Hallo,
da ja zuletzt doch ein paar Zweifel bzw. enttäuschte Statements in diesem Thread auftauchen, will ich meine sehr euphorische Erstbetrachtung mal etwas
präzisieren. Vielleicht hilft das, die ein oder andere unerfreuliche Erfahrung zu relativieren.
Da wäre zuerst mal das ganz Grundsätzliche:
Kaffeerösten ist eine Kunst.
Diesen Punkt sollte man bitte nicht vergessen oder unterschätzen. Je intensiver man sich vorbereitet, je sorgfältiger man die Rohware auswählt, je genauer man den Röstprozess beobachtet, protokolliert und nachbereitet, je häufiger man übt und sich mit Gleichgesinnten austauscht, desto eher kommt man zu anständigen Ergebnissen. Mit einem 15.- Euro-Popcornröster kann man ohne Vorerfahrung nicht ansatzlos auf Knopfdruck in Konkurrenz zu einem etablierten Boardröster treten. Das hat aber weniger mit den 15.- Euro und mehr mit der mangelnden Erfahrung zu tun.
Ich habe mich mit anderen Boardies, begeisterten Amateuren und gestandenen Profis, sowohl privat als auch auf unserem Berliner Heimröstertreffen reichlich ausgetauscht, ich habe nicht wenige Röstmaschinen in Aktion gesehen und auch selbst probiert, und ich kann versichern: Der Elta-Röster hat seine Daseinsberechtigung, er kann ein sehr guter Einstieg sein, der Preis ist konkurrenzlos, die Bedienung vergleichsweise überschaubar und das Ergebnis als auch die Reproduzierbarkeit nicht um Klassen (höchstens um Nuancen) schlechter als mit anderen Heimröstern – wenn man es kann. Konkret:
- der richtige Röstgrad lässt sich bei abgenommener Haube sehr gut einsehen. Also Häubchen runter.
- Mit 80-90 Gramm grünen Bohnen ist man gut dabei.
- aufgrund des Föngeräuschs ist der zweite Crack schwer zu hören – man muss nach Zeit und Optik gehen und zum Ende sehr sehr aufmerksam lauschen.
- Der Röster hat keinen wirksamen Windschutz! Um der Reproduzierbarkeit willen stellt man ihn am besten in die Badewanne – da ist es windstill und die Häutchen werden schön gesammelt.
- Die Röstzeiten sind im Originalzustand sehr kurz (ca. 5 Minuten), was aber keinesfalls allen Bohnen einen Abbruch tut. Ich will mal ein Beispiel geben: Der Sidamo, den ich momentan habe, hat eine zitronige Note. Aus dem Grill hat er außerdem noch kräftig Säure, aus dem Popcornröster nicht. Sowas findet man aber nur durch Probieren raus.
- Sinnvolle Einsteigerbohnen wurden hier und anderswo (z.B. der Mischungsthread von schnick.schnack) mehrfach genannt. Als Quellen ausgezeichneter Rohware fallen mir ein: Walter_ / espressolino / Comkaff ; es gibt natürlich noch andere
- Zumindest für den Elta-Röster mit 1200 Watt kann ich sagen, dass er die Bohnen ganz brauchbar vermischt. Zu Beginn der Röstung werden die Bohnen erst mal haarsträubend inhomogen bunt, zum Ende nivelliert sich das aber. Es wird nicht so homogen wie im Grill, dafür wird die Säure besser rausgeröstet.
Es kommt mir langsam vor wie ein Running Gag, aber man kann es fast unter jeden dritten Beitrag schreiben: Bei der Zubereitung von Lebens- und Genußmitteln bestimmt zuletzt das Equipment, zuerst die Rohware und das Können des Kochs das Ergebnis. Also nehmt euch einfach Zeit, lest, übt und fragt, und dann wird es auch was mit dem leckeren selbstgerösteten Kaffee. Dass meiner Partnerin das alles ohne Anlauf so aus der Hüfte gelingt, ist wohl nicht repräsentativ. Bei mir hat´s (mit dem Grill) einige Wochen gedauert, richtig verlässliche konstante Ergebnisse sogar Monate. Das wäre mit dem Popcornröster möglicherweise etwas schneller gegangen.
Und für Leute, die Zahlen mögen (auch wenn sie subjektiv sind): Mit dem getunten Grill und viel Üben hole ich im Vergleich zu einem Profiröster etwa 85-90% des Machbaren aus einer Single-Röstung (gelegentlich etwas weniger). Da ich aber fast nur Blends trinke und hier die persönliche Mischung viel entscheidender für das Geschmackserlebnis ist, fällt das nicht weiter auf. Das Potential des Popcornrösters schätze ich auf 70-75% overall, bei einzelnen Bohnen etwas höher.
Dranbleiben, der Weg ist steinig, der Lohn göttlich!
Viel Erfolg wünscht
Georg