Bis ins zarte Alter von 31 Jahren mochte ich keinen Kaffee.
Es geschah an einem mörderisch heißen Augustnachmittag in Sizilien. Zum Ende des dreistündigen Sonntagessens, eingepfercht auf einem wackeligen Klappstuhl neben der achtzigjährigen Tante Lilina, die zwar unablässig redete, ich aber aufgrund des Dialekts kaum verstand, was sie wiederum nicht sonderlich störte. Draußen auf dem Hof mindestens 42 Grad im Schatten, wenn es denn welchen gegeben hätte. Das wenige von der Gluthitze noch nicht geronnene Blut zirkulierte dickflüssig in den Verdauungsorganen, die Gliedmaßen bleischwer, bloß nicht bewegen. Tante Fofa kam aus der noch heißeren Küche, in der einen Hand die zischende Napoletana, in der anderen einen Stapel dieser kleinen weißen Plastikbecher."Vuoi caffè" schrie sie mich an und ich verstand sofort: dass war keine Frage, sondern Befehl. Völlig apathisch nahm ich den Schierlingsbecher entgegen und mit der Erwartung auf den sicheren sofortigen Herztod infolge der Hitze, der noch nicht verdauten dreitausendfünfhundert Kalorien des Essens und jetzt noch dieser Unmenge an Koffein trank ich...