Bialetti Mukka-Express macht was sie will

Diskutiere Bialetti Mukka-Express macht was sie will im Espresso- und Kaffeemaschinen Forum im Bereich Maschinen und Technik; Liebe Herdkännchen-Spezialisten. Für die Ferien habe ich mir gebraucht aber bestens erhalten eine Bialetti Mukka-Express ersteigert, weil ich...

  1. #1 Buddenbrokk, 26.03.2010
    Buddenbrokk

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    Liebe Herdkännchen-Spezialisten. Für die Ferien habe ich mir gebraucht aber bestens erhalten eine Bialetti Mukka-Express ersteigert, weil ich Herdkännchen-Kaffee eigentlich nur in der Variante mit ziemlich viel Milch mag und mir die Quirlerei zu mühsam ist, bzw. dabei nie so richtig guter Schaum entstanden ist. Aber die Mukka macht was sie will und zwar jedes Mal was anderes. Diese Pannenvarianten hatte ich schon: Dünner Kaffee, guter Schaum, wenn auch recht grobporig, was wohl normal ist. Gar kein Schaum, dünner, lauwarmer Kaffee. Ewig lang ging gar nichts, dann schoss, als ich die Temperatur an der Glaskeramik-Herdplatte hochschaltete, das Milchschaum-Ventil los und die Milch schäumte ca. 1 Minute später aus dem Kännchen über die ganze Herdplatte.
    Was es nicht sein kann: ich habe penibel Wasser und Milch abgemessen. Das Milchventil müsste eigentlich korrekt aufgesetzt sein. Der Kaffee ist etwas gröber gemahlen als für Siebträger und nicht angepresst. Ach ja, beim letzten Versuch war ein beträchtlicher Teil des Kaffeemehls unten im Wasserbehälter gelandet und dort war auch noch ziemlich viel Restwasser.
    Ich vermute es liegt an der trägen Reaktion bei der Temperaturregelung der Glaskeramikplatte. Deshalb meine konkrete Frage: Hat jemand einen Tipp, wann und wie man solch eine Platte für die Mukka Express einstellen sollte? Ich stelle das Kännchen immer auf die kalte Platte und erst einmal auf höchste Stufe, sonst wird das Ding in diesem Leben nicht mehr heiss. Ich bin aber komplett unschlüssig, nach ca. wie vielen Minuten ich sie auf welche Stufe runter stellen sollte. Bei den normalen Bialettis habe ich immer auf mittlere Stufe gestellt, wenn es leicht anfing zu zischeln. Aber dieses Ding zischelt nicht. Er herrscht Totenstille, dann knallt plötzlich das Milchventil auf und dann ist es eigentlich gelaufen und man kann das mehr oder eher weniger gelungene Ergebnis bewundern. Erinnert mich fast ein wenig an meine langwierigen Milchschäumübungen mit der Vibiemme - der Milchverbrauch ist auch ähnlich hoch.
    Mein Trost ist momentan, dass südfranzösische Ferienwohnungen meistens Gasherde haben, und dort soll sie dann ja im Ernstfall eingesetzt werden. Gleichzeitig plagt mich die unangenehme Vorstellung, ich könnte meine Ferienmorgen damit verbringen, an der Bialetti herumzuexperimentieren und am Ende einen der grauenhaften französischen Kaffees in irgendeiner Bar trinken zu müssen. Danke für euer Tipps und Erfahrungen!
    Gruss Anja
     
  2. pibach

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Ich hab die Mukka Express Elektro, also mit der Unterplatte und integrierter Heizspirale. Das Ergebnis ist bei mir gut repruduzierbar - hängt nur natürlich stark vom Füllgrad (Wasser, Milch) und Pulver/Tampern ab.

    Der Schaum ist grobblasig. Aber immerhin wird die Milch passend erwärmt. Die Druchmischung mit dem Mokka finde ich nicht störend, so hat der Milchschaum gleich Mokkageschmack. Etwas Kaffepulver wird auch mitgerissen. Und kommt irgendwie auch in den unteren Behälter (wie ist mir unklar). Putzen ist sehr aufwändig. Offenbar oxidiert das Material wie sau. Das Erhitzen dauert ca 4 Minuten (finde ich recht lang). Nach dem Plöp nehme ich die Kanne meist gleich runter, ist aber egal, da sie automatisch danach sowieso abschaltet und nervenzerreißend piept. Druckaufbau reicht problemlos auch für angedrücktes Pulver. Prinzipiell könnte man also vielleicht auch richtigen Espresso hinbekommen. Wobei die 3 Führungslamellen und die integrierte Siebfeder (weiß jemand wozu) hier den Druckaufbau offenbar stark begrenzen, jedenfalls schießt der Dampf sehr druckvoll in die Kanne - hier würde mich mal interessieren, ob das bei der Brikka genauso ist, oder ob der Kaffe im Bereich von 25 Sekunden extrahiert wird. Geschmack ist schließlich ok, kraftvoller Mokka, der Milchschaum ist gerade noch akzeptabel. Größtes Problem: nur einmal verwendbar. Danach kriegt man sie nicht auf (zu heiß zum anfassen). Für mehrere Personen daher ungeeignet.

    Das ganze ist recht kultig und alle Besucher sind immer sehr interessiert. Auch das Kuhdesign ist sehr individuell. Leider ist das ganze recht siffig (Oxidationen und Kaffeölreste im Alu sowie Druckventil, verklebt auch leicht mit Milch) und die Leute sind eher abgeschreckt sobald sie die Mukka Espress mal selbst bedienen müssen - hat auch bisher noch niemand ad hoc hinbekommen.

    Verdict: Insgesamt würde ich das Gerät wohl nicht mehr kaufen, Reinigung ist einfach zu aufwändig und die Begrenzung auf einen Shot ist blöd. Dazu ist der Preis zu hoch - da kriegt man auch schon einfache Thermoblockmaschienen. Das Prinzip finde ich aber genial. Dass man alles in einem Arbeitsgang hinbekommt ist klasse. Aber insgesamt noch nicht ganz ausgereift.
     
  3. pibach

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Nachtrag: nach etwas Eingewöhnung bin ich doch zufriedener. Habe mir zusätzlich noch eine normale Mukka Express zugelegt, nütze ich auf Gasherd. Am besten direkt nach dem Plöpp des Ventils Gas aus bzw. Von der Platte nehmen. Warten bis Milch durchgeschäumt, wenn es blubbert das Ventil wieder drücken (!) das verhindert die Extraktion von Bitterstoffen (und auch das überlaufen). Cappucino schmeckt fast so gut wie aus der Gaggia Baby Class (meine Zweitmaschine).
     
  4. #4 Buddenbrokk, 17.05.2011
    Buddenbrokk

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Ach ja, die Mukka Express. Da habe ich auch noch einen Nachtrag. In den Ferien in Frankreich auf dem Gasherd habe ich mich prima an sie gewöhnt und mochte das Getränk nachher richtig gerne. Zwei Sachen habe ich gelernt: 1.Das Kaffeemehl muss wirklich absolut restlos vom Rand des Gefässes entfernt werden. Die Mukka Express funktioniert überhaupt nicht, wenn sie nicht ganz dicht verschlossen wird. Meiner Erfahrung nach viel dichter als eine gewöhnliche Bialetti. 2. Bei einem Gasherd stellt man die Flamme so ein, dass sie genau die Bodenfläche der Bialetti umzüngelt und dann kommt es gut raus. 3. Vom Gebrauch auf einer elektrischen Herdplatte würde ich bei meinen frustrierenden Erlebnisse total abraten.
     
  5. #5 miawallace, 11.07.2011
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    miawallace Gast

    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    huhu, bin neu hier und auf dieses Forum durch meine neuerworbene MUKKA (in meinen vier Wänden wird dieses Wort laut und mit einer gewissen Agressivität :evil: ausgesprochen!) gestoßen. Ich bin doch recht verzweifelt und denke manchmal einfach zu blöd für dieses kleine gerät!
    ich habe sie gebraucht über einen Händler bei Ebay gekauft und bin noch in der 2 Wochen-Frist---also zurückschicken oder nicht!? Ich habe lange überlegt bevor ich mich für diese MUKKA :evil: entschieden habe! In Foren gelesen, You Tube Videos angeschaut...Bialetti war mir klar aber ansonsten..:roll: eher ratlos. Die Videos auf You TUbe hattte mich dann überzeugt, ist ja nicht so, dass ich hier bereits einen Aerocino habe ...nein nein Frau von heute braucht immer mal wieder was neues zum Milchaufschäumen und Kaffee bereiten!
    Nun zu meinem Problem: Ich hatte bisher 10 Versuche mit der MUKKA:evil: entweder kochte die Milch über aber mein Hauptproblem ist einfach dass zwischen Kanne und dem unteren Behälter der Kaffee schwallweise auf die Ceranherdplatte läuft und verbrennt (rießensauerei!). Leider hab ich kein Gasherd und bin auch nicht in der Hoffnung, dass der liebe gute Kaffeegott mir sobald einen schenkt! aber diese kleine MUKKA:evil: muss doch auch auf nem Ceranfeld funktionieren. Ich habe die Dichtungen geprüft, sind alle ok und richtig eingesetzt, Wasserstand und Milchstand nicht überschritten und auch die Kanne so drauf geschraubt dass sie über dem Ventil steht (stand so in der Beschreibung). Espressopulver oder Kaffeepulver nur leicht reingefüllt nicht gedrückt! Ich habe mit volldampf gekocht aber auch mit niedriger Temperatur. Ich hab ja jetzt gelesen, dass es auf dem Ceranfeld nicht so gut klappt aber mich würde eure Meinung mal interessieren ob ich vielleicht doch noch irgendetwas nicht bedacht habe! Brauch ich vielleicht doch ABI dafür?

    Ich will doch nur nen Cappu trinken :cry:
    freu mich über antworten, eine verzweifelte miawallace und ihre MUKKA:evil:
     
  6. pibach

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Lese deinen Beitrag erst jetzt. Wenn die "undicht" ist, liegt es entweder am zu drucklosen Festschrauben, an der Dichtung oder am Kaffepulver auf selbigem. Alles oderdentlich ist sie dich. Also meine beiden sind es. Ob Ceranfeld oder wasauchimmer, dicht ist dicht. Die Milch läuft leicht über, ja, dann einfach auf das Ventil drücken (!), vom Herd nehmen und eingießen.
     
  7. #7 Yggdrasil, 02.04.2012
    Yggdrasil

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Ich habe schon gelesen, dass manche die Mukka in einen Topf mit Wasser stellen, diesen dann auf die Platte, wegen gleichmäßigerer Erwärmung,
    nebenbei nicht so viel Energieverschwendung.
     
  8. HelgeK

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Hi zusammen,

    wenn ich das so lese, denke ich doch daß die bessere Variante ist, Kaffee und Schaum getrennt zu machen. Perfekter Schaum ist ganz einfach mit der "Tuttocrema" von Bialetti, die jedwede Milchsorte, egal bei welcher Temperatur, innerhalb von Sekunden komplett in Schaum verwandelt.

    Dazu dann wohl eher eine Brikka (habe ich mittlerweile seit ein par Monaten selbst, der Mokka schmeckt perfekt, hat sogar reproduzierbar etwas Crema). Tolle Milchkaffees und Cappuccinos sind kein Problem, Latte Art wäre möglich (mir fehlt aber die Geduld zum Üben :roll: ).


    Meine "Combi Duo" kann ich leider nicht mehr nutzen, da das Überdruckventil defekt ist und aufmacht, bevor der nötige Druck am Hauptventil erreicht ist - eigentlich ein 50-Cent Artikel, aber der Hersteller reagiert leider nicht auf meine Mails :evil: .
     
  9. #9 pibach, 30.10.2013
    Zuletzt bearbeitet: 30.10.2013
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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Also die Mukka ist (nach dem durchprobieren dutzender Alternativen) eine angenehm praktische Art, einen ordentlichen Milchkaffee in einem Gang zu erhalten.

    Probleme mit Undichtigkeit oder Überlauf hab ich nicht, sowas entsteht imho nur bei Fehlbedienung.
    Mann muss sie halt immer sofort ausspülen, sonst kann sich was festsetzen und verstopfen. Die Mengen müssen recht genau stimmen. Der Siebrand muss kaffefrei sein um dicht zu schließen, usw. Dann funktioniert sie auch zuverlässig.

    Allerdings hat das System prinzipielle Schwachstellen und reagiert daher recht zickig auf "Unregelmäßigkeiten". Man sollte daher die grundsätzliche Funktionsweise und die damit verbundenen Eigenheiten und Grenzen dieses Ventil-Herdkännchens kennen, um einen wirklich zuverlässigen Umgang damit zu erreichen:

    Zum einen ist die Wassertemperatur bei diesem System von vielen Faktoren abhängig und schwierig zu kontrollieren. Leider wird das Wasser dabei oft zu heiß, der Kaffe schmeckt dann verbrannt (flach, rauchig, herb). Ist ja auch kein Wunder, denn das Wasser muss ja Richtung Siedetemperatur, um durch verdampfen dann Druck aufzubauen. Die Siedetemperatur ist unter Druck aber deutlich über 100°. Dazu unbedingt verhindern, dass das System Wasserdampf zieht. D.h. es muss so viel Wasser rein, dass das Steigrohr in der gesamten Bezugsphase nur Wasser zieht, keinen Dampf, denn der wäre zu heiß und extrahiert auch nicht ordentlich. Sobald nur noch Wasserdampf bzw. zu heißes Restwasser aufsteigt sollte man daher oben den Ventilknopf drücken, und den Bezug damit beenden. Dies ist ein entscheidender Vorteil der Mukka, dass der Ventilkopf so liegt, dass man den Bezug durch Drücken beenden kann.

    Milch wird damit nicht wirklich aufgeschäumt, da ja überwiegend Wasser (mit geringen Anteilen Wasserdampf) aus der Ventildüse kommt. Aber es ergibt sich durch gewissen Dampfdurchsatz des Wassers und durch Unterziehen von Luft beim Einschießen in die Milch schon etwas Aufschäumung und eine kleine Schicht Milchschaum oben, so dass ich mit dem Ergebnis grundsätzlich zufrieden bin.

    Zu viel Wasser darf auch nicht rein, denn sonst ist zu wenig Luft in der Druckkammer. Die Luft ist aber wohl wichtig, da für gleichmäßige Durchflutung nach dem das Ventil öffnet eben ein gewisses Volumen aus Luft/Wasserdampf nötig ist. Weniger Wasser bedeutet mehr Luft/Damfvolumen (und auch schneller verdampfendes Wasser, da die aufblubbernden Wasserdampfbläßchen weniger Wasser durchdringen müssen) und mehr Druck. Mit zu viel Wasser ergibt sich zu wenig Druckschwall und zu lange Bezugszeit. Es kann auch passieren, dass das hochströende Wasser sogar zu kalt ist, dann gibt es zu wenig Extraktion und lauwarmen Cappu.

    Mit dem aufploppenden Ventil fällt ja dann auch der Druck im Kocher, mit geringerem Druck fällt die Siedetemperatur und es entsteht ein gewisser Druckschwall. Das aufströmende Wasser liegt dabei unter der Siedetemperatur (also ggf. passend), da das Wasser an der Kesselwand siedet, der Rest des Wassers hat dabei aber noch geringere Temperatur. Daher ist bei diesem System wohl auch das Steigrohr etwas kürzer als bei den üblichen Herdkännchen, um das Wasser etwas weiter oben abzugreifen. Entscheidend für die Wassertemperatur ist dann der richtige Druck (darf nicht zu hoch sein, weil sonst die Siedetemperatur auch zu hoch liegt) und die richtige Hitzezufuhr, die darf nicht zu langsam sein, sonst ist das Wasser zu gleichmäßig durchwärmt. Auf Gasherd (hab ich) muss man also etwas anders erhitzen als auf Elektro. Und die mit integrierter Beheizung fand ich sowieso zu schwachbrüstig in der Heizleistung (dauert sehr lange). Man muss schon ein wenig rumprobieren, bis man experimentell da eine gute und reproduzierbare Abstimmung erreicht.

    Ich hatte z.B. Probleme mit verbranntem Kaffe. Eine Ursache kann dabei sein, dass das sehr heiß werdende Aluminium den Kaffee verbrennt. D.h. die Gasflamme sollte nicht um den Kännchenboden herumlodern. Und darf auch insgesamt nicht schnell zu viel Hitze zuführen, sondern die muss in dem richtigen Maß vom Wasser aufgenommen werden können, was auch von der Wasserbefüllung abhängt. Dabei muss man erreichen, dass das im Steigrohr aufsteigende Wasser in etwa die richtige Temperatur (typisch sind 92° ideal) aufweist.

    Das hochströmende Wasser muss dann noch die Milch erhitzen. Es darf also nicht zu viel Milch rein, sonst kriegt man eh nur lauwarmen Cappuciono. Wenn man es ideal trifft, das hochpressende Wasser also tatsächlich 92° hat, kann man sich leicht ausrechnen, wie viel Milch man dann noch damit erwärmen kann. Das "Aufschäumen" klappt ohnehin nur, wenn das Ventil ziemlich genau auf dem Niveaulevel der Milch liegt, dann wird mit dem einströmenden Wasser/Wasserdampf auch etwas Luft untergehoben. Dabei erwämt das Alukännchen die Milch schon etwas vor, da Alu gut Wärme leitet. Ich hab auch eine Mukka Vitro, mit Glas oben. Da klappt das nicht so gut und die Milch bleibt kühler, der Cappu dann lauwarm. Der untere Teil und damit auch der kritische Bereich um das Kaffesieb, kann wegen der fehlenden Wärmeableitung bei dem Glasmodell auch leichter überhitzen.

    Weiter ist dieses Druckherdkännchen grundsätzlich stark Channeling-gefährdet. Die schlagartige Durchströmung reisst leicht einen Kanal durch den Kaffe, der wird dann dünn und bitter (im Channelbereich überextrahiert). Dem lässt sich beikommen, durch lockeres Befüllen und groberen Mahlgrad. Ich klopfe das Sieb dazu nur auf, damit sich das Kaffemehl gleichmäßig verteilt, besser nicht Andrücken.

    Natürlich baut sich dann beim Durchströmen kein Gegendruck durch das Mahlgut auf, wird also nicht espressomäßig extrahiert. Zwar wäre die Konstruktion der Mukka problemlos in der Lage, hinreichenden Druck aufzubauen, leider ist es mir mit der Mukka aber nicht gelungen, den Kaffe im Sieb so zu schichten/komprimieren, dass er diesen Gegendruck aufbaut, ohne Channeling. Liegt wohl auch daran, dass anders als beim Siebträger der Druckaufbau von unten entsteht und damit das Kaffemehl hochdrückt/verwirbelt. Ds ist bei der Mukka aber wohl so erwünscht. Bialetti hat der Mukka ja ein Sieb mit gefedertem Boden und einem Mittelpin mitgegeben (bei der Vitro sind es 3 seitliche Abstandhalter). Dadurch wird der Siebboden beim Zusammenschrauben etwas nach unten gedrückt und das Mahlgut hat immer eine kleine Luftlücke nach oben. Beim schlagartigen Öffnen des Ventils wird es also zwangsläufig etwas aufgelockert/durchgewirbelt. Eventuell könnte man hier mit einem anderen Sieb ohne doppelten Boden noch mal experimentieren, was damit erreichbar ist.

    Natürlich kann man mit einem kompakt angeordneten Mahlgut dann keine schwallartige Durchströmung erreichen. Das ginge also auf Kosten der Milchaufschäumung. Beides gleichzeitig über die selbe Wasserzuführung ist wohl prinzipiell nicht erreichbar (denkbar wäre das mit einer 2-Wege-Führung).

    Jedenfalls ist auch wegen dem vorausgehend beschriebenen Problem der mit dem Druck steigenden Siedetemperatur das Andrücken des Mahlgutes keine gute Idee. Mit grobem/lockeren Mahlgut im Sieb erreicht man also die besten Ergebnisse. Und so steht das ja auch in der Anleitung.

    Die Brikka hat allerdings diesen doppelten Boden im Sieb nicht, kann also einen komakten Puk bilden. Und wenn ich mir den Bezugsprozess anschaue, ist der auch viel langsamer, das Mahlgut erzeugt hier also offenbar schon deutlich mehr Gegendruck und es können wohl auch expressoartige Aromen entlockt werden. Die Brikka ist darauf aber wohl abgestimmt, d.h. schmalere und höhere Kesselform für kleineren Kontaktbereich bei der Hitzezufuhr, so das das aufsteigende Wasser dann eben trotz des höheren Druckes die richtige Temperatur hat. In sofern unterscheiden sich die Mukka und die Brikka schon erheblich, die Mukka ist also mitnichten eine Brikka plus Aufschäumfunktion.

    Allerdings bedingt das Aufschäumventil eine Begrenzung des Wasseraustritts. Bei richtiger Abstimmung wie oben beschrieben lässt sich dadurch der schwallartige Austritt in eine recht konstante Bezugsdauer zähmen und damit die Extraktion der Bitterstoffe begrenzen. Dabei wird der Gegendruck dann nicht vom Mahlgut aufgebaut, sondern vom dahinterliegenden Ventil. Soweit ich weiß gab es mit solchen Konstruktionen früher schon einige Experimente. Geschmacklich nicht ganz so gut wie ein richtiges Durchpressen des Mahlgutes, aber wohl schon gewisser Effekt des höheren Druckes.


    Insgesamt darf man also nicht zu viel erwarten von diesem Ventil-Herdkännchen. Der Druck wird gegenüber einem normalen Herdkännchen nur geringfügig erhöht und das Mahlgut wird nicht wirklich mit Druck durchströmt und extrahiert. Allerdings lässt sich mit richtiger Abstimmung eine recht konstante Bezugsdauer erreichen. Wirklich Milchschaum darf man auch nicht erwarten, aber immerhin wird in einem Arbeitsgang die Milch mit erwärmt und auch etwas beschäumt.
     
  10. pibach

    pibach Mitglied

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    AW: Bialetti Mukka-Express macht was sie will

    Laut dieser Anzeige passt das Brikka 4er Sieb in die 2er Mukka. Interessant.
     
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