Ducale P.S. 66

Diskutiere Ducale P.S. 66 im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Ich habe kürzlich die Gelegenheit genutzt und diese eingruppige Ducale P.S. 66, Baujahr 1968, zu mir geholt. Sie ist komplett, auch inkl. der...

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  1. #1 condino, 13.08.2022
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    Ich habe kürzlich die Gelegenheit genutzt und diese eingruppige Ducale P.S. 66, Baujahr 1968, zu mir geholt. Sie ist komplett, auch inkl. der originalen Siebträger, äußerlich sehr gut erhalten und beim Blick unters Kleid im „guten gebrauchten Zustand“. Die Maschine sieht - bis auf den verbauten Sirai-Pressostat - original und unverbastelt aus.

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    Wir hatten 2018 einige Ducale-Bilder im Raterunden-Thread #165-173, @mechanist @Sansibar99 und @achmed hatten hierzu Informationen. Auch wenn meine Maschine sich hinsichtlich Restauration zunächst noch hinten anstellen muss und ich sie noch nicht zerlegen möchte, so kann ich doch jetzt schon ein paar Details zeigen bzw. Fragen aufwerfen.
     
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  2. #2 mechanist, 13.08.2022
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    Sehr schöne Maschine, herzlichen Glückwunsch.

    Und jetzt kommen schon die ersten Fragen:

    Gehört da eine Rota-Pumpe dazu, oder ist das, wie ich bisher vermutet hatte, keine Espresso-Maschine, sondern eine für
    Cafe Express (also einem Brühkaffee unter Druck)?

    Wenn es eine Cafe-Express-Maschine ist, mit welchem Kesseldruck arbeitet sie und ist irgendwie erkennbar, ob das
    Wasser auf dem Weg vom Kessel zur Gruppe gekühlt wird?

    Während in Deutschland der Espresso ja nur sehr zögerlich Einzug hielt, und der Cafe Express vorallem durch Rowenta
    und WMF perfektioniert wurde und verbreitet blieb, verschwanden in Italien Maschinen dafür doch sehr zügig oder
    blieben allenfalls noch als schwierige Kombination erhalten, etwa bei den Hotelgruppen von Faema, Gaggia, Astoria
    und Cimbali, wobei einige dieser Hotelgruppen Überbrüher waren (also drucklos arbeiteten). Eine italienische Gastronomie-Maschine nur für Cafe Express kenne ich bis auf die hier gezeigte und eine spätere Sama bisher nicht. Der Cafe Express überlebte in Italien ja in der Hauptsache in den Haushalten in Form der Bialetti-Kannen und deren zahlloser Verwandschaft, die heute fälschlicherweise als "Espresso-Kocher" bezeichnet werden.
     
  3. #3 condino, 13.08.2022
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    Laut Verkäufer gehörte eine Pumpe zur Maschine, die aber fehlte. Was ich bisher gesehen habe (und in der Folge zeigen werde) ist das aufgrund der verbauten Elektrik/Schalters auch plausibel.

    Die im o.g. Fred von @mechanist gezeigte 2gruppige Pumpenmaschine trägt auf der eleganten roten Frontplatte die Bezeichnung P.S. 68. Meine Pumpenmaschine wiederum ist auf der Frontplatte mit P.S. 66 gebrandet, aber lt. Kesselprägung Baujahr 1968. Ich hätte jetzt das „P“ für einen Hinweis auf „Pompa“ gehalten, aber die von @Sansibar99 gezeigten HH heißen auch P.S. Was könnte also die Modellbezeichnung bedeuten?

    Zunächst zum Kessel:
    Ich interpretiere den Kesseleindruck dieser Maschine „.*.6.6.1968.1172.*.“ als Bj. 6. Juni 1968, Nr. 1172 - oder doch als Modell 66, Bj. 1968, Nr. 1172?

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    Der Kessel wirkt auf mich so, als ob er noch nie geöffnet wurde, jedenfalls sehen die Dichtungen sehr alt und sehr „originale“ aus. Auch die Leitungen / Muttern zeigen keine Spuren von Schraubenschlüsselanwendungen in den letzten 50 Jahren und scheinen ebenfalls ungeöffnet.

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    Einzig ein neuer Sirai-Pressostat lag oben direkt auf dem Kessel auf (!) – aber so kann die Maschine ja eigentlich nicht betrieben worden sein. Hat jemand ggf. ein Bild eines originalen Ducale-Presso?

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    Und am Sicherheitsventil hat jemand mal Teflonband verwendet.

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  4. #4 IamOiman, 13.08.2022
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    Nice find, I am pretty certain I saw this machine for sale for some time now and recall thinking it is in very nice cosmetic condition and it was a good price. I am curious to see if the bottom heating element stud with nut was original or a replacement at some point. I would say 6 6 1968 is the actual date of 6 June 1968 rather than the model number.
     
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  5. #5 condino, 14.08.2022
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    Zur Karosserie:

    Die Maschine hat ist 58cm breit, 43cm hoch, 49cm tief und massiv verarbeitet. Die verchromten Messingbleche sind richtig solide, ebenso die kurzen konischen Füßchen. Das Chrom ist gut erhalten, es hat fast keine Pickel und die wenigen vorhandenen hatten noch keine Zeit, sich richtig reinzufressen und lassen sich sicher ohne größere Schadstellen wegpolieren.

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    Die Krönchen auf den irgendwie kubistisch angehauchten Seitenblenden sind nett.

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    Die obere Tassenablage ist mit 42 x 26 cm recht groß, die Kunststoff-Blenden sind komplett und rötlich gefärbt.

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    Detailverliebt finde ich das Abtropfblech. Hier mündet mittig der Ablauf der Gruppe (dazu später mehr), man schiebt eine daran befestigte Chrom-Tülle hoch und kann an den massiven Messing-Knöpfchen li/re das Gitter abheben. Darunter sieht man, dass der Ablauf nicht einfach so in ein Loch mündet, sondern in eine (ebenfalls massive) schräg gearbeitete Ablaufschiene, die das Restwasser übe die breite verteilt und aus sieben Auslässen ins Abtropfblech leitet. Im Vergleich mir der e61 Lösung, erscheint mir das hier richtig durchdacht und das Wasser spritzt nicht einfach so aufs Gitter, sondern wird runter ins Abtropfblech geleitet. Dieses wiederum ist mit zwei Schrauben befestigt, links mit Dichtung, rechts mit einer Flügelmutter an der Ablaufwanne

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    Das Manometer hat einen Durchmesser von 60mm.

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    Eine Beleuchtung der Frontplatte habe ich nicht entdeckt, der Platz dafür wäre aber definitiv zwischen Platte und Hitzeschild vorhanden.

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  6. #6 condino, 15.08.2022
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    Zur Gruppe:

    Ohne diese zerlegt zu haben, stellt sich mir die Frage, ob das nicht nur eine (elegante und vermutlich auch gelungene Umgehung) des e61-Patentes ist? GGf. kann @achmed (der glaube ich schon einmal eine offen hatte) beim Funktionsprinzip ergänzen/korrigieren?
    Der Bezugshebel vorne betätigt bei Linksdrehung einen Stift innerhalb der obenliegenden Führung, der vermutlich ein Ventil öffnet und so Wasser in die Gruppe einströmen lässt.

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    Gleichzeitig dreht er eine horizontal angebrachte Stange, die wiederum den Pumpenschalter steuert. Die Hebelwelle, die Faema bei der e61 von außen sichtbar aufs Blech geschraubt hat, versteckt Ducale hinterm Blechkleid - und verarbeitet das zudem noch massiver.

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    Die Druckentleerung der Gruppe erfolgt über die verchromte Leitung an der rechten Seite und mündet wie oben beschrieben in der Ablaufwanne.

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    Was ich nicht verstehe ist die Funktion bzw. den Sinn des Zugknopfes? Er betätigt bei Zug den Elektroschalter und steuert somit die Pumpe an – aber der Schalter wird bei Kaffeebezug ohnehin bereits über die Welle aktiviert. Eine Idee wäre, dass man so den Kessel auch ohne Leitungsdruck z.B. aus einem Kanister füllen könnte, indem Pumpendruck aufgebaut wird.

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    Und hier noch die dazugehörigen Siebträger mit den Ohren auf zwei und acht Uhr.

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  7. #7 mechanist, 15.08.2022
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    Ich habe da auch schon anhand der Bilder rumgerätselt. Bisher war meine Vermutung, dass man vor dem Bezug den Zugschalter bedient, die Pumpe baut den Druck im Wärmetauscher auf, dann kommt der eigentliche Bezug über den Hebel. Nach dem Schliessen des Hebels muss ja die Pumpe wieder ein Signal zum Abschalten bekommen - kommt das dann vielleicht über die Mechanik in der Gruppe? Ggf. dient diese Mimik auch dazu, eine Präinfusion zu ermöglichen?

    Was mich auch erstaunt, ist das die Maschine kein zweites Manometer für den Pumpendruck hat. Das war ja nicht nur bei der E61, sondern auch bei allen folgenden, frühen Pumpenmaschinen meistens jedenfalls vorhanden, machmal ja auch als Doppelmanometer.
    Möglicherweise hing das aber auch an dem Leitungsstummel über dem Kessel, auch sowas gab es - da konnte man den Pumpendruck zumindest sporadisch kontrollieren.
     
  8. #8 turriga, 15.08.2022
    Zuletzt bearbeitet: 15.08.2022
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    Könnte es nicht sein, dass man mit dem verchromten Knopf an der Frontplatte die Pumpe manuell ein- und abschalten und damit auch über die (wohl gelagerte) Welle innen oben im Kesselraum gleichzeitig die Wasserzufuhr an den Brüggruppen steuern konnte?
     
  9. #9 condino, 16.08.2022
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    Ja, der Knopf schaltet die Pumpe manuell - aber die Frage ist der Sinn dahinter. Könnte schon so sein, wie @mechanist oben vermutet, zwecks Präinfusion, quasi "Vorglühen", bevor der Bezugshebel das Ventil öffnet.
    GGf. war das auch an der Pumpe montiert.
     
  10. #10 condino, 16.08.2022
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    Die drei Ventilknebel sind original und perfekt erhalten, zudem leichtgängig. Die roten sind für die Entnahme, der weiße betätigt das Füllventil.

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    Und dann habe ich mich noch die ganze Zeit gefragt: Welche mythologische Schönheit tanzt denn da auf der Plakette „Medaglia d’Oro“ 1966? Die Figur hatte ich in gleicher Abbildung schon auf einem anderen Gerät gesehen! Ja, es ist Merkur, der Götterbote, der sich mit geflügelten Schuhen, dem Flügelhelm und dem Stab mit zwei Flügeln schneller bewegen kann als das Licht.

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    Und davor gesehen habe ich ihn auf dem Aufkleber „Mercurio d’Oro `71 – Oscar Europeo“ auf dem Universal Aghetto Toaster (siehe Toaster-Fred).

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    Vermutlich hat Ducale im Jahr 1966 die Auszeichnung erhalten, da werde ich nochmal recherchieren. Es war ja nicht ungewöhnlich, dass Hersteller Prämierungen auf den Geräten kommunizierten, vgl. auch Cimbali bei der Pitagora.
     
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  11. #11 condino, 17.08.2022
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    Nachtrag zu dem Thema: ich habe den Verkäufer nach der Funktion des Zugknopfes gefragt. Die Antwort: Man habe die Maschine einige Jahre selber in Betrieb gehabt, allerdings ohne den Knopf zu nutzen,
     
  12. #12 mechanist, 17.08.2022
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    Diese Auszeichnung gibt es bis heute. Sie wurde 1961 ins Leben gerufen, um Produkte mit gutem Design ursprünglich italienischer Hersteller auszuzeichnen und deren Bekanntheit im europäischen Ausland damit zu fördern. Im Laufe der Zeit zog die preisvergebende
    Stiftung nach London und die Auszeichnung wurde für europäische Produkte / europäisches Design erweitert.

    Mehr dazu hier:
    Gold Mercury International Award - Wikipedia

    Möglicherweise kann man bei tiefergehender Recherche über diese Auszeichnung herausbekommen, wer die Gestaltung für die Maschine gemacht hat.
     
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  13. #13 turriga, 17.08.2022
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    Dann ist dies wohl der Hinweis, der die These der Preinfusion mit Betätigung des Druckknopfs dann bestätigt und er darauf einfach verzichtet hat.
    Gab es von ihm dann auch noch Hinweise auf die verwendete Pumpe und einem zweiten Manometer?
     
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