Hallo,
hier der erste Teil meiner Umbauten an meinem Severin Popcornröster. Vor den ersten Handgriffen hatte ich mich ein wenig auf diversen US-Seiten umgeschaut und einige Anregungen von diesen übernommen.
Mein Ziel im ersten Teil war es, eine rudimentäre Temperaturkontrolle zur Beeinflussung des Röstvorganges zu bekommen. Weiterhin wollte ich den Häutchenflug möglichst stark reduzieren.
Fangen wir also an:
Ein Problem mit dem Popcornröster ist, dass die Bohnen gerade gegen Ende des Röstganges durch den starken Luftstrom teilweise aus der Kammer geschleudert werden. Außerdem herrschen in der doch recht kurzen Kammer unterschiedliche Temperaturverhältnisse, nach oben hin nimmt diese kontinuierlich ab. Beidem kann man abhelfen, indem man die Kammer mit einer Art Kamin verlängert. Hierzu diente mir eine kleine Dose Mais, welche - am unteren Teil mit etwas Alufolie umwickelt - perfekt in die obere Aussparung des Popcornrösters passt.
Weiterhin brauchte ich eine Vorkehrung, um die herumfliegenden Bohnenhäutchen aufzufangen. Ein Passiersieb für 3,50 EUR hat sich hier als perfekt erwiesen. In die Mitte ein Loch im Durchmesser der Maisdose geschnitten, dieses mit Draht und Alufolie verstärkt und dann über die Maisdose gestülpt. Ein zweites, kleieres Sieb hat dann durch drei Schrauben kleine Stelzen bekommen und wird genau umgekehrt über der Röstkammer in das große Sieb gestellt. An diesem kleinen Sieb prallen die Häutchen ab, wandern nach außen und landen im großen Sieb. Es fliegt nichts mehr in der Gegend herum. Klappt wirklich bestens.
Weiterhin wollte ich die Temperatur in der Röstkammer messen. Hierzu einfach ein Loch reingebohrt und ein Einstichthermometer reingesteckt. Fertig.
Hier erstmal zwei Bilder der Umbauten:
Nun ging es an die Elektrik. Bislang kennt der gemeine Popcornröste nur zwei Betriebszustände: Ein (mit voller Heiz- und Lüfterleistung) und Aus. Auf dieser Webseite habe ich interessante Informationen gefunden, an denen ich mich weitestgehend orientiert habe. Af der Webseite ist auch ein Schaltplan zu den Umbauten downloadbar.
Als erstes musste der Lüfter regulierbar werden. Verbaut sind wohl immer Lüfter mit 24V Motoren. Daher habe ich bei Conrad einen 24V Travo und einen Schnurzwischendimmer besorgt. Der Dimmer wird vor den Trafo geschaltet und reguiert damit auch den DC-Ausgang von diesem. Dahinter wird dann der Lüftermotor angeklemmt. Nun kann man die Leistung des Lüfters stufenlos regeln und so ein allzu starkes springen der Bohnen vermeiden. Im unteren Drehzahlbereich fängt der Motor zwar an zu stottern, was aber nicht zu sehr stört, da die Leistung hierbei eh nicht für eine kontinuierliche Bohnenbewegung ausreicht.
Trafo, Dimmer und alle Spannungsanschlüsse wurden in ein einfaches Plastikgehäuse gepflanzt:
Als nächstes kam die Heizung dran. Popcornröster haben anscheinend immer zwei Heizspiralen. Eine kleine, um die Luft vorzuwärmen, eine große für die eigentliche Power. Beide werden nun separat geschaltet. Für die Große wurde der vorhandene Hauptschalter des Rösters weiterverwendet. Für die kleine Heizung habe ich einen zweiten Schalter eingebaut:
Die Heizleistung läßt sich nun recht feinfühlig regeln.
Und nun, wie funktioniert es? Prima!!!
Mittels der Lüftersteuerung läßt sich die Bohnenbewegung gut steuern, so dass diese zwar in einer dauernden Umwälzung sind, aber auch nicht zu stark hüpfen. Die Temperatur im Kessel kann fast Grad genau einjustiert werden. Es ist kein Problem, jede gewünschte Temperatur zwischen 160 Grad und 230 Grad bis auf 2 Grad genau zu halten. Einfach das Thermometer im Auge behalten und kurz vor unter- bzw überschreiten der Soll-Temperatur die Heizung zu- bzw. abschalten. Hört sich aufwändig an, ist aber wirklich sehr einfach. Auch ist die Heizleistung recht ordentlich. Ein Sprung von 160 auf 210 Grad erfolgt in ca. 15 Sekuden. Sehr gut funktioniert auch das abkühlen der Bohnen. Wird die Heizung ausgeschaltet und der Lüfter hochgedreht, gelingt ein runterkühlen von 220 Grad auf unter 40 Grad in ca. 40 Sekunden. Und dabei sind die Bohnen auch wirklich durchgekühlt, da auch nach ausschalten des Lüfters die Temperartur nicht wieder ansteigt, die Bohnen also keine Wärme mehr abstrahlen.
Hier nun mal ein Foto von einem Testlauf mit 100g Indian Monsooned Malabar. Die Bohnen wurden erst vier Minuten bei 170 Grad mit Wärme aufgetankt, dann bei 220 Grad bis zum ersten Crack geröstet, anschließend weiter mit 210 Grad bis weit in den zweiten Crack. Ergebnis etwa Dark French. Gesamtröstzeit 23 Minuten, 40 Sekunden.
Es sei noch erwähnt, dass sich durch die verlängerte Röstkammer nun Margen bis ca. 130 Gramm rösten lassen. Habe es einmal getestet und keine Probleme feststellen können. Bohnendurchmischung und Temperaturstabilität waren bestens.
Alles in allem bin ich bislang mehr als zufrieden. Vor einer Woche war ich noch sehr skeptisch, ob mir die Rösterei gelingen würde, jetzt bin ich absolut begeistert. Und vom Geschmack her ist es einfach genial. Heute eine Mischung aus 90% Monsooned Malabar und 10% Indian Cherry Robusta (beide vor fünf Tagen geröstet, noch ohne Umbauten) probiert. Kann es noch immer nicht fassen, wie gut das schmeckt!
Als nächsten Teil der Umbauten will ich eine einfache, automatische Temperaturregelung realisieren. Hierzu habe ich noch ein Microcontrollerboard (Basic-Tiger) mit AD-Wandler rumfliegen. Mittels eines PT100 Temperatursensors will ich damit die Ist-Temperatur einlesen und die Heizung mit Solid State Relais steuern. Dazu dann einige Tasten zur Wahl von Festtemperaturen, die dann geregelt werden. Also einfach die Taste für 170 Grad, 200 Grad, 210 Grad etc. drücken und die Temperatur wird automatisch eingestellt und gehalten. Eine weitere Taste soll die aktuell anliegende Temperatur einfach nur beibehalten. Also Heizung ein, warten, bis gewünschte Temperatur erreicht, dann Taste drücken und Temperatur wird gehalten. In dieser Kombination sollte man eigentlich alle Freiheiten zur Temperaturkontrolle haben.
So, das war es erstmal, mehr Infos wohl in ein paar Tagen.
Viele Grüße
Klaus


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