1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

Dieses Thema im Forum "Was ich unbedingt noch sagen wollte..." wurde erstellt von nacktKULTUR, 25. November 2012.

  1. nacktKULTUR

    nacktKULTUR Mitglied

    Hallo allerseits

    In der der heutigen SWR2-Aula gab es einen hervorragenden Vortrag zu hören. Thilo Baum sprach über die Unfähigkeit des heutigen Schulsystems, die Schüler auf das Wesentliche im täglichen Alltag vorzubereiten.

    „Thema verfehlt! Note Sechs! – Wie das Bildungssystem am Leben vorbeilehrt“ - so ist der heutige Vortrag überschrieben. Ihr könnt ihn herunterladen, sowohl zum Hören als auch zum Nachlesen des Manuskripts. Die Webseite des SWR zum Vortrag ist hier anzuschauen.

    Ein Zitat daraus - zum Thema „Eisenhower-Prinzip“ - welches ich im Titel angerissen habe:

    nK
     
  2. Iskanda

    Iskanda Mitglied

    Beiträge:
    3.155
    Ort:
    Bötzow (Nähe Berlin)
    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    Ich finde dass da viel Wahres dran ist.

    Man lernt im Laufe seines Lebens, dass die verschlampten Sachen überproportional Zeit/Geld kosten und ein riesiges Frustpotential bieten was negative Rückwirkungen auf die folgenden Aufgaben hat. Würde darauf in der Schule mehr Wert auf das oben gesagte gelegt werden, müsste man das weniger erlernen bzw. erfahren.

    Falls es jemand in diesem Zusammenhang interessiert: Ich nehme seit einiger Zeit die Sortierung der beruflichen Aufgaben mit einem einfachen Programm vor (statt ein Buch zu nutzen). Es heisst todolist.
     
  3. blu

    blu Mitglied

    Beiträge:
    6.523
    Ort:
    Freiburg
    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    Hi,

    nun habe ich mir mal die Mühe (edit: ursprünglich war es keine Mühe, sondern Genuss) gemacht und 85% des eigentlich interessant überschriebenen Beitrages durchgehört, dann konnte ich leider nicht mehr. Das hätte richtig gut werden können, aber irgendwie entgleitet dem Autor sein Werk und gipfelt darin, seinen aufgestauten Frust loszuwerden. Pauschalisierende Vorurteile, z.b. über Professoren (Kompetenz, Kleidung, ...) und berichte aus seiner eigenen Schulzeit (PH, CH-LehrerInnen), das war dann zu enttäuschend...

    Vielleicht kam dann in den letzten 15 % eine Analyse und Lösungsstrategien, ich weiß es nicht. Die Anmoderation mit "x 3 mal ableiten" war auch ein wenig befremdlich ;-)...

    Kürzlich habe ich in FR einen Vortrag von Frau Bast (ehemals google, heute Prof.) gehört. Vielleicht wäre es für Herrn Baum lohnenswert gewesen zu hören, dass fpr manche Leute auch andere Dinge als Geld zählen...

    Es gibt auch Autoren, die mit Fachkompetenz glänzen (z.B. Simon Singh ist imo so einer) - Thilo Baum konnte mich (!) nicht überzeugen.

    lg blu
     
  4. Tica

    Tica Mitglied

    Beiträge:
    261
    Ort:
    Stuttgart
    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    Hallo,
    ich habe eben das Manuskript gelesen. Und obwohl ich durchaus vieles an unserem Schulsystem zu kritisieren finde, stimme ich in den wesentlichen Punkten nicht mit Herrn Baum überein. Ich bin ungefähr derselbe Jahrgang und sehr froh darüber, dass ich in meiner Schulzeit noch vollkommen "nutzlose" Dinge in Musik, Kunst, Literatur und Naturwissenschaft (kennen-)lernen durfte. Ich bin heilfroh, dass die Wirtschaft die Lehrpläne (noch) nicht diktiert und über den Wert eines Faches befindet. Übrigens bin ich im mittleren Management eines Großkonzerns - dort bin ich gelandet ohne jemals BWL oder ähnlich "Nützliches" studiert zu haben. Ich habe Chemie und Physik studiert, weil ich die Naturwissenschaften liebe. Ausserdem habe ich gerne daneben noch ein paar Kurse in Philosophie und Kunstgeschichte mitgenommen. Alles andere kann man flink "on the job" lernen. Ein gutes naturwissenschaftliches Basisiwissen würde dahingegen heute vielen Menschen helfen, aktuelle Themen wie Bio-, Gentechnologie oder Energiewirtschaft besser verstehen und bewerten zu können und nicht auf häufig schlecht recherchierte Artikel angewiesen zu sein.

    Gerade das angesprochene "divergente" Denken bringen nach meiner Erfahrung eher Menschen mit einem breiten Hintergrund und Erfahrungsspektrum mit, seltener von der Wirtschaft gestreamlinte Bachelor-Studenten.
    Ich arbeite (beruflich und ehrenmamtlich) viel mit jungen Leuten - Azubis, Studis, aber auch mit Schulabgängern aus "bildungsfernen" Schichten. Dabei folge ich dem Prinzip "Attitude comes before education", und unter der "richtigen Attitude" verstehe ich u.a. die genannten Grundwerte wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Wille zum Lernen und zur Leistung. Hier stelle ich mir die Frage, wie wir es als Gesellschaft schaffen, diese Haltung bei Kinder und Jugendliche zu fördern, v.a. wenn sie diese nicht von der eigenen Familie vermittelt bekommen haben. Diese Aufgabe können wir in meinen Augen nicht alleine der Schule zuweisen, sie betrifft uns alle. Ein authentisches Vorbild zu sein... das wäre schon ein Start.

    Aber auch wenn ich mit dem Thilo Baum nicht übereinstimme, danke an Nacktkultur für die Anregung.

    Viele Grüße
    Tica
     
  5. blu

    blu Mitglied

    Beiträge:
    6.523
    Ort:
    Freiburg
    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    Hi,

    von mir auch!

    Es ist in meinen Augen dringend erforderlich in der Schule z.B. rasch zu überdenken, welche Fächer in welchem Umfang unterrichtet werden. In BW gibt es z.B. im Gymnasium Informatik nicht als Fach in der Mittelstufe (und in der Oberstufe auch nur im Wahlbereich (von 10 Gymnasium im Versuchsstadium mal abgesehen)). Das ist im Ländle ("Wir können alles außer Hochdeutsch") imo ein Skandal. Wenn man heute das Ruder rumreißen wollte, wäre man in 5 Jahren noch nicht soweit, da die Lehrer dafür fehlen (werden).

    Kritisch finde ich ebenfalls, dass heute viele meinen Kindergarten und Schule könnten (und müssten) das geradebiegen, was zu hause versäumt wurde.

    @tica: gut formuliert, full ack

    lg blu
     
  6. nacktKULTUR

    nacktKULTUR Mitglied

    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    @blu
    Ich denke, die Thesen sind bewußt provokant formuliert. Man muss natürlich sehen, dass Herr Baum Unternehmensberater ist. Und aus dieser Ecke betrachtet sind die Thesen nachvollziehbar. Ich gehe sogar in einigen Teilaspekten einig mit ihnen. Die Provokanz ist sicher beabsichtigt, um einen Denkprozeß auszulösen.

    @tica
    Natürlich wollte ich das "unnütze Wissen" aus meiner Gymnasialzeit nicht missen. Es gibt mir einen Einstieg in Wissensgebiete, die ich aufgrund meiner Ausbildung nicht kenne. Aber meine Schulzeit liegt 40 Jahre zurück; und ich meine, es hat sich im Bildungssystem substanziell etwas geändert. Ich will noch eine Passage zitieren, um meinen Punkt zu verdeutlichen:

    Die Themen Selbstmanagement und die Fähigkeit, sich zielorientiert auszudrücken (englisch "to make a point"), sind nach meiner Beobachtung in den vergangenen 40 Jahren etwas in den Hintergrund gerückt. Es geht also nicht darum, das Steuer komplett herumzureißen, sondern die Prioritäten vom nice to have zum must have zu setzen.

    Gerade der Bereich "Umgang mit Konflikten", also ein Thema der sogenannten soft skills, liegt ziemlich im Argen. Hier besteht m.E. dringend Nachholbedarf.

    nK
     
  7. cafePaul

    cafePaul Mitglied

    Beiträge:
    962
    AW: Das Eisenhower-Prinzip oder "Thema Sprache" in der Bildungspolitik

    da wäre ich mir nicht so sicher. meiner Erfahrung nach sind die meisten Unternehmensberater "so drauf".
    So verlangen z.B. Unternehmen immer wieder von den Universitäten Ingenieuere, die genau die von ihnen gewünschten Spezialkenntnisse wie den Umgang mit einem speziellen Programm besitzen. Und dann haben sie Mitarbeiter, die keine Grundkenntnisse mehr besitzen und Projekte versiebt werden, weil viele nicht mehr in der Lage sind, einfache Plausibilitätskontrollen dahingehend durchzuführen, ob das was der Computer ausspuckt auch Sinn hat.


    Hier kann ich zustimmen. Man müsste für eine ausgewogene Mischung sorgen, und auch "gesunden Menschenverstand" und "soft skills" wie Planung, Kommunikation und psychologische Grundlagen lehren.
    Aber da die Konzentrationsspanne der Schüler immer geringer wird und so etwas schwierig zu prüfen ist, vermute ich, dass die Tendenz eher zu amerikanischem multiple-choice-Niveau geht.
     

Diese Seite empfehlen