Zitat:
Zitat von der Praktikant
Marek, ein "Erdungskonzept" klingt gut!
Würdest du für uns Anfänger und Praktikanten hier im Forum kurz ausführen was das ist und wie man so etwas mit welchen Querschnitten idealerweise umsetzt?
|
Grundsätzlich soll man sich bei
DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen,
DIN EN 61140 (VDE 0140-1) Schutz gegen elektrischen Schlag – Gemeinsame Anforderungen für Anlagen und Betriebsmittel
und verwandten Normen einlesen, die geben so ein Bisschen die Windrichtung vor, nicht aber wie man es zu machen hat (natürlich).
Ich versuche hier zumindest ein Denkansatz zu geben - ohne Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Das Thema Schutzerdung ist allgemein recht breit und es ist immer die Frage, wie weit man sie treibt, gerade bei älteren Maschinen ist oft eine vollständige Lösung unmöglich, da diese Maschinen dafür einfach falsch (aus heutiger Sicht) gebaut worden sind.
Bei elektrischen Geräten ist es laut VDE grundsätzlich folgendermaßen vorzugehen:
1) die berührbaren Teile müssen eine Basisisolierung aufweisen.
2) falls die Basisisolierung versagt, muss der Fehler abgefangen werden.
#1 ist in allen Maschinen, auch den alten, grundsätzlich gegeben. Ob die Isolierung nach heutigem Standard eine
Prüfung durchhalten würde, sei dahin gestellt, desto wichtiger ist aber #2.
#2 ist oft problematisch. Die Normen sehen wieder zwei Lösungen vor:
A) um die Basisisolierung wird nochmal eine Isolierung gebaut, also Schutzklasse II = Geräte mit doppelter Isolierung. Betrifft uns nicht, es gibt keine Espressomaschinen die der Anforderung genug tun würden (spätestens die Brühgruppe ist leitfähig und prinzipbedingt nicht isolierbar).
B) alles leitfähiges an Außenteile wird mit dem Schutzleiter so niederimpedant verbunden, dass
erstens: es kann sich gar keine gefährliche Spannung auf dem Gehäuse bilden und
zweitens: der über Gehäuse abfließende Strom die Sicherung auslöst. Also Schutzklasse I, Geräte mit einem Schutzkontakt. Hier sind wir zuhause.
Umsetzung...
Der Leitfaden beim Aufbau/Umbau einer Maschine soll also der Gedanke sein: es müssen mindestens zwei Fehler passieren (zwei Sachen aus unterschiedlichem Grund ausfallen), eher jemand zu Schade kommen kann. Das mit dem unterschiedlichem Grund ist wichtig: es hilft nicht, wenn ich eine Schicht Isolierband mit einer zweiten Schicht umwickle - wenn der Kleber bei Hitze versagt, versagt er bei beiden Schichten, das ist keine doppelte Sicherheit. Also gut durchdenken.
Eine Espressomaschine, egal wie alt, soll die Anforderung auf Basisisolierung erfüllen. Das soll heissen, es sind keine stromtragende Teile berührbar oder leitend mit berührbaren Teilen verbunden und die Isolierung die dieses sicherstellt soll intakt sein. Erfüllt die Maschine dies nicht, muss sie entweder überholt oder verschrottet werden. Angenommen die Basisisolierung in Ordnung ist, können wir uns Sachen weiter überlegen.
Nach Norm sind jetzt alle leitfähige und berührbare Gehäuseteile an den Schutzleiter zu kontaktieren.
Zitat:
ACHTUNG: Ein lackiertes Blech gilt hier als leitfähig und isolierend gleichzeitig!
- Isolierend, wenn es um den Kontakt mit dem Schutzleiter geht,
- Leitfähig, wenn man die Gefährdung betrachtet!
|
Jetzt wird's aber kompliziert. Viele, vor allem ältere Maschinen sind nicht nach aktuellen Anforderungen gebaut. Da es ist einfach zu schreiben "alles, was berührbar und leitfähig ist, erden". Bei vielen Maschinen würde es bedeuten, dass man von jedem Blechteil zu jedem Blechteil ein Erdungskabel ziehen muss, da die Bleche zwar mechanisch befestigt sind, aber ohne Garantie einer leitfähigen Verbindung! Zum Beispiel ein Seitenblech befestigt mit Blechschrauben, die in Klammern eingeschraubt sind, die wiederum auf lackierten Ösen drauf stecken. Das hält alles zusammen, aber ob die Verbindung auf wirklich leitfähig ist, kann keiner sagen.
Fortsetzung folgt, ist noch nicht geschrieben, gestern wurde es spät...