich schreibe hier der besseren Lesbarkeit wegen von Mahlgrad, auch wenn es eher ein Mahlgradbereich ist, weil das Mahlgut durchweg zwar mit bloßem Auge sehr homogen aussieht, unter dem Mikroskop aber wahrscheinlich unterschiedliche Partikelgrößen sichtbar werden.
Auch möchte ich nicht auf Geschmacksnouancen eingehen, da nicht jeder das Gleiche als gut empfindet und „bitter“ oder „sauer“ auch an anderen Faktoren wie z.B. geringfügig veränderter Temperatur liegen können und ich diese nicht gemessen habe.
Brasilia
Sie hat eine etwas kleine Einfüllöffnung mit Schiebedeckel.
Den Mahlgrad verstellt man stufenlos über eine Rändelschraube oberhalb des Gehäuses, es gibt dabei keine Markierung oder Orientierungshilfe. Nach einer gründlichen Reinigung dauert es wieder einige Portionen, bis ich den richtigen Mahlgradbereich gefunden habe.
Bei üblicher Handhabung (als Schoßmühle wird sie im Sitzen auf den Oberschenkel gestellt) ist recht entspanntes Mahlen möglich. Um sie nur mit einer Hand zu halten und mit der anderen Hand zu kurbeln, ist sie wesentlich zu breit. Ein Kurbeln im Stehen ist somit aus meiner Sicht nicht empfehlenswert.
Die Schublade ist zu breit, um das Mahlgut direkt ohne Sauerei in Siebe zu schütten. Ich nehme einen Espressolöffel zum Umfüllen.
Santiago
Sie hat eine praktische Einfüllöffnung mit einem Klappdeckel.
Den Mahlgrad verstellt man stufenlos über eine Rändelschraube oberhalb des Gehäuses, es gibt dabei keine Markierung oder Orientierungshilfe. Nach einer gründlichen Reinigung dauert es wieder einige Portionen, bis ich den richtigen Mahlgrad gefunden habe.
Die Bohnen werden dem Mahlwerk über einen recht flachen Trichter zugeführt, sodass sie nicht so gut nachrutschen wie bei den anderen hier verglichenen Modellen. Bei üblicher Handhabung (als Kniemühle wird sie im Sitzen zwischen die Oberschenkel geklemmt) ergibt sich dadurch kein Nachteil. Um sie nur mit einer Hand zu halten und mit der anderen Hand zu kurbeln, ist sie schon etwas zu breit. Ein Kurbeln im Stehen ist somit aus meiner Sicht nicht empfehlenswert.
Die Schublade ist schmal genug, um relativ sauber direkt in Standardsiebe umzuschütten, für die Ponte Vecchio aber immer noch deutlich zu breit. Ich nehme einen Espressolöffel zum Umfüllen.
Havanna
Nach Entfernen der Kurbel wird der Deckel nach oben abgezogen. Beides geht sehr leicht, die Kurbel sitzt dabei so locker, dass sie sich schon beim Hinlegen der Mühle selber löst. Den Mahlgrad verstellt man stufenlos nach Abnahme des Mahlgutbehälters mittels Schlitzschraube. Eine Orientierung anhand des Stegs und des Schlitzes ist möglich, es gibt aber keine Markierung. Nach einer gründlichen Reinigung dauert es nur wenige Portionen, bis ich den richtigen Mahlgrad gefunden habe.
Die Mühle kann bequem mit einer Hand gehalten werden, sodass ein Mahlen auch im Stehen problemlos möglich ist.
Ein Umfüllen in Standard-Siebe ist sehr sauber möglich, für die Ponte Vecchio muss man hierfür mit dem Finger zwischen Mahlgutbehälter und Sieb abdichten. D.h., Sieb mit der Siebfläche nach oben auf den Mahlgutbehälter aufsetzen, mit dem Mittelfinger und (von der anderen Seite) Daumen am Spalt umfassen und als ganzes um eine horizontale Achse um 180° drehen. Es ist kein zusätzliches Hilfsmittel für das Umfüllen nötig. Ich habe die weit verbreitete Messing-Ausführung, und daher muss der Mahlgutbehälter sehr sauber ausgeleert werden, da das verbliebene Kaffeemehl nicht nur an Aroma verliert, sondern anders als bei den Mahlgutbehältern aus Holz, Edelstahl oder hochwertigem Kunststoff auch noch einen deutlichen Fremdgeschmack annimmt. Das Säubern wird dadurch erschwert, dass der Mahlgutbehälter einige Vertiefungen (z.B. Zassenhaus-Logo, Ornamente, Falz) aufweist und so die gegenüber Holz glattere Oberfläche trotzdem schwerer sauber zu halten ist. Das – aus meiner Sicht notwendige – Reingungsritual mag ich morgens gar nicht, frisst es doch alle Zeitvorteile des zügigen Mahlens und Umfüllens auf. Die Sonderserie aus poliertem Stahl ist auch nicht leichter zu reinigen, gibt aber vielleicht weniger Geschmack ab, d.h., möglicherweise müsste man sie nicht so penibel sauber halten wie die Messingvariante. Wegen der Ornamente passt aber auch sie meiner Meinung nach nicht wirklich zu Maschinen mit glatter, verchromter Wand.


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