Meine Rute, der Perkolator und ich.

Diskutiere Meine Rute, der Perkolator und ich. im Brühkaffee Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hallo Ihr Lieben, ich habe für mich eine neue Kaffeezubereitung entdeckt und zwar Kaffee aus dem Perkolator. Und nein, damit meine ich nicht die...

  1. #1 Zockerherz, 14.05.2020
    Zuletzt bearbeitet: 14.05.2020
    Zockerherz

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    Hallo Ihr Lieben,

    ich habe für mich eine neue Kaffeezubereitung entdeckt und zwar Kaffee aus dem Perkolator. Und nein, damit meine ich nicht die Bialetti Espressokanne, sondern einen zirkulierenden Perkulator. Da ich hier im Forum (und generell) über diese Geräte nicht viel finde, vor allem über die Zubereitung, möchte ich hier einen Beitrag erstellen in der Hoffnung einigen suchenden helfen zu können.

    Beim Angeln wollte ich mir nun endlich mal Kaffee kochen können, da stand ich vor der Frage Was und wie.
    Die Anforderungen sind kompakt und so wenig Teile wie möglich, aus Edelstahl, alternativ Titan. Alu (auch Hartanodisiert) fällt komplett raus.

    - Die AeroPress ist kompakt und wird auch gerne genutzt, ist aber zu klein für zwei Personen.
    - French Press wäre etwas und hier gibt es Systemkocher wie den Primus Eta Lite+ mit French Press Stempel. Aber hier benötigt man dann das Eta Kochzubehör, wenn man mal Würstl oder gefangenen Fisch zubereiten möchte. Aber French Press schmeckt mir irgendwie nicht so und ich bräuchte meistens einen extra Kessel.
    - Papierfilter im Reisefilter? Da muss ich noch mehr mitnehmen und habe noch den Filtermüll. Außerdem benötige ich wieder einen extra Wasserkessel.

    Mir fiel wieder ein, dass man im Spiel Red Dead Redemption 2 Kaffee am Feuer in einem Perkolator gekocht hat. Nach einiger Suche wurde ich auch endlich fündig mit dem GSI Glacier Stainless 3 Cup Percolator.
    Hier ist alles aus Edelstahl, auch der Einsatz. Das Tolle an der Kanne: Der Eichstrich an der Kanne für 2 Tassen liegt sehr genau bei 300g. Also muss man nicht unbedingt unterwegs das Wasser abwiegen ;)

    Das Prinzip: Das heiße Wasser steigt über das Röhrchen nach oben und fließt durch den Kaffee. Tropft zurück nach unten und fließt erneut nach oben. Also das Prinzip einer normalen Filtermaschine, nur dass das Wasser schneller und auch mehrmals durch das Pulver fließt. Die Anleitung kann man getrost vergessen, hier ist nur von 3 Minuten Kochzeit die Rede...ja...wie auch immer.

    Nach voriger Recherche im Internet war mein erster Versuch sogar eine fast perfekte Punktlandung. :)

    Man nehme:
    - einen säurearmen Kaffee in Filterröstung
    - 6g Kaffee auf 100 ml (also die übliche Fausformel)
    - einen mittleren Mahlgrad zwischen V60 und Chemex (ich nutze derzeit 21 Klicks an der Comandante)
    - 10 -15 Minuten Kochzeit (gezählt ab dem Zeitpunkt wo das Röhrchen blubbert)
    - eine Wärmequelle wie Gas, Esbit oder auch Induktion (sobald es blubbert Temperatur reduzieren siehe unten im Text)
    - und Trinkgefäß/e


    Wie? Den Kaffee 15 Minuten kochen lassen? Und dann immer wieder durch den Kaffee? Mit einem Mahlgrad für Filter? Das schmeckt doch niemals und du verbrennst alles. Ketzer!

    Ich muss gestehen, ich war auch erst skeptisch. Zumal ich ja meinen Kaffee immer mal im Wechsel aus dem V60, AeroPress, Chemex und der Moccamaster Cup One trinke und mir French Press nicht schmeckt. Aber ich bin sehr angetan und trinke momentan morgens meinen Perkolator Kaffee. Dank Induktionsherd mit Timer kann ich das gemütlich vor sich hin blubbern lassen. Ist er zu stark, 2-3 Minuten weniger köcheln lassen (oder eben so lange bis es einem schmeckt).

    Wichtig ist vor allem die Hitze zu reduzieren sobald es anfängt zu blubbern, da der Kaffee sonst überkochen kann. Und das Wasser an sich soll ja nicht kochen, sondern nur kurz vor dem Siedepunkt damit es im Röhrchen aufsteigt. Da der Deckel (das einzige Kunststoff Element) Durchsichtig ist, kann man das sehr gut sehen.

    Der Kaffee schmeckt voll und auch etwas kräftig. Aber nicht zu stark, dass es einem in's Gesicht haut. Was mich dann doch am meisten überrascht hat ist die Tatsache, dass der Kaffee nicht bitter ist. Verwendet hatte ich einen Myanmar Catuai von Roast Rebels, aber ich glaube ein hell gerösteter Monsooned Malabar könnte hier wirklich gut kommen. Übrigens habe ich erstaunlich wenig Kaffeesatz in der Tasse, was wohl auch den hochwertigen Mühlen für Filter (Comandante C40 und Vario Home mit Stahlscheiben) geschuldet ist.

    Aber: Da der Kaffee mehrfach durch das Pulver läuft hat er wirklich viel Koffein. Also zu viele Tassen am Stück sollte man vielleicht nicht trinken :D

    Im großen und ganzen bin ich wirklich zufrieden. Das Kaffee kochen dauert zwar seine Zeit, aber dafür erhält man einen Kaffee mit besonderem Flair und es hat mich direkt vom Geschmack her an Camping erinnert. Vor allem produziert der Perkolator keinen weiteren Müll, wie die Outdoor Kaffee Filter zum aufklappen mit Kaffeepulver vor gemahlen, die in Folie eingeschweißt sind.

    Für alle, die auf der Suche nach einer All in One Lösung für Camping und Wandern sind (oder einfach mal Ihre Kaffeekram Sucht befriedigen wollen/müssen) ist der Perkolator eine tolle Sache.

    Soviel zu meinem kleinen Erfahrungsbericht :) Auch wenn es etwas mehr eine Lobhudelei geworden ist. Aber ich bin begeistert, wieviele Möglichkeiten es gibt leckeren Kaffee zu brühen.
     
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  2. #2 Wrestler, 14.05.2020
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    Man kann auch in der Aeropress etwas überdosieren und dann in der Tasse etwas verdünnen.
    Aber Deine Art der Zubereitung klingt spannend.
    Die Frage nach der bitterkeit bei der langen Extraktion sei natürlich erlaubt.
    Ich kann mir das nicht vorstellen, ... nicht bitter?
    Ein wenig erinnert mich das an eine French Press mit langer ziehzeit.
    Die macht auch bis auf den Satz keinen Müll.
    Heißwasser braucht man für alle Zubereitungs Methoden.
     
  3. #3 Warmhalteplatte, 14.05.2020
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    Also mir würden 300mg nicht reichen :D
     
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  5. zwicko

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    Interessant, vielen Dank! Bin auch unlängst auf einen Perkolator von Motta gestoßen und wusste nicht so recht etwas damit anzufangen.
     
  6. #6 Zockerherz, 14.05.2020
    Zockerherz

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    DaAS dachte ich anfangs auch. Aber nein, der Kaffee ist tatsächlich genießbar und schmeckt sehr gut. Halt ein volles und kräftiges Mundgefühl. Vermutlich besteht der Trick darin die Temperatur so zu regeln, dass das Wasser gemächlich aus dem Röhrchen blubbert. Auf meinem Induktionsherd starte ich mit Stufe 9 und gehe anschließend auf Stufe 5 zurück. Das Wasser kocht ja nicht, sondern wird nur durch die Ausdehnung nach oben gedrückt. Nachmessen ist da eher Suboptimal :D

    Ich finde dennoch, dass die French Press "anders" schmeckt.

    In die 3 Tassen Variante passen wohl so 400-450 ml. Aber es gibt die auch in der Größe von 1,5 Litern :D Unterwegs muss ich aber für Wasser sorgen und zusätzlich zum Angelkram noch einen Wassertank wäre dann zu viel des guten :D Da koche ich lieber mehrmals :)

    @Warmhalteplatte ich kannte den Begriff generell nur durch das Spiel. Das war dann so eine klassische Emaille Kanne wie die von Petromax. Die Kannen kann man aber auf jeden Fall in's oder an's Lagerfeuer stellen. Ansonsten hätte ich auch nie nach so etwas gesucht. Davon abgesehen kennen die meisten den Perkolator wohl eher als Espressokännchen.
     
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  7. Schoki

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    Das war scherzhaft auf das mg statt ml bezogen :p Interessantes Konzept auf jeden Fall.
     
  8. #8 Zockerherz, 14.05.2020
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    Ahhhhhhhh :eek::oops:

    Entschuldige, ich hab das völlig überlesen und nicht geschaltet. Ich musste heute eine Selektionsliste mit über 300 Kontakten Abgleichen. Jeden Kontakt manuell im System aufrufen und abgleichen ob die Personen auch wirklich den Selektionsbedingungen entsprechen... da habe ich 8 Stunden dran gesessen und bin ziemlich bräsig im Kopf :) Danke für den Hinweis, ändere das gleich mal.

    Das Konzept scheint es ja schon länger zu geben und wird wie Warmhalteplatte geschrieben hat wohl auch in den großen Industriekochern eingesetzt. Wobei ich hier nicht weiß wie genau das da funktioniert.

    Was mich am meisten überrascht ist die Tatsache, dass es trotz 15 Minuten Kochzeit super schmeckt.
    Ok, Im Vergleich zu allen anderen Methoden hat das Wasser kaum Kontakt zum Pulver, da es schnell durch fließt. Mich würde mal interessieren welche Temperatur ich am Röhrchen erreiche, aber so wie es im Deckel aussieht spritzt das schon mit ziemlich schmackes nach oben :)
     
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  9. #9 oldsbastel, 22.05.2020
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    Perkolatoren sind eine uralte Technologie. Hinten die vier aus meiner Oldie-Sammlung zwischen den Odetten zum Beispiel sind Perkolatoren mit und ohne eigene Heizung.

    IMG_0561.jpg
     
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  10. #10 Zockerherz, 26.05.2020
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    Uh, die Geräte mit Kupferkesselchen sind ja fein. :) Ist das sowas wie ein Syphon?

    Ich finde es sehr interessant wie die Menschen damals Kaffee zubereitet haben. Ganz Ohne Schnickschnack wie mit der Feinwaage abgewogene Bohne und Wasser sowie Thermometer und Stoppuhr. Geschmeckt hat es trotzdem :D Ich denke, das lag auch irgendwie an der alten Zeit bevor aus dem Kaffee das Millardengeschäft gemacht wurde.
    Auch wenn ich mich jetzt sehr weit aus dem Fenster lehne, aber ich behaupte einfach mal, dass die Zubereitungsart schon fast egal ist. Wenn der Kaffee hochwertig und frisch ist, dann bekommt man immer etwas leckeres zu trinken. richtiger Mahlgrad und das ungefähr passende Verhältnis von Pulver zu Wasser.

    Im übrigen hat sich der Perkolator tatsächlich zu meinem Lieblingsgerät für das morgendliche Augenöffnen gemausert. Ich mahle den Kaffee mit der Vario Home, fülle alles in die Kanne und erhitze es auf höchster Stufe. Sobald es anfängt zu blubbern wird die Temperatur reduziert und der Timer auf 15 Minuten gestellt. Da auf der mittleren Stufe nichts überkochen kann und der Herd nach 15 Minuten selber ausgeht muss ich mich nicht groß darum kümmern.

    Der Kaffee ist sehr Vollmundig und hat viel Koffein. Viel mehr als man es vermuten würde, da der Kaffee zwar kräftig aber nicht zu stark ist. French Press Kaffee als Beispiel sagt mir gar nicht zu.

    Das tolle ist, dass man anhand des Blubberns im Deckel erkennen kann, ob die Temperatur zu hoch ist. Blubbert es langsam, dann ist die Temperatur genau richtig. Blubbert es zu schnell, dann ist sie zu hoch. Auf dem Gaskocher muss man sobald es blubbert diesen fast ausstellen. Natürlich werde ich nicht auf meine anderen Zubereitungsarten wie V60, Chemex, Moccamaster und Aeropress verzichten :D aber der Kaffee schmeckt einfach "anders", möglicherweise trifft es für mich "nostalgisch" am Besten :D

    Übrigens hält sich der Kaffeesatz tatsächlich in Grenzen, was aber sicherlich auch der Comandante und der Vario Home geschuldet ist. Waren ja auch teuer genug die Teile :oops::rolleyes:

    Viele Grüße und einen guten Start in den Tag.
     
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  11. #11 AdvancedFabian, 06.07.2020
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    Liest sich wirklich gut. Vorallem Induktionsgeeignet und komplett aus Edelstahl, und dafür auch preislich echt mega günstig.
    Das speicher ich mir mal für später, gerade bin ich mit Bialetti, V60 und Aeropress-Experimente noch gut bedient :)
     
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  12. #12 Zockerherz, 08.07.2020
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    Wichtig ist, dass es nicht zu heiß wird. Der Malabar war zum Beispiel extrem bitter. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass der gerade mal eine Woche alt war. Oder möglicherweise nicht geeignet. Der Brasil Yellow Bourbon dagegen kommt ganz gut. :)
     
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Meine Rute, der Perkolator und ich.

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