Milchverarbeitung - Milchzentrifugen

Diskutiere Milchverarbeitung - Milchzentrifugen im Was ich unbedingt noch sagen wollte... Forum im Bereich Kaffeeklatsch; Weil wir das Glück haben, im Nachbardorf an einer Milchtankstelle frische Rohmilch zu bekommen und deshalb im kleinen Rahmen auch Rohmilch...

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  1. #1 mechanist, 31.12.2017
    Zuletzt bearbeitet: 31.12.2017
    mechanist

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    Weil wir das Glück haben, im Nachbardorf an einer Milchtankstelle frische Rohmilch zu bekommen und deshalb im kleinen Rahmen auch Rohmilch verarbeiten, hier ein Beitrag dazu.

    Für die Verarbeitung von Rohmilch etwa zu Butter, Quark oder Frischkäse braucht man zuallererst eine Milchzentrifuge.
    Diese Gerätschaft wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem Herrn Laval erfunden. Bis dahin liess man die Milch in
    Wannen stehen, bis sich die Sahne oben abgesetzt hatte, diese wurde dann abgeschöpft. In der Milchzentrifuge wird
    die Rohmilch von einem Schwimmer gesteuert in eine Separatortrommel geleitet. Durch die Zentrifugalkraft steigt
    sie in der Trommel über sog. Scheideteller nach oben. Aus zwei Ausläufen kommt zum einen die Sahne, zum anderen
    die Molke (Magermilch). Bis heute weiss man nicht genau, warum das funktioniert, aber diese Erfindung war eine
    kleine Revolution.

    Lange waren diese Separatoren handbetrieben und wurden in Deutschland vorallem von Miele, Westfalia und Alfa Laval hergestellt. Sie sehen so aus:

    PC310099.JPG
    PC310096.JPG

    Nach dem Krieg gab es dann von fast allen Herstellern elektrische Versionen:

    alfa laval 1.JPG

    Wenige Bauern konnten sich bereits in den fünfziger Jahren eine solche Luxusversion leisten:

    PC310104.JPG

    Das ist eine kleine Molkerei von Westfalia: Links die eigentlich handbetriebene Zentrifuge mit einer Literleistung von
    100 L/h - sie wird durch eine angeflanschte Riemenscheibe und einen Keilriemen genauso von dem Elektromotor in der Mitte angetrieben wie die Buttermaschine auf der rechten Seite. Diese Maschine kommt von einem entlegenen Hof in den Voralpen. In der Nacht, bevor die Spedition sie dort abholen sollte, fing es an zu schneien und die Zufahrt
    zum Hof war für LKW nicht passierbar. Also musste der Schwiegersohn der betagten Bäuerin sich mit einem Geländewagen samt Anhänger zum Hof durch den Schnee kämpfen und die Maschine ins Tal bringen...

    Nachdem die Rohmilch in der Milchzentrifuge in Sahne und Molke getrennt worden ist, kann die Sahne in einem Butterfass oder einer Buttermaschine zu Butter verarbeitet werden. Wer selbst schon mal Rohmilchbutter hergestellt hat, lässt die Supermarktbutter als Brotaufstrich links liegen.

    Heute gibt es nur noch zwei Hersteller in Europa, die hochwertige Milchzentrifugen für den Haugebrauch bauen: Elecrem in Frankreich und die Firma Milky in Österreich. Daneben gibt es kopierte Zentrifugen aus Fernost oder Osteuropa, mit denen man auf Dauer aber nicht glücklich wird.

    Nachdem die meisten Landwirte Milch nicht mehr selbst verarbeiten, sondern diese von Molkereien abgeholt und
    verarbeitet wird,spielen kleinere Milchzentriguen nur noch da eine Rolle, wo selbst verarbeitet wird oder werden muss,
    weil z.B. aus oben erwähnten Gründen im Winterhalbjahr Höfe nicht zugänglich sind.
     
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  2. #2 Sansibar99, 31.12.2017
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    Das ist jetzt mal ein Thread, zu dem ich keine alten Maschinen beitragen kann - aber er weckt Kindheitserinnerungen:
    Ich bin früher immer abends mit der Milchkanne zum Kleinstbauern 3 Häuser weiter gelaufen und habe 1 oder 2 Liter frische, noch warme Kuhmilch geholt, direkt aus dem Stall, aus dem Melkeimer in die Kanne gegossen.
    Die haben wir dann bei meiner Oma in der Küche direkt verarbeitet oder gleich so getrunken.
    Bin nicht an Listeriose gestorben - und habe trotz frühkindlichem Kontakt mit Stall und Dreck Allergien bekommen - gleich zwei neuzeitliche Zivilisationsmythen widerlegt. ;)
     
  3. #3 mechanist, 31.12.2017
    Zuletzt bearbeitet: 31.12.2017
    mechanist

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    Ja, um die Rohmilch tobt wie heute um fast alles ein Glaubenskrieg - da muss sich dann jeder seine Meinung selbst bilden.
    Unser Sohn kennt nichts anderes, H-Milch mag er nicht... Als ich das Ganze mal an einem Projekttag in seinem Kinder-
    garten vorgeführt habe, gab es einen Riesen-Auflauf. Selbst die Betreuerinnen wussten nicht mehr, wie Butter eigentlich
    hergestellt wird... Wichtig beim Bezug von Rohmilch fanden wir, dass man der Quelle sprich dem Landwirt vertraut -
    wir haben uns vorher den Hof genau angesehen, um uns auch einen Eindruck von der Haltung der Milchkühe zu verschaffen.
     
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