Carimali Uno Restauration - Domenica und ich

Diskutiere Carimali Uno Restauration - Domenica und ich im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hallo und Moin Moin, mein Name ist Tim, ich wohne in Hamburg und bin seit mehreren Jahren treuer Leser im Kaffeenetz und habe viel vom Wissen...

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  1. #1 TanteTim, 02.06.2020
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    Hallo und Moin Moin,

    mein Name ist Tim, ich wohne in Hamburg und bin seit mehreren Jahren treuer Leser im Kaffeenetz und habe viel vom Wissen des Forums profitiert und unter anderem dadurch mehrere eigene Projekte verwirklicht.

    Um auch mal etwas zurückzugeben habe ich mich an eine Vorstellung meiner ersten (und wahrscheinlich auch einzigen) Maschinenrestauration gemacht.
    Es ist ein Modell das jeder kennt und viel neues ist hier wahrscheinlich auch nicht zu erfahren aber vielleicht gibt es ja ein paar von euch die sich gern die Fotos anschauen.

    Zur Geschichte der Maschine:

    Die Uno verrichtete treu Ihren Dienst in einer kleinen Bar auf dem Schulterblatt im Hamburger Schanzenviertel und wurde meines Wissens nach vor ca. 10 Jahren in einem Keller auf St.Pauli eingelagert, in einer Seitenstraße der Reeperbahn.

    Dort stand Sie, bis ich im Zuge der Coronakrise dem Wirt der Bar half ein paar Dinge aus eben diesem Keller zu holen um die Bar zum Coronakiosk umzubauen. Da ich schon lange eine Maschine restaurieren wollte war ich über die Uno ziemlich begeistert.
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    Ich selber komme eigentlich aus dem medizinischen Bereich, deswegen passt es vielleicht ganz gut zur Abwechslung mal eine Espressomaschine wieder zum Leben zu erwecken (inwieweit das geklappt hat erfahrt ihr aber erst gegen Ende der Vorstellung).
    Auch wenn die Uno als Einsteigermaschine gilt, hatte ich ziemlichen Respekt vor dem ganzen Projekt und musste mich in manche Funktionen der einzelnen Bauteile erst einlesen, hierbei kamen mir die älteren Restaurationsthreads der Unoisten um Gunnar ziemlich zu gute, da wurde manches Rätsel gelüftet.


    Bei einem ersten Test der Maschine sprang alles ordnungsgemäß an, Kesselfüllung funktionierte auch aber leider bewegte sich die Pumpe kein Stück. Soweit so gut, danach wurden die Seitenteile abmontiert:
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    Ziemlich dirty alles, aber keine Kalkausblühungen oder andere schlimme Schäden!


    Im nächsten Schritt wurde die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt, geht ja durch den Aufbau der Uno bekanntermaßen gut, manche Gewinde brauchten allerdings etwas Silikonfett und Zeit. Ich hab als erstes die Schläuche entfernt, dann den Kaltwasserblock und mich zum Kessel mit allen Fortsätzen vorgearbeitet, die Elektrik habe ich zwischendurch mit Fotodokumentation der Anschlüsse rausgetüddelt (wie man in Hamburg sagt) und erstmal beiseite gelegt. Beim Abschrauben der Heizungskontakte hielt ich dann leider den Anschluss der Heizung ohne größeren Kraftaufwand gleich mit in der Hand….also war klar ich würde mich wie viele vor mir nicht um den wahren Initiationsritus der Carimali-Jünger herum kommen: Den Ausbau der Heizung. Doch dazu später mehr.

    Denn zuallererst war Badetag angesagt! Auf den Fotos sieht man es leider nicht so gut (zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch wenig die Dokumentation im Sinn) aber es war mehr als nötig, die Maschine war belegt mit einer Schicht aus (Kaffee)-Fett, Schmock, Schmutz und Zigarettenrauch, die ich möglichst schnell entfernen wollte, das Innere der Maschine sah auch nicht viel besser aus.
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    Die Verrohrung wanderte im folgen in ein Bad mit Zitronensäure. Kalk war an diesen Teilen eigentlich kaum zu entdecken, die Maschine hing auch am Enthärtet und das Schanzenwasser ist recht weich.



    Nächster Step: Tetris-Challenge.
    Die Pumpe habe ich für 10 Minuten mit der Citronensäurelösung befüllt, danach ließ sie sich auch wieder drehen, die Volumetrik funktionierte zum Glück auch noch richtig gut.
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    Als nächstes Stand das zerlegen der Brühgruppe an und ganz ehrlich, ich war zwischenzeitlich nicht sicher ob die Duschplatte bei jeder Uno abnehmbar ist. Die Brühgruppendichtung hatte sich durch jahrelanges verdichten diamantartige Härte angeeignet, erst nach drei Tagen einlegen in Kaffeefettlöser und ein bisschen gefühlvolles Hebeln mit einem Stumpfen Schraubenzieher löste sich die Platte am Ende aber doch mit einem Geräusch wie ein Fuß der aus Treibsand gezogen wird.
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    Zwischenstand: Zwei für mich (Pumpe, Brühgruppe),

    Eins für Domenica (Heizung)

    Der Name ergab sich zu diesem Zeitpunkt auch beinahe wie von selbst, die echte Domenica Niehof lebte und wirkte ja nicht weit vom letzten Aufenthaltsort der Uno und ein bisschen verrucht und verraucht sind sie auch beide.



    Nächster Schritt: Demontage des Sicherheitsventils und reichliche Überlegung ob man es noch benutzen kann. Auf Verdacht hin habe ich es jetzt getauscht, leider nicht gegen das Originale (96€) sondern wie üblich einen günstigeren Ersatz.


    Die Frontbleche und Seitenteile habe ich mit Elsterglanz gewienert und Tada: Eigentlich alles fertig. Alles?
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    Ja, alles. Und die Heizung? Oh….die Heizung.
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    Zuerst habe ich allerdings einen der beiden Originalen Siebträger wieder hergerichtet und mit neuem Griff versehen und in einer längeren Aktion das ominöse vieldiskutierte Röhrchen aus dem Wärmetauscher entfernt und gegen ein neues, welches ich bestellt hatte, getauscht. Das neue habe ich nach lesen vieler Erfahrungsberichte im KN auf 8,5cm gekürzt. Einen neuen Gigleur mit 0,8mm Durchmesser gab es auch dazu.


    Dann habe ich den Kessel in Amidosulfonsäure eingelegt und bin dann erstmal zu einem sehr freundlichen Espressomaschinenhändler hier in der Nähe gegangen, die mich netterweise in Ihre Werkstatt gelassen haben, damit ich das Gewinde aufschrauben kann. Das war nix. Danach war ich bei zwei verschiedenen Klempnern, die beide die Handarbeit des Kessels bewundert haben aber mir auch nicht weiterhelfen konnten, die Heizung war fest (und ich schon relativ Hoffnungslos). Nächster Versuch Schlosser-hatte keine Zeit. In Hamburg gibts es aber auch noch richtige Kupferschmiede. Einer dieser Betriebe ist heute auf Sonderbauten von Druckkesseln spezialisiert. Da habe ich dann mit dem Hallenmeister telefonieren können („Wer sind Sie? Was wollen Sie? 3 Liter Kessel? Wir bauen 50.000 Liter!“) Aber auch hier war der alte Kupferkessel ein echter Türöffner, die Angestellten dort waren nämlich richtig begeistert über diese alte Wertarbeit. Und hatten den Kessel zu meiner Erleichterung in 2 Minuten auf.

    Ganz schön bei dieser kleinen Odyssee war zu merken, dass ich eigentlich in einem alten Handwerkerviertel wohne in dem es doch noch ein paar Hinterhofbetriebe gibt und wieviel Begeisterung der alte Kessel bei allen Beteiligten ausgelöst hat.


    Beim Einbau der neuen Heizung machte mich dann das fehlende Tauchrohr stutzig, aber auch hier wurde mir schnell im Forum geholfen, den Sicherheitsthermostaten habe ich dann einfach entfernt.

    Zeit für einen ersten Zusammenbau mit neuen Dichtungen und Federn und anschließendem Test:
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    Leider ist der Heizungsschalter defekt und ich habe ihn nicht getauscht, aber die Füllstandsautomatik funktionierte sofort und bis auf die Manometerverschraubung war auch alles dicht, Pressostat schaltet mit sauberem Klicken bei 1,2 Bar ab.

    Innerlich sah ich mich schon einen Espresso aus der Maschine trinken und probierte erstmal einen Bezug gegen Manometer-(Blind)Siebträger, 5 Bar, Pumpe scheppert und dezenter Wasseraustritt aus der Kopfplatte…Bypass verstellt….weiterhin 5 Bar, Pumpe defekt. Nach vier Wochen Arbeit zum Haare raufen, von der Pumpe auf den letzten Meter verraten. Na gut, zum Trost zumindest noch ein bisschen Milch geschäumt mit dem 3 Liter Boiler, habe ich sonst so nicht zur Verfügung.

    Da ich leider mich jetzt wieder in Vollzeit mit der Uni beschäftigen muss und dieser Bericht nur die Kurzfassung ist wird sie vorerst auch so bleiben (außerdem gibt es da noch eine alte Mühle ,die ich versuche zum Direktmahler umzubauen).

    Trotzdem bin ich zufrieden über die zum größten Teil geglückte Restauration und den Weg dorthin.

    Zum Abschluss gibt es noch ein paar Bilder der Uno für alle die bis hierhin durchgehalten haben, bei Fragen versuche ich gerne bestmöglich zu antworten, denn ohne Kaffeenetz wüsste ich heute noch nicht den Unterschied zwischen Expansions- und Magnetventil. Ich hoffe es hat euch ein bisschen unterhalten.
    Beste Grüße, Tim
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  2. #2 langbein, 02.06.2020
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    Den Austausch der Pumpe kann man auch mal an einen Wochenende bewerkstelligen... im Optimalfall dauert das ne Stunde. Es wäre doch schade um die schöne Maschine
     
  3. #3 TanteTim, 02.06.2020
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    Ja klar, scheitert auch grade eher an der nicht vorhandenen Pumpe.
     
  4. Maxbau

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    Hallo Tim,
    Danke für deine amüsante Restaurationsvorstellung. Ich finde, das sollte nicht die letzte, sondern die erste einer langen Reihe werden ;-)

    Das mit der Wertschätzung für die alten, hochwertig hergestellten Maschinen erlebe ich auch sehr sehr oft!
     
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  5. #5 TanteTim, 04.06.2020
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    Dankeschön, das hör ich natürlich gern :)

    Eine neue Pumpe bekommt sie auch noch!
     
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  6. spy0r

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    Gefällt mir! Und sehr unterhaltsam geschrieben... Den Rest bekommst du auch noch fit! Viel Vergnügen damit, aus einer selbstrestaurierten Maschine schmeckt der Espresso eh am Besten!
     
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  7. Maxbau

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    Schade, dass Domenica nicht mehr lebt, sonst könntest Du sie auf einen Espresso einladen. Aber das gäbe vielleicht wieder andere Probleme... ;-)
     
  8. #8 TanteTim, 05.06.2020
    TanteTim

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    Das wäre bestimmt interessant gewesen, leider ein paar Jahre zu spät ;)
     
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  9. Maxbau

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    Wer weiß, für was es gut ist ;-)
     
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