Hallo Beianand.

Heute war es soweit. Der erste Espresso aus meiner Flohmarkt Pavoni.

Aber von vorne:

Vor einer Woche war ich mal wieder auf einem örtlichen Flohmarkt unterwegs. Kurz bevor ich trotz des sonnigen Wetters mit halb abgefrorenen Fingern mir in einer nahen Bar einen Espresso gönnen wollte, entdeckte ich in einem Berg gewöhnlichen Hausrats ein mattes Blitzen. Da stand, ziemlich grau, eine Pavoni Professional. Auf die vorsichtige Anfrage an den Verkäufer, worum es sich denn handle, antwortete mir dieser, dass das die alte Kaffeemaschine eines entfernten Verwandten sei, die nun seit Jahren ungeputzt bei ihm auf dem Dachboden stände und ihm nun zu lange im Weg rumgestanden sei. Er habe keine Ahnung, wie man mit dem Ding Kaffee machen wolle.

Was er dafür wolle?
Was ich ihm dafür gäbe?

Ich schaute mir das Teil nochmal an: das Schauglas zersprungen, die Abdeckung des Schauglases fehlte, der Schalter schaute angeknackst aus, ein Bolzen des Handhebels fehlte - um die Sache abzukürzen: wir einigten uns auf 58 Euro.

Zuhause entfuhr meiner Freundin ein kurzer Schrei. Was ich denn da anschleppen würde und nie, nie würde sie aus dem verdreckten Ding auch nur daran denken, einen Espresso zu trinken. Und in ihre Küche würde das Ding sowieso nicht kommen.

Hm. Hab mich dann damit auf den Dachboden verzogen, zuerst einmal komplett zerlegt und alle losen Teile mit Seifenwasser vom Dreck befreit. Den Sonntag verbrachte ich dann damit, ein Teil vom Dachboden zu holen, mich zu meiner Freundin in die Küche zu setzen und während sie Zeitung las, ein Teil um das andere mit einer Zitrone und einem Lappen wieder zum Glänzen zu bringen. Über Nacht legte ich dann noch den Kessel in Zitronensäure ein. Nochmal mit frischen Wasser spülen und kurz die Elektrik testen. Gut, sie heizt.

Dann gings an die Innereien. Nachdem der Kessel vom gröbsten Kalk und auch Eisenablagerungen befreit war, öffnete ich ihn von unten und baute noch die Halterungen fürs Schauglas und die Durchlässe für den Dampf und das Überdruckventil ab. Nun konnte ich auch alle Spuren von früheren Versuchen den Kessel abzudichten (braune Dichtungsmasse) entfernen und überall das Chrom wieder zum Vorschein bringen. Einige angerostete Stellen im Sockel behandelte ich mit Phosphorsäure. Die Dichtungen machten einen guten Eindruck. Im Allgemeinen scheint die Maschine lange gut gewartet gewesen zu sein, bis sie dann von jetzt auf gleich vernachlässigt wurde.

Jetzt setzte ich die Gute wieder zusammen, dichtete alle Durchbrüche mit gründlich ab und ersetzte das zerbrochene Schauglas und den fehlenden Bolzen. Dann tausche ich auch noch den Schalter aus, der angeknackst war, polierte nochmal die gesamte Anlage und präsentierte sie meiner Freundin am Gang: Ok. Die Pavoni darf in die Küche.

So. Erster Testlauf. Wasser rein. Alles dicht. Einschalten. Kein Kurzschluss. Sie heizt. Es wird Druck aufgebaut, sagt das Manometer. Bei 1 Bar fängt das Überdruckventil zu dampfen an. Der Druck steigt bis 1,2 Bar und bleibt da stehen. Spannend. Was passiert wohl, wenn ich den Hebel nach oben ziehe? Es zischt und… es kommt Wasser aus dem leeren Siebträger. Hm. Scheint zu funktionieren.

Jetzt mal genau einlesen in die Kunst des Espresso Machens. Die Anleitung der Pavoni im Internet googlen, die Foren des Kaffee-Netzes durchsuchen und auch die Herstellerseite besuchen.

Ich besorge mir 100 gr. guten, frisch gemahlenen Espresso (Stufe 3; leider habe ich noch keine eigene Mühle) vom Dealer meines Vertrauens und heizte die Professional auf. Meine Freundin ist immer noch sehr skeptisch. Ob ich das, was da rauskommt wirklich trinken wolle? Schau ma mal!

Also. Die Maschine heizt, den ersten Druck lasse ich über die Dampfdüse ab. Der Druck baut sich wieder auf und bleibt konstant bei 1,2 Bar. Ich nehme den Siebträger raus, fülle das Sieb mit Kaffeepulver, drücke es fest und spanne den Siebträger wieder ein. Den Hebel langsam nach oben. Ein Zischen, und nach ein paar Sekunden tropft Espresso in die Tasse. Nun drücke ich den Hebel nach unten, nicht ohne gewissen Widerstand, vor allem zum Schluss hin. Das Resultat: Espresso mit sehr cremiger Crema. Leider vom Geschmack nicht so prickelnd. Bisschen bitter. Aber hier hilft wohl nur Üben, Üben, Üben.

Auf jeden Fall steht nun eine blitzblanke La Pavoni Professional Lusso in unserer Küche und den nächsten Espresso möchte meine Freundin. Vielleicht.