Meine La San Marco 85/16 Practical hat seit einiger Zeit eine unschöne Angewohnheit angenommen: die automatische Nachfüllung funktioniert nur, wenn sie Lust dazu hat. Ob und wann ist in's Belieben der italienischen Schönheit gestellt, der Wasserstand im Kessel dagegen spielt keine allzugroße Rolle.
Diesem Zustand abzuhelfen, folgte nach Durchlesen einschlägiger Threads und Ratschlägen kompetenter Menschen der Griff zu Werkzeug und Lötkolben. Nach allgemeinem Dafürhalten sind die Elkos in der Steuereinheit dank wohliger Wärme des unmittelbar danebenliegenden (ungedämmten) Kessels in ihrer Lebensdauer begrenzt und ihr Austausch behebe meist diverse Probleme. Dies konnte ich nachvollziehen, schliesslich repariere ich gelegentlich Hifi-Gerät der 70er Jahre und da sind diese Probleme ebenfalls wohlbekannt. Gesagt, getan, los gehts.
Hier die Maschine nebst Mühle zu Beginn der Arbeiten:
Ein Blick ins Innere:
Seitenplatte entfernt, darunter sitzt die Elektronikbox:
Die Elektronikbox, Baujahr 1995:
Ein Blick ins Innere
Der erste Wechselkandidat: der Siebelko der 5V-Stromversorgung. Man beachte den anlehnungsbedürftigen Spannungsregler 7805 (ohne Kühlkörper und dadurch natürlich angenehm warm), der dem geplagten Elko zusätzlich einheizt. Natürlich verbaut der Hersteller an so einer Stelle einen popeligen 85°-Elko...
zum Glück hat man ja bisschen Werkzeug, so eine Entlötpumpe ist was feines:
So, der erste ist raus: hat erstaunlich wenig gelitten, statt nominell 2200 myF noch 1950 (mit diesem Schätzeisen kann man allerdings keinen ESR messen, der dürfte gelitten haben):
Der Nachfolger ist besser: statt nominell 2200 gemessene 2500 myF, natürlich 105° und low-ESR:
Da sind sie alle, die tauben Brüder, auf einer Handskizze der Sensorschaltung (mit Durchgangsklingler aus der Platine erstellt). Interessant: Stromversorgung des Microprozessors per Einweg-Gleichrichtung (vermutlich zum Stromsparen, der Trafo hat 12V AC und der 7805 muss mindestens 7V verbraten...) Auch merkwürdig: laut Etikett hat der Trafo 12V 5VA, kann also runde 400mA liefern. Warum da eine 1.6A-Sicherung verbaut wird, weiß nur der Entwickler in Bella Italia...
Vom Zusammenbau gibts keine Bilder, ist ja straightforward. Natürlich wurde das ganze getestet, alles bestens. Wasser abgelassen, Maschine füllt korrekt, Feineinstellung durch Verdrehen des Sensors (wir brauchen viel heisses Wasser für Tee), Maschine zu, wieder alles hingestellt, Zeitschaltuhr dran, der nächste Espresso zum Frühstück kann kommen.
(Zeitsprung, nächster Morgen)
Maschine brav unter Druck, man zieht sich einen Espresso, dann noch einen Cappu für die Herzallerliebste, dann noch einen Tee... so langsam sollte die Kiste jetzt mal nachspeisen...... tut sie aber nicht. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Herzhafte Flüche gen Italien gesandt, Maschine aus, erstmal was sinnvolles gemacht, so zu Abkühlen (der Maschine und des Besitzers).
(3h später)
Maschine kalt. Drehschalter auf "1" gestellt (bei LSM ist das: alles ein, aber keine Heizung) und was passiert (natürlich): die Kiste füllt nach, was sonst. Na toll, ein thermisches Problem, sowas lieben wir.
Stay tuned für den nächsten Akt des Dramas: wie repariere ich eine Kaffeemaschine mit einem Fön (und Kältespray...)
MaJa


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