Prolog:
Seit ich das erste mal vor vielen vielen Jahren in Italien meinen ersten wirklichen, echten Espresso trank, versuchte ich dieses Ergebnis zu Hause zu erzielen.
Nichtsahnend zuerst mit einer Tschibo, später mit einer Krups Siebträgermaschine, jeweils mit eher bescheidenem Ergebnis. Vor ca. sechs Jahren haben meine Frau und ich uns dann mit einem Saeco VA arrangiert und gedacht, dass man es besser (und einfacher) zu Hause wohl nicht hinbekommt.
Dieses Jahr im toscanischen Sommeruralub wurde mir jedoch erneut vor Gaumen geführt, wie groß der Unterschied zw. VA-"Espresso" und Espresso tatsächlich ist und ich hätte fast eine Pavoni Domus Bar vor Ort erstanden, weil die gut aussah. Aus verschiedenen Gründen wollte ich dann den Kauf aber doch lieber in D tätigen und so fing ich, wieder heimgekommen, an, mich im weltweiten Netz schlau zu machen (eigentlich wollte ich nur sehen, wo es das Ding am günstigsten gab).
Es kam, wie es kommen musste, ich stieß auf dieses Forum!
Innerhalb weniger Abende verabschiedete ich mich zunächst von der Pavoni, und wechselte "meine" Maschinen "virtuell" von einer Gaggia Classic zur Rancilio Sivia bis zur Oscar. Hier war ich kurz davor bei einem italienischen Händler Maschine und Mühle zu einem guten Preis zu bestellen, als ich las, dass die Maschine kein Entlüftungsventil besitzt und sich somit nicht unbeaufsichtigt auf meine Frühstücks-Cappucino vorbereiten kann.
Ich stieg immer tiefer in die Technik von Espresso Maschinen ein und wusste bald, was ein HX, ein Magnetventil und ein Pressostat war. Mit glänzenden Augen las ich einige Restaurationsthreads und mir war bald klar:
Eine alte Gastromaschine wiederaufzubauen ist vermutlich die günstigste und gleichzeitig spannendstes Möglichkeit um an eine möglichst gute Maschine zu kommen. Zudem erschien es mir handwerklich nicht besonders schwierig und Festwasser + Abwasser lässt sich in unserer Küche leicht realisieren und wollte ich eigentlich auch schon immer haben.
Die Maschine:
Nachdem diese Entscheidung gefallen war, begann ich, soviel Restaurationsthreads im Forum zu lesen wie möglich, erforschte gleichzeitig das Ersatzteilangebot der Online-Versorger und beobachtete dabei den Gastromaschinenmarkt auf e***y über einige Wochen.
Dabei gefielen mir wegen ihrer Kompaktheit v.a. Maschinen mit eingebauter Mühle auch wenn mir die zwei Argumente aus dem Forum natürlich bekannt waren.
Argument eins: "Bei Defekt eines der Geräte müssen beide weg (zum Service)" konnte ich leicht vom Tisch fegen, schließlich wollte ich den "Service" ja selber erledigen.
Argument zwei: "Das Kaffearoma leidet durch die enge thermische Nachbarschaft zum Kessel" - darauf wollte ich es ankommen lassen.
Nachdem zwei WEGA Combinova mit zu hohen Geboten an mir vorbeigesegelt waren, bekam ich den Zuschlag für eine EXPOBAR Minipulser mit integrierter Cunill Tauro Mühle, die als defekt ausgewiesen war, und bei der einiges fehlte (z.B. die Siebträger) für 71 EUR. Der Versand von Grömitz nach Bonn erfolgte problemlos mit ilox für 28EUR.
Kaputt war: der Motor der Mühle (hier ein paar Bilder vor der Restauration), Abtropfschale aus Kunsststoff
es fehlte: Siebträger, Bohnenbehälter, Deckel des Dosierers der Mühle.
Für die Mühle wurde dank dieses Forums schnell ein Organspender gefunden: eine fast neue komplette externe Cunill Tauro zu günstigem Kurs von einem Boardmitglied, dem sie zu groß war.
Die Restaurationsarbeiten, die eigentlich mehr intensive Reinigungsarbeiten waren (komplettes Zerlegen - Entkalken - mit neuen Dichtungen wieder Zusammenbauen), gingen leicht von der Hand und machten wirklich Spaß. Unterbrochen wurden meine Bemühungen nur durch das Beschaffen von und Warten auf Ersatzteile, die ich aus verschiedenen Quellen beziehen musste.
Die wichtigsten Dinge, die ich neben den speziellen Teilen noch angeschafft habe waren
1. eine Wolfcraft Werkbank, so konnte ich bequem um die Maschine herumgehen und in der richtige Höhe an ihr arbeiten. (e***y = 40 EUR)
2. ein Satz Maulschlüssel von Größe 6 bis 32 in passabler Qualität (e***y = 20 EUR)
Jedem, der sowas vorhat, kann ich beides sehr empfehlen.
Jetzt ist die Maschine komplett fertig und arbeitet zuverlässig.
Jetzt kommt die Zeit des Lernens. Die Einstellungen der Maschine habe ich erstmal unverändert gelassen (Kesseldruck und Brühdruck) und experimentiere im Augenblick mit dem richtigen Mahlgrad, der richtigen Menge und dem richtigen Tamperdruck. Ich bin zwar noch sehr weit weg von reproduzierbar guten Ergebnissen, aber ein paar Espressi erfüllten schon die eingangs erwähnten Erwartungen
Epilog:
Ich muss mich bei allen bedanken, die hier bisher mitgeschrieben haben. Und damit meine ich wirklich alle, nicht nur die, die auf meine Fragen geantwortet haben, sondern auch die, die meine Fragen schon zu einem Zeitpunkt gestellt haben, als ich nie gedacht hätte, dass es einmal meine Fragen werden könnten und dann denjenigen, die wiederum diese Fragen beantwortet haben. Mit Hilfe der Suchfunktion musste ich so sehr viele Fragen nicht stellen und hätte vermutlich nicht einmal gewusst, wie ich sie hätte stellen sollen.
Jedem, der vorhat, so eine Maschine wieder herzurichten, möchte ich hiermit ausdrücklich Mut machen - mit Hilfe dieses Forums wird es sicher gelingen!
Also vielen Dank und allzeit ausreichend Koffein wünscht
Ulrich


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