Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

Diskutiere Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich. im Mühlen Forum im Bereich Maschinen und Technik; Liebe Espressofreunde, zu Jahresbeginn 2010 mal in einem Thread angekündigt, jetzt also der Vergleich zwischen den beiden Mühlen. Ich bitte aber...

  1. #1 Jannicx, 19.03.2010
    Jannicx

    Jannicx Mitglied

    Dabei seit:
    07.01.2008
    Beiträge:
    335
    Zustimmungen:
    0
    Liebe Espressofreunde,
    zu Jahresbeginn 2010 mal in einem Thread angekündigt, jetzt also der Vergleich zwischen den beiden Mühlen. Ich bitte aber zu bedenken, dass es sich bei dem folgenden Bericht um meine subjektiven Eindrücke handelt, die keine Allgemeingültigkeit haben. Ich zähle mich nach wie vor eher zu den Anfängern bei unserem Hobby und kann und möchte nicht mit technischen Messmethoden und –parametern aufwarten – mir geht es eher um die Alltagstauglichkeit im Haushalt des Durchschnitts-Espressojunkies. :-D
    Aufgrund der Länge des Berichts mußte ich ihn teilen.


    Vorgeschichte
    Im Sommer 2008 erlag ich nach monatelangem Mitlesen hier im KN dem Siebträgerfieber und legte mir auch meine erste Mühle, die Ascaso i-mini, zu. Meine Anschaffungskriterien für die Mühle waren:
    • Kompaktheit (die Mühle sollte neben meiner Vivi nicht zu riesig aussehen und unter den Hängeschrank passen),
    • korrespondierendes Design zum ST (wiederum zur Vivi – poliertes Alu),
    • Wertigkeit (möglichst kein Plastiklook),
    • Preis (nicht zu teuer, Anfängerbereich),
    • konisches Mahlwerk (Scheibenmahlwerke waren mir wg. der Einstellung und Abnutzung „suspekt“, außerdem hatte ich über die guten Mahl- und Geschmacksergebnisse konischer Mahlwerke und insbesondere der i-mini gelesen).

    Ascaso i-mini
    Gesagt, getan, es hielt, zusammen mit der Vivi, im Sommer 2008 die Ascaso i-mini Einzug in meine Küche. Ich war von Anfang an zunächst sehr zufrieden mit der Mühle, denn auch als Einsteiger kann man sie auspacken und ohne komplizierte Zusammenbauarbeiten und stundenlanges Bedienungsanleitungsstudium sofort in Betrieb nehmen. Mit der Zeit gab es jedoch das ein oder andere, was mich an der Mühle zu stören begann. Hierzu gehören:
    • die fehlende Mahlgradanzeige / Skala (Es gibt zwar hier im Forum Angaben über diverse Tricks, wie man sich Mahlgrade markieren kann, allerdings sind das für mich letztendlich doch eher „unelegante“ Hilfskonstrukte, wo man sich auch schnell vertun kann.) Die stufenlose Einstellbarkeit der Mühle ist generell sicherlich ein Vorteil, aber: man dreht sich an dem kleinen seitlichen Rad einen Wolf. Fazit: Bohnenwechsel können, wenn man nicht ständig Probebezüge entsorgen will, zu einer tagelangen Übung werden, bis man den richtigen Grad gefunden hat, wenn man sich keine Markierung gemerkt hat.
    • der sehr wackelige Einfach-Plastik-Bohnenbehälter. Ihn muss man ab und an wieder leicht andrücken – einmal kam ich versehentlich dagegen und dann war er runter und die Bohnen verstreut. Sehr ärgerlich. Der Bohnenbehälter ist (anders als bei der Graef) unten nicht verschließbar. Das habe ich allerdings auch nicht so sehr vermisst, da ich bei Bohnenwechsel zwischendrin einfach die Mühle (bei verschlossenem Bohnenbehälter) auf den Kopf stellen kann, und dann den Bohnenbehälter mit den nach unten gekullerten Bohnen von der Mühle abziehe, um sie dann in einen Aufbewahrungsbehälter umzufüllen. Hier kommt der i-mini ihre Kompaktheit zu Gute.
    • die Lautstärke. Mannomann, morgens im winterlichen Halbdunkel beim Mahlen mit der i-mini – da wird wach, wer noch nicht wach ist! Ein wenig Dämpfung verschaffte das Unterlegen eines dicken Korkuntersetzers (1 cm Dicke).
    • das Fehlen einer Halterung/ Siebträgerauflage für den Mahlvorgang. Beim Mahlen muss ich stets mit der linken Hand die Mühle festhalten, während ich mit der rechten Hand mit dem Siebträger gegen den Mahlknopf presse.
     
  2. #2 Jannicx, 19.03.2010
    Zuletzt bearbeitet: 19.03.2010
    Jannicx

    Jannicx Mitglied

    Dabei seit:
    07.01.2008
    Beiträge:
    335
    Zustimmungen:
    0
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Graef CM80
    Tja..... und dann kam die Graef auf den Markt und ergojuer setzte zum Test an. Ich las wochenlang mit, das Kribbeln wurde immer stärker und als Amazon dann den Preis der Mühle auf 119,- Euro runtersetzte (inzwischen wohl auch mal auf 109,- Euro), konnte ich nicht anders – ich bestellte! :cool: Das war im Januar, als Graef Lieferschwierigkeiten hatte. Folglich musste ich, wie viele andere hier auch, brav bis Anfang März warten, bis das Paket kam. Jetzt ist sie da und ich muss sagen, Hut ab, Graef CM80 – tolles Teil! Hier im Einzelnen:
    Da ich ein Verfechter von (größtmöglicher) Simplizität und Wertigkeit gepaart mit Funktionalität bei gefälligem Design bin, sprach mich die Mühle schon gleich beim Auspacken an. Ich benötigte auch hier keine Bedienungsanleitung, um die CM80 zusammen zu setzen. Wo bei der Ascaso kurz geschraubt werden muss (die Schraube, die die Abdeckung des Mahlwerks festhält), muss hier der Kranz zur Mahlgradverstellung einfach nur auf die Mühle aufgesetzt und im Uhrzeigersinn eine halbe Umdrehung nach vorne gedreht werden, bis die Markierung mittig steht. Fertig. Bereits beim Zusammenbauen fielen mir folgende Unterschiede zur i-mini auf:
    • wertiger Bohnenbehälter (stabileres Plastik, Behälterdeckel mit Alulook-Oberfläche, unten durch leichten Rechtsdreh beim Entfernen aus der Mühle verschließbar, dunkles „Rauchdesign“);
    • 2 Siebträgeraufsätze, passend zum den Graef-Siebträgermaschinen. Der größere von beiden passt auch für den ST meiner Vivi – also wahrscheinlich dann auch für die meisten der E61-ST;
    • abnehmbare Gummimattenauflage unter dem Einfüllstutzen. (kleines, aber sehr sinnvolles Detail, das bei der Reinigung hilft);
    • Rüsselverlängerung aus Gummi (sehr sinnvolles upgrade – erste Tests der Sunbeam-Mühle bemängelten Streuverluste des Mahlguts);
    • kleiner, unten verschließbarer Mahlgutbehälter (von diesem Ding bin ich besonders begeistert – so kann ich zuviel gemahlenes Espressobohnenmahlgut bis zum nächsten Bezug aromaschonend aufbewahren und muss es nicht gleich entsorgen).

    Unterschiede bei den Abmessungen
    Die CM80 ist ca. 7 cm höher als die i-mini und ca. 1,5 cm breiter (siehe Fotos, gemessen jeweils an der Bohnenbehälteroberkante bzw. an der breitesten Stelle unterhalb der Mühle). Insgesamt wirkt die CM80 einiges breiter als die i-mini, was jedoch lediglich der baulich voll ausgenutzten Fläche unter dem Einfüllstutzen geschuldet ist, wo die Gummimatte aufliegt. Die i-mini läuft an gleicher Stelle dagegen quasi stumpf/spitz zu, so dass auch mal Mahlgut neben diesen Bereich der Mühle landen kann.

    Erfahrungsvergleich im täglichen Betrieb
    Es ist kaum zu glauben: Wo ich bei der i-mini anfangs tagelang mit dem Einstellen und finetuning des korrekten Mahlgrades beschäftigt war, reichten bei der CM80 genau drei Mahlvorgänge (okay, ich bin inzwischen erfahrener, was die Mahlgradeinstellung betrifft. Trotzdem.). Chapeau!!! Dank der Skala ist auch der Bohnenwechsel kein Problem, ich kann mir den Mahlgrad zur entsprechenden Bohne entweder merken oder notieren. Die Mühle ist sehr leicht auseinander zu nehmen, zu reinigen und wieder zusammen zu setzen. Hierzu gibt es reichhaltige Infos sowohl auf der Graef-homepage, als auch bei youtube in Videoform (hier auch mal nach „Sunbeam grinder“ suchen). Das Mahlgeräusch ist erheblich leiser und angenehmer als bei der i-mini, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass die CM80 etwas langsamer als die i-mini mahlt, was aber für den Privatverbraucher keine Rolle spielen dürfte. Auffällig ist allerdings, dass die Mühle etwas „saut“. Ich habe bislang erst 2 Bohnensorten probiert, bei beiden war die Streuung gleich. Allerdings wurde hier im Forum schon verschiedentlich berichtet, dass das von der Bohnensorte abhängig sei. Das mag sein, allerdings ist meine Vermutung, dass das auch an einer statischen Aufladung des Mahlgutes mittels der Rüsselverlängerung aus Gummi liegen könnte. An dieser Stelle also die Idee, dass Graef bei zukünftigen upgrades ein antistatisches Material als Rüsselverlängerung verwenden könnte.

    Fazit
    Aus meiner Sicht sprechen nach wie vor für die Ascaso i-mini:
    Kompaktheit, Schnelligkeit, stufenlose Mahlgradverstellung „ins Unendliche“ (gerade auch für Tüftler und Probierfreudige geeignet).

    Für die Graef CM80 spricht die umfangreiche, im Detail intelligente und wertige Zubehörausstattung; der angenehme Geräuschpegel sowie die Mahlgradanzeige, die es Anfängern und Bohnenwechslern gleichermaßen einfach macht. Auch der günstigere Preis im Verhältnis zur i-mini fällt ins Auge. Insbesondere für Anfänger im Espressohobby, wenn man mit den Parametern noch etwas unsicher ist, würde ich deshalb durchaus eher die Graef als die Ascaso empfehlen.

    [​IMG] [​IMG]
     
  3. #3 cappufan, 19.03.2010
    cappufan

    cappufan Mitglied

    Dabei seit:
    08.07.2007
    Beiträge:
    4.546
    Zustimmungen:
    10
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Danke, Tina, sehr interessant (schön, daß sie mal nebeneinander auf einem Foto zu sehen sind). Viel Spass mit der Graef weiterhin. Welche wird Deine Hauptmühle? ;-)
     
  4. #4 Jannicx, 19.03.2010
    Jannicx

    Jannicx Mitglied

    Dabei seit:
    07.01.2008
    Beiträge:
    335
    Zustimmungen:
    0
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Hallo cappufan,

    tja....:oops: ich fürchte, ich werde die Ascaso aus reinen Bequemlichkeitsgründen demnächst verkaufen. Die i-mini ist nach wie vor prima, das Mahlergebnis absolut hervorragend, aber ich bin bequem und wechsle ab und an auch mal die Bohnen und die Einfachheit der Mahlgradverstellung weist halt nunmal gaaaaanz stark in Richtung Graef. Meiner Ansicht nach werden da die Hersteller im Einsteigersegment gewaltig nachziehen müssen, was Zubehör und intelligentes Mühlendesign betrifft - da hat die Graef (insbesondere auch unter dem Preisaspekt) aktuell ein paar Alleinstellungsmerkmale, würde ich sagen... ;-)
     
  5. Arni

    Arni Mitglied

    Dabei seit:
    08.10.2007
    Beiträge:
    8.936
    Zustimmungen:
    521
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Respekt! kurz und bündig, aber gehaltvoll. Mit diesen Angaben kann man tatsächlich etwas anfangen!
     
  6. #6 pavoni_thomas, 19.03.2010
    pavoni_thomas

    pavoni_thomas Mitglied

    Dabei seit:
    22.08.2003
    Beiträge:
    49
    Zustimmungen:
    1
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Toller und hilfreicher Testbericht- vielen Dank.

    Gruß Thomas (der gerade nach einer Zweitmühle sucht)
     
  7. awild

    awild Mitglied

    Dabei seit:
    22.12.2008
    Beiträge:
    1.422
    Zustimmungen:
    68
    AW: Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

    Danke Tina!

    Schöner Bericht! Alles wesentliche knapp aber gehaltvoll beschrieben :-D

    LG Andreas
     
Thema:

Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich.

Die Seite wird geladen...

Ascaso i-mini vs. Graef CM80 – ein Praxisvergleich. - Ähnliche Themen

  1. [Verkaufe] La Marzocco Linea Mini

    La Marzocco Linea Mini: Hallo, ich verkaufe aus Italien La Marzocco Linea Mini von 2018, schwarze Farbe. Sehr wenig benutzt, hauptsächlich als Möbelstück. Neuer Zustand....
  2. Erfahrungen mit der Graef Marchesa?

    Erfahrungen mit der Graef Marchesa?: Hallo zusammen, wie im anderen Thread schon angekündigt neheme ich schonmal eine Maschine und "frage mal drauf los"... Bei der Suche nach einer...
  3. [Maschinen] Dalla Corte (Super)mini

    Dalla Corte (Super)mini: Suche entweder eine Mini oder Supermini in funktionstüchtigem Zustand, muss aber nicht perfekt sein. Raum Berlin wäre wünschenswert, da Abholung...
  4. [Verkaufe] Bohnenbehälter 600g für Mazzer Mini

    Bohnenbehälter 600g für Mazzer Mini: Original mit Deckel und Absperrschieber, leichte Gebrauchs-/Lagerspuren. War ca. 1/2 Jahr in Verwendung und wurde dann durch QM bzw. Torr...
  5. [Verkaufe] La Marzocco Linea Mini (schwarz)

    La Marzocco Linea Mini (schwarz): Hallo, ich biete hier eine gebrauchte La Marzocco Linea Mini in schwarz matt zum Verkauf an. Die Maschine stammt aus (Produktionsdatum) März...
  1. Diese Seite verwendet Cookies um Inhalte zu personalisieren. Außerdem werden auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Mit dem weiteren Aufenthalt akzeptierst du diesen Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden