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  1. #1
    billyflinn ist offline Neuer Benutzer
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    Standard Erfahrung Isolierung Kessel ECM Mechanik III

    Hallo liebe Forengemeinde und Caffe-Freunde!

    Nachdem ich hier schon seit einigen Jahren mitlese und mich pauschal bei allen Angefixten für die guten Tipps, damit für sehr guten Espresso, und damit für eine enorm gesteigerte Lebensqualität bedanke, möchte ich nun auch mal einen kleinen Beitrag leisten.

    Wir nennen eine ECM Mechanika III unser Eigen. Wir haben uns immer über die Energieverschwendung durch den unisolierten Kessel geärgert. Daraus resultieren hohe Stromkosten und vor allem eine lange Aufheizzeit. Diese Nachteile habe ich nun durch eine Isolierung des Kessels ausgemerzt.

    Ich habe alle Beiträge über Für und Wider der Isolierung gelesen. Für meinen Geschmack gab es kein echtes Gegenargument. Für mich ist entscheident, dass alle Parameter im Kessel geregelt werden, und damit eine Isolierung des Kessels (!) keinen Einfluss auf die Maschinenparameter haben dürfte. Diese Annahme wird sich im Folgenden bestätigen.

    Als Isoliermaterial habe ich mich für das Produkt Armaflex HT, 10mm entschieden. "HT" steht hier für "Hochtemperatur", was auf eine Eignung für Temperaturen +150°C hindeutet. Mit Brandgefahr, oder üblen Gerüchen ist also nicht zu rechnen. Eine dickere Isolierung als diese hat in der Mechanika leider keinen Platz. Armaflex HT ist recht selten im Handel und darüber hinaus sehr teuer. Ich habe lange im Handel und bei lokalen Installateuren gesucht und bin nicht fündig geworden. Zum Glück bietet die Firma Systermann (s. Google) genau die Kleinmenge an, die man benötigt (50 X 50 cm). Dazu habe ich mir auch das "HT"-Klebband gegönnt, was die Arbeit erleichtert und die Ergebnisqualität deutlich erhöht hat. Danke an dieser Stelle an Systermann für die zuverlässige Lieferung und die großzügig bemessene Platte! Für etwa 35€ hatte ich alles im Haus, was für das Projekt nötig war.

    Zum Vorgehen: 1. Wasser ablassen 2. Maschine abkühlen lassen 3. Stecker ziehen! Ich habe die Maschine vom Gehäuse befreit, was mit einem Inbusschlüssel in zwei Minuten erledigt ist. Zunächst hatte ich mich der Illusion hingegeben, die Isolierung um den eingebauten Kessel fummeln zu können, schließlich sieht das Rohrgewirr um den Kessel für einen Nichtinstallateur sehr einschüchternd aus. Diese Illusion schwand schneller als die Crema vom Aldi- Espresso. Es geht nicht!
    Also habe ich mich getraut und habe mit drei oder vier verschiedenen Maulschlüsseln (ohne Gewähr: 12mm, 2x 15mm, 16mm, 17mm) mit Gefühl alle Schrauben vom Kessel gelöst. Bei einigen Schrauben ist Gegenhalten mit einem zweiten Maulschlüssel nötig, um die weichen Kupferleitungen nicht zu verdrehen. Zur meiner Verblüffung ging das in einer knappen viertel Stunde ohne Schwierigkeiten. Unterlegen eines Tuches ergibt Sinn, weil der Kessel tropfen wird.
    Dann habe ich den Kessel vermessen (Durchmesser bei meinem Kessel 13,5 cm, Länge 18 cm). Mit Pi verrechnet ergab sich ein Stück von etwa 18 x 43 cm plus zwei Kreise mit einem Durchmesser von eben 13,5 cm. Die Kreise habe ich mit dem alten Schulzirkel angezeichnet. Dabei ist es nützlich, sich auf den Unterschied von Durchmesser und Radius zu besinnen. Das Hauptstück habe ich nach und nach um den Kessel gelegt und die Einschnitte für die Anschlüssel gemacht. Nachdem das Hauptteil platziert war (bei mir: Naht oben), habe ich die Nähte mit dem Power-Klebeband wieder verschlossen. Das Zeug klebt so stark, es könnte ein Kamel am Wüstenboden fixieren. Zum Schluss noch die Kreise platziert, festgeklebt und der Kessel lag vollisoliert in meinen Händen. Die Rohe habe ich nicht isoliert, um das Gleichgewicht der Brühgruppenheizung unangetastet zu lassen.
    Der Wiedereinbau benötigte etwas Mut, weil ich einige Kupferleitungen zu Recht biegen musste. Mit etwas Gefühl und dem Bestreben immer mehrere vorhandene Kurven für die Korrektur zu nutzen, ging alles ohne Probleme über die Bühne.
    Der aufmerksame Leser hat bemerkt, dass ich von der Ausgangsplatte noch Material übrig haben müsste. Stimmt! Daraus habe ich mir eine Platte von etwa 20 x 30 cm geschnitten und sie zusätzlich zwischen Kessel und Wassertank geklemmt. Am Ende habe ich alle Verschraubungen doppelt auf festen Sitz kontrolliert und den Kessel so mit einem großen Schraubenzieher hingedrückt, dass er nicht das Chassis berührt. Außerdem habe ich die Halterung der Pumpe so hingebogen, dass die Pumpe weniger Vibrationen auf das Chassis überträgt. Sie war, wie der Kessel, schlampig eingebaut. Gehäuse wieder drum, fertig!
    Für die Aktion habe ich ganz gemütlich etwa drei Stunden gebraucht. Der Glückliche, der eine zweite Espressomaschine für das legale Lieblingsdoping zur Verfügung hat, schafft es auch in der halben Zeit.

    Ergebnis: Die Maschine ist mit der Modifikation nun seit gut vier Wochen wieder im Einsatz. Es gibt keinerlei Schwierigkeiten. Kein Geruch, Temperaturen und Anzeigen stimmen bzw. sind unverändert. Als positiven Effekt merkt man ganz deutlich, dass die Maschine viel schneller ihre Betriebstemperatur erreicht. Der Kessel ist nach knapp zehn Minuten auf Temperatur, die Brühgruppe braucht knapp zehn Minuten mehr. Ohne Isolierung hat alles mehr als doppelt so lange gebraucht. Den Energieverbrauch habe ich nicht gemessen, aber eine drastische Einsparung liegt auf der Hand, denn auch die Schaltzeiten des Pressostaten sind kürzer und liegen weiter auseinander. Als einzigen Nachteil der Aktion könnte man die weniger heiße Tassenfläche anführen. Die braucht nun tatsächlich länger um heiß zu werden. Man darf aber keine kühle Maschine erwarten! Nach etwa einer Stunde ist die Maschine außen gefühlt so heiß wie ohne Isolierung, somit werden auch die Tassen warm. Als hübschen Nebeneffekt sehe ich, dass die Maschine nun etwas leiser geworden ist, was hauptsächlich daran liegen dürfte, dass der Kessel meiner Maschine nun nicht mehr das Chassis berührt (s. „schlampiger Einbau“).

    Seht mir nach, dass ich keine Fotos beisteuere, oder echte Messwerte vorlegen kann. Fotos wären aber keine Hilfe, weil die Arbeiten leicht sind und die Vorgänge auf der Hand liegen. Und aufwändige Messreihen habe ich mir gespart, weil mir die Augenscheinvalidität der Maßnahme so hoch erschien, dass ich Messungen für vertane Zeit hielt.

    Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht macht anderen Eignern unisolierter Maschinen Mut, ihrem Schätzchen Stromsparen und schnelleres Aufheizen beizubringen. Mein Vorgehen ist vermutlich 1:1 auf die Technika III zu übertragen. Auch alle Maschinen mit der Faema e61 Brühgruppe sind ähnlich aufgebaut und lassen sich wohl problemlos isolieren. Von Geräte mit Durchlauferhitzern habe ich keine Ahnung und würde sie nicht isolieren. Das Gehäuse zu isolieren ist auch keine gute Idee, weil die Elektronikkomponenten nicht für hohe Temperaturen ausgelegt sind und Schaden nehmen könnten. Ach ja, und die Geräte, die noch Garantie haben, würde ich auch nicht aufschrauben.

    Besten Gruß
    billyflinn

  2. #2
    helges ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erfahrung Isolierung Kessel ECM Mechanik III

    Danke fuer Dein Posting bzgl. der Durchfuehrung der Isolierung.

    Ich weiss zwar nicht, auf was/wen Du Dich beziehst, aber 100W "Verluste" sind schon nicht ohne - macht in 10 Stunde 1kWh, also 25Cents am Tag mehr an Stromkosten und zwar fuer'n Arsch, macht im Monat ein knappes halbes Kilo Kaffee aus.

  3. #3
    Espressojunkie ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Erfahrung Isolierung Kessel ECM Mechanik III

    Willkommen im Forum,

    schöner Bericht, war eine Freude zu lesen. Werde demnächst eine ähnliche Maschine in den Fingern haben. Die muss auf jeden Fall komplett zerlegt und entkalkt werden und dann werde ich sie auch gleich noch isolieren.

    P.S. Wer ist Dietmar?



    @helges: für'n Arsch? Macht doch die Küche und den Tank so schön warm (besonders jetzt im Sommer sehr praktisch)
    Vibiemme Domobar Nero mit PID, Kesselisolierung und leiserer Pumpenaufhängung + Quamar M80E in chrom/schwarz
    Aeropress & Graef CM80 für den Kaffee zwischendurch
    Chemex 8cup für die größeren Portionen Kaffee
    im Büro: Saeco Vienna mit Atmel-CPU

  4. #4
    billyflinn ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Erfahrung Isolierung Kessel ECM Mechanik III

    Hallo Helges, ich habe irrtümlich hier im Forum auf eine PN von Dietmar geantwortet. Er führte an, die Verlustleistung bei unisolierter Maschine beträge nur 100 W. Dein Einwand darauf ist natürlich richtig, ich sehe das genauso. In der Summe pro Jahr sind auch 100 W viel. Und wenn man eine alte 100 W Glühbirne nur fünf Minuten eingeschaltet in der Hand halten soll erst recht.
    Geändert von billyflinn (07.06.2011 um 14:13 Uhr) Grund: Rechtschreibung

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