Gewissensfrage

Diskutiere Gewissensfrage im Was ich unbedingt noch sagen wollte... Forum im Bereich Kaffeeklatsch; Vielleicht ist meine Frage selbst in diesem Unterforum schon zu sehr off topic, aber ich weiß nicht, wo ich mir sonst Rat holen könnte und...

  1. #1 badalucchino, 20.02.2012
    badalucchino

    badalucchino Mitglied

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    Vielleicht ist meine Frage selbst in diesem Unterforum schon zu sehr off topic, aber ich weiß nicht, wo ich mir sonst Rat holen könnte und versuche es einfach mal:
    Mein vor 15 Jahren verstorbener Vater war im Zweiten Weltkrieg als Kompaniechef einer Küstenabwehr-Batterie einige Jahre in Griechenland (Insel Salamis) stationiert. Von dort brachte er einige antike Vasen, Münzen und Ikonen mit, die sich z.T. immer noch in meinem bzw. meines Bruders Besitz befinden. Da ich mich sehr mit der Kriegsbiografie meines Vaters beschäftigt habe, musste ich mich zwangsläufig in die historischen Fakten einlesen und dabei erfahren, welches Elend die deutsche Besatzung auch über dieses Land gebracht hat. So hatte die Wehrmacht z.B. die Lebensmittel-Resourcen Griechenlands dermaßen geplündert, dass weite Bevölkerungsschichten buchstäblich am Hungertuch nagen mussten; viele dieser Betroffenen waren gezwungen, ihr Hab und Gut zu verkaufen, um an Lebensmittel zu kommen und es ist zumindest vorstellbar, dass manche auch illegal „erworbenen“ Dinge wie Antiquitäten aus Raubgrabungen oder Diebstählen an die Besatzer verscherbelt worden sind. Einen fairen Handel unter den Bedingungen von Krieg und Besatzung kann ich mir jedenfalls nicht mehr vorstellen.
    Ich stehe jetzt vor dem Problem, dass ich mich mit dem Wissen und den Vermutungen, die ich inzwischen nicht mehr los werde, nicht mehr über diese Antiquitäten freuen kann, ja, ihren Besitz als unmoralisch empfinde. Am liebsten würde ich alles in eine gut gepolsterte Kiste packen und „An das Griechische Volk, Athen, postlagernd“ senden. Aber das geht natürlich nicht.
    Was soll ich also tun?
     
  2. Tara

    Tara Mitglied

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    AW: Gewissensfrage

    wenn du dich def nicht mehr drüber freuen kannst (wobei ich immer noch denke... es ändert nichts mehr, ob du dich an Erbstücken freust oder nicht, egal wie sie erworben wurden, du kannst nix dafür und hast daran nix beigetragen... also ich würde mich wohl dran erfreuen und mich deshalb auch icht als schlechter Mensch fühlen)
    dann kannste das Zeuch immer noch verscherbeln und den Erlös einem guten Zweck zukommen lassen (ärzte ohne Grenzen oder vergleichbares)
     
  3. #3 asphalt, 20.02.2012
    asphalt

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    AW: Gewissensfrage

    Sehe es wie Tara, auch Dein Vater hatte nicht die Wahl. Er ist, war auch nur Kind seiner Umstände.
    Verkauf den Kram und kaufe gutes griechesches Olivelöl, Oliven o.ä..
    Dann hilfst Du den Griechen und hast was davon.

    Gruß JENS
     
  4. #4 Pinzgauner, 20.02.2012
    Zuletzt bearbeitet: 20.02.2012
    Pinzgauner

    Pinzgauner Mitglied

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    AW: Gewissensfrage

    Sollten die Dinge einen archäologischen/historischen Wert haben, würde ich diese eher einem griechischen Museum zukommen lassen (sofern die nicht gerade alle geplündert werden...) als diese zu verkaufen. Im schlechtesten Fall sind diese ansonsten für die (griechische) Allgemeinheit verloren.[FONT=&quot]
    [/FONT]
     
  5. #5 Marc Aurel, 20.02.2012
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    AW: Gewissensfrage

    Es kann nicht nur eine Gewissensfrage sein, sondern auch eine juristische.

    Wenn die Stücke illegal erworben sind oder illegal eingeführt oder illegal im Besitz geblieben sind, gibt es sicher auch Vorschriften, wie jetzt zu verfahren ist.
    Ich denke, es dürfte Museen oder offizielle Stellen geben, die darüber Auskunft geben können. (Es dürfte ja nicht der erste Fall dieser Art sein.)


    "egal wie sie erworben wurden, du kannst nix dafür und hast daran nix beigetragen"

    Wenn ich Diebesgut kaufe, auch im besten Glauben, dass es nicht gestohlen wurde und ich es reguläre kaufe, dann ist mein Geld u.a. auch futsch.
    Gleiches gilt für den Fall, dass ich Falschgeld habe.

    Also finde ich diese Argumentation etwas zu lässig. Der TE schreibt, dass er sich lange mit (dieser) Geschichte beschäftig hat. Er hätte die Frage wohl nicht formuliert, wenn er sich einfach nur an Dingen (ohne die Geschichte, wie sie in seine Hände gekommen sind) erfreuen möchte. Vermute ich.

    Ich würde also zunächst das Rechtliche klären und dann im rechtlichen Rahmen die moralischen Optionen.

    Gruß,
    M
     
  6. #6 Terranova, 20.02.2012
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    AW: Gewissensfrage

    Auf jedenfall eine gute Sache, dass du so moralische Bedenken hast.
    Wie wäre es, wenn du die Sachen verscherbelst und sie beim nächsten Griechenland Aufenthalt, den bedürftigsten Personen zukommen lässt ?
    Wäre zumindest ein Anfang und es so kommt es nicht in die falschen Hände von irgendwelchen pseudo Wolhtätern.

    mfg
     
  7. #7 badalucchino, 20.02.2012
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    AW: Gewissensfrage

    Es geht mir nicht um "Schuld", bin mit meinem Vater längst im Reinen. Ich habe nur das starke Gefühl, der unrechtmäßige Besitzer dieser Gegenstände zu sein. Wobei ich über den Kunstwert wenig sagen kann, das müsste ein Sachverständiger klären, ist aber nicht das eigentliche Problem. Es geht mir um so etwas wie Gerechtigkeit, ohne dass ich schon sagen kann, wie die herzustellen wäre. Der Verkauf der Sachen und die Spende des Erlöses an eine wohltätige Organisation wäre eine Möglichkeit, über die ich noch nachdenken muss. Es wäre zumindest eine symbolische Handlung.
    @Marc Aurel: Über den rechtlichen Aspekt habe ich auch schon nachgedacht, wobei zumindest nach deutschem Recht die Sache wohl verjährt wäre, wenn ich nicht irre. Trotzdem hast du Recht mit deinem Vorschlag, zunächst das Juristische zu klären. Das ist sehr hilfreich in meiner Situation!
     
  8. #8 Marc Aurel, 20.02.2012
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    AW: Gewissensfrage

    Wenn Du mich meinst, ich hätte "Schuld" angesprochen, dann habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es in dieser jetztigen Situation vielleicht
    Rechtliches zu beachten gäbe, und zwar ganz unabhängig von "Schuld".
     
  9. #9 Bialettine.., 20.02.2012
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    ..wie ist das auswählbar?
    Ein Blinder bekommt 100€, ein verlorenes Bein bringt 500€, der verlorene Arbeitsplatz 1000€?!
    Ich würde das weder machen noch machen wollen. Zudem könnte ich das auch nicht ruhigen Gewissens entscheiden.

    Hast du ein Museum in deiner Nähe, vielleicht sogar ein derart gutes, das sich mit Geschichte und der griechischen im speziellen auskennt?
    Dort könnte man die Sachen vorlegen, erfährt etwas zur Geschichte und ggf. sind dort Fachleute, die dir sagen können, was man als Erbe mit solchen speziellen Dingen tun kann, so man es denn möchte.
     
  10. #10 Milchschaum, 20.02.2012
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    Sorry, aber ich finde, ihr macht euch das zu leicht.
    @badalucchino: Du hast ganz offensichtlich ein feinfühliges und gesund operierendes Gewissen. (Ich will hoffen, dass dein Vater dazu auch positiv und nicht nur negativ beigetragen hat.)

    Ich höre raus, dass es dir nicht nur um eine irgendwie geartete Ausgleichshandlung geht ("Ärzte ohne Grenzen"), sondern um eine Wiedergutmachung.
    Frag doch mal in einem Museum hier in D nach, ob sie abschätzen können, inwieweit die Kunstwerke wirklich auch historisch wertvoll sind. Oder frage bei der griechischen Botschaft in D oder bei der deutschen in GR nach, wie diese Fälle bisher gehandhabt wurden.
    Von der Antwort kannst du ja auch dein Vorgehen abhängig machen.
    Sind die Sachen kulturhistorisch mindestens ein wenig bedeutungsvoll und landen in Griechenland nicht auch einfach nur auf dem freien Markt oder im Müll, dann gehören sie in ein griechisches Museum.
    Sind sie weniger wertvoll, dann leiste eine Ausgleichszahlung - danach kannst du vielleicht wieder Freude an den Dingen haben.

    Viele Grüße
    :) Dirk
     
  11. #11 Terranova, 20.02.2012
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    Wenn du das nicht kannst, heisst das noch lange nicht, dass Andere es nicht können.
    Es würde mir persönlich auch mehr bringen, als es irgendeinem Museum in den Rachen zu werfen. Das ist natürlich meine persönliche Meinung. Der TE wird das bestimmt für sich entscheiden und mit seinem Gewissen ausmachen.
    Was das juristische anbelangt, keine Ahnung wie es sich da mit Verjährung verhält.
     
  12. #12 badalucchino, 20.02.2012
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    Nein, du warst nicht gemeint.
     
  13. #13 Milchschaum, 20.02.2012
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    Was heißt denn 'in den Rachen werfen'?
    Museen sind dazu da, solche Schätze für die Öffentlichkeit und die Wissenschaft aufzubewahren! Und sie sind chronisch unterfinanziert.

    'In den Rachen werfen' würde man es eher auf dem Kunstmarkt, wenn ein reicher Sammler hier evtl. zu einem Schnäppchenpreis ein wertvolles Artefakt erwirbt und es dann für sich selbst wegschließt.

    Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass die Sachen wirklich wertvoll und bedeutend sind - nach der Geschichte halte ich das für nicht allzu wahrscheinlich.
    Ich würde erwarten, dass du erfährst, die Sachen sind hübsch, aber kulturhistorisch eher unbedeutend - dann kannst du dich vielleicht sogar wieder selbst dran besser erfreuen.

    Viele Grüße
    :) Dirk
     
  14. #14 badalucchino, 20.02.2012
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    Der (kunsthistorische) Wert der Sachen ist für mich völlig nebensächlich. Ich möchte einfach etwas Gerechtigkeit wieder herstellen, soweit das überhaupt möglich ist. Wie ich da hinkomme, darum geht es mir. Das ist, wenn man so will, meine ganz persönliche "Griechenland-Krise".
     
  15. #15 Terranova, 20.02.2012
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    Das würde ja mit anderen Worten heissen, dass es bei minderwertigen Teilen keine moralische Bedenken gäbe ?
    Eine sehr komische Weltanschauung bzw. Weltbild wie ich finde.
     
  16. #16 Bonsai-Brummi, 20.02.2012
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    Find' ich nicht:

    Natürlich ist es ein elementarer Unterschied, ob da jemand in höchster Not seinen wertvollsten Besitz gegen Nahrungsmittel getauscht hat, um das bloße Überleben für einige Zeit zu sichern - oder schlicht zwei Gefallen am Besitz des jeweils anderen gefunden haben und so irgendwelcher eher wertloser Trödel im Tausch gegen Zigaretten oder auch Schnaps aus Wehrmachtsbeständen seinen Weg nach DE genommen hat ;-)
     
  17. #17 badalucchino, 20.02.2012
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    Genau an diesen "Handelsbedingungen" habe ich die allergrößten Zweifel. Mein Vater erzählte so viel über die große Schar bettelnder Kinder, die die Feldküche umlagerten und sich wie Kletten an die Soldaten hefteten... Zwischen einer Besatzungsarmee und der unterdrückten Bevölkerung kann es keine gleichberechtigten (Handels-) Beziehungen geben. Und um "wertlosen Trödel" handelt es sich im vorliegenden Fall nun wirklich nicht.
     
  18. #18 Milchschaum, 20.02.2012
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    Aber vielleicht den Griechen nicht.
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass dort einige unter 'Gerechtigkeit' auch verstehen, dass das Zeug in öffentliche Hände gehört.

    Aber sei es, wie es sei: Folge deinem Gewissen. Du hast ein paar Anregungen bekommen.

    @bonsaibrummi: Ja, genau so habe ich es auch gemeint. Es macht einen großen Unterschied, ob die Sachen Kunst sind oder Tand. Am Wert der Sachen ist nämlich auch das Unrecht zu messen, das wiedergutgemacht werden soll.

    Viele Grüße
    :) Dirk
     
  19. Tara

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    deshalb bin ich ja auch auf die Folgefrage eingegangen, nur
    er hat geerbt
    Erben ist passiv,
    er hat nix dazu beiegtragen, nix gekauft, war zu dem Zeitpunkt nicht mal auf der Welt. Es gibt nichts was ER häte anders machen können...
    außer, wenn er JETZT keine Freude dran hat sich davon zu trennen und den Erlös oder die Gegenstände entsprechend weiter zu geben.
     
  20. #20 Bonsai-Brummi, 20.02.2012
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    Die hat's seinerzeit - ebenso wie Tauschhandel aus purer Not freilich! - auch hierzulande durchaus gegeben; nach Erzählungen älterer Verwandter bis nach der Währungsreform 1948: Die Familienbibel fürn Sack Kartoffeln hergeben zu müssen, um überhaupt was zu essen zu haben ist nun mal was völlig anderes als die olle Kuckucksuhr gegen 'ne Stange Lucky Strike und 'ne Pulle Whisky zu tauschen. In Deinem "Fall" ist wohl beides nicht auszuschließen ;-)
     
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