La Cimbali Pitagora

Diskutiere La Cimbali Pitagora im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Mitten in der Revision der hydraulischen M20 habe ich von einem netten Boardie einen Tipp bekommen, dem nachzugehen dann eine zweimonatige und...

  1. #1 mechanist, 25.09.2018
    Zuletzt bearbeitet: 25.09.2018
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    Mitten in der Revision der hydraulischen M20 habe ich von einem netten Boardie einen Tipp bekommen, dem nachzugehen dann eine zweimonatige und etwas komplizierte Angelegenheit wurde. Ein weiterer netter Boardie hat einen Teil eines Urlaubstages geopfert, die Maschine in Österreich abgeholt und mit nach Berlin gebracht.
    Gestern ist sie nun endlich angekommen: Die legendäre Pitagora.

    P9250531.JPG
    P9250542.JPG
    P9250535.JPG

    An dieser Maschine scheiden sich gerne die Geister, ob sie nun schön ist oder nicht. In der Geschichte der Espressomaschinen kommt man aber an Ihr nicht vorbei, auch wenn sie einem nicht gefällt.

    P9250544.JPG
    P9250545.JPG

    Wie es sich gehört, ist dies hier natürlich die hydraulische Version. 1956 hatte La Cimbali mit der Granluce die
    erste Hydraulikmaschine vorgestellt. In der Folge versuchten viele namhaften Hersteller in aller Eile, Ihr Angebot
    ebenfalls um hydraulische Maschinen zu erweitern - die Eile tat nicht allen Konstruktionen gut. 1961 präsentierte
    dann Faema die E61, die Pumpenmaschinen begannen, eine ernsthafte Konkurrenz für die Hydraulikmaschinen zu werden. 1962 stellte La Cimbali daraufhin die Pitagora vor. Hier die Pitagora der ersten Serie, die 1962 den bedeutensten italienischen Preis für Produktdesign, den Compasso d`Oro, bekam:
    pitagora vorserie.jpg
    Hier ein kurzes Filmdokument der Preisverleihung:




    Die Pitagora bot technisch zunächst keine Neuerung gegenüber der Granluce, oder anders gesagt:
    Die Pitagora der ersten Serie war technisch eine Granluce in neuem Kleid. Man erkennt das gut an den
    länglichen Hebeln an der Gruppe, mit denen der Bezug gestartet wird. Revolutionär war aber das Design
    der Maschine, das von Achille Castiglioni entworfen worden war. Das Design war eine völlige und radikale
    Abkehr von Althergebrachtem und sollte wegweisend für die nächsten Jahrzehnte werden. Mit der zweiten
    Serie wurde die Pitagora sowohl vom Design, als auch technisch nochmals überarbeitet.

    P9250532.JPG
    P9250537.JPG
    P9250538.JPG

    Technisch wurde die Maschine nun vollständig automatisiert. Der Bezug wurde nicht mehr durch Betätigen eines
    Hebels in Gang gesetzt, sondern durch Einspannen des Siebträgers. Dafür wanderte der Wasserverteiler von
    der rechten Seite der Gruppe nach vorne. Beim Design durften die Köpfe der hydraulischen Elemente nun
    aus der Tassenablage herausschauen, die Maschine erhielt so eine Reeling. Neu war nicht nur das Design,
    sondern auch die verwendeten Materialien und Oberflächen. Gebürsteter Edelstahl und grosse lackierte Flächen
    traten anstelle von Chrom. Die Pitagora war auch die erste Maschine von La Cimbali, bei der die Farbe gewählt werden konnte: Es gab sie in dunkelgrau, senfgelb, einem erdigen Dunkelrot und einem Blaugrün. Weiterhin war sie im Verlauf der 60er dann in drei Varianten zu haben: Als hydraulische Maschine, als Handhebel- und als Pumpenmaschine.

    P9250539.JPG
    Noch einige aufwändige Details und der Blick unter das Kleid kommen dann im nächsten Teil.
     
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  2. #2 Sansibar99, 25.09.2018
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    Wunderbare Maschine!
    Ich bin froh, dass sie beim Richtigen gelandet ist und Würdigung erfährt :D

    Paul Pratt hat kürzlich ein entsprechendes Duo gezeigt:

    La Cimbali Agora Leva
     
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  3. #3 turriga, 26.09.2018
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    Passend zum Thema akuelle Ausstellung in Mailand im Palazzo Pirelli:
    [​IMG]
     
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  4. #4 mechanist, 26.09.2018
    Zuletzt bearbeitet: 26.09.2018
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    Die gestern Abend erfolgte Durchsicht der Maschine hat mich zunächst mal beruhigt, sie ist tatsächlich komplett und der äusserlich gute Zustand
    setzt sich weitgehend im Innerern fort, allerdings nicht überall.

    Zunächst hatte ich mich gewundert, dass weder Kabel noch Schalter an der Maschine zu finden waren. Im Sockel unten links befindet sich zwar
    eine Öffnung, die aber wohl werkseitig schon mit einem Deckel verschlossen wurde, der Deckel ist in Sockelfarbe mitlackiert. Dass sich kein Schalter
    an der Maschine befindet, ist bei allen hydraulischen Pitagoras so, wie meine nächtliche Recherche ergeben hat. Die Heizung als einziges elektrisches Bauteil wurde direkt angeschlossen. Ich
    vermute dahinter eine Sicherheitsvorschrift in Italien, dass ein elektrischer Schalter nicht unmittelbar neben einer druckführenden Wasserleitung
    sitzen darf - vorne unten im Sockel sitzen nämlich die beiden Druckregler mit den Wasseranschlüssen. Die Seitendeckel der Pitagora lassen sich ähnlich wie bei späteren Cimbalis einfach abnehmen - im linken Seitendeckel findet
    sich netterweise ein aufgedruckter Schaltplan zum Anschluss der Heizung:
    schaltplan pitagora.jpg
    Nach Entfernen der Gitter auf der Tassenablage offenbart ein Blick Richtung Heizung, dass da schon jemand mal zu Werke war, der Kessel wurde
    an der einen Seite geöffnet und nicht wieder zugemacht - Reparaturansatz nach Dichtungsdefekt?
    P9260555.JPG
    Der Blick von oben auf die Hinterseite der beiden Gruppen nicht erfreulich, aber im üblichen Rahmen:
    P9260554.JPG
    Kessel einmal von links und einmal von rechts:
    P9260551.JPG
    P9260557.JPG
    Und ein Blick von vorne unter den Kessel, im Vordergrund die beiden Druckregler.
    P9260558.JPG
    Es gibt also was zu tun im Winter....
    Interessant finde ich auch, dass bei der im Siebdruckverfahren aufgedruckten Kurzanleitung an der Bedienerseite die Wartung des Wasserenthärters
    angemahnt wird.
    Dass La Cimbali zur Bauzeit der Pitagora den Einsatz eines Enthärters nahegelegt hat, hat mich genauso erstaunt wie die Tatsache, dass
    der Kessel der Pitagora bereits aus Edelstahl gefertigt wurde, ich hatte noch einen Kupferkessel angenommen.
    Und zuletzt noch ein Blick von unten zum Sieb, nicht sehr appetitlich:
    P9260559.JPG
     
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  5. #5 Andros1, 26.09.2018
    Zuletzt bearbeitet: 26.09.2018
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    Zum Vergleich:
    Die E61 wurde von Faema explizit mit einem Enthärter beworben, es gibt für die Regeneration des Enthärters auch extra ein Ventil an der Frontseite aller E 61 (rechts unten), ebenso an der mit farbig lackiertem kastenförmigem Blechkleid versehenen E61 Diplomatic (die Dir evtl. besser gefällt?).
    Einen Edelstahlkessel hatten die E 61 später auch, meine zum Beispiel war damit ausgestattet.

     
  6. kafin

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    Mir scheint der Zustand weder besonders unerfreulich noch unappetitlich. ;-) Andere Maschinen dieses Alters zeigen da mehr "Patina".

    Die Verkäuferin der Maschine hatte ich auch angeschrieben. Aber sie hat mir nie geantwortet. Na, ja. Meine Motivation, die Maschine in Österreich selber abzuholen, war eh nicht sehr ausgeprägt, auch wenn der Weg von Nürnberg aus gar nicht mal so weit gewesen wäre. Erfreulich günstig wurde die Maschine angeboten.

    Dass sich die Geister am Design geschieden haben, kann ich verstehen, wenn man berücksichtigt, dass die Maschine damit einige Jahre ihrer Zeit voraus war. Optisch würde ich sie ja eher in den 1970er Jahren verorten. Ich persönlich schätze durchaus die geradlinige Formgebung vieler Maschinen – auch dieser – aus dieser Zeit, die damals beliebten Orange- und besonders die Brauntöne hingegen gar nicht. Scheint ein Trauma meiner Kindheit zu sein.
     
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  7. #7 mechanist, 27.09.2018
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    Da hast Du sicher recht, der Erhaltungszustand dieser Maschine ist schon überdurchschnittlich.
    Gerade die hydraulischen Maschinen sind durch deutlich mehr Mechanik empfindlich in Bezug auf äussere Bedingungen
    (feuchte Lagerung), zusammen mit einer praktisch nicht vorhandenen Ersatzteilversorgung werden sie rasch zu
    aufwändigen Projekten, die nicht selten irgendwann steckenbleiben.

    Die Anbieterin der Maschine war nicht die Besitzerin, sie hat diese für einen Bekannten angeboten, der kein Internet hat.
    Auch diesem Herrn gehörte die Maschine nur zur Hälfte, die andere hatte seine Schwester geerbt. Diese wiederum hat,
    um nicht übergangen zu werden, einige Teile der Maschine "gesichert" - am Ende musste sie vor der Abholung an drei
    verschiedenen Orten zusammengesammelt werden (die Maschine, nicht die Schwester). Ursprünglich stand die Pitagora
    in einem lange geschlossenen Gasthaus bei Linz.
    Es war also nicht einfach, dafür gab es noch einen schönen "Beifang", den ich demnächst an anderer Stelle zeige.
     
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  8. #8 turriga, 03.11.2019
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    Fundstück, Dreigruppig in renommiertem Lokal im Einsatz:
    [​IMG]
     
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  9. #9 mechanist, 03.11.2019
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    Oha, und auch noch erste Serie...
     
  10. #10 mechanist, 10.07.2020
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    Nach langer Zeit in der Warteschlange habe ich sie nun endlich mal in Angriff genommen. Ich wusste aber auch, warum ich da solange drumherumgearbeitet habe: Wie man bei den Bildern oben sieht, hat bei der Pitagora schon mal jemand probiert, die Kesseldichtung zu wechseln. Er ist allerdings nicht weitgekommen.
    Der Grund ist der Materialmix am Kessel, der Restauratoren schon mehrfach schlaflose Nächte gekostet hat. Der Kessel selbst ist aus Edelstahl, der Kesselträger und Kesselring aus Leichmetallguss, die Schrauben dazu aus Stahl - geht soweit gut, solange die Maschine gepflegt wird und trocken steht. Ist dem nicht der Fall und kommen noch die Jahrzehnte dazu, gibt es Probleme.
    Konkret hat der besagte Jemand die Muttern der Schrauben gelöst, dann konnte er aber den Kesselring nicht abziehen, weil die Schrauben zum einen im Kesselträger und im Kesselring festkorridiert waren, zum anderen blöderweise auch noch durch Seegerringe gesichert sind. Zu allem Unfug kam dann
    noch rohe Gewalt zum Einsatz, was alles erfahrungsgemäss noch schlimmer macht. Deshalb habe ich heute sechs Stunden gberaucht, um den Kessel zu öffnen:
    P7100793.JPG
    P7100787.JPG
    Das übliche Bild, oben die beiden HX. Mithilfe von Kriechöl, Wärme und Buchenholzkeilen habe ich zunächst mühsam den Kesselring herunterbekommen.
    Vorher durfte ich noch die Schrauben auf ihren ursprünglichen Durchmesser zurückfeilen, weil diese durch die Hammerschläge des Vorbesitzers gestaucht
    waren und nicht durch die Bohrungen im Kesselring gepasst hätten. Hier erkennt man die Problematik ganz gut:
    P7100789.JPG
    Da lässt sich auch noch der aufgerostete Seegering erkennen, der verhindert, dass man nach dem Lösen der Muttern die Kesselschrauben einfach
    nach hinten schiebt (sofern sie nicht festkorridiert sind). Ich bin ja grosser Cimbali-Fan, aber das ist eine beschissene Idee gewesen. P7100790.JPG
    Kesselring und Heizung, für diese ist ein Säurebad angesagt, denn sie funktioniert noch.
     
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  11. #11 mechanist, 12.07.2020
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    Nun sind die Hydraulikzylinder offen. Anders als bei den bisherigen Hydraulikmaschinen kam mir beim Öffnen kein Wasser entgegen - es gibt nämlich eigentlich keine Möglichkeit, das Wasser darin abzulassen, was im Frostfall dann oft zum Totalschaden der Maschinen führt. Da es überhaupt keine Teile für diese Maschinen mehr gibt, ist eine Hydraulikmaschine mit Frostschaden irreparabel. Hier gab es also kein Wasser dafür Feststoffe:
    P7120794.JPG
    P7120796.JPG
    Und nach dem ersten Säubern:
    P7120798.JPG
    Gut zu sehen, der angegriffene Guss des Zylinderbodens. Beide Kolbenstangen sind fest und müssen erstmal einweichen. Zum Glück sind sie aus Edelstahl und können nicht rosten, sonst würde man sie durch die Vernarbung nie wieder dicht bekommen.
     
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  12. #12 wiegehtlasanmarco, 13.07.2020
    Zuletzt bearbeitet: 13.07.2020
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    Das liest sich bisher alles sehr spannend.
    Ich habe eine kurze Zwischenfrage zum Schaltplan.
    Es scheint sich um 3 Phasen (L1, L2, L3) und den PE (Schutzleiter) zu handeln.

    Beim heutigen 230V/400V Netz würden die Heizungen bei einem solchen Anschluss auf 400V ausgelegt sein.

    Nun habe ich gerüchteweise gehört, dass Italien früher (bis wann? Wikipedia hat nicht geholfen) ein 110V/220V Netz hatte.
    In diesem Fall wären die damaligen Heizungen für 220V ausgelegt.

    Für den oben angenommenen Fall würde man heute ein 5-adriges Kabel verwenden und die Heizungen zwischen Phase und N anschließen, richtig?

    Wie sind die Heizungen der La Cimbali ausgelegt?
    Wie wirst Du sie anschließen?
     
  13. #13 mechanist, 13.07.2020
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    Ich glaube, die Italiener hatten wie in Deutschland auch vor 1945 kein einheitliches Netz, d.h. es gab sowohl 110 Volt als auch 220 Volt als sog. Lichtstrom und 380 Volt als Stark- oder Kraftstrom. Wann die Netzspannung nach 1945 in Italien vereinheitlicht wurde, weiss ich nicht. Die Triphasen-Geräte wie Espressomaschinen und auch einige Mühlen waren aber wohl für 380 Volt ausgelegt. Die meisten Espressomaschinen haben ja zwei, manche auch drei Heizungen und werden mit verschiedenen Phasen der 380 Volt-Leitung angeschlossen. Im Gegensatz zum Anschluss mit nur einer Phase, was ja machbar ist, steht dann auch mehr Ampere zur Verfügung und es besteht keine Gefahr, eine Phase zu überlasten. Ich habe schon mal eine für Starkstrom ausgelegte Maschine mit nur einer Phase angeschlossen - in der Praxis dauert dann das Aufheizen sehr lange und der Stecker in der Steckdose wurde deutlich warm.
    Deshalb schliesse ich die Maschinen immer mit zwei Phasen (bei zwei Heizungen) des Starkstroms an.
     
  14. #14 chanik, 13.07.2020
    Zuletzt bearbeitet: 13.07.2020
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    Vielen Dank für das Teilen. Ich mag Deine Reservierung zu Beginn des Projekts, in gewisser Weise wie ein Kind, das darauf wartet, daß jeder ins Bett geht, um seinen Schatz herauszuholen und sein wundersames inneres Wesen privat zu erkunden. Und auf andere Weise ist es wie ein Meister, der denkt, nachdenkt und den besten Weg plant, um seine Reise anzutreten. Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich eifersüchtig auf Dein Pitagora-Projekt!

    Wie ich bereits erwähnt habe, gefällt mir auch Deine Reparaturphilosophie (ich glaube, @Jupe2.0 teilt sie), eher ein Reinigungs-Projekt als eine Make-em-Better-als-New-Restaurierung. Ich sehe die auffälligen Restaurierungen von Espressomaschinen in einigen Internetquellen, die mich unruhig machen, und denke mir, dies ist mehr Zerstörung als Restaurierung und löscht die Geschichte. Ich bin im Verlagswesen tätig (Faksimile-Reproduktionen stehen im Mittelpunkt) und man sieht das gleiche Phänomen: einige Verlage bereinigen alles, entfernen jeden Fleck und Stain, regulieren die Druckdichte, während andere es zulassen und nichts verfälschen. Es gibt tatsächlich ein Faksimile von Beethovens op.111 in einer Ausgabe eines angesehenen deutschen Verlegers, das Beethovens Penversuche "Ludwig Ludwig" am Rande entfernt, mein Gott, was dachten sie? Beethoven versuchte nur, seinen Stift vorzubereiten. Sie haben einen Teil der Menschlichkeit des Manuskripts weggenommen. Ihre Pitagora hat viele Menschlichkeit.

    Wie Du sagst, ist die Unfähigkeit, die Hydraulikgruppe zu entleeren, ein echtes Problem für die Lagerung, sei es Frostschaden oder die korosive Wirkung von Wasser. Es ist großartig, daß Du keine Frostschäden gefunden hast, die die Maschine unbrauchbar gemacht hätten.

    Ich bezweifle, daß die Cimbali-Fabrik jemals eine Anti-Seize-Verbindung auf externe Schrauben aufgetragen hat, aber Du könntest beim Zusammenbau einige hinzufügen, dann wird die nächste Restaurierung im Jahr 2080 ein Kinderspiel. Es tut weh, diese kaputten Bolzen zu sehen!
     
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  15. #15 mechanist, 14.07.2020
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    Vielen Dank, @chanik, das hat mich gerührt.

    Es gibt für den Umgang mit historischen Maschinen sicher unterschiedliche Ansätze. Mein persönlicher Ansatz ist, dass ich eine Maschine technisch überhole und mich ansonsten bemühe, sie zu säubern und mit ihren Alterungsspuren zu konservieren. Voraussetzung dafür ist allerdings immer auch eine entsprechend gut erhaltene Substanz, die sich nicht immer finden lässt. Ich persönlich würde eher keine Maschine kaufen, deren Substanz bereits so angegriffen ist, dass eine Neulackierung oder Neuverchromung notwendig ist. Aber manchmal hat man kein Wahl, wenn man eine ganz bestimmte und seltene Maschine sucht. Eine Maschine ist nicht nur eine Maschine, sie erzählt auch Geschichten - nimmt man ihr das Alter mit seinen Spuren, erzählt sie nichts mehr.
     
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  16. #16 onluxtex, 14.07.2020
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    sorry OT. Mein ehemaliger Nachbar hat sich eine Ape aus Süditalien mit gebracht. Ich habe ihn überredet sie im originalen Pistazien-Farbton "schön wie neu" zu machen.
    Sein Kommentar danach: Jetzt haben wir ihr die Seele genommen. Die Ape sah gut aus und der Nachbar war traurig.
     
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  17. #17 mechanist, 18.07.2020
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    Was ist besser als eine Pitagora?
    P7180799.JPG
    Antwort: Zwei Pitagoras. Ein Fund aus Süddeutschland, in ähnlichem, vielleicht etwas besserem Zustand als die Maschine, die gerade in Arbeit ist.
    Zum Glück in allen Details vollständig und unverbastelt.
    P7180806.JPG
    P7180810.JPG
    Nach dem Reinigen und Ablassen des Wassers auch aus den Hydraulikzylindern habe ich sie erst einmal soweit möglich konserviert
    und wieder zusammengebaut - es wird noch ein Weilchen dauern, bis auch sie eine Überholung erfährt.
    P7180812.JPG
    P7180803.JPG
     
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  18. chanik

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    1x La Cimbali Pitagora Self.
    2x La Cimbali Pitagora Selfish.
    Some people have all the luck. Viel Vergnügen!!!
     
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  19. #19 mechanist, 19.07.2020
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    Es ist tatsächlich dekadent, zwei davon zu haben.
    Ich hatte eher auf einen Teileträger spekuliert, aber dafür ist sie wg. des Zustandes zu schade.
     
  20. #20 Sansibar99, 19.07.2020
    Sansibar99

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    Was ist besser als Hubraum?

    Mehr Hubraum ! :D
     
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La Cimbali Pitagora

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