On 9 Jul 2007 at 11:00,
rohkaffeebohnen@web.de wrote:
Hallo und Guten Morgen Herr Popovic,
haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre E-Mail, über die ich
mich ausgesprochen gefreut habe.
Die Idee mit der Doppelten Röstung (= unterbrochenen
Röstung) ist nicht neu und stammt auch nicht von mir.
Erwähnt wird sie ganz kurz von Gerhart Söhn in seinem Buch
Kleine Kaffeekunde von 1955.
Die Idee, die dahinter steckt, ist wohl die, dass die
Bohnenzellen zuerst von ihrem ungebundenen Wasser befreit
werden sollen, da es sich "unter Wasser" schlecht rösten
läßt. Die Dehydrierung darf aber nicht soweit gehen, dass
auch das in den Zellen eingebundene Wasser entweicht und mit
ihnen wertvolle Zellinhaltsstoffe. Das gebundene Wasser wird
in der 2.Stufe noch für ein moderates Auftanken der Bohnen
mit Rösthitze und deren gleichmäßigen Verteilung darin
gebraucht. Sind die Bohnen zu trocken, rösten sie sich, ähnlich den
entkoffeinierten Rohkaffebohnen, wie Popcorn, begleitet mit den
dazugehörigen Knallgeräuschen. Das Geräusch des 1.Knackens bei einer
gut geführten Röstung ist da wesentlich sanfter. Um vor allem das
gebundene Wasser nicht vorzeitig als Hilfsmittel für die eigentliche
Röstung der Bohnen zu verlieren, müssen die Bohnen nach der 1.Stufe
wieder abgekühlt werden. Die Bohnen sind natürlich nach der 1. Stufe
für die Röstung gut vorbereitet für die Aufnahme von Rösthitze. Aus
diesen Überlegungen lege ich auch das Röstprofil für die einzelnen
Bohnen-Provenienzen fest. Ziel dabei ist, besonders der
Maillardreaktion Zeit genug zu geben, mit Hilfe der Hitze und den
Bohneninhaltsstoffen die typischen ca.1000 Kaffeearomen zu erzeugen.
Ein aktuelles Röstprofil für ein Antigua sieht bei mir derzeit so aus-
125g Guatemala Antigua SHB mit dem Gene CBR-101: doppelte Röstung
1.Stufe- 160°C 8 Min, bis ins zarte Gelbstadium. Abbruch und
Abkühlung außerhalb des Röstbehälters 2.Stufe - Temperatur des Rösters
auf 200°C einstellen, abgekühlten Bohnen einschütten und 5 min
moderates Auftanken mit Hitze (die 200°C werden so nach 4 min
erreicht), dann Temperatur auf 240°C erhöhen und die Bohnen cirka 9min
bis zum Ende des 1.Knackens garen, Temperatur runter auf 210°C, noch
1.5 min; Abkühlung außerhalb der Rösttrommel: Bohne in ein Sieb
schütten, umrühren, den Abkühlungsprozess mit ultrawenig
Feinstwassernebel aus der Wassersprühflache beschleunigen.
Anschließend auf ein eiskaltes Pizzablech schütten, welches schon vor
der Röstung ins Tiefkühlfach gestellt wurde, und cirka 5 min ins
Tiefkühlfach stellen. Ruhezeit der frischgerösteten Bohnen: 72
Stunden. Bewertung der Tasse: ganz wunderbar.
Der CBR-101 ist in meinen Augen eindeutig ein Konvektions- und kein
Kontaktröster. Deshalb macht es wenig Sinn, den Röster vorzuheizen, da
das Auftanken der Bohnen je nicht durch Kontakt mit einem heißen
Material erfolgt, sondern durch einen heißen Luftstrom, der
gleichzeitig allseitig die notwendige Rösthitze in die Bohnen bringt.
Das Vorheizen eines Konvektionrösters strapaziert nur unnötig seine
Heizelemente.
Ganz im Sinne der Weisheit der Röstzunft, dass Kaffeerösten
eine Sache ist, die jeder kann, einige sogar gut verstehen,
aber kein Mensch so gut beherrscht, dass er nicht immer noch
etwas dazulernen könnte, freue ich mich auf weitere
Anregungen, Tipps, Erfahrungen etc. über das Kaffeerösten zu
Hause von Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Claus Fricke
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