Ich möchte Euch hier kurz meine Erfahrungen mit dem PID-Umbau einer Gaggia CC schildern. Just for fun und für alle, die schon eine CC haben, gerne 'Upgraden' würden, jedoch nicht das Geld für eine grössere Maschine ausgeben wollen. Hier schon das Fazit: Der Umbau lohnt sich, ist einfach, macht Spass und liefert überraschende Erkenntnisse...
Motiv:
Warum das ganze, zumal bei so einer 'einfachen' Maschine? Ganz einfach – aus Spieltrieb! Ich gebs zu, eigentlich habe ich die CC nur gekauft um daran rumzubasteln. Zur Beruhigung der Vernunfts-Gewissensbisse und der besseren Hälfte wurde verkündet, daß das Maschinchen, um nicht zusätzlichen Platz in der Küche neben der Izzo zu belegen, langfristig zu meinen Eltern wandert, um ihnen dort als 'fast-Espresso-Padmaschine' zu dienen. Als Weihnachtsgeschenk. Das sie gar nicht wollen. Espresso mögen sie eigentlich auch nicht – wir aber...
Ausgangslage:
Ich hatte schon daran rumgebastelt: Die orginale Alu-Duschplatte wurde gegen ein Messing-Pendant ausgetauscht, ebenso dieser Panarello-Murks gegen die Silvia-Dampflanze. Die Lieferung des PID-Umbausets von Auber in den USA dauerte ab Bestellung 12 Tage.
Umbau:
Das PID-Set von Auber enthält im Grunde alle benötigten Teile. An der Maschine müssen keine bleibenden Veränderungen vorgenommen werden, das Ganze liesse sich also komplett zurückbauen. Als Werkzeuge reichen Zange und Schraubenzieher, wenn man sich an die Anleitung hält ist das Ganze in ca. einer Stunde zu machen.
Bei mir wurde es ein kleines bisschen Aufwändiger, denn in einem Punkt war ich mit der Auber-Lösung nicht zufrieden: Laut Anleitung soll das Alukästchen mit dem PID-Regler aussen an der Maschine mit doppelseitigem Klebeband befestigt werden – hier kamen mir Zweifel. Zum einen kann ich mir nicht so richtig vorstellen, daß das bei einer aufgeheizten Maschine wirklich hält, zumal wenn man mal aus Versehen kräftiger dagegen stösst. Die Klebeflache am PID-Gehäuse ist durch die eingearbeiteten 'Kühlrippen' zusätzlich reduzier., Evtl. hält das wenn man das Gehäuse mit der grösseren Klebefläche hochkant an die Maschine kleben würde. Gefällt mir aber nicht, die Anzeige möchte ich schon ganz gerne horizontal haben. Die Anschlußkabel sollen laut Auber hinten aus dem Kästchen herausgeführt werden, und, geschützt durch eine Spiralummantelung, durch die hinteren Lüftungsschlitze der Gaggia wieder in Gehäuse gelangen. Unschön, finde ich, zumal an einigen der doch recht dünnen Kabelchen 220 V anliegen.
Solider und kompakter lassen sich die Probleme durch vier Bohrungen lösen: Zwei zur Befestigung des PID-Gehäuses (4,5 mm), eine für die Kabeldurchführung (8 mm), eine für die untere Befestigung des SSR (elektronisches Relais, welches im Gehäuse der Gaggia montiert wird). Das Bohren des Gaggia-Gehäuses ist einfach, ich habe das 'freihand' mit einer ganz normalen Handbohrmaschine erledigt. Allerdings sollte man die Bohrungen ankörnen (hier tut es ein spitzer Stahlnagel) und fein vorbohren (1,5 mm, 2 mm, dann 4,5 mm) und die Bohrer sollten scharf sein. Wichtig ist ein gutes Entgraten der Bohrung für die Kabeldurchführung mit einer feine Rundfeile, damit sich später dort nichts durch die Maschinenvibrationen durchscheuert, immerhin laufen dort dünne 220 V-Leitungen durch. Anschießend das PID-Gehäuse mit M4-Schrauben befestigen und die Muttern mit Sicherungslack gegen Losvibrieren sichern.
Die Verkabelung ist einfach, alle benötigten Strippen sind mit den benötigten Steckern vorkonfiguriert. Etwas flimsig ist die Montage des Thermofühlers: Hier handelt es sich – leider – um eine 'Bastelei' von Auber: Der Fühler ist ein sehr kleiner, verkabelter Fühler (K-Typ), der in eine Kreuzschlitz-Schraube eingeklebt ist, gewindeseitig ist eine Mutter aufgeklebt, um die Konstruktion in der Fühlerverschraubung des Kessels festziehen zu können. Auber schreibt selbst daß die Konstruktion sehr empfindlich ist und nur mit Handkraft angezogen werden sollte. Insbesondere die dünnen Sensorkabel müssen sehr vorsichtig behandelt werden, damit sie beim Einschrauben des Sensors nicht abknicken.
Das Anschließen der sechs Kabelchen am PID ist simpel, allerdings sollten sie in der Durchführungsbohrung unbedingt gegen Durchscheuern geschützt werden. Ich habe dazu ein Stück Silikonschlauch aufgeschnitten und per Kabelbinder befestigt.
(Bohrlöcher im Gehäuse der Gaggia)
(SSR und Kabeldurchführung)
(Thermofühler, anstelle des Orginalthermostaten)
Betrieb:
Ist so einfach wie zuvor – einschalten, glücklich sein. Die Kesseltemperatur lässt sich durch zwei Drücke auf die Pfeiltasten verstellen. Das Display zeigt jeweils die gemessenen Kesseltemperatur an: Direkt nach dem Einschalten steigt diese sehr schnell an, etwa 10 Grad vor dem Sollwert (102 °C sind voreingestellt) verläuft der Temperaturanstieg sprunghaft langsamer, der Sollwert wird nach etwa 5 Minuten erreicht. Allerdings ist dann noch nicht die Brühgruppe auf Temeratur, hier sollte man die Maschine noch weitere 15 Minuten weiterheitzen lassen.
Etwa 5 sec nach Beginn des Bezugs ist die Temperatur laut Anzeige um etwa 3 °C gefallen, bleibt dann jedoch während des gesamten Bezugs (25 ml) stabil auf diesem Wert. Etwa 70 sec nach dem Ende des Bezugs ist der Sollwert wieder erreicht. Hier handelt es sich jedoch um die vom PID gemessenen Temperaturen an der Wand des Alukessels. Leider ist der Sensor U-förmig von der Kesselheizung umgeben, die tatsächlichen Wassertemperaturen im Kessel dürften noch um ein paar Grad abweichen. Leider habe ich keine Möglichkeit die Temperatur direkt im Siebträger zu messen, ich hoffe hier einfach daß die Brühgruppe (und vor allem die nachträglich eingebaute schwere Messing-Duschplatte) die tatsächlichen Temperaturschwankungen während des Bezugs dämpft.
Aha-Erlebnis:
Dank der recht schnellen und präzisen Messung der Kesseltemperatur gewinnt man überraschende Erkenntnisse: Die Schalthysterese des Dampfthermostaten ist enorm! Wenn man die Maschine auf Dampferzeugung umschaltet, heizt sich das Gehäuse am PID-Sensor zunächst auf ca. 160 °C hoch !!! Dann schaltet der von Gaggia verbaute Thermostat ab, die Temperatur fällt anschließend auf etwa 125 °C bis sich der Thermostat wieder einschaltet und sich das Spiel wiederholt. Fast 40 °C Hysterese finde ich einen ziemlichen Klopfer, falls der jetzt ausgebaute Brühtermostat auch eine solche Hysterese aufweist fragt man sich schon, wie da überhaupt was trinkbares aus der Maschine kommen kann.
Umgekehrt lässt sich diese Hysterese aber auch prächtig nutzen, um dem Dampf einen extra Turbo-Boost zu verschaffen, erfahrene Gaggia- und Silviabenutzer wissen dies: Man beginnt mit dem Aufschäumen, kurz bevor die Signallampe angeht – die Maschine hat dann den maximalen Dampfdruck erreicht und hält ihn vor allem auch da sie kontinuierlich weiterheizt! Dank der PID-Anzeige lässt sich jetzt jedoch sehr viel besser Abschätzen, wann man mit dem Dampfbezug beginnen kann. Ideal sind meiner Erfahrung nach 150 °C, dieser Wert wird nach dem Öffnen des Dampfventils fast konstant gehalten und die Maschine heizt bei fast gleichbleibendem Dampfdruck während des gesamten Bezugs weiter – genial!!!
Ergebnis:
Der Espresso ist lecker und unterscheidet sich geschmacklich nicht von dem, was meine knapp viermal so teure Izzo abliefert. Letztlich sind es nur Unterschiede in Komfort und Haptik, die den höheren Preis der Izzo rechtfertigen (Festwasseranschluss, Maschine verrückt nicht beim Einspannen des Siebträgers, Rota und Präinfusion, Dampf ohne Ende, Heisswasserausgabe, kein Zeitverlust (30 sec ?) duch Hochheizen beim Dampfbezug).
Fazit: Wer auf Luxus verzichten kann und wo selten mehr als 2 Cappus gleichzeitig verlangt werden, ist mit der getunten Gaggia eigentlich bestens bedient. Der PID hat sich gelohnt und die Nutzbarkeit der Maschine deutlich verbessert.
Kosten:
- Auber-PID Komplettset incl Versand: 119,83 € (171, 80 US$)
- Messingduschplatte (Set mit Sieb bei EspressoXXL) 48,12 €
- Silvia-Dampflanze (EspressoXXL) 28,98 €
Summe: 196,98 €
Zusätzlich verwende ich noch einen bodenlosen Siebträger und das LM 1er-Sieb, beides lohnt sich m.E. sehr (zusammen etwa 45,- €)
(hier die Gaggia neben der Izzo. Mal sehen wie lange das gut geht...![]()


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