Hallo liebe Kaffeefreunde!
Ich röste seit ein paar Tagen mit meinem Popcornmaker und versuche, zu lernen, welche Konsequenzen welches Röstprofil hat. Wie ich schon geschrieben habe, messe ich während des Vorgangs die Temperatur mit einem Bratenthermometer und versuche durch phasenweisiges Ausschalten des Popcornmakers die gemessene Temperatur der Bohnen auf gewissen Hitzeplateaus einigermaßen konstant zu halten. Ich habe gestern und heute eine Blindverkostung verschiedener Röstprofile der selben Bohne (Sidamo) gemacht und glaube, jetzt Ergebnisse zu haben.
- Wenn man die Bohnen im Popcornmaker längere Zeit auf Temperaturen unterhalb von 200° hält, ist dies entweder der Geschmacksfülle abträglich oder spielt keine Rolle.
Vielleicht schmeckten die Bohnen, die ich direkt auf 200° hochgeheizt habe aber auch heute einfach besser, weil ich sie heute geröstet habe und die anderen schon ein bis zwei Tage alt waren. Ich habe gelesen, dass beim Verkosten der Kaffee immer direkt vorher frisch geröstet wird. Heißt das, dass das Ausgasen beim aufgegossenen Kaffee (im Gegensatz zum Espresso) keine Rolle spielt oder geht es nur um gleiche Vorraussetzungen der Bohnen oder ist es einfach praktischer so, als erst den Kaffee zu begutachten, zu rösten und dann zwei Tage später zu verkosten?
- Entscheidend ist, wie lange die Bohnen bei 200° (1. Crack) oder bei 225-230° (2. Crack) gehalten werden. Bei fünf Minuten bei 200° ist das würzige Aroma noch nicht voll ausgeprägt. Zehn Minuten bei 200° bringen es besser zur geltung. 10 Minuten bei 230° geben mehr rauchiges Aroma als 5 Minuten. Für meine Geschmacksnerven verändert die Röstzeit bei 230° die Bohne stärker als bei 200°. Wenn ich übrigens langsam in Stufen (je 5 Minuten bei 150° und 175°) vorröste, dann ist der erste Crack wesentlich ruhiger und sanfter, lasse ich die Temperatur direkt auf 200° ansteigen, poppt es richtig laut (und das ist entgegen meiner Erwartung für meinen Geschmack bei dieser Bohne zumindest nicht schlechter für das Geschmacksergebnis, eher besser).
Über 230° bin ich in dieser Reihe nicht gegangen, weil das laut Lehrbuch über Full City hinausgeht und das wollte ich erstmal nicht (hab aber schon geschmeckt, was das für Auswirkungen hat).
Ich bin erstaunt, dass ich als nicht besonderers ausgebildeter Feinschmecker die Unterschiede doch erkenne. Dabei hat mir sicher geholfen, dass ich mir die Zeit genommen habe und dass ich die Röstungen im direkten Vergleich hatte. Mit zunehmender Ähnlichkeit der Röstung wurden die Unterschiede allerdings schon sehr fein und bin ich mir auch nicht mehr so ganz sicher, wie genau ich das alles noch geschmeckt habe. Aber die Tendenz der Ergebnisse scheint mir richtig.
Auf jeden Fall habe ich auf diese Art sehr schnell rausgefunden, was ich auf keinen Fall mehr machen werde. Zum Beispiel habe ich die Bohnen, die kürzer als 5 Minuten auf 230° oder 200° waren nach dem Test sofort entsorgt. Wenn ich sie nicht im Vergleich getestet hätte, wären sie mir vielleicht gar nicht so negativ aufgefallen, aber so habe ich gemerkt, dass ich die Möglichkeiten der Bohne definitiv nicht ausgereizt habe.
Dazu muss ich noch Mal betonen, dass es sich um die gemessenen Temperaturen des Bohnen-Wirbelschicht handelt. Auf der einen Seite ist das vielleicht kein guter Vergleichswert, weil die meisten Heimröster meines Wissens die Temperatur irgendwie anderes messen, auf der anderen Seite ist das auch wieder ein guter Vergleichswert ist, weil er dadurch relativ Geräteunabhängig ist.
Bin gespannt, wie sich das bei anderen Bohnen verhält und was ich dort dazu lerne. Ich weiß natürlich, dass das alles ziemlich dilettantisch ist, aber irgendwo muss man ja anfangen und so lerne ich und es macht Spaß, auch wenn ich später vielleicht über diese Schlussfolgerungen lächle.
So viel nur dazu am Abend.
Gruß aus Hamburg!
Jan


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