Das Beste am Kaffee ist das Machen

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  1. #1 Stefan Boden, 14.10.2016
    Stefan Boden

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    Für Millionen Deutsche, diesem chronisch verstopfungsgefährdeten Volk, ist Kaffee weniger Genuß, denn Laxativ. (Movicol, Rang 14 der 20 umsatzstärksten OTC-Produkte; 2006: 30 Millionen verk. Packungen Laxativa in Dtl.)

    Für andere ist Kaffee willkommener Vorwand, sich ungeniert Milch zuführen zu dürfen, die pur zu trinken jedes Konferenzgegenüber befremden würde. Also: Latte macchiato.

    Überhaupt: Kaffeegenuß gelingt nur im Dämmer, im Halbschlaf, in diesem vakuumisierten Zustand halber Geistesabwesenheit. Kaffee ist ein Zerstreuungsgetränk. Das weiß jeder, der einmal an einer ernsthaften Kaffeeverkostung teilgenommen hat. Das analytische Erfassen von Aromen, Körper und Texturen, ihr erkennungsdienstliches Herausschmecken, ihre schwierige Versprachlichung zerstört jede Kaffeelust. Ja, der Intellekt frißt jeden Genuß. Lustig, im übrigen, sind Weinverkostungen auch nicht. Generell nicht.

    Auch die auf youtube in die Tausende gehenden besten, perfekten, überperfekten und perfektperfekten Kaffeezubereitungen, die sich gegenseitig der Lächerlichkeit preisgeben, dokumentieren in ihrem unentwegten Streben nach dem ultimativen Bezug eine Bedürftigkeit, eine Verlorenheit, als sei mit dem Schluckakt ein religiöses Erweckungserlebnis verbunden.

    Ich glaube, dass Kaffee von seinem prozessualen Prozedere lebt, von der Alchemie seiner Gerätschaften und ihrer Rückwirkung auf den Laboranten, also letztlich einer Disziplinierung durch die Maschine. Kaffee hat Unterwerfungscharakter.

    Dass sich der Kaffeeliebhaber dies in tausend Anleitungen, Konfigurationen und Mahlgraden antut, also einer Varietät mathematischer Höchstpotenzierung, zeigt, dass die Zubereitung seiner Ingredienzien den eigentlichen Genuss beherbergt: Machen ist besser als Verkosten. Macht auch mehr Spaß.

    Bitte: Was auch ist die sekundenschnelle Verschlürfung eines Espresso gegen die jahrelange Tüftelei hierfür, die kein Koffein jemals so anregend bereitstellen könnte. (Die Schwaben verstehen das sofort...)

    Welche An- und Verwandlung etwa hat Omas Brühkaffee - Wasser drauf, fertig - erfahren in Zeiten elaboriertester Bedarfsweckung, die noch die kleinste Nische, die geringste Variation marketingtechnisch zu besetzen weiß mit Inventar und Röstgraden.

    Es ist der große Nachteil am Tee, dass man mit ihm nicht so herumspielen kann wie mit Kaffee. (Deswegen gibt es auch kein vergleichbares Tee-Forum)

    Kaffeeautomat, Siebträger, Kapselsysteme, Brühkaffee: Sollen wir eine Prognose wagen?
    Es geht in Richtung Simplizität. Aldi macht’s vor.
    Es muss simpel sein, reduziert, und man muss viel daran herumschrauben können.
    Also komplexe Simplizität.
    Ich habe da eine Idee.
     
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  2. #2 Falcone, 14.10.2016
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    Bin nun schon gespannt auf die Kommentare! Feiner Beitrag.
     
  3. #3 mcblubb, 14.10.2016
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    Seid einiger Zeit nehme ich Gesangsunterricht.
    Dort geht es darum, vereinfacht dargestellt, viele kleine Techniken akribisch zu erlernen, damit man sie später unbewusst nutzen kann um seine Emotionen auszudrücken.
    Ähnlich sehe ich es beim Kaffee. Ich habe einige Jahre sehr akribisch gearbeitet um heute einfach nach Gefühl einen köstlichen Genuss zu bereiten.
    Ohne die disziplinierte Schule vorher würde das nicht funktionieren.
     
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  4. #4 Mad Maz, 14.10.2016
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    Erzähle das mal nem Japaner. :eek:;)
     
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  5. #5 Der Hering, 14.10.2016
    Zuletzt bearbeitet: 14.10.2016
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    Grunderkenntnisse der philosophischen Anthropologie in geschwungene Worte verpackt.

    Wenn schon provokativ, dann hätte es auch einfach lauten können: Menschen mit Hobbys verschwenden ihre Zeit und verweigern sich dem Genuss.

    Bereits als Konsum und Marketing noch in den Kinderschuhen waren haben sich Menschen für ihre Hobbys bis zur Selbstaufgabe eingesetzt. Im Streben nach dem Neuen, Anderen, Besseren und im Genuss des Austauschs über den Weg mit interessierten Weggefährten. Nichts anders passiert hier auch. Wie sonst erklärt man sich Modellbauer, die jahrelang basteln, um 15 Minuten zu fliegen, bevor sie die Landeschäden voller Inbrunst reparieren? Oder die Oldtimerfahrer, die mehr putzen, schrauben und angucken als wirklich fahren? Dieses Verhalten lässt sich auf eine Vielzahl von Hobbys übertragen und selbst in das Berufsleben.

    Dass Markt und Marketing diese Menschen als willkommene Opfer entdeckt haben, stimmt. Aber es macht den mündigen Teil dieser Menschen nicht zu Unterworfenen.

    Just my 2 Cents.


    Edit hat Fehler gefunden.
     
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  6. #6 mcblubb, 14.10.2016
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    Ist das nicht der Sinn des Lebens?
     
  7. #7 zia fofa, 14.10.2016
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    Zweitaccount oder tatsächlich ein neuer Forenfeuilletonist?

    Aber um zum Thema beizutragen: Ich nehme keinen Gesangsunterricht. Ist aber auch besser so.

    :)

    Zia Fofa
     
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  8. #8 AnaTTol, 14.10.2016
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    :eek:
     
  9. #9 domimü, 14.10.2016
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    @zia fofa Tippe auf Zweitaccount, Freitag ist Trolltag.
    Ich bin übrigens der Meinung, dass mit Tee viel mehr experimentiert werden kann, Gong fu cha als Stichwort sollte an dieser Stelle genügen.
     
  10. #10 Der Hering, 14.10.2016
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    :)

    Gute Frage!
     
  11. #11 der kleine Muck, 14.10.2016
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    ...ich dachte ja erst, dass wären so unzusammenhängende Spam-Schnipsel der Bots, die hier letztlich aufgetaucht sind...fands dann aber doch noch lustig! :D
     
  12. #12 Simsala, 14.10.2016
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    Moment!
    Japaner spielen nicht mit Tee. Eine jap. Teezeremonie ist eine minutiös inszenierte, todernste Angelegenheit. ;-)
     
  13. #13 mcblubb, 14.10.2016
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    Tee?

    Ganz einfach:

    Teebeitel in ne Tasse, heißes Wasser drauf und mit Wodka auffüllen.

    Hilft bei Magenproblemen, Erkältung und depressiver Stimmung.

    ROFL
     
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  14. #14 Falcone, 14.10.2016
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    Ich glaube so war das auch von Mad Maz gemeint :)
     
  15. #15 Simsala, 14.10.2016
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    Ja, eben.:)
     
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  16. #16 malbrecht, 14.10.2016
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    Moin,

    OK, Du magst keinen Kaffee. Das kann man a) mit weniger Worten sagen (schon Schiller schrieb, sinngemäß und versuchsweise an Deinen Stil angepasst, an seinen Freund Goethe *1: "Vergebet die Länge meines elongierten Elaborats, welchselbiges ich zu verkürzen nicht vermochte ob einer signifikanten Absentia suffizienter Zeit"). Man kann b) auf die Aussage ganz verzichten und sich einfach in einem Nicht-Kaffee-Trinker-Forum anmelden (Jemand ein Dröpschen Milch in sein heißes Wasser?). Man kann c) versuchen, das, was man aussagen will, auf den Punkt zu bringen *und* dem Leser Spaß zu machen.
    Ich glaube, Du hast c) versucht.

    Vorab entschuldige ich mich, sollte ich Dir, jemand anderem oder mir selbst auf Füße, Hände oder Schlipse treten. Wer sich in literarische Untiefen begibt, läuft Gefahr, da auf Besserwisser zu treffen, hier darum eine in Gesprächsform verpackte Replik:

    > Überhaupt: Kaffeegenuß gelingt nur im Dämmer, im Halbschlaf, in diesem vakuumisierten Zustand halber Geistesabwesenheit.

    schon etwas dreist, von Dir auf andere zu schließen, findest Du nicht? Du definierst "Genuss" in Deinem Text, in Bezug auf Kaffee, als "Verkostung" und "Versuch, alle Aromen zu identifizieren". Hältst Du es für möglich, dass jemand Kaffee - oder Sex - auch "einfach nur so" genießen kann?
    Mit einem von beidem ist mir das mindestens möglich.

    > Kaffee ist ein Zerstreuungsgetränk.

    Nö. Aber Labertexte sind Zerstreuungskunst. Und Kunst kommt von "Können", nicht von "Wollen", sonst hieße es "Wunst".

    > Ich glaube, dass Kaffee von seinem prozessualen Prozedere lebt

    Was ist das, prozessuales Prozedere? Außer, natürlich, eine unnötige Dopplung, einfach, um den Text wobbliger erscheinen zu lassen?

    > Machen ist besser als Verkosten. Macht auch mehr Spaß.

    Huch, eine Aussage! Hatte ich so gar nicht erwartet :) Ganz sicher ist "Machen" besser als "Verkosten", warum Du aber von "Genießen" auf "Verkosten" umsteigst, erklärst Du nicht. Du setzt es einfach gleich und behauptest dann, anders, als durch Verkosten, könne man Kaffee ja gar nicht zu sich nehmen.

    > Welche An- und Verwandlung etwa hat Omas Brühkaffee - Wasser drauf, fertig - erfahren in Zeiten elaboriertester Bedarfsweckung, die noch die kleinste Nische, die geringste Variation marketingtechnisch zu besetzen weiß mit Inventar und Röstgraden.

    Und? Was willst Du uns damit sagen? Autos werden seit zig Jahrzehnten auch nur um "geringste Variationen" erweitert und "marketingtechnisch besetzt". So what? Es soll Menschen geben, die gerne Auto fahren - unterstellst Du denen auch, dass sie eigentlich TÜV-Mitarbeiter sind, weil man Auto-Fahren nur genießen kann, wenn man gleichzeitig die Spur kontrolliert? Nicht, dass ich Autofahren toll fände, aber ich finde auch Kaffeeverkosten untoll. Ich trinke einfach nur gerne einen (selbst gemachten ODER anständig gezapften) Espresso.
    Einfach so.

    > Es ist der große Nachteil am Tee, dass man mit ihm nicht so herumspielen kann wie mit Kaffee.

    Die Aussage ist so herbeigezogen, dass sie schon keine Haare mehr hat. Warste schon ma' in England, Alter? Oder irgendwo außerhalb einer Studentenbude? Mit Tee kann man nicht "herumspielen"?
    Schon mal "Tee mit'm Schuss Rum" getrunken? Geht so: Glas mit heißem Tee halb füllen, mit Rum auffüllen. Einen tiefen Schluck abtrinken, mit Rum auffüllen. Einen tiefen Schluck abtrinken, mit Rum auffüllen. Einen tiefen - you catch my drift.
    Eistee? Bananentee? Leuchttee zur Mitternachtsparty? Teeverschnitt? Tee als Gewürz in Suppen, Kuchen, Keksen, Brot?
    Deine Aussage ist so provokant, dass ich sie einfach nochmal wiederhole:

    > Es ist der große Nachteil am Tee, dass man mit ihm nicht so herumspielen kann wie mit Kaffee.

    ... und ich füge hinzu: Es ist der große Nachteil an (nein, ich mache jetzt keinen anzüglichen Witz, sondern biege rechtzeitig vorher ab) Brötchen, dass man mit ihnen nicht so herumspielen kann wie mit Kaffee. Außer, sie in Buletten zu verarbeiten. Oder als Kuchenbodengrundlage. Oder in Suppen. Oder als Schnittchen. Oder tiefgefroren und mit einem Motor drangebunden als ferngesteuerte Bötchen. Oder ... you catch my drift.

    > Kaffeeautomat, Siebträger, Kapselsysteme, Brühkaffee: Sollen wir eine Prognose wagen?

    Ich wage mal eine Prognose: Als nächstes schreibst Du einen Glossenversuch zum Thema "Wählen-Gehen" und kommst zu dem Schluss, dass es Wählen-Gehern gar nicht um das Wählen-Gehen geht, sondern um das Schuhe-Zubinden vorher.

    Marc

    -------------
    *1 Ich weiß: Das Zitat wird in seiner Urform vielen Autoren zugeschrieben, darunter Cicero, Pascal und Gustav Gnödkens. Mir geht's hier nicht um die Originalfassung, sondern um den Gag.
     
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  17. #17 schraubohne, 14.10.2016
    schraubohne

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    ich auch, mir ist aber langweilig.
     
  18. #18 The Rolling Stone, 14.10.2016
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    Seit wann das denn? Angefangen von tausenden Sorten und Mischungen über die chemische Beschaffenheit des Wassers, dessen richtiger Temperatur, die Zeit des Ziehens bis hin zur Höhe aus der der Tee aus der Kanne in die Tasse gegossen wird - hör doch auf, Teetrinker sind 1000x schlimmer und pedantischer als Kaffeetrinker. Und es gibt kein vergleichbares Forum? Soll ich mal guckeln?^^
     
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