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  1. #71
    Joseph Kyselak ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von Lennox Beitrag anzeigen
    Meine österreichischen Kollegen trinken Kaffee aus dem VA mit
    Maresi (Kondensmilch) und sind alle sehr zufrieden auch dass ich
    immer im VA meine alten Bohnen "entsorge" hat noch nie jemand bemerkt
    bzw. gestört. Kultur sieht anders aus.

    Zitat Zitat von Boris Beitrag anzeigen
    Hahaha YMMD
    Ich habe mal bei jemandem zu Hause hier in Wien gesehen wie er zuerst Milch aufgeschäumt hat, dann einen VA Espresso draufgetan hat.. dann noch einmal das Ganze unter die Lanze (!) und dann auf diese braune Bauschaumbrühe eine Tonne Kakao draufgesträut hat und das als "echten" ital. Cappucchino präsentiert hat... Kultur? Nein. Da hab ich echt schon sogar Mitleid mit dem armen Wasser... .
    Ja es gibt auch schlimme Zeitgenossen... wie in jedem Land - jedoch mit "alter" Kaffee- oder Kaffeehauskultur hat das wohl nichts zu tun. Das ist aber leider Länder übergreifend. Einmal in den Urlaub fahren und dann erlebt man im Mittelmeerraum die schauerlichsten Sachen im Tourismussektor - ich sage nur "Kännchenkaffee" - und da sind meine Landsleute meist nicht führend. Interessant wenn griechischer oder türkischer Kaffee serviert wird und es hagelt Beschwerden warum es keinen, man verzeihe mir den sehr wienerischen Ausdruck "Seicherlkaffee" im Kännchen zum Frühstück gibt. Wieviele bestellen und trinken in Italien ihren Espresso an der Bar und nicht lieber den "gepanschte" Touristen-Cappuccino...? Manchmal ist es ein Fluch, wenn man Deutsch versteht.

    Wie ich schon sagte in Wien ist einiges verloren gegangen - zum Glück nicht überall - aber immer öfter.

    Nur der Ehrlichkeit halber, gerade in Deutschland heute guten Kaffee zu trinken ist möglich, aber nicht unbedingt flächendeckend der Fall. Das aber auch meine Landsleute in Österreich heute schwere geschmackliche Fauxpas begehen ist auch mir schmerzlich bewußt - vor hundert Jahren wäre das aber mehr oder weniger ein Sakrileg gewesen! So könnten wir wohl einer dem anderen die Kaffeekultur absprechen - leider ist "Kaffeekultur" allgemein heute dies- und jenseits des deutschen Ecks nicht unbedingt gang und gebe. Was hier im Forum einige zum Kultstatus erheben macht leider nicht die Masse aus und gerade über diese hat schon Elias Canetti vernichtend geurteilt...

    Ob in Deutschland oder Österreich, die Mehrheit gibt sich lieber mit weniger oder dem Mainstream zufrieden - aber das scheint ja heute der Zeitgeist zu sein - "Geiz ist Geil" oder "Da ist Kultur - gehen wir weiter " (wie ich unlängst verstört vernehmen mußte). Gerade deswegen finde ich dieses Forum sehr interessant, da sich ja hier zum Glück nicht der Mainstream unser beiden Länder findet.

    lieben Gruß

    Kyselak

    PS: Man verzeihe mir manch sarkastische Anwandlung

  2. #72
    Doppelgarage ist offline Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Kännchencafe und Rühreier sind der Grund warum ich nicht mehr ins Griensteidl gehe. Von einem wiener Ober erwarte ich mir schon dass er solche Fauxpas wiederwillig ausbessert!

  3. #73
    Joseph Kyselak ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von Doppelgarage Beitrag anzeigen
    Kännchencafe und Rühreier sind der Grund warum ich nicht mehr ins Griensteidl gehe. Von einem wiener Ober erwarte ich mir schon dass er solche Fauxpas wiederwillig ausbessert!

    Was will man in einem Kaffeehaus, das 1897 geschlossen und 1990 neueröffnet wurde...

  4. #74
    hannesrd ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Hallo,

    und wer sich unsere Kaffeekultur jetzt noch immer nicht vorstellen kann hier 2 Infos :

    Kaffeekultur

    Lied der Kaffeekultur


    Na daun guate Nocht eich olle mitanaunt

    Hannes
    VA-Werdegang : AEG CaFamosa 81 (2002 bis 2006 ) >> Krups Orchestro FNF5 Plus >> DeLonghi ESAM 4300 (2008-2009) >> DeLonghi EAM 2500 (2008- ) @work
    ST-Werdegang: Gaggia New Baby Twin (2007 - 2008 ) >> La Scala Butterfly (2008 - 2010) >> Bezzera Giulia Festwasser >> La Spaziale Vivaldi II / La Pavoni Professional
    Mühlen: Quickmill Apollo (2008 - 2009) >> Mahlkönig Vario (04.2009 - 06.2009) >> Mahlkönig Vario 2 (2010-)
    Unterwegs: Handpresso Domepod (2009-) / Aerobie Aeropress (2010-)

  5. #75
    Joseph Kyselak ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Zitat Zitat von Alfred Beitrag anzeigen
    Ob ein Ober den Obermayer (nicht Obermeier oder Obermayr) kennt, ist allerdings egal, Weil den bestellt keiner mehr, auch nicht der Herr Obermayer, weil der war zwar Mitglied der Philharmoniker, aber mittlerweile ist er schon gestorben.

    Wer schon länger in Wien Kaffeehausober ist, wird ihn allerdings sehr wohl kennen - und sei es nur, weil irgendjemand den als Testbestellung nimmt. Ach ja, in Wiki ist er falsch geschrieben und falsch beschrieben ...

    Entschuldige, habe erst jetzt Deine Antwort entdeckt.

    Nun ich schrieb ihn schon richtig und dass er in der Wiki steht ist mir bisher nicht aufgefallen. Mag sein, doch in der Wiki steht leider auch oft unsagbarer Unsinn der in vielen Fällen einfach nur eine Ansammlung unkontrollierter Aussagen ist.

    Jedoch bestellen würden ihn vielleicht schon noch einige (so wie viele andere Dinge), nur wenn solche Kaffeekreationen nicht mehr angeboten werden werden sie auch nicht mehr geordert und einfach vom Publikum vergessen. Aber vielleicht ist das ja gerade der Sinn in heutigen Zeiten - keine Vielfalt, sondern einige wenige leicht zu reproduzierende Produkte.

    Doch wenn die Wiener Kaffeehäuser sich heute noch mit dem Hinweis auf Tradition bewerben und "beweihräuchern", müssen sie auch etwas mehr bieten als den österreichweiten oder internationalen Kaffeedurchschnitt.
    Das Problem ist ja derzeit in Wien, daß immer mehr Kaffeehäuser nur noch einige wenige "Kreationen" anbieten und viele sogar über die Melange nicht hinauskommen, dafür aber Cappuccino & CO auf der Karte haben.
    Schlussendlich wird es egal sein in welcher Stadt ich in ein Kaffeehaus gehe - alle haben die gleiche Karte und das gleiche eingeschränkte Angebot. Traurig aber wahr.
    Und das ist meiner Meinung nach doch eine Niederlage der (ehemaligen) Wiener Kaffeehauskultur, die von den diversen Wiener Kaffeehäuser mit ihrem heutigen eingeschränkten Angebot nur noch weiter gefördert wird.

    Wenn ich, wie letztens, auf der Karte eines Wiener Kaffeehauses statt "Schlagobers" das Worte "Sahne" lesen mußte (und ich meine jetzt nicht als Übersetzung), dann braucht man sich nicht wundern, dass selbst Wiener nicht mehr an eine Kaffeehaustradition glauben. Dann brauchen aber die Wiener Kaffeehäuser auch nicht "raunzen" wie schlecht es ihnen geht, denn wer sich nicht von der Masse abhebt wird auch wie diese behandelt. Leider sind es gerade die sogenannten Traditionskaffeehäuser die sich auf einem meist literarisch festgehaltene Ruf der Jahrhundertwende ausruhen und am wenigsten bieten.

    Wie gesagt hier sollten sich die Cafetiers und die Tourismusbranche einmal an der Nase nehmen um diesen leider seit Jahrzehnten anhaltenden Trend zumindest im Ansatz entgegen zu wirken. Denn wenn das Produkt stimmt kann man es auch zielführend bewerben. Aber mit dieser Meinung bin ich wohl der Rufer in der Wüste - und der ist bekanntlich auch irgendwann einmal verdurstet und verstummt...

    lieben Gruß

    Kyselak

  6. #76
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    @ Joseph Kyselak

    Schade, jetzt hat es fast so ausgesehen, als würde sich hier ein anregendes Streitgespräch ergeben, aber daraus wird nichts. Weil Du bringst es gut auf den Punkt - 100% Arabica Zustimmung.

    Wo mir der fehlende Rubusta-Körper fehlt, das ist dann der Obermayer. Und ich denke, da werden wir uns auch rasch einig. Eigentlich hast Du selbst da Recht, weil man den in letzter Zeit ja fast als Symbol der Vielfalt werbetechnisch ausschlachtet - und da ist das dann wirklich peinlich, wenn ihn keiner kennt.

    Aber in Wahrheit ist die Geschichte rund um den Obermayer völliger Unfug. Das war nie eine Wiener Spezialität. Schon damals als die Geschichte ausgegraben wurde, kannten die nur die ganz alten Hasen des Gewerbes - und keiner war sich sicher, ob es nicht überhaupt nur eine Legende war. Dabei ist es völlig egal, in wie vielen Kaffeehäusern der gute Mann seine Spezialität serviert bekommen hat. Es ist auch egal, ob der wirklich Philharmoniker war, denn seine Vorliebe steht lediglich als Symbol der Individualität.
    Und diese Individualität ist im Kaffeehaus verloren gegangen, nicht nur durch den Knopfdruckautomat. Dort braucht es auch keine Farbtafeln für die Menge der zuzugebenen Milch mehr. Da kannst "Kapu" oder "Schale Gold" bestellen was Du willst, heute muss man froh sein, wenn die wissen, dass man Kaffee will. Wahrscheinlich ist das Obers eh nur mehr Kondensmilch, und wer eine Schale Gold will, nimmt sich halt zwei von den abgepackten Plastikdingern ...

  7. #77
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Nachtrag: Diese Geschichte hat vor rund einem Vierteljahrhundert ein Revolvermagazin (entweder Wiener oder ich vermute eine der ersten Ausgaben von Basta) ausgegraben.

    Die sind damals auf die Idee gekommen, die alten Kaffeehauser auf Authentizität zu testen. Ich weiss nicht mehr alle Testkriterien, aber der Obermayer war eines davon. Irgendwann später kam die Werbeabteilung der Kaffeesieder auf die Idee, die Vielfalt auszuloben, und da hat man halt ein paar Dinge ausgegraben, wie auch den Obermayer.

    Für mich ist das so authentisch, wie wenn ein Tourist von der Waterkant am Würstelstand "A Eitrige mit an Bugl und an 16-er-Blech" ordert, weil es halt im Reiseführer steht.

    Also ich bin ja schon Mittelalter, und vermutlich sowas wie ein Wiener Urgestein, und mit diversen Ausdrücken des Wiener Dialektes überdurchschnittlich gut vertraut. Aber es war ein Tourist aus der Schweiz, von dem ich gelernt habe, was am Würstelstand "a Grogodü" (Übersetzung: ein Krokodil) ist...

  8. #78
    Joseph Kyselak ist offline Neuer Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    @ Alfred

    Wir sind uns einig

    Nebenbei war das mit dem Obermayer nur einer von mehreren Tests (alte/ehemalige) Kaffeespezialitäten hier in Wien zu bestellen - die "welch Wunder" nicht auf der Karte (da meist furchtbar kurz) standen... Antwort war jedesmal; "Wenn's nicht auf der Karte steht, dann hammas net..." (meinte damit wohl dann kenn ich es nicht) Torberg & CO hätte mit manch heutigen Ober wohl ihre Freude gehabt!


    Werbeabteilung der Kaffeesieder? Ja was machen denn die nur den ganzen Tag? Denke die ist heute wohl genauso ausgestorben wie der Obermayer...

    Da fällt mir gerade ein, ich habe irgendwo zu Hause ein Abzeichen herumliegen (ist aber nicht von mir) darauf steht; "Für Verdienste um das Wiener Kaffeehaus" Das war wahrscheinlich der nie Produktion gegangen Prototyp - wer hätte das Abzeichen auch bekommen sollen?

    Und zum "Grogodü", das bestellt heute auch niemand mehr so am Würstelstand, da hast Du recht - aber man bekommt es zumindest noch...

    lieben Gruß

    Kyselak

  9. #79
    Alfred ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Ja, wir sind und sichtlich mehr einig als uns lieb ist. Auch wenn wir in einem Punkt möglicherweise aneinander vorbeireden. Aber das ist ein Nebenschauplatz. Weil egal wie man seine Beobachtung macht - das Ergebnis ist ernüchternd. Da braucht es keinen Exoten wie den Obermayer, da reicht ein "Schalerl Gold". Das darf nicht schief gehen - würde es aber in vielen Fällen. Jetzt mag ich das Milchgschlader eh nicht, ich hätte ja viel lieber "einen kleinen Kapu" - und der war vor ein paar Jahren noch üblich, fast Standard. Heute getraue ich mir das nicht mehr zu bestellen, weil da weiß man wirklich nicht mehr was man bekommt - ich fürchte bestenfalls eine blöde Antwort.

    Die Kaffeekultur ist auch in Wien internationaler geworden, das kommt nicht unerwartet. Aber die Kaffeehauskultur ist in vielen Fällen den Bach runtergegangen. Und das betrifft nicht nur das Getränk. In den letzten Jahren ist das ganz extrem - aber diesmal erfolgt der Niedergang auf leisen Sohlen. Heute muss man schon froh sein, wenn ein grosses Kaffeehaus lediglich zur Touristen-Bude verkommen ist.

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