BFC Junior Plus Pulsante (E61) auffrischen

Diskutiere BFC Junior Plus Pulsante (E61) auffrischen im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hallo liebe Community, ich bin seit bald einem Jahr Besitzer der genannten Zweikreiser Maschine und hatte vorher noch keine amtliche Maschine....

  1. #1 AliJunior, 15.11.2020
    AliJunior

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    Hallo liebe Community,

    ich bin seit bald einem Jahr Besitzer der genannten Zweikreiser Maschine und hatte vorher noch keine amtliche Maschine. Ich bin von einer kleinen Krups "Siebträger" und meiner 20 Jahre alten Jura X95 Dame direkt auf die BFC gegangen.
    Ich habe sie letztes Jahr defekt in eBay geschossen und mittlerweile gut kennen- und zu schätzen gelernt.

    Ich selber bin Student und schwer mit Elektronik und Informatik vertraut, früher habe ich viel Zeit mit der Restaurierung oder Reparatur von Mopeds/Rollern verbracht. Ich würde mich selber als allround Bastler beschreiben, da vom Schreinern, Schweißen, Zerspanen, Löten, Programmieren alles schon intensiv betrieben wurde.

    Defekt wurde sie verkauft, weil scheinbar die Heizung nicht arbeiten würde.
    Ich habe ihr zu Beginn die Verkleidung abgenommen und versucht alle (für mich) mit der Heizung in Frage kommenden Teile durchzumessen.

    IMG_20200819_131251 - 1920.jpg
    Ich konnte aber keinen Fehler finden. Die Heizung hatte einen brauchbaren Widerstand, das Relais in der Gicar Box sowie der Füllstandschalter schienen auch zu gehen.
    Also die Maschine an die Steckdose gepackt und die Spannungen gemessen.. Okay komisch, irgendwas wird hier warm. Ahh sie heizt.. momentmal, sie ist doch defekt?

    Nachdem dann irgendwann Temperatur vorhanden war ging es nicht mehr weiter mit der Suche nach dem Heizdefekt, sondern ich war auf der Suche nach überhaupt einem Defekt, den ich nicht finden konnte.
    Dampf, Heißwasserbezug funktionierte, die Brühgruppe wurde warm und auch der Espressobezug machte keine Probleme.

    Ich hab dann die Verkleidung wieder angebracht, den Verkäufer kontaktiert und für ein halbes Jahr versucht die Maschine zu verstehen.

    Diesen Sommer hatte ich dann genug Zeit und Motivation für eine Sanierung.

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    Der Zulauf zur Brühgruppe. Ich weiß bis heute nicht, ob das Kalk oder irgend ein Dichtungskleber war.

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    Man sieht schon den Rostansatz und allgemein Dreck und Kalk überall kleben.

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    Mit einem Drahtbürstenaufsatz für den Winkelschleifer hab ich dann alle Flächen so gut es ging runtergeputzt und mit einem Zinkspray grundiert.

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    Aus einem Pizzakarton hab ich eine neue Dichtung für die Brühgruppe geschnitten und sie nach dem Aufpolieren wieder an ihren Platz montiert.

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    Bis auf die Heizwendel hab ich alle Teile in verdünnter Zitronensäure "einweichen" lassen und danach von Hand mit Elterglanz aufpoliert.

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    Nachdem dann wieder alles an Ort und Stelle war, gab es eine tolle Überraschung beim Testen auf Lecks.
    Der FI fliegt raus... Also nochmal Messen, was mit dem Schutzleiter spielt. Natürlich das am besten zu erreichende Teil (ohne passende Nuss), die Heizung wollte nichtmehr mitspielen.
    Hab die Heizung in aller Vorsicht mit der Rohrzange rausgefriemelt und ein paar sehr kurze trocken Tests direkt an der Steckdose gemacht, in der Hoffnung das ggf. das Wasser aus der Isolation verdampft.
    Ich hatte zwar immernoch einen messbaren Widerstand von den Anschlüssen aufs Gehäuse, aber nach dem Einbauen schien alles zu gehen.
    Die Pumpe befüllte den Boiler und die Heizung tat ihren Job.
    Nach 1-2 Stunden konnte ich keine Lecks feststellen und alle Funktionen waren beim alten.

    IMG_20200825_124431 - 1920.jpg

    So sieht sie jetzt schon wieder fast 2 Monate aus und macht (für mich) leckeren Espresso.

    Dinge die ich noch machen muss, ist eine Wartung der E61, da sich die Brühgruppe relativ schnell selbst entleert.
    Also ich muss zwischendruch die Pumpe anschalten, da sonst das Wasser nicht mehr durch den Kopf zirkuliert und dann die Brühgruppe abkühlt.
    Bei der elektromechanischen Version habe ich bisher nur zwei Teile entdeckt die hierfür in Frage kommen.
    Die Dichtung im Kollektor oder das Ventil selber.

    Was ich auch noch überprüfen sollte ist der eingestellte Druck am Expansionsventil, dafür fehlt mir aber noch das passende Werkzeug bzw. Zubehör, da nur ein Manometer für den Kesseldruck vorhanden ist.
    Ist auch aktuell ziemlich schwierig den Mahlgrad so anzupassen, dass kein Channeling entsteht.

    Wenn ich mal wieder mehr Zeit habe, versuche ich noch die Kratzer aus der Tropfschale rauszupolieren.

    Ansonsten war es das bislang.
    Kritik, Anregungen, Hilfe etc. sind gerne erwünscht.

    Grüße und einen schönen Sonntag noch! :)
     
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  2. #2 r0bin25, 15.11.2020
    r0bin25

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    Wow, sieht ja richtig amtlich aus! Respekt :)

    MfG
    Robin
     
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  3. Djkoe

    Djkoe Mitglied

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    Sehr interessant Das Ergebnis ist toll geworden! Ich selbst habe mir vor kurzem meinen ersten ST gekauft und werkele gern daran herum. Solche Berichte motivierten mich diesen kompromisslosen Weg auch zu gehen. Danke, dass Du deine Erfahrungen mit uns teilst!
     
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  4. #4 AliJunior, 27.11.2020
    AliJunior

    AliJunior Mitglied

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    Danke! :D
    Kaffekochen ist zu einem Hobby geworden, das mir richtig taugt.
    Ich bin fasziniert von den vielen Parametern, die sich auf den Geschmack eines Espressos auswirken.
    Und erst nach der Restaurierung war die Maschine für mich etwas besonderes oder es enstand die gewisse Leidenschaft :D.

    Ich hatte zwar viel Glück, dass nichts defekt war, aber man bekommt ja genug Hilfe oder Ersatzteile, um selbst einen Worst-Case wieder zum laufen zu bekommen.

    Hier sind noch Bilder von der E61 Brühgruppe mit Magnetventil (solenoid) die ich grob und nicht detailgetreu als CAD Modell nachgebaut hab, weils dazu nichts im Netz gab.
    Vielleicht hilft das ja jemand weiter.
    Der Aufbau ist anders als bei den "regulären" E61 Brühgruppen:

    1. Ventil geschlossen -> restliches Wasser läuft nach unten ab
    2. Ventil geöffnet -> Wasser läuft nach unten und wird durch die zweite Bohrung zurück in die seitliche "Verschraubungskammer" geleitet. Dann über die 2 Bohrungen in die Brühkammer
    Fusion360_2020-11-27_00-51-01.png Fusion360_2020-11-27_00-49-27.png Fusion360_2020-11-27_00-49-05.png Fusion360_2020-11-27_00-48-11.png

    Ich war ja auf der Suche nach dem Fehler, wieso sich die Brühgruppe entleert und dachte, dass es irgendwo durch die Brühgruppe abhauen muss.
    Denn theoretisch ist die Version mit Magnetventil die ganze Zeit offen, da das Brühwasser oder der Dampf über den Zylinder durch das untere Ventil direkt entweichen können, falls Überdruck entsteht. Das Ventil kann ja nur nach unten oder oben schließen und nicht beides.
    Scheinbar ist die Düse im Zylinder klein genug, dass bei mir das Wasser doch lieber durchs Expansionsventil abhaut.
    Korregiert mich bitte falls ich mich täuschen sollte.
     
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