Hallo,
da ich anfangs beim Rösten ziemliche Probleme hatte, den richtigen Röstgrad zu treffen, habe ich hier mal (zum Nachprobieren und / oder als Diskussionsanregung) illustriert, wie ich es mittlerweile mache: Ich orientiere mich ausschließlich an den Schlitzen. Während die Bohne nämlich die gesamte Röstdauer über bräunt und dann gegen Ende ihre Farbe nur noch in Nuancen ändert, machen die Schlitze v.a. in den entscheidenden, letzten Minuten eine sehr aussagekräftige Entwicklung durch. Ich teile das Ende der Röstung in vier Phasen, die ich hier im Bild festgehalten habe:
1) Die Schlitze sind sandfarben hell. So sieht es aus, wenn der erste Crack komplett oder weitestgehend vollständig durchgelaufen ist, der zweite Crack aber noch in weiter Ferne liegt. Dieser Kaffee enthält noch einen sehr spritzigen Säureanteil und eignet sich vor allem für Filterkaffee / Frenchpress. In einem Espresso-Blend sollten möglichst wenig bzw. keine Bohnen mit dieser Schlitzfarbe sein, da sie die ganze Mischung ins unangenehm-Saure ziehen.
2) Die Schlitze sind walnußbraun. Diese Farbe nehmen die Schlitze frühestens ca. eine Minute (eher jedoch 20-30 Sekunden) vor Beginn des zweiten Crack an. Man kann diesen Kaffee jetzt schon gut als Schümli aus der Espressomaschine oder einem Vollautomaten ziehen. Auch anteilig in einem Espresso passt der Röstgrad.
3) Die Schlitze sind tabakbraun und deshalb gerade noch so farblich von der Bohne zu unterscheiden. Dieser Röstgrad entsteht ziemlich genau mit einsetzen der ersten Knisterer des zweiten Crack. Für Espresso-trinker müssen die Bohnen spätestens jetzt raus, da eine noch tiefere Röstung das Aroma schnell abflachen lässt.
4) Die Schlitze sind verbrannt und damit farblich nicht mehr von den Bohnen abzugrenzen – man nimmt die Schlitze optisch nur noch als Schatten wahr. Dieser Röstgrad entsteht, wenn man die Bohnen mindestens 10-20 Sekunden in den zweiten Crack hineinlaufen lässt. Auch bei Abschalten der Heizung prasselt es zunächst munter weiter im Röster und es raucht auch noch bei Entnahme der Bohnen. Diese Rösttiefe eignet sich vor allem für Cappucino und Latte, da hier die Säuren fast komplett eliminiert sind und an Ihre Stelle oft Caramell- oder Marzipanaromen treten.
Um einen zeitlichen Rahmen für die vier Phasen zu haben: Wenn bei einer Röstung mit konstanter Temperatur (also ohne ausgefeilte Röstprofile) die ersten Knaller des ersten Crack bei 12:00 Minuten liegen und der zweite bei 16:30 zu knistern beginnt, so sieht es meist so aus:
Phase 1) bis mindestens 15:00
Phase 2) einzelne Walnüsse schon ab 15:00 möglich, in der Zeit von 15:30 bis 16:00 übernimmt die Mehrheit der Bohnen diese Schlitzfarbe
Phase 3) Einzelne ab 16:00, Mehrheit gegen 16:30
Phase 4) Etwa ab 16:45
Röstet man mit einer kürzeren Dauer, so staucht sich natürlich auch der genannte zeitliche Ablauf. Es ist auch nur ein Beispiel und nicht allzu starr zu nehmen. Mit bestimmten Bohnen wie Monsooned Malabar funktioniert diese Methode nicht. Nach meinem persönlichen Geschmack ist ein Espresso am Besten, wenn er sich nur aus Bohnen mit den Schlitzfarben Walnuss (ca. 20-30%) bis Tabak (ca. 70-80%) zusammensetzt. Am besten beurteilt man die Farbe direkt nach dem Rösten, da durch den beginnenden Ölaustritt vor allem die Schlitze schnell nachdunkeln.
So, nun rückt mal raus mit euren Tricks und Orientierungshilfen!
Gruß
Georg


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren



Lesezeichen