Erfahrungsbericht eines Neulings

Diskutiere Erfahrungsbericht eines Neulings im Grundsätzliches Forum im Bereich Fragen und Tipps; Guten Abend zusammen, Ich bin seit etwa einem dreiviertel Jahr in die Welt des Espressos und der Latte Art eingestiegen und war bisher stiller...

  1. #1 DieT‘s, 14.05.2021
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    Guten Abend zusammen,

    Ich bin seit etwa einem dreiviertel Jahr in die Welt des Espressos und der Latte Art eingestiegen und war bisher stiller Mitleser.

    Alles was ich bisher über das Handwerk gelernt habe, habe ich entweder von den Kaffeemachern auf Youtube oder hier im Forum gelernt.

    In diesem "Fred" will ich einen Erfahrungsbericht darüber schreiben, auf welche Probleme und Lösungen ich in den ersten Monaten gestoßen bin.

    Vielleicht interessiert sich ein Neuling ja dafür oder hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Selbstverständlich bin ich für Ratschläge von erfahreneren Kaffeeliebhabern offen und dankbar, v.a. was den Aspekt angeht,dass ich für hellere Röstungen kleinere Siebe nehme um deutlich feiner zu mahlen und mehr Süße aus dem Kaffee zu holen.

    Zunächst einmal zu meinem Setup:
    Maschine: Bezzera BZ10 mit el. Brühgruppe und 58mm Siebträger (Bodenlos)
    Mühle: Sage Smart Grinder Pro
    Siebe: Der Maschine beiliegendes Sieb 26 mm (18-19 gr), IMS Sieb 24 mm (16 gr)
    Zubehör: billige Amazon Waage, selbstgebasteltes WDT tool, selbstgebastelter Trichter aus Joghurt-Becher, smarte Steckdose

    Kaffeebohnen:
    Im Moment probiere ich mich quer durch, um herauszufinden was mir schmeckt und was nicht.
    Früher dachte ich, das dunklere Bohnen mir eher liegen würden. Dies hat sich schnell geändert, weil ich auch gerne mal einen Americano trinke und dunkle Bohnen meiner Meinung nach aufgrund der Bitterkeit schlechter dafür geeignet sind.

    Bisherige getestete Kaffeeröster:
    Rösterei Roy, Rösterei Ridders, Quijote, Principe, Coffeecircle
    Sonstige Kaffees: Lucaffe Extra Bar, Moretti Extra Bar

    Bisherige Lieblinge (hinsichtlich Einstellung und Geschmack):
    Monsoon Malabar von der Rösterei Roy
    Oh Harvey von Quijote
    Bio Espresso von Rösterei Ridders

    Der Anfang: Bestimmung der Dosis für das Standard Sieb

    Mein Zieleinstellung für den Anfang war, mithilfe der Parameter aus dem Kaffee Wiki und Youtube eine Ratio Kaffee zu Wasser von 1-2 bis 1-2,5 in 25-30 Sekunden zu erhalten.
    Zu Beginn war ich stark verunsichert, wie voll man tatsächlich das Sieb füllen sollte.
    Das Bezzera Sieb hat 16 gr. angegeben, aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass dies deutlich zu wenig gewesen ist. Ich habe in 0,5 gr. Schritten die Kaffeemenge erhöht, bis ich gemerkt habe, das ab 19-20 gr. der Puck regelmäßig am Siebträgerkopf kleben blieb und sehr fest war. Ein unterdosiertes Sieb hat sich häufig in Channeling bemerkbar gemacht.

    Einstellung der Mühle:
    In kleinen Schritten habe ich die Mühle eingestellt, bis ich bei der gewünschten Ratio gelandet bin. Ab diesem Punkt lag meine Priorität darin, konstante Bezüge zu erhalten und nur noch ganz fein je nach Bezug die Mühle zu verstellen.
    Eine Waage für jeden Bezug war zu Beginn absolut Pflicht.
    Vorteilhaft war zu dem Zeitpunkt, dass ich eine dunklere Bohne gewählt habe, die sich rückblickend als sehr dankbar erwiesen hat. Somit war ich schnell am Punkt angekommen, an dem 9 von 10 Bezügen eine konstante Durchlaufzeit hatten und ich ein Feedback hatte, was an meiner Technik gut oder schlecht war (Verteilung des Pulvers, gerades Tampen).
    Zu Beginn hab ich mich hierfür auf die Durchlaufzeit verlassen, bis ich einen bodenlosen Siebträger gekauft habe (Must have).
    An der Stelle möchte ich noch kurz meine Mühle loben. Die Sage Geräte werden hier im Forum häufiger als Elektroschrott behandelt und dass diese keine konstanten Bezüge ermöglichen würden.
    Dem kann ich hier widersprechen. Natürlich ist es keine High End Mühle, aber sie ist auf jeden Fall in der Lage espresso-fein reproduzierbar zu mahlen.
    Nichtsdestotrotz schiele ich schon mit einem Auge auf eine Eureka Specialita. Ich hatte am Anfang die Illusion, dass ich eine Mühle sowohl für Filter als auch Espresso nutzen könnte. Ich bin schon sehr auf das Upgrade gespannt, ob sich geschmacklich am Espresso so viel ändert.
    Ein merkbaren Unterschied hat ebenfalls das WDT Tool gemacht. Damit waren die Bezüge auch bei heller gerösteten Kaffees viel einfacher zu reproduzieren.
    Als WDT Tool habe ich einen Pungisalame Griff von Amazon genommen, dessen Spitzen ich auf die entsprechende Länge geschnitten habe.

    Veränderung der Einstellung bei hell gerösteten Bohnen:
    Ich bin sehr bald auf die Erkenntnis gestoßen, dass hellere Bohnen einen viel feineren Mahlgrad benötigen. Außerdem war das Ergebnis immer viel zu sauer.
    Behoben habe ich das Problem, indem ich die Menge im 18 Gr. Sieb auf 16 Gramm reduziert habe. Die hellen Röstungen verzeihen viel weniger. Sobald man ein wenig die Technik vernachlässigt hat, wurde das sofort mit Channeling bestraft.
    Ich vermute auch, dass im Sieb, wenn nicht vollständig befüllt, Turbulenzen entstehen und somit leichter Channeling auftritt.
    Ich hab mir für helle Röstungen ein Sieb mit 16 Gr. von IMS gekauft. Das verhält sich bisher bei hellen Röstungen deutlich besser und ich bekomme sehr süße Espressi heraus. Ich hatte keine Idee, dass Espressi derart süß von sich aus schmecken könnten ;)

    Veränderung der Einstellung nach Geschmack:

    Ab diesem Punkt habe ich versucht, ein wenig von den Standardparametern (Ratio 1 zu 2 in 25-30s) wegzukommen und nach meinem Geschmack zu beurteilen.
    Das 16 gr. Sieb scheint sich bei einem 58mm Siebträger nicht für die dunklen Röstungen zu eignen. Um den entsprechenden Widerstand für die richtige Bezugszeit zu bekommen, muss ich die dunklen Bohnen so fein mahlen, dass der Espresso viel zu bitter wird.

    Die Parameter wähle ich je nach Bohne also folgendermaßen:
    Dunkle Bohnen: 18-19 gr. im "großen" Sieb, Durchlaufzeit 17-25 s, Verhältnis 1 zu 2 oder sogar 1 zu 1,5, um weniger Bitterkeit aus den Bohnen zu lösen.
    Helle Bohnen: 16 bis 16,5 gr. Im "kleinen" IMS Sieb, Durchlaufzeit 25-37 s, Verhältnis 1 zu 2,5

    Mit diesen Erkenntnissen konnte ich aus beinahe allen Kaffees leckere Ergebnisse erzielen. Man lernt vermutlich auch nie aus und das ist auch gut so!

    An dieser Stelle würde mich auch interessieren, ob andere Nutzer ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Ich denke ich hab schon Einiges hier lernen können und möchte an dieser Stelle auch meinen Dank an das Kaffee-Netz aussprechen. Ohne Euch hätte ich nicht zu diesem Hobby gefunden ;)
     
  2. #2 benötigt, 15.05.2021
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    Schön, wie Du Dich eingearbeitet hast. Ist ja immer die Frage, auf welche Quellen und Aussagen man sich verlassen will. Dein bevorzugter Videokanal würde für mich zum Beispiel nicht dazu gehören, weil ich bei der Art und Weise der Informationsdarbietung einfach bekloppt werde. Am Ende ist es Dir aber gelungen, alle grundsätzlich wiedetholten Ratschläge durch eigene Erfahrungen zu verifizieren.

    Da will ich nur anmerken, dass die Specialita da nicht die erste Wahl sein wird. Du musstest dann ja zwischen verschiedenen Mahlgraden und Bohnen springen, was einfach nicht praktisch bei der Mühle ist. Sie ist exzellent für Espresso. Bei verschiedenen Zubereitungsarten solltest Du eher in Richtung Single Dosing Mühle überlegen. Aber auch dort ist das etwas kompromissbehaftet, denn eigentlich sollten die Mahlscheiben unterschiedliche Geometrien mitbringen. Zwei Mühlen sind als Alternative oft nicht gern gesehen, aber eine gute Option und auch nicht teuer.

    Nicht erklärt hast Du aber die Diskrepanz in Deinen Aussagen, dass Du die S* lobst, aber doch schon nach sehr kurzer Zeit auf die Specialita schielst. Bei absoluter Zufriedenheit kommen doch eigentlich gar keine Wechelgedanken auf? Musst Dich überhaupt nicht rechtfertigen, ich finde es nur auch ein Zeichen, dass doch irgendwas als Verbesserung erwartet wird.
     
  3. #3 DieT‘s, 15.05.2021
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    Entschuldige, mit der Specialita hast du missverstanden. Gemeint ist, dass ich die Specialita dann für Espresso nehmen werden und die Sage bleibt für Filterkaffee.
    Was meinst du damit, dass 2 Mühlen nicht gern gesehen sind?

    Zum Upgrade der Sage:
    Sagen wir mal so, ich hab mich durch das Kaffee-Netz an Upgraderitis angesteckt :D. Und da ich einfach die Mühle nicht mehr für 2 Zubereitungsarten nutzen möchte, kam der Gedanke von sich aus auf.
    Hinsichtlich eines Upgrades würde ich mir schon etwas wünschen:

    1. Hoffentlich einen Geschmacksunterschied. Ich kenne ja nur die Sage und damit bin ich geschmacklich zufrieden. Wenn sich in der HInsicht nichts ändern würde, hätte sich das Upgrade aus meiner Sicht nicht gelohnt. Aber ich denke es lohnt sich :).
    2. Weniger Klümpchen im Sieb. Ein Freund hat eine Eureka MCL, die gefühlt genauso schlimm klumpt. Oder aus einigen Videos zur Specialita habe ich auch schon klumpiges Mahlgut gesehen. Hängt natürlich auch mit der Bohne zusammen und kann nicht pauschal vorhergesagt werden, ob andere Mühlen besser abschneiden. Das werde ich für mich erst nachvollziehen können, sobald ich selbst die Mühlen verglichen habe.
    3. bei Hellen Bohnen quält sich die Sage und mahlt schon mal 18s für 16 gr. Pulver. Wäre schön, wenn die Specialita dann ein wenig schneller wäre.

    Aber alles in allem erledigt die Sage ihren Job schon und kann definitiv auch für Espresso für einen Neuling genutzt werden.
    Ich kam auf die Mühle vor allem durch den Test der Kaffeemacher, die sie nicht schlecht fanden und aufgrund des geringen Preises (130 Euro).
    Als Einstieg kann man da nichts falsch machen, falls man gerade erst anfängt und nicht gleich das 3 oder 4-fache ausgeben möchte.
     
  4. #4 DieT‘s, 15.05.2021
    DieT‘s

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    Wie lange die Mühle halten wird, ist schwierig vorherzusehen. Ressourcenvernichtung ist ein riesiges gesellschaftliches Problem, das in vielen Produktkategorien völlig intransparent für den Käufer ist und das man ohne Erfahrung kaum berücksichtigen kann.

    Höherer Preis heißt nicht zwangsläufig dass eine Maschine länger laufen wird, wie du schon richtig mit der Sette 270 angedeutet hast.
    Ich habe damals nach einem neuen Produkt gekuckt, weil ich auch einfach keine Ahnung hatte, was mich erwartet. Natürlich kannst du jetzt aufgrund deiner Erfahrung sagen, dass eine gebrauchte Demoka der bessere Weg gewesen wäre. Die hat man halt anfangs nicht ;)

    Mittlerweile weiß ich mehr zu dem Thema und habe mich deshalb auch aktiv gegen eine Sette 270 und für eine Specialita entschieden :)
     
  5. #5 benötigt, 15.05.2021
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    Aus ästhetischen und Platz-Gründen finden es manche Leute nicht gut, mehrere und optisch auch noch unterschiedliche Mühlen unterbringen zu müssen.
     
  6. joost

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    ich habe das in der Tat in so nem komischen Forum aufgeschnappt und mich dann entschieden ...
     
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