Einfach noch nicht "... Klick gemacht"

Diskutiere Einfach noch nicht "... Klick gemacht" im Vom Rohkaffee zum Selbströster Forum im Bereich Rund um die Bohne; Guten Abend, die meisten werden es sicher schon bemerkt haben. Ich habe mich nun unter die Kaffeeröster begeben. Nunja fast. Das ganze hat ja...

  1. #1 Ansonamun, 14.08.2016
    Ansonamun

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    Guten Abend,

    die meisten werden es sicher schon bemerkt haben. Ich habe mich nun unter die Kaffeeröster begeben.
    Nunja fast.
    Das ganze hat ja schon vor einem Jahr angefangen als ich den 1kg Röster bestellt habe, dieser kam nun diese Woche. (Siehe.... Ich habe gerade Kaffeekram gekauft)

    In den vergangenen Monaten habe ich mich durch die gängigsten Bücher gelesen.. :

    - Claus Fricke
    - Gerhard A. Jansen
    - Scott Rao

    Also könnte man meinen, ich hätte jetzt keine Probleme mehr mich an das Thema ranzutrauen. Leider weit gefehlt.

    Vlt. macht es ja "Klick" wenn ich ein paar allgemeine Verständnisfragen klären kann (Zumindest hat das vor vielen Jahren bei der Espressozubereitung auch funktioniert) :

    1 ) Kaffee Rösten ist ein jonglieren mit Temperaturen um zu bestimmten Zeiten, bestimmte Temperaturen zu erreichen ? Oft sehe ich Klassifikationen von Röstgraden die an Temperaturen gekoppelt sind. Bspl : Full City 220-225°C
    Soll heißen, ich möchte eine Bohne gern Full City bringen, fahre ich den Röster dann die Höchstmögliche Temperatur oder nur wirklich die benötigte Temperatur von 225°C. ? Temperatur steigere ich nach dem FC ?

    2 ) Die Maschine wird vorgeheizt, ich starte mit einem Wert der es mir ermöglicht die Bohnen bis zum FC auf die gewünschte Temperatur zu bringen (200°C) ? . Ergo kann ich den Röster am Anfang recht hoch laufen lassen, da die Masse der kalten Bohnen diesen sowieso runterkühlen. Gibt es hier Anhaltspunkte oder richtet sich das nach der Power des Rösters?

    3) Was mir Bauchweh bereitet ist wie lange eine Phase andauern sollte. Wie lange sollte die Bohne mit Wärme aufgetankt werden um zum 1. Crack zu kommen ? Mittelphase bis zum 2. Crack ? Das kann ja schneller oder langsamer geschehen..

    3) RoR, Rao ist der einzige der das beschreibt. Kann mir das evtl. jemand nochmal in eigenen Worten wiedergeben?

    4) Ich habe mal etwas aufgeschnappt.. wie : If you don’t like math, coffee roasting may not be the best hobby or profession for you... Trifft das zu ? Ist das Rösten von Kaffee ein Zahlenjonglieren ? Ich bin ja der Meinung das diese Digitalisierung nur ein Gimmick ist, Sensorik & Erfahrung sollten doch für einen geübten Röster die Hauptarbeit leisten.

    5) Man muß gestehen das der Bullet mich natürlich etwas mehr überfordert als der Gene es getan hätte. Anzeigen für Trommeltemperatur, Bohnentemperatur, Abluftgeschwindigkeit, Trommelrotation .. [​IMG] [​IMG] Was auch immer..


    Ich habe noch ein paar Wochen vor mir bis ich die ersten Röstunge machen kann, vlt. komme ich bis dahin dann schon auf ein Arbeitsniveau das mir ermöglicht, nicht mehr ganz so unsicher anzufangen.


    Vielen dank

    Kevin
     
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  2. #2 silverhour, 14.08.2016
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    Willkommen im Kreise der Heimröster!

    Grundsätzlich gilt vor allem ein blöder Spruch: "Wenn es einfach wäre, dann könnte es ja jeder." Röster kaufen, Bedienungsanleitung befolgen und Kaffee rösten wie Gott in Italien.....

    "Ich habe noch ein paar Wochen vor mir bis ich die ersten Röstunge machen kann." - Na, dann röste doch erst mal los und versuche, ein Gefühl für die ganze Sache zu bekommen.

    Zu Deinen Fragen....

    1)
    Die Temperatur hängt immer auch davon ab, wo gemessen wird. Die Röstgrade lassen sich in der Praxis aber besser an der Farbe der Bohnen und den Phasen wie 1.Crack / 2. Crack etc bestimmen.

    2)
    Grundsätzlich ja, der Röster sollte beim Bohneneinfüllen voll aufgeheizt sein, durch das Bohneneinfüllen fällt die Temperatur erst einmal ab. Praktisch muß je nach Röster und Bohnen ausgeprobiert werden, welche Temperaturen das beste Ergebnis liefern.

    4)
    Nö.
     
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  3. #3 MarioAtJazz, 14.08.2016
    Zuletzt bearbeitet: 14.08.2016
    MarioAtJazz

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    Hallo Kevin,

    eigentlich darf ich garnicht Antworten, da ich seit 7 Jahren mit dem Gene röste und bis lang mit mäßigem Erfolg.
    Hab mir jetzt den Quest gekauft, denn da gibt es m.e. gut brauchbare ARTISAN Logs.

    Also immer mit dem Vorwort "so wie ich das verstanden habe" ....
    Es gibt eine Zeit, innerhalb der der erste Crack kommen sollte. ~9-11Min
    Die Temperatur braucht in der drei Stadien einen maximalen und auch minimalen Temperaturanstieg, ARTISAN hilft hiebei mit einer Bewertung.
    Es gibt so gut wie keine Bohne, die man in den 2ten Crack hinein röstet.
    Bin selbst Techniker (Elektronik), ohne Temperaturmessen geht nichts.
    die eigene Sensorik ist sicher sehr hilfreich, aber leicht in die Irre zu führen,
    und kein Garant für Reproduzierbarkeit. Nimm ARTISAN, das hilft!!
    Am Anfang immer die gleiche Kaffeesorte nehmen.
    Trommelröster brauchen Planung, ich habe beim Quest bis jetzt auf
    Minute genau die Einstellungen geplant, und ggf Abweichungen notiert.
    Niemals (das war vermutlich einer meiner Kardinalfehler) vom Malabar auf andere Kaffees schließen.
    Angeblich kommt der erste Crack immer bei der selben BT (195-200 Gard Celsius)
    Die ET ist NICHT vergleichbar mit anderen, nur innerhalb deiner eigenen Aufzeichnungen,
    soferne der ET Sensor immer an der selben Stelle sitzt. Die ET sagt, inwieweit der Röster
    vergleichbar vorgeheizt ist.
    Bzgl wann ist Ende evtl folgende Vorgangsweise:
    Eine Röstung mit halbwegs passendem Profil, als z.B. Santos in 15 Minuten am Beginn des 2C
    ggf nachschauen ob das mit einer 2ten Röstung reproduzierbar ist.
    Beginn, Mitte , Ende 1 C und Beginn 2C notieren, sollte auf +-10sec übereinstimmen.
    Dann bei der 3. und 4. Röstung einmal 15 Sec kürzer und 30 Sec kürzer Rösten.

    Wenn du einen Temperaturfühler und Artisan hast, kannst du genau die Bohnentemperatur messen.
    Bzgl Vorheizen gibt es einen User "WILFRIED", der in seiner Signatur allgemeine Tips zum Vorheizen sagt, ist aber lange her.
    Und WOLFREDO beschreibt auch die Folgen von zu stark vorgeheiztem Röster.


    Ich hoffe das hilft ein klein wenig.
    Und: Stimmer diese Tips überhaupt ? Was sagen die Könner dazu?

    Mario
     
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  4. #4 cafebohne15, 14.08.2016
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    Hallo. Caferoesten mit dem ganzen digitalen Messen ist total unnötig!!! Röste ganz einfach drauf los mit der Klarstein Heissluftfriteuse meist ca. 27-35 Min. Bei 210-230 Grad je nach Cafesorte und habe bisher die phantastischsten Ergebnisse erzielt. Von Haselnussgeschmack zu Nutella und würzig erdigen Cafes. Ohne viel überlegen einfach nach Gefühl. Bisher ca 25 mal geröstet. Nur die 1. Charge und ein anderes mal missglückt. Und meine Sorten aus verschiedenen Provinzen sind mind. genauso gut wie die Röster mit Preisauszeichnungen, wie z.B Florian Steiner. "Die Kaffee Rösterei", New York Cafe u.m. Beziehe sehr gute Rohbohnen von der netten Rösterei Bonafede aus Hockenheim und Fausto. Auch ich habe das Buch von Fricke gelesen. Spart Euch das und legt einfach mal mit Bauchgefühl los. Und ich habe schon viele verschiedene Cafesorten probiert.
     
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  5. #5 finsterling, 14.08.2016
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    .... nun, das mit dem Bauchgefühl führt dazu, daß man nie wirklich versteht.
    Es kann einem zwar egal sein, wenn die Tasse stimmt, aber die Möglichkeit einer Reproduzierbarkeit hat man eben nur mit etwas Kontrolle.
    Ich denke es ist wie immer, man sollte beides berücksichtigen.
     
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  6. sumac

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    ach nee? dann mach ich ja nur alles falsch oder wie ist das zu verstehen?

    sparen am falschen ende kann teuer werden,
     
  7. #7 Ansonamun, 14.08.2016
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    Morgen,

    ich will damit nur sagen das ich für meine Verhältnisse von der Masse an Informationen überfordert bin.
    Wie schon geschrieben die vielen verschiedenen Einstellmöglichkeiten des Rösters und zum anderen die vielen verschiedenen Parameter des Röstvorgangs.
    Und das trotz der vielen Fachliteratur die ich schon verschlungen habe :)

    Kevin
     
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  8. blu

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    Ich röste nun seit 2006 und auch oft ohne Artisan (will den Laptop nicht immer hinschleppen). Es gibt Sorten, die habe ich früher auf dem Gene (unmodifiziert) mit 240°C Einstellung ohne Änderung durchgeröstet und es hat prima gepasst (z.B. Guatemala Atitlan von pingo). Bei anderen Sorten ist mir nie so richtig klar geworden, warum sie nicht prima wurden. Gut trinkbar waren sie meistens, in 10 Jahren musste ich wenig wegwerfen...
    Heute röste ich auf dem Huky (geschlossene Trommel) so:
    1) Vorwärmen auf ca. 200 °C
    2) Bohnen einfüllen
    3) 1-2 Minuten auf niedrigster Stufe, kaum Luftzirkulation
    4) bis ca. 160°C auf 75% Gas und 25% Lüftung, das ergibt einen Temperaturanstieg von etwa 10°C/Minute (ist natürlich nicht konstant!)
    5) Bis ca. 195°C Gas auf ca. 85% und Lüftung ab jetzt durchgehend auf 100%
    6) Gas auf niedrigste Stufe, damit in und durch den 1. Crack, gegen Ende Gas wieder auf 75%
    7) Röstende bei ca. 208°C, das ist etwa 60 s nach Ende des 1. Cracks

    Benötigte Hilfsmittel: Thermometer (bei mir 2 Fühler), Uhr (noch besser natürlich Artisan).
    Ich bin gerne für Tipps offen, aber Hexenwerk ist das imo keines und natürlich passt das nicht bei jedem Kaffee (aktuell: trockener Äthiopier und Guatemala, beide von pingo).

    LG blu
    ps die Auswertung von Artisan habe ich leider noch nie kapiert, gibt es dazu Literatur? Ich hatte vor einem Jahr mal länger danach gesucht und keine gefunden
     
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  9. #9 cafetrinker, 14.08.2016
    cafetrinker

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    Wie bei den Kaffeebohnen auch haben unterschiedliche Röstmaschinen ihre Eigenarten
    und röstet alle etwas anders.
    Mit einem 1kg Gasröster wird wohl anders gearbeitet als mit dem 1kg Bullet oder dem Gene. Deshalb ist hier ein ausprobieren und aufzeichnen der Ergebnisse sicherlich notwendig um eine gewisse Reproduzierbarkeit zu erreichen.
    Mit meinem Gene geht das Üben wegen der geringeren Bohnenmenge von max./ist 250 Gramm, sicher schneller und kostengünstiger, als wenn ich mit einem 1 kg Röster arbeite und meine Röstungen auch trinken möchte.
    Und die Ergebnisse von geringen Röstmengen lassen sich hier nicht auf die Maximalmenge übertragen, gelingt mir jedenfalls nicht am Gene.
    Deshalb röste ich auch mittlerweile mit der für den Röster optimierten Röstmenge (Gene 250 Gramm).
    Um etwas mehr Ertrag pro Rösttag zu erhalten röste ich immer mit zwei Röstdurchgängen, komme so auf ca. 400 Gramm Kaffeebohnen zum genießen.
    Zu Beginn mit nicht zu vielen Parametern und nicht mit unterschiedlichen Bohnen arbeiten, sich dann an die besten Ergebnisse rantasten. Aufheizphase, 1.Cracks, 2. Cracks und die Röstfarbe beachten.
    Ich habe aber auch erst ca. 80 Röstungen durch und muss da sicher noch lernen.
     
  10. cawa71

    cawa71 Mitglied

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    Sagt wer?
    Nach Sensorik wird seit Jahrhunderten geröstet. Und es gibt auch gewerbliche und erfolgreiche Röstereien die es immer noch so machen.

    Nach manchen Dingen die hier stehen dürfte mir nicht eine Röstung gelungen sein.
    Mein Röster dreht zu langsam. Ich messe nicht (bis auf Gewicht). Arbeite nur nach Ohr, Farbe und Geruch.
    Bekomme trotzdem reproduzierbare Ergebnisse.
     
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  11. #11 cafebohne15, 14.08.2016
    cafebohne15

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    Entschuldige auch ich habe mir immer Notizen gemacht bei welcher Temperatur und Zeit ich eine Sorte geroestet habe. Dann bein 2. Mal bischen variiert, damit ich wieder dasselbe Ergebnis treffen kann . Bis jetzt immer gleich aber super getroffen und ich bin sehr anspruchsvoll.
     
  12. #12 be.an.animal, 14.08.2016
    be.an.animal

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    Ich sag zum Kaffeerösten immer "Es ist wie beim Tanzen oder beim Sex - man muss kein Profi sein um damit Spass zu haben" :cool:
    Ein trinkbareren Kaffe zu rösten klappt eigentlich fast von Anfang an. Ein paar Überraschungen können dabei sein. Vielleicht sind auch ein paar ungeplante Blend-Versuche dabei.
    Einen Kaffee zu rösten der dir persönlich besser schmeckt, als die meisten gekauften ergibt sich auch bald - mit etwas Übung.

    Erst wenn du versuchst, exacte Kurven zu fahren, oder definierte oder "beste" Kriterien nach Vorgabe zu betonen wird es ziemlich kompliziert.
    Da fehlt mich auch Übung.

    RoR = Rate of Rise = DeltaBT = Temperaturänderung pro Minute der Bohnenmassetemperatur

    Theorie hast du bestimmt ausreichend. Jetzt ist Üben und variabel Trinken angesagt. Mal Espresso, mal Cappu.
    Vielleicht mal reifen lassen oder mischen mit einer Röstung oder Bohne, die am anderen Ende der Skala liegt.
    Prost! ;)
     
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  13. #13 mr.smith, 14.08.2016
    mr.smith

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    Ja echt jetzt - sagt Wer ?
    (Kommt sicher von dieser 3. Deutschen-WelleTeefraktion :cool:)
     
  14. #14 UliD, 14.08.2016
    Zuletzt bearbeitet: 14.08.2016
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    Uff, das sind so viele Fragen und schon so viele Teilantworten, dass mir ein bisschen der Überblick fehlt. Alle Antworten von mir mit dem Disclaimer "nach meinem Wissen". ;)

    Röstgrade sind meines Wissens eher an Farben, als an Temperaturen gekoppelt. Sie können auch nur innerhalb einer Bohnensorte verglichen werden und dienen da eben - zum Vergleichen.
    Antwort auf alle deine Fragen zur Temperatur: Nein.
    Du hast eine Zieltemperatur für die Bohnen. Die kannst du theoretisch genausogut mit kurzer Zeit 400° oder sehr langer Zeit 225° Hitze im Röster erreichen. Die Art, wie du Temperatur in deinem Röster führst, um zur Zieltemperatur zu kommen, entscheidet über den Geschmack.

    Die Starttemperatur entscheidet zusammen mit den Möglichkeiten deines Rösters über den gesamten Temperaturverlauf (RoR), in erster Linie aber über die Dauer der Trockenphase. Du kannst Bohnen bei zu hoher Einfülltemperatur beschädigen, bei zu niedriger Einfülltemperatur geschmacklich langweilig werden lassen, weil du endlos lang brauchst, um ihre Temperatur hochzukriegen und den Röstprozess durchzukriegen. Tendenziell vertragen Hochlandbohnen höhere Einfülltemperaturen als Tieflandbohnen.

    Ja, und das ist der Punkt, an dem vermutlich nur Erfahrung sammeln hilft. Dazu gibt es auch eine Menge Theorien, u.a. Interpretationen der Thesen von Rao - ist viel im HB-Forum zu finden.
    Ich vermute, dass es auch ziemlich von dem Röster abhängt. Selbst nehme ich zur Zeit etwa 50% der Zeit zum Trocknen, 25-30% für die Rampe und 20-25% für die Phase ab dem FC. Manchmal aber auch nur 16 oder 17% ab FC...

    Rate of Rise, wie oben schon be.an.animal beschreibt. Der Wert spielt bei Rao eine zentrale Rolle.
    • Bohnen sollen bis ins innere gleichmäßig durchgeröstet werden,
    • das Durchrösten passiert über den Temperaturunterschied zur Außenseite,
    • je höher der Temperaturunterschied in der Anfangsphase der Röstung ist, desto schneller dringt die Hitze in die Bohnen und desto gleichmäßiger werden Bohnen auch bei relativ kurzer Röstdauer durchgeröstet.
    Aus diesen Annahmen postuliert er, dass die RoR über die gesamte Röstdauer fallen soll: Anfangs soll die Temperaturdifferenz Rösttemperatur-Bohnentemperatur sehr hoch sein, so dass die Bohnen(innen)temperatur schnell ansteigt, später niedriger, damit gegen Ende Innen- und Außentemperatur der Bohne möglichst ausgeglichen sind und ich nicht außen Kohle und innen einen kalten Kern habe - das Gegenmodell zu einem Steak.

    Rechnen tut bei mir Artisan. :)

    Viel Spaß mit dem Bullet! Ich bin sehr gespannt, wie der sich bewährt.
     
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  15. #15 Guarnerius, 14.08.2016
    Guarnerius

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    Hab ich so noch nie drüber nachgedacht, aber den Spruch werd ich jetzt immer in meinem Kopf leise hören, wenn ich am Röster stehe:D!

    Ich röste zwar im Moment nur mit dem Gene, aber ich war auch am Anfang arg überfordert mit all den Möglichkeiten und all den Infos, die ich bekommen habe. Und am Gene sind ja tatsächlich nur 2 Knöpfe, nix von wegen "Abluft, 25% Gas, 2 Ave Maria nach dem 1.Crack und dann raus" und mir hat das schon voll auf gereicht, um arg verwirrt in der rauchenden Küche zu stehen.

    Mein Ansatz mittlerweile ist es, mit den beiden mir gegebenen Komponenten Zeit und Temperatur unterschiedliche "steile" oder "flache" Kurven zu fahren und das dann zu vergleichen. Ich schaff den 2.Crack auch in 10 Minuten, ohne Probleme, das war dann aber zu steil... Damit sind natürlich die ganzen Feinheiten raus, die wichtig sind, um das Optimale aus den Bohnen rauszuholen, aber am Anfang waren mir das schon genügend Komponenten, mit denen ich jonglieren konnte. Wenn man dann verkostet, lernt man einiges daraus.

    Was mir ebenfalls eine verdammt große Hilfestellung war: Ich musste mir erst mal darüber klar werden, wo ich hin will - klar, der Kaffee vom Röstmeister war besser als der meinige, aber warum konnte ich nicht sagen. Ich hab mir dann einfach bei einer kleinen Rösterei 1kg sortenreine Bohnen, die mir schmeckten, bestellt und dazu aus derselben Quelle den passenden Rohkaffee. Dann hatte ich quasi das Endprodukt vorgegeben und konnte vergleichen. Durch den direkten Vergleich konnte ich eine Menge über den Röstvorgang lernen, weil man die Unterschiede sofort wahrnehmen konnte.

    Wenn ich mich recht erinnere, legt Quijote großen Wert auf Transparenz - auf der Homepage dürften die sogar ein paar Röstkurven ihrer Sorten veröffentlicht haben: Wenn du quasi dort einkaufst, dann hättest du zumindest schon mal einen Anhaltspunkt, mit dem du starten kannst...
     
  16. eistee

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    @Ansonamun
    Ich glaube, du gehst das alles zu wissenschaftlich an :)

    Ich habe damals mit dem Buch von Fricke gestartet um einen ersten Eindruck zu bekommen. Parallel habe ich natürlich viel im Netz gelesen.
    Mein erster Röster war der Whirley Pop :rolleyes:
    Anfangs habe ich einfach nach Gefühl probiert, dann Messfühler nachgerüstet und mit Artisan aufgezeichnet.
    Mit den Ergebnissen war ich auch stets sehr zufrieden, obwohl ich rückblickend noch eine Menge Fehler gemacht habe...

    Kurz vor dem Huky habe ich mir dann das Buch von Rao besorgt und mich näher mit den chemischen Abläufen während des Röstens beschäftigt.
    Aktuell orientiere ich mich bei allen Röstungen an Raos Richtlinien und erziele damit auch reproduzierbar gute Ergebnisse. Mit jeder weiteren Röstung lerne ich dazu :)

    Was ich also sagen will:
    Ran an den Röster und loslegen! Mach deine eigenen Erfahrungen und gleiche sie erst im nächsten Schritt mit denen der "Gurus" ab.
    Artisan ist ein wahnsinnig mächtiges Tool, welches unglaublich hilfreich ist, wenn es darum geht Röstungen anhand zuvor definierter Kriterien zu beurteilen und reproduzierbar zu machen. Es nimmt dir aber nicht die Lernkurve ab ;)

    Im Falle deines Bullets brauchst du dir zunächst ohnehin keine Gedanken zu Artisan zu machen, da du erstmal an die proprietäre Software gebunden ist.
    Besonders für Anfänger ist das aber sicher mehr ein Vor- denn Nachteil :)
     
  17. UliD

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    Eigentlich eine schöne Aussage, die aber mir nur wenig helfen würde, wenn ich viele Knöpfe vor mir habe und die irgendwie einstellen muss. ;)
    Um also die Knopfanzahl zu reduzieren, wären meine Tipps:
    • Stell die Trommeldrehzahl irgendwo in der Mitte ein und ignoriere sie fürs nächste halbe Jahr. Die ist fürs absolute Feintuning.
    • Geschwindigkeit Abluft würde ich (Achtung, geht natürlich auch anders) in der Trockenphase gering einstellen, ab dem Trockenpunkt (Geruch wechselt von Heu auf Röstbrot bzw. über den Daumen bei 155° Bohnentemperatur) auf gehobene Mitte.
      Luftzug ist ziemlich bedeutsam, würde ich aber auch erst mal als Variable rausnehmen, bis ich den Temperaturverlauf im Griff habe.
    • Heizung ist aus meiner Sicht für die ersten 10-20 Röstungen das Wichtigste. Nach dem Einfüllen hoch, dann nach und nach reduzieren.
    Vielleicht hilft das ein bisschen beim Start.
     
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  18. #18 silverhour, 14.08.2016
    silverhour

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    Mal ganz doof daziwschen gefragt: Wenn der Röster diese Woche ankam, warum dauert es noch ein paar Wochen bis zur ersten Rösung?
     
  19. #19 Ansonamun, 14.08.2016
    Ansonamun

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    Arbeit ist vorbei, Urlaub hat begonnen ;-) @silverhour
     
  20. eistee

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    @UliD
    Ohne es zu wissen, vermute ich einfach mal, dass dem Huky auch eine Art "Schnellstart-Anleitung" beiliegt. Darauf sollte er sich für's erste besinnen.
    Deine genannten drei Schritte, bringen es aber ziemlich gut auf den Punkt :)
     
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