Mein Gastrokonzept und der passende Kaffee...

Diskutiere Mein Gastrokonzept und der passende Kaffee... im Espresso- und Kaffeemaschinen Forum im Bereich Maschinen und Technik; Guten Abend :) Ich lese mich bereits seit ein paar Tagen quer durch das Forum, bin aber noch nicht sehr viel schlauer als zu Beginn... Daher habe...

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  1. JuliaK

    JuliaK Mitglied

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    Guten Abend :)

    Ich lese mich bereits seit ein paar Tagen quer durch das Forum, bin aber noch nicht sehr viel schlauer als zu Beginn... Daher habe ich mich nun einfach mal angemeldet.

    Bitte steinigt mich nicht...

    Ich bin 31 Jahre alt und gelernte Fachfrau für Systemgastronomie. Gelernt habe ich beim Branchenführer (den wahrscheinlich jeder kennt) und habe meine Ausbildung mit einer 1 abgeschlossen, an Meisterschaften teilgenommen etc. Ich bin bereits seit 15 Jahren in der Gastronomie unterwegs, war lange im Ausland, habe schon vieles gesehen. Aktuell studiere ich Betriebswirtschaft von zu Hause aus, da ich einfach keinen Job gefunden habe, in dem ich vernünftige Bedingungen und ein halbwegs akzeptables Gehalt bekommen würde.

    Schon immer träume ich von meinem eigenen Laden. Und dann war er plötzlich da... winzig klein und sehr preiswert, aber wunderschön und für mich perfekt für den Einstieg. Ich habe nur 20qm und versuche dort gerade, mit nur 15 000€ Startkapital und viel Eigeninitiative etwas ganz Besonderes auf die Beine zu stellen.

    Mein Konzept in Kurzform;
    Ein winziger Altbauladen in einer touristisch sehr stark frequentierten Lage in einer Altstadt an der Ostseeküste
    Praktisch keinerlei Konkurrenz, ausgenommen von Bäckereiketten und einer Eisdiele (alle verkaufen Kaffee aus dem Vollautomaten)
    Im direkten Umfeld: Sekundarschule, Marktplatz, große Büros, Ferienwohnungen, Sehenswürdigkeiten, Shopping
    Ich möchte hausgemachte Spezialitäten anbieten, Eistees, Smoothies, belgische Waffeln, hausgebackene Muffins und Cookies in außergewöhnlichen Sorten, gegrillte Sandwiches und Ciabattas mit mediterranen und edlen Belägen
    Alle Rohstoffe werden von regionalen Produzenten bezogen

    so, nun zu meinem Problem:
    Ich habe ein knappes Budget
    Ich bin keine Barista, kann nicht mit Siebträgern umgehen (habe im McCafe lange an der Franke Sinfonia gearbeitet, aber die gibt es ja so nicht mehr)
    Ich möchte Qualität anbieten und keine Brühe aus einem billigen Vollautomaten
    Ich arbeite alleine, daher muss es zeitlich trotzdem überschaubar bleiben
    Ich selbst trinke keinen Kaffee (zumindest nicht gerne) und brauche daher eine Maschine, die zuverlässig ist und an der ich nicht oft rumbasteln und probieren muss

    Ich weiß... die Eierlegendewollmilchsau wird gesucht :(

    Also es gibt 3 Möglichkeiten, die mir aktuell zur Verfügung stehen...
    Entweder bemühe ich mich um einen weiteren Kredit und reize mein finanzielles Limit für einen teuren und guten Vollautomaten aus (da nehme ich auch gerne Empfehlungen entgegen)
    Oder ich mache einen Kurs zum Thema Siebträger
    Oder ihr rettet mich mit tollen Ideen ;)

    Mein Fokus liegt einfach ganz klar auf den anderen Dingen. Kaffee muss ich eben anbieten, weil es eben irgendwie dazu gehört,´zur Waffel oder zum Cookie... aber ich will auf keinen Fall schlechte Qualität anbieten, die gibt's um mich herum schon oft genug...
     
  2. kenny

    kenny Mitglied

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    Liebe Julia,
    das kling ganz toll! Ich empfehle Dir unbedingt einen Siebträger, das ist kein Hexenwerk. Mach einen Kurs, am besten bei einem guten Trainer im Einzelcoaching. Hast Du noch die Zeit, in einem gut laufenden Cafe ein paar Tage mitzulaufen?
    Ich würde Dir sofort helfen, aber München ist ne Ecke weg;).
    Viel Erfolg!
    Kenny
     
  3. emil

    emil Mitglied

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    Hallo Julia,
    willkommen bei den Kaffee-Freaks - spontan fällt mir zu Deinem Problem ein:
    Such Dir einen lokalen Röster, kaufe frischen Kaffee und eine Mühle und mahle und brühe den Kaffee portionsweise auf. Geht schnell, sieht nett aus, kostet nicht viel und schmeckt Welten besser als aus dem VA, ausserdem passt es irgendwie vom Image in die homemade Ecke. Dazu vielleicht einen Milchschäumer für den Pharisäer ...
    Das mit dem Siebträger wird nur was, wenn Du wirklich dahinterstehst, sonst ist es schade um das Geld - und bis Du den Durchsatz für den großen VA erwirtschaftest, ist er schon ein paar Mal kaputtgegangen ...

    Gruss Emil
     
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  4. kenny

    kenny Mitglied

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    Ohne Cappuccino und Latte Macciato geht es leider nicht. Filter von Hand aufbrühen, da muss man dabei stehen, sonst geht es daneben. Wenn Du noch kassieren und Waffeln backen mußt...
    French Press würde gehen, oder Du machst ein richtig gutes Teestubenkonzept mit Samowar und feinen Sorten.
    lg,
    Kenny
     
  5. Stefan

    Stefan Mitglied

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    Dir ist schon klar daß sich das mit deinem Qualitätsanspruch beißt? Du mußt deine angebotenen Produkte kennen, und bei einem Produkt wie Kaffee gehört es prinzipbedingt dazu daß man regelmäßig dessen Qualität kontrolliert. Selbst ein VA produziert nicht automatisch immer guten Kaffee.
     
  6. #6 freakazoit, 09.08.2017
    freakazoit

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    Hallo,

    Ich würde weg vom Siebträger gehen, alternativen gibt es ja viele... sind oben schon genannt...
    Wäre authentischer und kann einen Stylfaktor bekommen. "Homemade" und immer alles gleich passt nicht so ganz.

    Viel Spaß und Erfolg

    Grüße

    Freakazoit
     
  7. #7 zteneeffak, 09.08.2017
    zteneeffak

    zteneeffak Mitglied

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    Vorausgeschickt dass ich nicht vom Fach bin, tät ich mit Holger, dem Macher der Xenia, reden.
    Grüße
     
  8. Jfh

    Jfh Mitglied

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    wenn du keinen kaffee magst, kannst du keinen guten kaffee kochen. dass du keinen kaffee magst, muss aber nicht so sein.
     
  9. #9 espressionistin, 09.08.2017
    Zuletzt bearbeitet: 09.08.2017
    espressionistin

    espressionistin Mitglied

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    Wenn du professionelle Vollautomaten suchst, lease dir doch erstmal einen, dann hält sich der finanzielle Einsatz erstmal in Grenzen und wenn die Bude läuft, sollte bei guter Kalkulation monatlich genügend für die Leasingrate abfallen. Dann hast du auch kein Problem mit Reparaturen, Ausfällen usw. Aber..

    ..wo hebst du dich dann von den genannten ab? Was lockt mich als Kunde dann in dein Geschäft?
    So ganz verstehe ich es nicht, du setzt überall auf frisch und hausgemacht und der Kaffee muss auf Knopfdruck produzierte Massenware sein.

    Ok, wenn du selber kein Kaffee trinkst, ist es vermutlich schwer nachzuvollziehen, aber Vollautomatenkaffee ist nicht das höchste der Gefühle. Ist eher wie der Brötchenteigling bei der Bäckerkette, der nur noch aufgebacken wird. Konfektioniert, durchschnittlich, überall gleich.
    Aber definitiv nix besonderes.

    Ansonsten, du schreibst, der Laden ist winzig, da würde ich im wesentlichen von ToGo-Kaffee ausgehen?
    Wie groß, wohlhabend und innovativ ist der Ort? Vielleicht dann nochmal versuchen, sich über Mehrweg-to-Go-Becher von den übrigen Pappbecherbäckern abzugrenzen? Dazu musst du allerdings Kunden haben, die dazu bereit wären.
    Generell würde ich aber Platz zum vor-Ort (draußen Tische?)-Verzehr super finden, gerade als Tourist/ Schaufensterbummler ist man doch den ganzen Tag auf den Beinen und freut sich, wenn man wenigstens für eine Waffel mal die Beine unter einen Tisch strecken kann..

    Aber zum Kaffee speziell nochmal: um das "Besondere" auch beim Kaffee fortzuführen, solltest du definitiv einen Siebträger nehmen. So ein Hexenwerk ist das jetzt auch nicht, die Dinger sind nicht reparaturanfälliger als Vollautomaten. Und die drei Handgriffe kann man schnell lernen.

    Weiterhin solltest du auf den Rohstoff (sprich die Bohne) nochmal ein Augenmerk legen. Die und nur die bestimmt am Ende aller Tage die Qualität des Ergebnisses.
    Vielleicht gibt es in der Gegend eine Rösterei, von der du deinen Kaffee beziehen kannst? Torkscoffee? Dann könntest du als kleines Gimmick deren Kaffee vielleicht auch in kleinen Mengen in Tüten zum Verkauf anbieten? Dann wärest du auch hier wieder bei regional.
    Einfach mal umhören, was es an lokalen Röstern gibt und inwieweit man da kooperieren kann.
    Edit: Fipptehler beseitigt
     
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  10. joost

    joost Mitglied

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    Ich stelle mich mit an:
    Wenn Du Dich "klein aber fein" etablieren wilst, dann würde ich das nicht mit einer Knöpfchendrückmaschine zerstampfen. Ich schau mir IMMER zuerst die Maschine an, bevor ich Geld für nen Kaffee ausgebe. Knöpfchenkisten fallen umgehend aus der Wertung. Ich mag Handarbeit. Und ich bin sicher: von Deiner beschriebenen Zielgruppe gibts viele, die das ganz ähnlich sehen. Wenn Du Dich abheben willst, dann musst Du was dafür tun.
    Weiter: ich kenne viele Laien, die mit einem Bezzera-Zweikreiser oder ner Brewtus nen Kaffee hinbekommen, der locker auch in Italien seine Daseinsberechtigung hätte. Einfach so. Das solltest Du auch mit etwas Hingabe hinbekommen.

    Was die Bude vollmacht: Espresso für italienkompatible 1,20 € - da machts dann die Menge. So erlebe ich das vielerorts. Verdient wird dann zusätzlich mit Knabbereien im Umfeld. Ich sehe oft auch 2-3 Mühlen und vermute, es geht da nicht nur um Mahlgrad, sondern man verwendet die hochwertigeren Bohnen für Espresso und etwas minderwertige für Milchgetränke.
    Und zum Schluss: ich halte die Ideen von Espressionistin für äußerst zielführend. Alle.
     
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  11. #11 mr.smith, 09.08.2017
    mr.smith

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    Ich würde mir (mit knappen Budget) 2 gebrauchte Gastros kaufen,
    dann hat man immer eine Reservemaschine stehen, sollte eine ausfallen.
    Die andere kann man dann immer ohne Zeitdruck reparieren lassen.

    Am besten 2gupige, da auch dort meist noch eine Gruppe immer irgendwie überbrückt werden kann.

    Auf Sevicevertrag oder sonstigen teures Trallala würde ich mich nicht einlassen.

    Wahrscheinlich kommt man mit 1.000 bis 1.500 € locker hin.
    (2 Gastromühlen inkl.)


    AAAABER !!!
    Egal wie viele Kurse du machst - ohne Interesse u. Liebe fürs Produkt bleibt alles Theorie. Heißt - wenn du nicht gerne Kaffee trinkst - er dir nicht schmeckt, wie willst du jemals sagen/beurteilen können das er gut ist !?
    Stelle ich mir schwierig vor.

    Sonst - gutes Konzept !
    - gute Lage ist das wichtigste
    - am Anfang überschaubar bleiben (Bodenständig)
    - gute Qualität bei den Produkten
    - Interesse am Produkt u. am Kunden.
    - GUTE KALKULATION !

    Dann wird es auch was.
    Viel Erfolg
    Jürgen
     
  12. #12 Kaspar Hauser, 09.08.2017
    Kaspar Hauser

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    Hallo @JuliaK ,

    etwas OT würde ich gerne wissen, an welcher Art Meisterschaften du teilgenommen hast.
    Erst hatte ich gedacht, es hätte was mit Kaffee zu tun, was sich beim Weiterlesen dann erledigt hat ;-)
     
  13. Germi

    Germi Mitglied

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    Hallo Julia,
    Ich finde deine angepeilte Laden Größe wirklich schön ich mag kleine gemütliche Sitzecke können denn das fördert irgendwie den Kuschelfaktor, lach!
    Aber mal im Ernst, lieber ein kleines Café das gefüllt ist als ein großes das ausgestorben wirkt.
    Allerdings habe ich das bedenken dass du alleine mit alldem was du anbieten möchtest gnadenlos überfordert sein wirst!
    Da sind zu viele Sachen dabei die frisch zubereitet werden müssen denn auch wenn man ein Sandwich vorbereiten kann, man muss doch aufpassen Das ist sich auf dem Grill Nichten ein Stück Kohle verwandelt. Das gleiche gilt für Waffeln und andere Dinge. Auch wenn es schön sein könnte noch außerhalb vor dem Laden Sitzplätze anzubieten dann wirst du um eine weitere Servicekraft nicht mehr herum kommen. Denn sagen wir mal es kommen zwei Pärchen vorbei, klingt erst mal nicht nach viel, doch der eine will ein Sandwich oder Panini dann noch zweimal verschiedene Waffeln eventuell zwei andere Haus gemachten Köstlichkeiten von denen du gesprochen hast, dazu dann noch einmal T2 verschiedene Kaffeegetränke und wenn du Glück hast einen Eistee der vorbereitet ist, da geht ziehen ziemlich Zeit ins Land. Meine Meinung dazu ist entweder das Angebot verkleinern oder über eine Servicekraft direkt am Anfang schon nachdenken.
    Meine Mutter zum Beispiel hat er selbst zehn Jahre lang einen Kaffee bis zur Rente und wir haben ganz schnell und auch direkt am Anfang gemerkt ohne Personal geht es ab einem gewissen Angebot oder Größe einfach nicht. Natürlich muss sich das rechnen keine Frage, die ersten Monate kann man das noch alleine wuppen da verzeihen die Gäste sehr viel und haben extrem Geduld doch das wird sich ändern weil irgendwann gesagt wird naja so langsam muss sie ist doch können. Ja, auch ich verträumt für Vollautomaten, der muss nicht wirklich sein, genug andere Alternativen wurden ja vorgeschlagen, aber eine Siebträger wird dich noch mehr Zeit kosten denn es ist ja nicht nur die Zubereitung die Zeit kostet sondern auch immer wieder das sauber halten des Arbeitsplatzes rund um die Maschine, klingt erst mal nicht nach viel aber rechnet sich über den Tag hinweg . Binde dir am Anfang nicht zu viel ans Bein sondern wachse langsam und mit zunehmender Sicherheit.

    Und darf ich noch mal nachfragen bei welcher Systemgastronomie du gelernt hast? Am Ende wirst du da nicht viele Gemeinsamkeiten ziehen können. Bitte bitte verstehe meinen Beitrag nicht falsch ich möchte nur mögliche Probleme aufzeigen und dich nicht persönlich kritisieren oder angreifen.
    Viel Erfolg bei deinem Vorhaben, Der Standort, eins der wichtigsten Kriterien stimmt ja bei dir.

    LG, Sebastian


    Getattapalkt....äh gekakkatalt.., gepapalallt... ach Mist, ihr wisst schon!
     
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  14. #14 nobbi-4711, 09.08.2017
    Zuletzt bearbeitet: 10.08.2017
    nobbi-4711

    nobbi-4711 Mitglied

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    Dallacorte mit angebundener Mühle. Liesse sich gebraucht was machen. Automatische Mahlgradüberwachung, zur Not auch nen Autosteamer. Und trotzdem ein Siebträger mit extrem hohem Geschmackspotential.

    Der Laden ist extrem klein, mit sitzen und Vor-Ort Umsatz wird das nichts, ausser es gibt einige (und wirklich EINIGE) Möglichkeiten, davor zu sitzen.
    Ich begleite grade ein ähnliches Projekt seit 2 Jahren, und bei der Innenfläche sind die Umsätze zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Du brauchst zu 90% ToGo Artikel.
    Wenn Du das zu Anfang evtl noch alleine machen willst, mach nur das, was schnell geht. Die Arbeitszeit wächst Dir sonst gnadenlos über den Kopf.
    In der Systemgastro arbeiten und abends die Bestelliste ausfüllen hat nichts mit dem zu tun, was man als echter Selbstständiger alles treiben muss. Das geht vom Tassendeckchen bis zur Mülltonne. Zynisch gesagt: Muffinverpackungen aufreissen lässt sich zeitlich nicht mit Muffins backen vergleichen...dazu kommen die administrativen Tätigkeiten, die in der Systemgastro von der Zentrale übernommen werden. Halte deshalb Deine Produktliste äußerst überschaubar und achte auf jeden einzelnen Arbeitsschritt. Bereite Dich auf Stoßzeiten vor mit Produkten, die Du vorhalten kannst (zB Smoothies in der Kanne, vorgebackene Waffeln etc). Übe bei einem Soft Opening oder mit Freunden, die ne Stoppuhr halten. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

    Ich habe in den letzten Jahren genügend Gastronomen gesehen/begleitet/beliefert, da war alles dabei. Stringente Leute mit Plan, Traumtänzer, Leute mit 2 linken Händen....das allg.gültige Rezept gibt es nicht. Aber Anhaltspunkte, die die Chancen steigern. "Kuschelcafe" zB scheidet bei 20qm völlig aus. Mehr als 4 Plätze springen da nach Abzug der Service-Fläche nicht raus. Und die Leute setzen sich nicht gern direkt vor die Theke, da kommen sie sich beobachtet vor, wenn sie nicht ein kleines bisschen in der "Masse" oder im Ambiente untergehen können. Darum: Theke nach vorne, vernünftiger Arbeitsbereich, Rausverkauf. Also alles, was auf die Hand und schnell geht bzw sich in den schwachen Zeiten vorproduzieren lässt.

    Ach ja: Wenn ich lese "Kaffee muss ich halt anbieten, weil das ja irgendwie dazugehört..." Du scheinst nicht zu verstehen, dass in den allermeisten Locations der Kaffee den Gewinn bringt. Alles andere dient letztenendes nur zum Anlocken. Selbst große Konditorereien (die, die noch fast alles selbst machen) arbeiten bei den Mehlspeisen grade mal kostendeckend, das kann ich aus erster Hand sagen. Der Gewinn fliesst dann mit dem Kaffee in die Tasse.

    Soviel erstmal von meiner (gewerblichen) Seite.

    Greetings \\//

    Marcus
     
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  15. kenny

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    Vollste Zustimmung!! Auf den Kaffee mußt Du setzen, das ist das, wo Du am meisten dran verdienst und Publikum in den Laden holst.
    Das was @espressionistin gesagt hat, ist genau richtig. Ein Röster an Deiner Seite ist ein guter Partner, er stärkt Dein Profil und ist daran interessiert, daß das Produkt stimmt, das an die Gäste geht.
    Auch wenn Du keinen Kaffee trinkst, kannst Du mit den richtigen Zubereitungsschritten, gepaart mit einer fehlerverzeihenden Bohne Besseres anbieten, als alle um Dich herum. Frisch gemahlen und gebrüht funktioniert auf jeden Fall. Du mußt Dir aber dennoch ein Qualitätsbewußtsein für das Produkt aneignen, sonst kannst Du auch mit einem Siebträger Scheußlichstes produzieren.
     
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  16. JuliaK

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    Oh, da ist ja richtig was an Antworten zusammen gekommen, vielen Dank dafür.

    Ich versuche jetzt mal, in Ruhe auf alles zu antworten und nichts zu vergessen.

    Zum Thema rösterei, wir haben hier in der Stadt 2 kleinere Röstereien, die beide mit mir zusammen arbeiten möchten. Vom Prinzip her habe ich mich für eine der beiden entschieden, weil mir das Ambiente dort, der Besitzer mit seiner Art und auch die Reaktionen der Gäste auf das Produkt viel eher entsprechen. Sicherlich würde er mich dort mal ein oder zwei Tage rein schnuppern lassen, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Danke für die Anregung!

    Ich habe das vielleicht ein wenig falsch formuliert, also von meiner Person und meinem Anspruch her. Ich denke schon, dass ich einen guten von einem schlechten Espresso unterscheiden kann. Ich habe damals beim großen gelben M interne Schulungen gemacht, war während der Ausbildung zu Kursen in hamburg... aber ich vertrage einfach keinen Kaffee. Ich versuche es schön seit Jahren, aber ich komme nicht damit zurecht. Ich bekomme magenschmerzen, nur wird übel und ich bekomme Kopfschmerzen. Ähnlich geht es mir mit wein. Ich selbst trinke keinen Alkohol, weil ich ihn nicht vertrage. Das heißt aber nicht, dass ich nicht sagen kann, welcher Wein gut ist und zu welchem Essen passt. Es läuft halt viel über die Nase und die optik...

    Ich selbst würde mich als lebensmittelfetischistin bezeichnen. Ich liebe einfach gute Lebensmittel, gute Produkte, gute Qualität. Und genau das ist der punkt: vollautomat ist eben vollautomat und somit für mich irgendwie einfach unbefriedigend. Auch wenn ich etwas nicht zu meinen favorisierten Lebensmitteln zähle, möchte ich es trotzdem nie in schlechter Qualität anbieten. Leidenschaft für das Produkt habe ich nämlich trotzdem. Vielleicht ist das schwer zu verstehen, wenn man es nicht selbst fühlt...

    Es zieht sich durch alle Bereiche, zb bekomme ich meine Brötchen von einem lokalen handwerksbäcker, der extra für mich eine spezielle Kreation erschaffen hat. Eine Art Mischung aus Ciabatta und klassischem weizenbrötchen. Total aromatisch, großporig und luftig, allein der Geruch ist der hammer. Ähnlich ist es mit Tee, Obst und Gemüse, den belägen für die Ciabatta... Ich liebe einfach Qualität und ich liebe das Besondere. Daher habe ich erst überlegt, gar keinen Kaffee anzubieten oder nur die filterkaffeevariante, aber das passt einfach nicht zu meinem laden. Ich habe insgesamt 7 Sitzplätze, dazu 2 draußen und 2 stehtische außen. Ich habe alles sehr pompös eingerichtet, goldene Wände, kronleuchter, antike Möbel. Ohne Kaffee kommt es mir irgendwie unvollständig vor...

    Wahrscheinlich kommt jetzt der nächste punkt, den kaum jemand verstehen kann. Ich zahle für den Laden gerade einmal 300€ Miete. Ich bin verheiratet und wir können vom Gehalt meines mannes leben. Ich bin nicht darauf angewiesen, unglaublich viel Geld mit diesem cafe zu verdienen, ich möchte tolle Produkte anbieten, mich selbst verwirklichen, lernen. In meiner Schublade liegen noch einige weitere Pläne und diese möchte ich in den nächsten Jahren nach und nach realisieren. Das ist mein erster kleiner schritt.
    Ich habe mich bewusst für moderate Öffnungszeiten und gegen Personal entschieden. Der Hauptgrund ist, dass ich einen angestellt nicht das bieten kann, was ihn zu einem zufriedenen und somit für meine Gäste attraktiven und motivierten Mitarbeiter macht. Ich werde niemals eine mindestlohnkraft einstellen, die jedes Wochenende durchkeulen muss und dazu noch Überstunden sammelt, weder sonderzahlungen noch vernünftige sozialleistungen bekommt. Denn genau das ist der Grund, warum ich die Gastronomie liebe und trotzdem nie damit glücklich geworden bin. Es muss sich etwas ändern, und ich will der Anfang sein. Zumindest für mich selbst, auch wenn das wahnsinnig bescheuert Klingt. Bis ich das gewährleisten kann, mache ich mein ding.

    Trotzdem wird es klappen. Ich bin systemgastronomin. Ich kann im mcdrive 50 Autos in einer Stunde abfertigen und trotzdem noch nett sein. Da bekomme ich das cafe schon hin. Außerdem habe ich als einzelunternehmerin viele vorteile. Ich brauche keine besonderen lizenzen, muss weniger beachten. Meine Buchführung macht komplett ein buchführungsservice. Ich bin so aufgewachsen, meine Eltern waren immer selbstständig. Dann schaffe ich das auch. Und wenn es toll läuft, stelle ich jemanden ein. Aber dann zu guten Bedingungen.

    Wegen dem Leasing, würdet ihr fullservice oder komplett ohne empfehlen? Wie lange sollte die Dauer sein? Und welcher vollautomatenhersteller ist gut? Oder zumindest akzeptabel?

    Ich denke, große Innovationen wie mehrwegbecher sind hier noch nicht so geeignet. Es wird recyclebare öko-pappbecher geben und Rabatt für jeden, der eigene Becher mitbringt. Hier ist teilweise noch tiefste DDR in den Köpfen... trotz massentourismus.
     
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  17. Germi

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    Na, das stimmt ja alles, im Prinzip aber aber Publikum zieht man auch mit anderen Dingen an Land da gibt es genug anderes das interessant ist um zu einem Magneten zu werden! Das alleine dem Kaffee zu tun schreiben, halte ich für falsch. Ist vor allem dann schwierig wenn ich selbst nicht Kaffeeafing bin


    Getattapalkt....äh gekakkatalt.., gepapalallt... ach Mist, ihr wisst schon!
     
  18. Hoba68

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    @JuliaK
    Du kannst als Neugründer nicht leasen. Du benötigst exzellenten Service bei den Maschinen und wenn Du alleine arbeitest solltest Du mit einem Vollautomaten hoher Qualität arbeiten. Oder es darf soviel Zeit wie im McCafe beanspruchen, dann geht auch ein Siebträger, die Fehlerquellen werden aber grösser, vor allem, da Du keinen Kaffee trinkst.

    Mit bekannte erfolgreiche Cafe's arbeiten in aller Regel nicht mit kleinen Röstern zusammen. Die Qualität schwankt, die Unterstützung fehlt und Du willst, dass der Kaffee vielen schmeckt und nicht wenigen.

    Finanzierung funktioniert über die Hausbank, grosse Röster und manchem Hersteller.
     
  19. #19 Dale B. Cooper, 09.08.2017
    Dale B. Cooper

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    Moin,

    nur kurz: lass Dich nicht von den ganzen Kaffeenerds einschüchtern. Siebträger-Espresso muss auch heutzutage nicht aus Slayer und unimodaler Mühle kommen, was viele hier für den neuen Standard halten. Robuste Bar-Mischungen machen tolle Cappus und das ist sowieso das, was die meisten wollen. Das bekommt man auch hin, ohne Espressoenthusiast zu sein. Du musst ja quasi nur "besser als das Umfeld" sein - und da die auf Vollautomaten setzen, geht der Punkt ziemlich sicher an Dich.

    Ne kleine 1-2gruppige Maschine (je nach to-go-Kundschaft) inkl. Service ist glaube ich das, was Sinn macht.

    Toller Beitrag @nobbi-4711

    Beste Grüße,
    Dale.
     
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  20. Germi

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    Ich denke das auch eine Mengen Dosierung hier Sinn machen würde.
    Eine kleine Lazim Bali Junior am 21 sollte da genügend Reserven haben für die angestrebte Größe deines Ladens.. Die Bezüge selbst zu Stoppen halte ich bei einem ein Mann beziehungsweise Frau Betrieb für kontraproduktiv.
    Schließlich bezahlst du dich für teures Geld selbst und da ist zeit ein wahrer Kosten Fresser .

    LG, Sebastian


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