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  1. #31
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Ja - Sacher ist schön - die warmen Mehspeisen überragend, der Kaffee eine Frechheit

    @ Caruso
    Hier liegt eine Verwechslungsgefahr vor: Die Architektur ist eine Sache - das Thema Espresso (vom Lokaltyp) aber eine andere - und die Geschichte mit den 3 Kaffee ist ein Klassiker des Humors, den es in zahlreichen Abwandlungen gibt.

    Tatsächlich wurden in Wien Kaffeehäuser recht früh modernisiert - fast alles was wir heute als typisch altes Keffeehaus sehen, ist Zwischenkriegszeit. Und Loos ist sowieso ein eigenes Kapitel - sagen wir so, nirgends sonst wird der Erfinder der Moderne so nicht verstanden wie hier. Sein schmuckloses Haus am Michaelerplatz wird immer noch als Schandfleck empfunden. Schau Mal in die Loos-Bar - Hätte gut und gerne schon ein Espresso sein können (war aber immer eine Bar).

    Viele Wiener Kaffeehäuser (wie auch viele Geschäfte) wurden in der Zwischenkriegszeit meist gewaltig renoviert. Vielleicht fehlen deshalb die monumentalen Prunkkaffeehäuser anderer Städte. Schau Dir das Café Ritter an - das ich für besonders typisch halte. Das hat die Großmutter eines Freundes umgebaut - die wurde um 1900 geboren. Genau wissen wir (die haben es verkauft - vielleicht weiß man im Ritter darüber mehr) nicht wann, aber es wird wohl so um die 1930 herum gewesen sein. Oder das Café Westend (Mariahilfer Str. 128, vor Westbahnhof) - typisch Zwischenkrieg - schau auf die Decke - die hat ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel. Übrigens war auch das Museum vor der Rückrenovierung ein typisches Kaffeehaus im Zwischenkriegszeitstil. Ich war oft dort.

    Ganz interessant das Café Prückel: Das war so ein Monumentalkaffeehaus. Das wurde in den 50-er Jahren (auf Druck des Espressozeitalters) komplett modernisiert - ist aber Kaffeehaus geblieben.

    Kennst Du noch den "Tearoom" im "Europe" am Graben? Den hat man erst vor kurzem umgestaltet. Ist zwar schön geworden, aber damit hat man ein Stück 50-er Jahre Espresso-Kultur vernichtet. Das war damals der In-Treff schlechthin. Die verkaufen übrigens auch Kaffee in Bohnen - hat den schon Mal jemand probiert? Klassische 50-er Jahre Espresso-Kultur findet man in der Aida-Kette.

    Old-style (aber schon geradlinig) findet man im Bereich Tuchlauen (das Gutruf - eher eine Bar - in der Milchgasse). Das "Café Korb" ist keine Schönheit, aber ein Stück Vergangenheit. Hochinteressant ist das "Markusplatz" vom Muliar-Enkel: Eine Scheußlichkeit - aber authentisch. Selbst die furchtbare Decke ist fast Zeitgeschichte. Die sind übrigens sehr ambitioniert - haben einen feinen Hebel-Siebträger und importieren den Kaffee (gelegentlich überextrahiert) selbst vom Gardasee (und sie haben gute Mehlspeisen).

    Was interessant wäre, vielleicht weißt Du das: Wann hat der Smoking eigentlich den Frack als Kleidung für den Ober abgelöst? Ich weiß schon, solche Übergänge geschehen nicht an einem Tag (ich glaube in der Eden tragen sie immer noch Frack - bin mir jetzt aber nicht sicher).

  2. #32
    oswald ist offline Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von Alfred Beitrag anzeigen
    Ja - Sacher ist schön - die warmen Mehspeisen überragend, der Kaffee eine Frechheit
    Hi Alfred... tut mir leid, aber muss leider widersprechen. Das Sacher hat keine überragenden Mehlspeisen mehr. Die Sachertorte ist seit einigen Jahren ein ganz mieses Industrieprodukt, dass mehr an Schaumstoff, den an Schokolade erinnert. Das gilt leider auch für viele der übrigen Torten. Hab mich wirklich geschämt, als ich mit ein paar Bekannten aus dem Ausland ins Sacher ging, und das Teil serviert bekam.
    Sacher hat einen Guten ruf, aber der rührt aus einer Vergangenheit, die es heute nicht mehr erreich. Heute ist es eine Turisten abzocke. Und die Vollautomaten passen da ins Bild. Leider.
    Wenn du gute traditionelle Kaffeehauskultur erleben willst, geh ins Tomaselli nach Salzburg.
    Und meide das Sacher.

    nix für ungut.
    lg
    Kaffeemaschine: Elektra sixties T3 | Mühle: Rancillo MD50/San Marco SM90
    meine Beschäftigung

  3. #33
    Wasu ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Hallo Oswald!

    Ich habe es mir nicht getraut zu schreiben, die Sachertorte im Sacher Graz war nicht schlecht, aber irgendwie hatte ich mehr erwartet.

    Ist das keine handgemachte Sachertorte?
    Quickmill 3035 Brühdruckreduziert 9,5 Bar, thermoisoliert, ohne Dampflanze dafür mit LM-Sieb und bodenlosem Siebträger. Außerdem Stella Herdkanne und Bodum Pressstempelkanne

    Dank kurzer Aufheizzeit muss unangemeldeter Besuch bei mir nicht 30min auf den den ersten Espresso warten, und Energie spart's auch......


  4. #34
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Genau lesen: Die warmen Mehlspeisen (die Torten sind 0-8-15). Es ist zwar bei mir das letzte Mal auch schon wieder ein Weilchen her (denke September). Ich gehe auch immer nur mit Gästen von auswärts hin. Im letzten Herbst gab es die aber noch. Da gibt es so ein Gesamtsortiment auf mehreren Etagen - ist wirklich gut - und nicht zu vergessen deren Marillenknödel. Die alleine waren immer eine Klasse für sich.

    Und wenn dann halt ins echte Kaffee Sacher - und da sicher nicht in das komische neue Ecklokal (und auch nicht in die Sacher Stuben).

    Aber ich bin nicht so ein Mehlspeisentiger, nur wenn die Sachen wirklich gut sind. Und die traditionsnamen sind mitunter nicht schlecht. besser als der Zauner in Ischl ist aus meiner Sicht die eine Konditorei in Tamsweg, oder besser noch als der Heiner der Bimashofer in Liesing. Gute Sachen hat auch die klitzekleine Cafeteria im jüdischen Museum in der Dorotheergasse - da war ich erst im Dezember - ist also auch schon wieder ein Weilchen her.

    )

  5. #35
    Rafff ist offline Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von bluebean Beitrag anzeigen
    @kaffeekultur:

    wisst ihr was beim kleinen braune/schwarzen etc die unterschiede zum espresso sind:

    so wie ich das verstanden hab, beides mit siebträger: aber "österreichischer kaffee" klassisch: andere kaffeemischung und durchlaufzeit?
    Hi!

    Im Artikel "Wiener Kaffeehaus" im Wiki wird das so erklärt:

    "Schwarzer oder Mokka nennt man in Wien schwarzen Kaffee, der wie ein Espresso mit heißem Wasser unter Druck extrahiert wird. Die Kaffeehäuser bieten ihn als kleinen Schwarzen oder in doppelter Menge als großen Schwarzen an. Die Kaffeeportion (in Österreich per Gesetz mindestens 7,5 g) wird in einer Espressomaschine mit ca. 40 - 60 ml Wasser je nach Einstellung bis zu 60 Sekunden lang extrahiert. Das Ergebnis ist ein dünner und kräftig schmeckender Kaffee. Durch die lange Extraktionszeit lösen sich auch die bitteren Gerbstoffe aus dem Kaffee, die in einem kurz zubereiteten Espresso nicht enthalten sind."

    LG aus Wien

    Rafff

  6. #36
    Ginsonic ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Ein positives Beispiel möchte ich nun aufführen. Am Wochenende war ich in Stainz ca. 20min von Graz entfernt. Durch einen Gault-Millau-Eintrag wurde ich auf das am Hauptplatz gelegene Café Lex (http://cafelex.at) aufmerksam.
    Aussen eher unscheinbar präsentiert es sich innen sehr gemütlich im Stil eines Künstlerlokals. Dann wieder das Wagnis, einen Espresso macchiato und einen Capuccino zu bestellen, was ich in der Vergangenheit in so manchem Lokal bitter bereut habe, als daraufhin schwarze saure Brühe mit Haube in Eischnee-Optik serviert wurde !
    Das Ergebnis: Eine Erfüllung in Crema, garniert mit feinstem Schaum und in Szene gesetzt mit Latte Art. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen und die Besitzerin musste sich von meinem überschwänglichen Lob überschütten lassen.
    Fazit: Herrlicher Kaffee, uriges Ambiente, tolle hausgemachte Konditorprodukte und ein sehr nettes Service. Absolute Empfehlung von meiner Seite.

  7. #37
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    @ Ginsonic
    Danke für den Tipp - und es ist ein gutes Beispiel für das, was ich schon in einem anderen Thread geschrieben habe: In Ost- und Südösterreich (nur für da kann ich sprechen, könnte aber in ganz Österreich gelten) ist ein Illy-Schild ein gutes Auswahlkriterium. Das tut weh, weil man gerade in dieser Region natürlich mehr erwarten würde. Das tut gut, weil hierzulande die Illy-Vertretung durch ihre intensive Betreuung für eine Qualität sorgt, wie man sie sonst hauptsächlich aus Triest kennt. Dass es leider dennoch Ausreisser gibt, ist schon richtig, die gibt es aber auch in Triest (und wie - grad bei Illy).

  8. #38
    Walter_ ist offline Moderator
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Kennt zufällig jemand die österreichischen Import-Statistiken von Kaffee? Die sprechen Bände über die Qualität der eingekauften Rohkaffees. Und die damit verbundene Aussage, es handle sich dabei zu einem Großteil um wiederexportierte Ware für die man diese mindere Qualität benötige, finde ich auch interessant...

    Jedenfalls veranlaßt mich dies zu der Hypothese, daß Kaffeekultur in Österreich, wenn es sie - im Gegensatz zur Kaffeehauskultur - denn je gegeben hat, kaum (mehr) existent ist. Und wenn Illy Kaffee schon als gehobene Qualität angesehen wird, zeigt mir das auch, daß konsumentenseitig noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist...
    fa' zoccu hai di fari e li fatti d'àutru nun guardari....

  9. #39
    kailash ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von -MM- Beitrag anzeigen
    Der Meinl Kaffe ist eh kein "Specialty Coffee" alles nur halb so schlimm, mit Kaffee hat der Onkel Julius eh nix zu tun..
    Wenn man dazu noch weiss , dass der "Rest" vom Meindlimperium am Naschmarkt seine Spezialitäten rösten lässt ...erübrigt sich ein Kommentar.
    Der Preis wird dann nur noch der Geschäftslage angepasst.
    gruss
    kailash

  10. #40
    PLGVIE ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von Walter_ Beitrag anzeigen
    Kennt zufällig jemand die österreichischen Import-Statistiken von Kaffee? Die sprechen Bände über ...
    Seitdem ich vor laaanger Zeit feststellen durfte, daß unser Marktanteil bei Orchideenimporten aus Singapur bei über 150% lag, traue ich der Bande, pardon den Bänden, nicht allzusehr.

    MfG
    Peter

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