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Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

Dieses Thema im Forum "Grundsätzliches" wurde erstellt von Ranger Kevin, 28. Dezember 2011.

  1. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    Radevormwald, NRW
    Hier geister Ja immer mal wieder die aussage rum, dass man Verteilerplatten aus Aluminium nicht mit Kaffeefettlöser reinigen Soll, da sie dadurch angegriffen werden.

    Ich habe die These, dass dem nicht so ist, da ich meine alte Gaggia-Duschplatte seit 3 Jahren Monatlich mit Fettlöser reinige und bis jetzt keine Zersetzungserscheinungen fetstellen konnte.

    Da ich nun eine neue Platte habe will ich die alte nun für ein Experiment "opfern", um das ganze mal klarer zu stellen.

    Material:
    - Original Gaggia CC Aluminiumduschverteilerplatte
    - "Coffee Clean" Kaffeefettlöser in Pulverform
    - kochendes Wasser
    - Edelstahlschale

    Tag 1:
    Hier zwei Deteilaufnahmen der Platte vor der Behandlung, Platte ist trocken (klick für großansicht)
    [​IMG] [​IMG]

    Nun wird die Platte mit einem gut gehäuften Teelöffel Coffee Clean (eigentlich völlig überdosiert) und kochendem Wasser gut 24h eingelegt.
    [​IMG]

    [​IMG]

    Morgen gibt es dann einen Zwischenbericht, danach wird der Vorgang noch einige Male wiederholt. Ich bin gespannt :cool:
     
  2. domimü

    domimü Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Gute Idee!
    (auch so kann man den Kauf einer neuen Duschplatte rechtfertigen)
     
  3. Mark_Twain

    Mark_Twain Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Finde ich gut! Wäre ja nicht die erste Halbwahrheit, die erst Jahre lang durchs KN geisterte, bevor sie widerlegt wurde.
     
  4. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Solange das einweicht hab ich mal ein bisschen recherchiert.

    Zunächst mal habe ich versucht, herauszufinden, was im Fettlöser eigentlich drin ist. Genaue Angaben habe ich aber nicht gefunden.
    Soviel ich weis müsste der Hauptbestandteil Natriumkarbonat (Calciniertes Soda) sein (Wäre gut, wenn das jemand Bestätigen oder wiederlegen könnte). Es könnte aber auch Speisenatron (Natriumhydrogencarbonat) sein, da dieses eine ähnliche Wirkung zeigt.

    Laut der Herstellerangaben von Puly Caff (was ja IMHO mit Coffee Clean identisch ist) gibt es folgende Angaben zu den Chemischen Eigenschaften:

    Also ist die Lösung relativ stark alkalisch.

    Nun habe ich auf einer Chemie-Seite zur Reaktivität von Aluminium mit Säuren und Basen diese Aussage hier gefunden:

    Also kann alkalische Natronlauge Aluminum gut angreifen. Die Natronlauge ist aber nicht zu verwechseln mit dem "Natron", das in der Küche verwendet wird, welches in Wasser aufgelöst keine "Natronlauge" bildet.
    Daher vermute ich hier den Ursprung des Mythoses, den es noch wiederlegen gillt.
     
  5. nacktKULTUR

    nacktKULTUR Mitglied

    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Ich habe mal abgeschrieben, was in Cafiza von Urnex drin ist, ebenfalls baugleich mit den genannten Produkten: Hier, mit Links zu Wikipedia zu den jeweiligen Inhaltsstoffen.

    BTW, gute Idee mit dem Duschplatten-Crashtest.

    nK
     
  6. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Danke für die Info, also waren es doch nicht ganz die richtigen Natrium-Verbindungen, die ich gefunden hatte.

    Also Natronlauge ist schonmal keine drin.

    Das Natriumpercarbonat bildet bei der Auflösung in heißem Wasser aktive Sauerstoff-Ionen und Wasserstoff aus dem enthaltenen Wasserstoff Peroxid. Je höher die Temperatur, desto stärker die Reaktion (das erklärt die starke Gasentwicklung wenn man das Zeug auflöst).
    Der Sauerstoff würde aber höchstens zur Bildung von Aluminiumoxid führen (die natürliche Schutzschicht des Aluminiums)

    Pentanatriumtriphosphat dient hauptsächlich als Wasserenthärter und reagiert vornehmlich mit Calcium- und Magnesiumionen, sollte also auf das Alu keine Einfluss haben.

    Natriumphosphat dient anscheinend ebenfalls der Enthärtung, und reagiert bevorzugt mit mehrwertigen Metallionen. Ob das einen Einfluss auf Aluminium hat, solange es noch nicht gelöst ist, geht allerdings über mein Oberstufen-Chemiewissen hinaus.
     
  7. Indigo

    Indigo Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Erstmal: super.
    Der "praktische" Ansatz liegt mir auch mindestens genauso gut wie die Theorie.
    Natürlich sollte die Theorie nach wiederholbaren Beobachtungen möglichst passen.

    Zwei Ideen hier:
    Besser als ein große Platte wären wahrscheinlich (sehr?) feine Aluminumspäne. Da könnte man dann entweder eine komplette Auflösung oder zumindest einen Gewichtsverlust besser feststellen. (Der einzige Weg Aluminiumspäne herzustellen, den ich kenne, ist aber ein Gewinde bohren...)

    Wie machen es eigentlich Chemiker, wenn sie von einem unbekannten Stoff feststellen wollen, was es ist?
     
  8. Arni

    Arni Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Ihn analysieren nach allen regeln der Kunst!
     
  9. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Da hast du sicherlich nicht unrecht, aber der Gedanke, den ich Hatte, war, festzustellen ob die Platte so wie sie ist sichtbar angegriffen wird, da das ja meistens die Angst ist
    (meistens packt man ja die Brühgruppe nicht voll mit Aluminiumspänen ;-) )

    Ich hatte eigentlich vor, falls sich tatsächlich nach einigen Versuchen nichts tun sollte, mal ein paar Späne von dem Material abzunehmen und es damit nochmal zu probieren, um zu sehen, ob es dann vielleicht reagiert.
    Außerdem wollte ich die Platte am Ende auch noch mal in konzentrierte Natronlauge legen, weil die ja Aluminium angeblich zersetzt :cool:
     
  10. langbein

    langbein Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Genau! Ich arbeite gerade noch an der Widerlegung der völlig hirnrissigen These, dass eine Mühle Grundvoraussetzung für die Herstellung von Espresso ist ;-)
     
  11. bohnenschorsch

    bohnenschorsch Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Abfackeln. Die Wellenlänge des emittierten Lichtes gibt Auskunft über den Stoff, der leuchtet (weil er glüht). So jedenfalls meine Erinnerung. Weitere Erinnerung: Liegt ein Stoff gasförmig vor, so entfernt er genau die Spektralfarbe aus durchtretendem weißen Licht, mit der er selbst leuchten würde, wenn er glüht. Natriumdampflampen leuchten orange, Natriumdampf verfärbt weißes Licht grün, weil der orangene Teil fehlt. Oder so ähnlich.

    Super Sache mit dem Praxisversuch! Endlich wieder unbeschwert rückspülen!
     
  12. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Ja, ich glaub so ging das. Ich hab nur jede Menge Chemilaborkram hier im Keller stehen aber leider keinen Chromatografen :-(
     
  13. crunchtime

    crunchtime Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Wenn ich in dem jahrzehntelang verschütteten Abiwissen Chemie krame, reagiert Aluminium mit stark basischen Lösungen zu Aluminat: Al(OH)4-. Dabei sollte es einigermaßen unerheblich sein, ob es sich ursprünglich um Natriumcarbonat, -phosphat oder hydroxid gehandelt hat.
    Warum sind diese Reiniger alle basisch? Damit das Kaffeefett verseift und damit wasserlöslich wird. Für Geschirrspülreiniger gilt ja ähnliches, und als ein Bekannter mal einen Spätzleschwob aus Aluminium in den Geschirrspüler gesteckt hatte, kam er grau-schwarz wieder heraus. "Wieso?" :)
    Wer selber testen möchte: das gleiche Experiment kann man mit Alu-Folie nachmachen, ohne Wertvolles "opfern" zu müssen.
    ct
     
  14. Stefan

    Stefan Moderator

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Der Praxistest wurde hier im Forum doch schon vor Jahren, wenn nicht gar einem Jahrzehnt angetreten - ich erinnere mich jedenfalls gut an mehr als einen Thread, wo Leute nach Rückspülaktionen Verteilerplatten mit einem schwarzen Schmierfilm zu beklagen hatten.
     
  15. stumpi

    stumpi Gast

    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Hallo, da muß ich widersprechen.
    Der Kaffeelöser/ Siebträgerreiniger den es vor kurzem wieder im
    Aldi gab, greift das Alu der Duschen-Trägerplatte - GAGGIA Aluminium an.
    Bei mir passiert.
     
  16. Arni

    Arni Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Also, warten wir es einfach ab, manchmal ist Probieren tatsächlich besser als Theoretisieren.
    Ich bin ein Fan des Probierens. Morgen sind wir vielleicht schlauer.
     
  17. Jarimba

    Jarimba Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Ich hab Awimac 2000. Auf dem Sicherheitsdatenblatt steht bei "Gefährliche Bestandteile":
    - Natriumpercarbonat
    - Natriumcarbonat
    - Citronensäure monohydrat

    Falls es wen interessiert, ist hier der Link zum Sicherheitsdatenblatt

    Gruss Jarimba
     
  18. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Soo, erste Bestandsaufnahme:

    Hier die Bilder von der Platte nach 24h im Fettlöser-Bad, unbeheizt, gründlich abgespült und getrocknet:
    (Ich hab mich bemüht, die Fotos möglichst mit den gleichen Lichtverhältnissen zu machen, es hat nicht ganz geklappt...)
    [​IMG] [​IMG]

    Also ich kann keinen großen Unterschied erkennen. Auf den "Nachher"-Fotos scheint die Platte etwas grauer zu sein, aber das kann auch an der anderen Beleuchtung liegen.

    Vielleicht lag es ja daran, dass die Lösung nach dem "Aufgießen" abgekühlt ist.

    Daher lege ich die Platte jetzt nochmal mit einem guten gehäuften Teelöffel ein und lasse das ganze bei 70-80°C auf dem Herd stehen (dann krieg ich auch mein Grillthermometer gleich mit Sauber, das trifft sich gut :-D )

    [​IMG]

    EDIT: Weil es sich im warmen so gut lößt habe ich nach 2 Stunden noch einen Teelöffel voll Fettlöser dazugegeben und ein wnig Wasser nachdosiert, damit die Platte wieder bedekt ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dezember 2011
  19. Ranger Kevin

    Ranger Kevin Mitglied

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Soo... da ich den Herd nicht 24h laufen lassen will (so groß ist mein Wissensdurst jetzt doch nicht) hier das Ergebnis nach 6 Stunden bei ~75-80°:
    [​IMG] [​IMG]
    Der restliche Dreck ist zumindest abgegangen, die Platte ist jetzt deutlich grauer.
    Ob die Oberfläche tatsächlich angegriffen wurde kann ich allerdings kaum beurteilen, wenn wirklich dann nur in extrem geringem Maße.

    Daher meine vorläufige Zwischenbeurteilung: Kaffeefettlöser + Alu ist okay. Solange man es auf einmal pro Monat beschränkt und dann nur Rückspült oder kurz mal reinlegt, mit entsprechend wenig Reinigungsmittel (ich nehme zum Backflushen etwas weniger als 1/2 kleinen Espressolöffel).

    Das sich nach mehreren Jahren leichte Abnutzungserscheinungen Bilden können wir nicht ganz ausschließen, aber wenn dann dürften sie minimal sein.
    Falls es dann wirklich eintritt kann man immer noch für 16€ eine neue Kaufen oder auf Messing umsteigen.

    So nun liegt es an euch, welche Versuche soll ich noch mit der Platte machen? Zerpanen und einlegen? Oder hat jemand eine Idee, wie man einen Langzeitversucht mit erhitzem Reiniger machen könnte? Oder soll ich doch die Natronlauge nehmen, nur um mal zu schauen, was passiert? :lol:
     
  20. Stefan

    Stefan Moderator

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    AW: Greift Fettlöser wirklich Aluminium an?

    Ich würde den Versuch im eingebauten Zustand wiederholen, im Hinblick auf Reaktionen mit den anderen voirhandenen Metallen. Wiegesagt, die Geschichte mit den schwarzen Schmierfilmen auf Gaggia-Aluteilen ist hier weder neu noch erfunden. ;-)
     

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