Bewertung von Rohkaffee

Diskutiere Bewertung von Rohkaffee im Vom Rohkaffee zum Selbströster Forum im Bereich Rund um die Bohne; Ich hätte mal eine kurze Frage, die wahrscheinlich umfangreicher zu beantworten ist.... Könnte mir bitte jemand die Unterschiede zwischen den den...

  1. #1 frankie_four, 03.12.2015
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    frankie_four Mitglied

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    Ich hätte mal eine kurze Frage, die wahrscheinlich umfangreicher zu beantworten ist....

    Könnte mir bitte jemand die Unterschiede zwischen den den Q-Grade, SCAA und Cup of Excellence Systemen für die Bewertung von Rohkaffee nennen, bzw. Hinweise geben wo ich mich informieren kann? Es scheint alles auf SCAA aufzubauen und wenn ich die zugehörigen websiten durchsuche, scheint alles nur eine andere Etikette zu haben...

    Gemeinsam scheinen sie den SCAA Bogen zur Bewertung des Kaffees zu haben, aber was sind die Ziele? Hinzu könnte ja noch Nordic Approach oder LevelUp gezogen werden...


    Edit: Ich glaube es würde besser ins Topic "Bohnen und Kaffee" passen, mein Fehler.
     
  2. #2 silverhour, 03.12.2015
    silverhour

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    Ja, eine umfassende Antwort wäre etwas umfangreicher. Daher gebe ich mal nur einen Startpunkt.

    Die verschiedenen Bewertungs- und Qualitätseinstufungen werden nicht global einheitlich verwendet, auch basieren nicht alle Einstufungen auf den selben Kriterien.
    Wie so oft hilft das Kaffeewiki weiter: https://www.kaffeewiki.de/index.php?title=Rohkaffee
    Hier werden die wichtigsten und geläufigsten Einstufungen beschrieben: Z.B. nach objektiv messbaren Kriterien wie nach Bohnengröße (z.B. AA, PB,.... in Afrika) oder Anzahl defekte Bohnen (z.B. SCAA Klassifizierungen), aber auch subjektive Einstufungen wie z.B. die "cup of excellence" Auszeichung, die von einer Gremium vergeben werden, oder organisatorische Einstufungen wie Rain Forest Alliance, Fair Trade usw usf...
     
    gunnar0815 gefällt das.
  3. #3 frankie_four, 03.12.2015
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    frankie_four Mitglied

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    Vielen Dank. kaffeewiki hatte ich schon durchsucht, allerdings gehen mir die Infos nicht tief genug. Die Auseinandersetzung mit den einzelnen websites hat mir nicht weitergeholfen, da ziemlich viele Werbebotschaften drin stecken, aber wenig Inhalt. Zumindest so wenig Inhalt, dass es schwer ist die Systeme voneinander zu trennen. Für mich geht nicht hervor, warum dass eine besser sein soll als das andere.
    Die Ausbildung scheint bei den drei angesprochenen Systemen gleich zu sein.
     
  4. jutta

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    Aus meiner Sicht hat silverhour alles richtig sortiert:
    Objektive Kriterien sind auch Feuchte oder Substanzverlust beim Rösten, wobei letzteres auch Auswirkung auf die Sensorik hat.

    Bei den subjektiven Einstufungen, wird es naturgemäß recht subjektiv. Der Versuch einer "Objektivierung" besteht darin, den subjektiven Gesamteindruck durch einzelne Kriterien besser greifbar zu machen. In der Durchführung mag es Unterschiede geben, im großen ganzen steht aber die selbe Idee hinter den einzelnen Verfahren.

    Organisatorische Kriterien setzen eher nicht bei der Kaffeequalität an, sondern je nach Ausrichtung unterschiedlich stark auf einzelne Facetten von Nachhaltigkeit.

    Nach meiner Auffassung sind die qualitätsorientierten Kriterien der Versuch eine einheitliche "Sprache" zu finden, um eine Einschätzung des Produkts auch ohne es gesehen/verkostet zu haben zu ermöglichen. Da es bei Kaffee im wesentlichen um Geschmack geht, ist das nicht ganz einfach.

    Gruß Karlheinz
     
  5. #5 silverhour, 04.12.2015
    silverhour

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    Nunja, eine einfache und umfassende Zusammenstellung der verschiedenen gebräuchlichen Einstufungssysteme hat scheinbar noch keiner redaktionell zusammen gestellt. Zumindest ist mir nix bekannt.

    Bei den verschiedenen "Systemen" ist m.E. wichtig, daß es alles keine konkurrierenden Modelle sind und keiner den Anspruch hat, " final" zu sein. Die ein oder anderen Einstufungen laufen auch komplett parallel.
    Z.B. sagt die Bohnengröße nichts zur Qualität in der Tasse aus. Eine PB gilt z.B. als "niedrig" kann aber geschmacklich hervorragend sein und Preise gewinnen.....
     
  6. #6 Michael1181, 07.12.2015
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    Bezogen auf die Frage von „frankie_four“ muss ich mit meinem Halbwissen etwas ausholen und die notwendigen Links/Quellen finden sich unterhalb.

    Den Q-Grade bzw. das Q-Zertifikat erhält ein „Roh“ kaffee nur, wenn dieser auch im Röstprofil und im Tassenprofil überzeugt. (siehe Quelle 1).
    Hier orientiert man sich stark an der SCAA Einteilung/Einstufung und ein Minimum von 80 Punkten im Tassenprofil und keine Defekte vom Rohkaffee werden vorausgesetzt.

    Quelle 2:
    SCAA hat diverse Standards die aufgerufen werden, damit ein Rohkaffee z. B. Rang/Stufe 1 erhält (0 Defekte) oder z. B. Rang/Stufe 2 mit bis zu 5 Defekten.
    Als Ausgangsbasis der Bewertung wird 350g Rohkaffee herangezogen.
    Die Helligkeit/Lampe über dem Tisch zur Bewertung vom grünen Kaffee muss bei mindestens 4000 Kelvin (K) / 1200 Lux (lx) liegen/besitzen und selbst der Tisch muss eine Mindestgröße besitzen (2 Feet), also 0.6096 Meter x 0.6096 Meter.

    Quelle 3:
    Es wird in Quelle 2 beschrieben, dass näheres im Handbuch zur Klassifizierung beschrieben ist. Demzufolge findet sich in Quelle 3 ein Satz von „Regeln“ zur Erfassung von Defekten.

    Es können bei SCAA genau zwei Klassifizierungen erreicht werden nämlich “Specialty Grade“ und „Premium Grade“ in Abhängigkeit der Defekte.
    Die Gewichtung und Bewertung von Defekten sind im Handbuch(SCAA Defect Handbook) beschrieben und ebenfalls in Primäre und Sekundäre Defekte eingeteilt wie z. B. 5 gebrochene Bohnen ergeben einen Defekt.
    Das „SCAA Defect Handbook“ muss erworben werden, daher kann ich keine Auskünfte geben was dort enthalten ist oder wie dort gewichtet wird.
    Hier wäre es schön, wenn uns ein Mitglied weiterhelfen könnte.

    In Quelle 4 ist auf Seite 61 von 62 ein Beispiel vom SCAA Defect Handbook, wobei eine richtig schwarze verfaulte Bohne einen Defekt darstellt, sowie 2 bis 3 Bohnen mit anteilig schwarzer Struktur ebenfalls einen Defekt (sollten 1/2 von 3 anteilige Defekte vorliegen wird das Tassenprofil bzw. der Ausmaß in der Tasse bewertet).
    Eine weitere Darstellung der Zählung existiert in Quelle 5, wobei hier schon ein Widerspruch zur offiziellen Angabe existiert in der Menge vom zu klassifizierenden Kaffee (300g vs 350g).

    Nimmt man allerdings die primären und sekundären Defekte dieser Quelle würde es folgendes bedeuten für das Q-Zertifkat und die SCAA Klassifizierung:

    [​IMG]

    [​IMG]

    Möchte man das ganze jetzt grafisch visualisieren könnte man es wie folgt:

    [​IMG]

    Die Grafik zeigt die Gleichstellung vom Q-Zertifikat mit dem SCAA Standard in Bezug auf die Klassifizierung von Rohkaffee.

    Was in der Eingangsfrage nicht enthalten ist wäre die aufwändigere Brazil / New York Methode zur Klassifizierung von Rohkaffee. (siehe Quelle 6).

    Das „Cup of Excellence“ Verfahren für die Klassifizierung für Rohkaffee existiert meiner Auffassung nach nicht. (siehe Quelle 7).
    Dort wird nur spezifiziert, dass Kaffee nach einer „Röstvorlage“ geröstet werden muss und dann „blind“ verkostet wird. Beim Erreichen von 85 Punkten geht der Kaffee in die nächste Runde über (bis zum Schluss ein Gewinner entsteht).

    1. Quelle:
    http://www.coffeeinstitute.org/our-work/q-coffee-system/

    “Coffees that meet the standards for green, roasted, and cup quality are issued a Q Certificate. If a coffee does not meet Q standards, it receives a CQI Technical Report.”

    2. Quelle:
    http://www.scaa.org/?page=resources&d=green-coffee-standards
    siehe PDF’s

    3. Quelle:
    https://www.scaa.org/PDF/resources/grading-green-coffee.pdf

    4. Quelle:
    http://www.hawaiicoffeeassoc.org/Resources/Documents/HDOA Green Grading and Defects 2013.pdf

    5. Quelle:
    http://www.coffeeresearch.org/coffee/scaaclass.htm

    6. Quelle:
    http://www.coffeeresearch.org/coffee/brazilclass.htm

    7. Quelle:
    http://www.allianceforcoffeeexcellence.org/en/cup-of-excellence/rules-protocols/

    Freue mich über weitere Anregungen/Klarstellungen und/oder Ergänzungen.
     
  7. #7 Cafe Export Colombia, 07.12.2015
    Cafe Export Colombia

    Cafe Export Colombia Gast

    In Kolumbien werden 250g für das Cupping verwendet.
    Und auch Almacafe (überprüft sämtliche Kaffees welche das Land verlassen) zieht 250g Proben, soviel mir Bekannt ist.
     
  8. jutta

    jutta Mitglied

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    Das ist richtig. Die Juroren bekommen in der Regel keine Rohkaffeemuster und auch keine Röstkaffeebohnenmuster zu sehen. Diese sind zwar in der Regel in der Nähe vorhanden, aber deren Beurteilung ist nicht Gegenstand des Verfahrens.

    Zur Beurteilung liegen die gemahlenen Röstmuster vor. Dies geht aber nicht in die Punktebewertung ein. Die Punktebewertung ist weitgehend an SCAA angelehnt. Jedoch zeigt sich in der Praxis, dass unterschiedliche Vorlieben bestehen. So kommt es bisweilen vor, dass innerhalb des Panels der Juroren 10 Punkte Unterschied in der Beurteilung liegen können. Veröffentlicht wird dann ein Durchschnittswert, was bedeutet, dass ein Teil der Juroren einen speziellen Kaffee mit weniger als 85 Punkten beurteilen können.

    National Winner sind Kaffees die die Nationalen Juroren für qualifiziert halten, International Winner sind solche, die von den Internationalen Juroren in mindestens zwei Durchgängen mehr als durchschnittlich 85 Punkte erhalten haben - was nicht heißt, dass sie nicht in der 3. Runde disqualifiziert werden können. Den "einen" Gewinner gibt es eigentlich nicht, allenfalls ist es der Kaffee mit den höchsten Punkten nach der 3. Runde. Üblicherweise spricht man bei Kaffees über 90 Punkte von einem "Presidential Award", der Pflanzer bekommt eine besondere Plakette.

    Nur um weitere Verwirrung zu stiften. Die Kaffees werden von Runde zu Runde besser (beurteilt). Das mag einerseits ein psychologisches Phänomen sein, der Durchschnitt wird besser. Andererseits ist es der unausgesprochene Wunsch, Kaffes mit einem Presidential Award zu haben. So kommt es vor, dass Kaffees erst in der 3. Runde die 90 Punkte Marke überschreiten.

    Alles in allem ist natürlich die Bewertung individuell und subjektiv. Fruchtige Noten (z.B. Yemen, Harar - beides sind keine Cup of Excellence Länder) mögen manche Menschen, andere halten das für einen Bearbeitungsfehler.

    Grüße Karlheinz
     
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