Nuova Simonelli Personal 1 - kurzer Restaurationsbericht
Hallo!
Nachdem ich endlich die richtige Maschine ( NS Personal 1, schwarz/silber, BJ 1994) für's Büro in der Bucht schießen konnte, war ein wenig Restaurationsarbeit notwendig.
Für alle Interessierten möchte ich kurz den Werdegang zur einsatzbereiten Zweitmaschine beschreiben.
Angefangen hatte es mit einer Bucht-Auktion zum Sofort-Kauf mit der Angabe, man verkaufe nur im Auftrag, habe keine Ahnung und der Vorbesitzer hätte nur auf Undichtigkeiten hingewiesen.
Eigentlich hochverdächtig also.
Nach kurzem Telefonat mit dem Verkäufer erklärte er sich einverstanden, dass wir uns nach Auktionszuschlag treffen und das gute Stück gemeinsam unter die Lupe nehmen.
Sollten Elektronik oder Pumpe nicht einwandfrei funktionieren, hatten wir ausgemacht, dass die Maschine bleibt, wo sie ist.
So gemacht, festgestellt, dass sowohl Pumpe als auch Dosierelektronik und Heizung in Ordnung zu sein scheinen und mitgenommen.
Daheim die Verkleidung runter und mal in Ruhe in Augenschein genommen:



Bilanz dieser Analyse:
- Für eine 13 Jahre alte Maschine in erstaunlich gutem Zustand. Der erwartete Siff an den bekannten Stellen, aber nicht wirklich schlimm.
- keine Undichtigkeiten (warum auch immer in der Bucht so beschrieben)
- beide Siebträger unrettbar verrottet
- Manometer defekt
- Sicherheitsventil hinüber
- Stop-Taste der Folientastatur verschlissen
Was das Entfernen der Verkleidung schon vermuten liess und beim weiteren Zerlegen erst so richtig deutlich wurde:
verglichen mit meiner Carimali ist die Nuova Simonelli fürchterlichst verschachtelt zusammengeschraubt. Bei so mancher Verbindung, habe ich mich gefragt, wer mit welchen Fingerchen DAS geschraubt hat.
Auch selbstschneidende Schräubchen in Edelstahlblechen sind Usus.
Als dann die Heizung aus dem Kessel kam, zeigte sich allerdings, dass die Maschine laaaange Zeit mit seeehr hartem Wasser betrieben worden sein muss.
Kesselstein ohne Ende.
Etwa eine große(!) Müslischüssel voll liess sich durch einfaches Schütteln aus dem Kessel befördern.
Mit ein bisschen Reinigen war's dann wohl doch nicht getan.
War - zugegeben - auch so optimistisch, dass man's gerne auch naiv nennen darf.
Also doch alles auseinander und ab in's Zitronensäurebad.
Als dann nur noch der Kessel und Brühgruppe das Säurebad genossen, bot sich dieses Bild:

Ich glaube, schon zu diesem Zeitpunkt (Bildaufnahme) beging ich den groben Schnitzer:
Da ein langes Zitronensäurebad im 20l-Eimer zwar das Kesselinnere vom Kalk befreit hatten, jedoch noch Reste hartnäckig im Thermosyphon der Gruppe und im HX verblieben waren, entschied ich blöderweise, diese kleinen Volumina direkt mit heisser Zitronensäure zu füllen und über Nacht zu entkalken.
Am nächsten Morgen machte ich dann die Entdeckung, die sich jeder gespart hätte, der hier vorher gewissenhaft recherchiert.
Die Oberflächen sahen genauso verkalkt aus wie vorher, wenn nicht schlimmer.
Immer noch zu bequem, mal am Wissen der Community zu partizipieren, hab ich die Säurebehandlung schlicht wiederholt. Ergebnis: keines.
Dann erst hab ich mal dran gedacht, hier die berühmte SuFu zu nutzen... - und siehe da: ich Schlaumeier hatte durch das viel zu kleine Volumen eine gesättigte Calciumcitrat-Lösung (Produkt der (heissen) Zitronensäureentkalkung) hergestellt, die sofort wieder ausfällte und den berühmt-berüchtigten Calciumcitrat-Belag hinterliess. Quasi unlöslich. Selber schuld 
Hätte ich hier nicht am Volumen sparen wollen, wäre mein Wärmetauscher nun blank von innen. Auch mit der wohl einzigen Art, Calciumcitrat wieder loszuwerden - ein Bad in eiskalter höchstkonzentrierter Zitronensäure - hab ich nämlich nur die Gruppe befreit bekommen, nicht aber den massiven Belag im Wärmetauscher weg bekommen.
Hier also zusammengefasst nochmal für alle:
Entkalken mit Zitronensäure nur kalt oder in einem Volumen, das man nicht gesättigt bekommen kann! Am besten beides.
Nun ja. Jetzt hab ich halt ca. 1mm Ca-Citrat im HX. Da das aber nur kaltlöslich ist und eh nicht rauszubekommen war, wird sich bei Benutzung wohl auch nicht lösen. Deshalb bleibts jetzt drinnen.
Nachdem XXL ein paar O-Ringe für Dampf- und Wasserhahn sowie eine neue Heizungsdichtung geliefert hatte, gings an den Zusammenbau. Auch hier hatte ich wieder die helle Freude am offenbar von winzigen Heinzelmännchen zusammengeschraubten Machwerk italienischer Ingenieure....
Die Dichtigkeitsprüfung wurde sicherheitshalber fernab vom Laminat gemacht:

Prüfung bestanden. Bis auf das Brühdruckmanometer alles in Ordnung.
Das Brühdruckmanometer hab ich durch einfaches Zurechtbiegen der Innereien versucht, wieder hinzu bekommen. Ob's funktioniert hat, weiss ich noch nicht. Da OpenUp leider die Siebträgerdichtung noch nicht geliefert hat, hab ich noch keinen Referenzwert vom Siebträgermanometer. Mal schauen.
Bis auf die besagte Siebträgerdichtung ist die Personal 1 jetzt also wieder auf Vordermann und einsatzbereit (jaja - mit Calciumcitrat im HX...
)
So sieht sie jetzt aus:


Wenn jetzt noch jemand einen Tipp hat, wie beim Entkalken "verkupferte" Chromoberflächen wieder "entkupfert" werden können:
Bitte melden! Danke!
Das war's. Eine Woche Spaß und auch Frust (über gewalttätig angezogene Gewinde) ist vorüber.
Sobald ich aus dem kaffeehaltigen Alltag mit der Personal berichten kann, werd ich das ergänzen.
Grüße
Sven
Geändert von SvenP (20.01.2008 um 20:19 Uhr)
Grund: noch ein Bild - weils so schön ist.
Carimali Eta Beta 1 (PIDded) + Mazzer SuperJolly man ; 2x Mazzer Stark; Bodum Columbia + Solis 166 ; Genecafe CBR101 230V
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