[Veranstaltung] 1 - Channeling, Xenia und das Video der Kaffeemacher

Diskutiere 1 - Channeling, Xenia und das Video der Kaffeemacher im Gewerbliche Angebote Forum im Bereich Ankauf, Verkauf, Tausch; Achtung: Very long post! Nachdem ich mich in den beiden Xenia Threads nach dem Video der Kaffeemacher recht weit aus dem Fenster gelehnt und wie...

  1. #101 JSCoffee, 24.10.2020
    Zuletzt bearbeitet: 24.10.2020
    JSCoffee

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    Achtung: Very long post!

    Nachdem ich mich in den beiden Xenia Threads nach dem Video der Kaffeemacher recht weit aus dem Fenster gelehnt und wie auch einige andere der Xenia einen konstruktiv bedingten Hang zum Channeling zumindest nahegelegt hatte, wollte ich der Sache auf den Grund gehen und habe meine Ansätze dazu komplett überdacht.
    Mein Standard Setup: Xenia mit 2 x 150W Heizpatronen, Kesselisolierung, Original NBR Dichtung, 14gr A-Sieb, bodenloser Siebträger, Eureka Magnifico, Tamper 58 mm, Leveler 58,4 mm, Trichter, kein RDT/WDT.
    Mein Ansatz für die Behauptung war, dass bei mir das Wasser aus den 4 Kanälen vor dem Diffusor nicht gleichmäßig austrat, sondern immer die vorderen beiden Kanäle deutlich früher und mehr Wasser führten. Da das Randchanneling bei mir immer in diesem vorderen Bereich (etwa 5 Uhr) zu sehen war, glaubte ich, den vermeintlichen Grund gefunden zu haben.
    Um die Rahmenbedingungen anzupassen, habe ich ein paar Grundeinstellungen vorgenommen (Vielen Dank ans Forum für viele hilfreiche Hinweise). Da ich die Maschine gebraucht gekauft hatte und sie vorher beim Kundendienst war, hatte ich darauf zuerst keinen großen Wert gelegt. Also habe ich den Kesseldruck von 1,4 bar auf die empfohlenen 1,2 bar gemindert, den Brühdruck von 12,5 bar auf 10 bar gesenkt und die Maschine in die Waage gebracht, wobei die Brühgruppe der Referenzpunkt war. Das hat zwar alles nichts an der Channeling-Problematik verändert, aber am Geschmack sehr wohl. Noch dazu lief jetzt erstmals bei Verwendung des 2er Auslaufs der Espresso gleichmäßig in beide Tassen. Eigentlich wollte ich an diesem Punkt schon fast aufhören, da ich mit dem Ergebnis trotz dem gelegentlichen Channeling geschmacklich super zufrieden war.
    Da war aber noch das Problem, dass ich diese Behauptung öffentlich aufgestellt habe und dies auch @Iskanda gegenüber entweder bestätigen oder revidieren wollte. Er hat mich nach meinen posts übrigens auch kontaktiert und mir seine Hilfe angeboten. Ich habe aber für mich entschieden, dass ich der Sache neutral und unbeeinflusst auf den Grund gehen wollte.
    So bin ich vorgegangen:

    1. Kaffee
    Hier wollte ich etwas wählen, dass meinem Geschmack von der Beschreibung her entgegenkommt, aber noch neu für mich war. Außerdem nichts exotisches, sondern eher als gutmütig gilt. Daher habe ich mich für den Hausbrandt Nonnetti entschieden und den möglichst frisch bezogen (Röstdatum 04.09.2020).
    2. Standards
    Ich wollte nur wenige Parameter ändern bzw. beeinflussen und daher habe ich die Brühzeit bei den voreingestellten 30s gelassen.Ich habe nur Menge und Mahlgrad verändert, weiterhin habe ich versucht, die Puckvorbereitung zu standardisieren. Ich mache kein RDT/WDT, verwende möglichst den gleichen Tamperdruck und die Vorgabe für die Brew Ratio war 1:2.
    3. Ablauf
    Ich wollte 20 Doppios beziehen, wobei die ersten 10 zum festlegen der Parameter gedacht waren und die Bezüge 11 - 20 die Reproduzierbarkeit zeigen sollten.
    Nach 20 Bezügen Tausch des Duschsiebes auf ein IMS 35um Sieb und das gleiche von vorne.
    Nach weiteren 20 Bezügen Tausch auf ein IMS Baristapro Nanoquarz 15 gr ridgeless Kaffeesieb sowie eine 8,5 mm dicke Siebträgerdichtung aus Silikon.

    Ergebnis:
    Schon beim ersten Set fiel mir auf, dass ich bei der Vorbereitung einen Fehler machte, der wohl dass Grundübel war. Nach dem Mahlen habe ich den Siebträger immer 3 - 4 mal auf der Tampermatte aufgeklopft, um das Kaffeepulver vom Trichter zu lösen. Dabei konnte man sehen, dass ich das Pulver leicht nach vorne Richtung 12 Uhr geklopft habe und im Bereich 6 Uhr weniger Pulver war. Nicht viel, aber schon sichtbar. Der Leveler hat zwar dann eine ebene Fläche erzeugt, aber darunter war das Mehl ungleichmäßig verteilt. Daraufhin habe ich den Siebträger beim Klopfen anders gehalten und damit das Kaffeemehl gleichmäßiger verteilt und schon war das Ergebnis deutlich besser.
    Mein zweiter Fehler war in meiner Vergangenheit als "Hobbybarista" zu suchen, denn meine vorherige Maschine hatte eine feste Preinfusion sowie einen 54mm Siebträgerduchmesser und ich hatte damit kein Channeling, dass im Puck sichtbar gewesen wäre. Dadurch habe ich mir eine "schlampige" Arbeitsweise angewöhnt und den Mahlgrad und die Kaffeemenge so gewählt, dass der Puck nach dem Ausklopfen toll aussah. Im Grunde genommen war das Mehl immer zu grob und das Sieb zu voll, damit die gewünschte BR in 30s Bezugszeit erreicht wird. So habe ich auch bei der Xenia dummerweise immer mit dem dial in begonnen, wenn ich einen neuen Kaffee gekauft habe.
    Beim Original Setup der Xenia habe ich es mit diesen Erkenntnissen geschafft, 9 von 10 Bezüge ohne Randchanneling hinzubekommen. Die Kaffeemenge lag idealerweise bei 14,5 gr mit dieser Bohne und der eingestellten Bezugszeit, um kein Channeling zu haben. Bei den wenigen Bezügen mit Channeling war aber der Geschmack kaum beeinflusst und die BR war maximal 1:2,4. Die hier öfter mal beschriebenen Löcher im Puck von den Wasserstrahlen aus dem Diffusor habe ich auch gehabt, aber nicht immer gleich stark. Dies hing von der Füllmenge des Siebes ab. Was aber durch das Ausprobieren bei mir zumindest klar wurde, ist das die Xenia bei diesem Sieb mehr headspace braucht, denn sobald ich über die Rille des Siebes gefüllt habe, konnte ich zu 90% von Channeling ausgehen. Die Varianz der Kaffeemenge, die sehr wenig oder kaum Channeling zuließ, war von 14,3 bis 14,8 gr.
    Zu den Veränderungen mit dem IMS Duschsieb: Die Löcher im Puck sind weg gewesen und viel wichtiger: Keine Kaffeereste hinter dem Duschsieb und damit weniger Reinigungsaufwand. Damit haben sich die 12 Euro für das Upgrade für mich bezahlt gemacht. Geschmacklich konnte ich keine Veränderung feststellen, sodaß ich schon nach 10 Bezügen auf das letzte Setup wechselte.
    Nach dem Austausch des Kaffeesiebes gegen das von IMS hat sich dann etwas mehr getan. Grundsätzlich musste ich feiner mahlen und die Bezüge wurden dadurch deutlich intensiver. Ich bin dann von den Standards abgewichen, weil mir der Espresso so nicht geschmeckt hat und habe die Bezugszeit auf 27s reduziert. Mit dieser Einstellung sowie einer Menge von 16,2 gr hatte ich einen sehr tollen Geschmack und war zufrieden mit dem Ergebnis. Der deutlichste Unterscheid war jedoch, dass das IMS Sieb eine Füllung von 15,8 gr bis 17,2 gr zuließ bei einer BR von 1:2 und entsprechender Anpassung des Mahlgrades, ohne das sich Channeling bemerkbar machte. Allerdings hat der Espresso bei 17 gr Füllung sehr flach geschmeckt und war für mich zumindest deutlich schlechter. Channeling war beim IMS Sieb gar kein Thema und war bei keinem einzigen Bezug im Puck erkennbar gewesen. Großer Pluspunkt des IMS Siebes ist die Reinigung, denn durch die fehlende Rille und die beschichtete Oberfläche lassen sich Kaffeereste mit dem Pinsel sehr leicht entfernen. Auch hier sehe ich den Aufpreis gerechtfertigt.

    Fazit:
    Ob die Xenia mehr als andere Maschinen zum Channeling neigt, kann ich nicht sagen, da ich keine andere Maschine mit den gleichen Konstruktionsmerkmalen vorher hatte. Es ist auf jeden Fall falsch, dass man mit der Xenia ein Channeling Problem hat, denn es ist zweifelsohne möglich, die Parameter so abzustimmen, dass man hervorragenden Espresso ohne Channeling konstant beziehen kann. Ich nehme hiermit meine Behauptungen aus den beiden Threads zurück. Man geht oft Voreingenommen an eine Sache heran, weil man denkt, man hat schon alles erlebt und einen ausreichenden Erfahrungsschatz angehäuft. Aber wie es so schön heißt, man lernt nie aus.
    Hoffentlich ist jetzt keiner beim Lesen eingeschlafen:).
     
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  2. #102 Iskanda, 24.10.2020
    Zuletzt bearbeitet: 24.10.2020
    Iskanda

    Iskanda Mitglied

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    Das bestätigt meine Erfahrung. Die Nutzung eines Siebträgers ist immer das Spiel mit Röstung, Alter der Röstung, Mahlgrad, Mahlmenge und dem Tampern. Und ich denke das macht auch den Reiz aus und jeder der einen Siebträger nutzt oder kaufen will, hat das im Kalkül. Und wenn es überhaupt nicht klappt, dann können wir durchaus auch den richtigen Hinweis geben.

    Bei Andy war es die (vermutlich) überaltete Röstung.

    Hier ging es diesmal um die Zubereitung. Am Ende klappt es nach meiner Erfahrung immer.

    Nein, sowas Detailliertes liesst man gerne.
     
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