...kostet der süsse kleine Röster namens Diedrich HR-1, an dem ich mich heute austoben durfte. Will noch jemand wissen wie schwer er ist - oder ist jetzt alle Neugier befriedigt?
Nicht?
Ach - gucken wollt ihr...bittesehr:
Ok, ich merke schon, das reicht nicht - aber das Gewicht verrate ich nicht. Noch nicht. :P
Das Leichteste bekam ich am Vortag zuerst in die Hand - die Betriebsanleitung. Wobei man sagen muss, dass es sich um ein amerikanisches Produkt handelt, die Warnhinweise nehmen dementsprechend einen nicht unbeträchtlichen Raum darin ein, inklusive how-to-do's im Falle eines Brandes im und am Röster, dass unqualifiziertes Personal und Kinder nicht...
Nach vielen nevers, keeps, do nots, always stösst man dann auf die Worte practice, practice, practice - und schon hat man das Wesentliche der Betriebsanleitung erfasst neben der Erklärung der (wenigen) Bedienelemente zur Temperatur- und Luftsteuerung.
Es folgte am nächsten Tag also der Sprung ins kalte Wasser - der erste Tag an einem kleinen elektrischen Trommelröster. Vorher hatte ich zwar schon ein paarmal kuze Intermezzi mit gasbetriebenen Geräten, das möchte ich aber nicht hiermit vergleichen wo ich quasi auf mich allein gestellt den Berg erklomm. Das Stichwort Elektrisch triffts dann auch auf den Punkt - dieser Faktor ist der wesentliche Unterschied beim Rösten, denn dieser Heizungstyp reagiert völlig anders als Gas. Die elektrische Heizung ist träger, vor allem aber hat man nicht den 'Nachbrennereffekt' wie bei Gas, wenn man mal eben schnell nachheizen muss/will. Diese Problematik betrifft schon die Inbetriebnahme des kalten Geräts - mal eben schnell 500g Kaffee (= eine Chargengrösse) rösten kann man eigentlich vergessen wenn man allein schon fast eine Stunde aufheizen muss und mindestens ein, zwei Röstchargen braucht bis das Gerät temperaturstabil ist. Böses Foul - aus Zeitmangel und Ungeduld habe ich die erste Charge gestartet bevor das Gehäuse 'durchgeheizt' war - prompt sackte mir die Temperatur nach dem Befüllen von 190 Grad bis auf 105 Grad ab. -> Was tut man da? Man gibt Gas. Wenn man welches hätte...![]()
Die Heizung stand nun aber noch vom Vorheizen auf 'HIGH' - Pech gehabt, also Klappen zu und abwarten. Irgendwo nach 5,6 Minuten gings dann doch wieder laangsam aufwärts, leider aber durch das elektrische 'Vollgas' konnte ich zum Ende hin nicht mehr gewohnt schnell 'abbremsen' - die Temperatur hing an einem weichen Gummiband und kletterte die Kurve fröhlich weiter hinauf - bis ich nach 18 Minuten und einer Endtemperatur von 215 Grad die Reissleine gezogen habe bzw. der Kaffee ins Kühlsieb geleitet wurde.
Kühlsieb? Vorhanden. Mischer? Hammer nit. Und nu? Na von Hand(aua!) äh mithilfe einer Schaufel gleichmässig verteilen.
Trotz meiner Skepsis aufgrund eines nichtfühlbaren Luftzugs war der Kaffee nach zwei Minuten tatsächlich nur noch handwarm. Einen Häutchensammler gibts übrigens auch - eine süsse kleine Schublade hinten, links neben dem Anschluss für den Rauchabzug - den man übrigens tunlichst nutzen sollte. Das Ding ist ne kleine Nebelmaschine, insbesondere wenns in die dunkleren Röstgrade geht...![]()
Zurück zum Häutchensammler - diese Schublade hat ein sehr feinmaschiges Netz - und deswegen sollte man diese Lade tunlichst nach Anleitung wirklich nach jedem Röstvorgang entleeren weil sich dieses Netz durch Häutchenstaub sehr schnell zusetzt. Denn wo die Luft nicht mehr durch kann, gibts nach hinten hin einen Stau - ganz ganz schlecht bei diesem Röster, wo Röstparameter und Serienkonstanz mehr als bei anderen Trommelröstern von einer funktionierenden Luftzirkulkation abhängen.
Nach zwei, drei weiteren Chargen hatte ich meine Grundlektion in Sachen Reaktionszeit und Temperaturverhalten gelernt und ich habe mich dann sogleich an einen höheren Schwierigkeitsgrad gewagt - die Röstung eines Monsooned Malabar. Nach meiner Logik habe ich dazu die Heizung schon vor dem Start gedrosselt und bin auch im weiteren Verlauf nicht über MEDIUM hinausgegangen - und damit bin ich offensichtlich richtig gefahren. Nach 16 Minuten war ich bei einer Endtemperatur von 190 Grad beim gewünschten Röstgrad knapp im zweiten Crack angelangt.
Mithilfe von Notizen zum Verhalten konnte ich dann bei der 5. und 6. Charge wiederholgenaue Filterkaffeeröstungen fahren - das fand ich in dem Rahmen (besonderes handicap - nebenbei habe ich noch Zuschauer mit gewünschten Infos versorgt) schon mehr als passabel.
Mein Fazit - schönes Teil, wunderschön verarbeitet, im Betrieb sehr leise vor allem. Wenn man sich an die elektrische Heizung gewöhnt, kann man damit richtig gut arbeiten. Aufgrund des Kilopreises habe ich ihn dann aber doch nicht eingepackt. Oder war es doch das Gewicht?
Gruss
Stefan
PS: wer das hier lesen kann weiss dass der Röster sechsunddreissig Kilo wiegt. Falls er es nicht schon vorher wusste...![]()


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