Keripar und Femfeldolgozo - Espressomaschinen aus Ungarn

Diskutiere Keripar und Femfeldolgozo - Espressomaschinen aus Ungarn im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Immer wieder mal bin ich über Espressomaschinen aus Budapest gestolpert, aber nur in einzelnen, verstreuten Beiträgen. Deshalb habe ich mal ein...

  1. #1 mechanist, 08.04.2021 um 12:59 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 08.04.2021 um 13:36 Uhr
    mechanist

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    Immer wieder mal bin ich über Espressomaschinen aus Budapest gestolpert, aber nur in einzelnen, verstreuten Beiträgen. Deshalb habe ich mal ein bischen recherchiert und versuche eine Zusammenfassung, die hoffentlich noch Ergänzung erfährt. Meines Wissens handelt es sich bei diesen beiden Herstellern um die Einzigen im ehemaligen Ostblock. Nachforschungen waren bisher auch aufgrund sprachlicher Barrieren ziemlich schwierig, hier also erste Ergebnisse:

    Keripar ist eine Abkürzung, der eigentlich Name des Herstellers war Kereskedelmi Gepgyar. Die Fabrik war oder ist in Budapest ansässig und stellte neben Kaffee- und Espressomaschinen weitere Elektrogeräte/maschinen für den gewerblichen Bedarf her.
    keripar fabr..jpg
    Den Anfang machten in den frühen fünfziger Jahren Brüher für Cafe Express:
    keripar prod3 mtva archiv.jpg
    Dem folgten Handhebelmaschinen, die Hebelgruppe mit einem übersetztem Hebel, der seitlich angebracht war,
    blieb über Jahrzehnte zumindest äusserlich unverändert:
    keripar prod2.jpg
    Unten ein Sondermodell mit Porzellangehäuse, das schon alleine deshalb etwas Besonderes ist und von @chanik bei Bildrecherchen gefunden wurde.
    Die Maschine wurde von einem Liebhaber restauriert, hier findet sich der Restaurierungsbericht,
    Caflisch kávégép-burkolat: szakrestaurátor bevonása szükséges a helyreállításhoz - Szabad Pécs
    keripar hh1.jpg
    Während die Hebelgruppe wohl unverändert weitergebaut wurde, änderten sich auch bei Keripar die Gehäuse den Moden folgend:
    CR2.2.jpg
    CR2.3.jpg
    (Quelle: espresso-ambulance)
    Keripar Typ CR2, Baujahr 1967, von einem Berliner Restaurator.
    Ein wohl etwas neueres Modell in einem Beitrag auf home barista:
    hb1.JPG
    hb2.JPG
    und vermutlich das gleiche Modell im Einsatz:
    bar1.jpg
     
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  2. mechanist

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    Dieses Modell wurde auch als Pumpenmaschine angeboten:
    pumpe1.jpg
    pumpe2.jpg
    und zwei weitere Modelle aus den folgenden Jahrzehnten:
    Casino-Mocca-KERIPAR-1.jpg
    VINTAGE-Handhebel-Espresso-Maschine.jpg
    Und im Barbetrieb:
    bar3.jpg

    Die Keripar-Maschinen wurden aber nicht nur innerhalb des ehemaligen Ostblocks exportiert, sondern interessanterweise auch in die Schweiz. Es muss eine Zeit lang eine Zusammenarbeit von Olympia und Keripar gegeben haben. Offenbar wurden Keripar-Maschinen unter dem Namen "Olimpia" in der Schweiz vertrieben. Die Fährte fand @chanik mit dem folgenden Bild:
    keripar hydro1.jpg
    Das Sondermodell mit Porzellangehäuse in einer historischen Aufnahme mit hydraulischen Gruppen. Genau diese Gruppen finden sich auch bei einer frühen Olympia/Olimpia-Maschine:
    Olympia Keripargr1.jpg
    Und auch diese Olimpia-Maschine hat grosse Übereinstimmungen mit dem Keripar Modell CR2:
    olimpia kerip.1.jpg
    olimpia kerip.2.jpg
    Dieses Auftreten von Keripar-Maschinen bleibt mir dennoch rätselhaft, denn Olympia hatte ja in den fünfziger Jahren eine
    eigene Hebelgruppe, leider finden sich zur Geschichte von Olympia allenfalls nur Bilder auf den jeweiligen Internetseiten, die
    auch Olimpia-Maschinen zeigen, aber keine weiteren Informationen dazu liefern.
    Und hier noch ein Bild einer Mühle, ebenfalls von Keripar hergestellt:
    VF_34_825L.jpg
     
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  3. #3 chanik, 08.04.2021 um 20:42 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 09.04.2021 um 04:59 Uhr
    chanik

    chanik Mitglied

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    @mechanist: Fantastische Fotos der Fabrik und der Techniker bei der Arbeit.

    Hier sind ein paar Fotos, um Dein Album zu vervollständigen, von früheren Maschinen.

    Die Transelektro-Anzeige (Postkarte) wird oft von den antiq. Händlern als "60er" bezeichnet, aber das Vorhandensein einer Maschine, die wie eine La Cimbali Brillante aussieht, deutet auf frühe 50er Jahre hin.

    keripar_transelektro.jpg

    Die Maschine in der Mitte der Postkarte scheint dieselbe zu sein wie dieses Beispiel aus dem wirklichen Leben (mit 5 Belüftungslöchern anstelle von 4) ...

    keripar.jpg

    Es ist hoch plausibel, daß beide Einheiten Brüher sind (der kurze Griff im grünen Beispiel erinnert mich an den frühen horizontalen Ausonia-Brüher, auch mit kurzen Griffen).

    ausonia_2000_s-l1600.jpg

    Nachtrag

    Ich fand es auf KN! - datiert 2012 - ein Foto des Hebelmechanismus, schau euch diesen versetzten Hebel an...

    12416739xg.jpg

    Mehr zu sehen: Hübsche Budapesterin - wer kann etwas zu dieser Maschine sagen?
     
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  4. turriga

    turriga Mitglied

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    Das ist auch so, dies putzig kleine Maschinchen ist nicht wie man denken würde ein Handhebler, sondern ein Brüher.
     
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  5. ezlbaak

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    Erstmal danke fürs Sammeln aller Infos!
    Laut mir vorliegenden Augenzeugeninfos ist die erste komplette Eigenentwicklung von Olympia wohl die Cremina, später dann die Maximatic. Alle früheren Maschinen waren eingekauft und wurden mehr oder minder stark modifiziert, um zumindest in den Augen des damaligen Firmenbesitzers bestehende Missstände oder technische Unschönheiten zu beheben. Die Brühgruppen waren also vermutlich tatsächlich samt und sonders keine Eigenentwicklungen von Olympia/Olimpia (das mit der Namensschreibung konnte ich noch nicht klären), sondern modizfierte Fremdfabrikate. In diese Storyline würde dann die Keripar-Geschichte wiederum gut passen. Was Olympia aber alles genau wo zusammengekauft, geändert und umgelabelt hat, wär wohl eine eigene nicht ganz kleine Forschungsarbeit. Dass sie damals schon eine komplett eigene Gruppe gebaut hätten, wäre mir bis anhin zumindest nicht bekannt – lasse mich aber natürlich gerne belehren, falls jemand mehr darüber weiß.
     
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  6. #6 mechanist, 08.04.2021 um 21:09 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 08.04.2021 um 22:48 Uhr
    mechanist

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    Ihr seid zu schnell, jetzt sind wir schon bei Femfeldolgozo-Maschinen. Meine Theorie ist bisher, dass beide Marken aus einer Fabrik kamen, Keripar aber die Marke für die "grossen" Gastronomiemaschinen war, und Femfeldolgozo die Marke für die kleineren Geräte - da bin ich aber noch am recherchieren...
    "Transelektro" finde ich klasse..., und noch ein historisches Foto der Produktion, datiert 1959:
    keripar4 prod.jpg
     
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  7. mechanist

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    Was die Nachforschungen schwierig macht ist, dass Kereskedelmi Gepgyar und Femfeldolgozo nicht einzelne Fabriken und Marken waren, sondern Betriebszweige eines grossen, metallverarbeitenden Kombinates in Budapest. Hier zunächst noch eine späte Keripar-Maschine, die ein französischer Sammler mal auf home barista vorgestellt hat:
    keripar eingr.1.jpg
    Von Femfeldolgozo sind mir zunächst die oben gezeigten, kleinen Brüher wohl aus den fünfziger Jahren bekannt:
    fem1.jpg
    Kurioserweise lässt sich dann zeitlich gesehen lange nichts finden, bis dann ca. Ende der sechziger Jahre der Name wieder auftaucht,
    und zwar auf Hebelmaschinen mit sehr schmalen und hohen Gruppen. Das Modell hiess "Star" und es gab wohl mehrere Varianten des Gehäuses, und sowohl ein- als auch zweigruppige Maschinen:
    fem3.jpg
    fem4.jpg
    fem6.jpg
    fem5.jpg
    Einige technische Details dazu finden sich in diesem Thread:

    Help me identify this Hungarian lever espresso machine

    Und das Modell Star nochmal als eingruppige Maschine:
    star1.jpg

    Ich gehe davon aus, dass nach den grossen Umbrüchen und der Auflösung des Ostblocks man sich in beiden Fertigungsstätten
    anderen Produkten zugewandt hat. Nach der Öffnung wurden ja dann auch massenhaft Gebrauchtgeräte aus Italien importiert.
     
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