Restauration Carimali Eta Beta 1

Diskutiere Restauration Carimali Eta Beta 1 im Restaurierungen und Raritäten Forum im Bereich Maschinen und Technik; Liebe Gemeinde, nun hat der Virus auch hier zugeschlagen - nein nicht COVID-19, sondern der...

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  1. #1 swolf, 17.03.2020
    Zuletzt bearbeitet: 17.03.2020
    swolf

    swolf Mitglied

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    Liebe Gemeinde,
    nun hat der Virus auch hier zugeschlagen - nein nicht COVID-19, sondern der "Espressomaschinen-technik-versteh-und-reparier-Virus", den ihr hier verteilt. Und seit Ursula der Meinung ist, daß reparieren besser ist als wegwerfen, sind wir damit ja auch salonfähig. Aber jetzt erstmal zu meinem heimischen Status:
    Meine_Grimac_klein.jpg

    Die Grimac Uno verrichtet schon seit vielen Jahren ihren Dienst und war vorher wahrscheinlich schon 30 Jahre im Bar-Dienst - solide Sache. Jetzt kommen aber erstmal Schreckensbilder eines technischen Totalschadens: das ist also meine neue Baustelle.

    test.jpg

    Der Blick von oben lässt einiges erahnen, es geht aber weiter:

    WhatsApp Image 2020-02-25 at 17.12.28.jpeg
    WhatsApp Image 2020-02-25 at 15.39.18(1).jpeg
    ojeoje, was hab ich mir da angetan? Und nun stellt sich die Frage, erstmal testen, was alles kaputt ist und dann auseinander nehmen, oder gleich zerlegen und womöglich Teile aufhübschen, die schon längst im Eimer sind oder besser dort sein sollten. Ich hab mich für Variante 1 entschieden: erstmal testen. Das war ein grandioser Fehler, wie sich später herausstellen sollte....
    Cheers
    Werner

    PS: im Moment gibt es noch keine Fragen - die kommen dann beim Zerlegen dran;-)
     
  2. spy0r

    spy0r Mitglied

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    Wenn man kann, sollte man vor dem Zerlegen prüfen ob der Boiler dicht ist, wenn nicht, dann halt nicht.
     
  3. swolf

    swolf Mitglied

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    ja genau, das dachte ich mir auch, deshalb hatte ich mich für Variante 1 entschieden: erstmal testen, dann hübsch machen.

    Bei der ersten Inspektion fallen zwei Sachen auf:
    - die Entstörkondensatoren am Schütz sind nicht angeschlossen
    - die Feinsicherung der Steuerplatine ist schwarz (defekt)
    Also erstmal Sicherungen besorgen (3,15A träge, 250V wenn's interessiert) und Stecker in die Wand: deutlicher Knall, Sicherung im Gerät durch und Haussicherung auch gekommen. Das fängt ja gut an...dann verschiedene Verbraucher abgeklemmt (Heizung, Pumpe, Magnetventile) aber keine Besserung; nach gefühlten 10 Gängen zum Sicherungsautomaten verbunden mit dem Tausch der Feinsicherung bemerke ich einen kleinen Blitz im Inneren und was jetzt kommt ist wieder mal eine Erfahrung für die Lehrbücher:

    Loch in Isolation.jpg

    In einer koordinierten Aktion von Korrosion, PVC-Isolationsverfall und elektrischer Durchschlagskraft hat es den Isoschlauch punktuell zersetzt und einen Spannungsüberschlag zum Kessel ermöglicht. Das Loch war äußerlich nicht sichtbar - erst nach Drehen des Kabelbaums kam es zum Vorschein. Was lernt uns das: bei alten Maschinen durchaus mal den Kabelbaum genauer untersuchen...
    Dann den Schlauch aufgeschnitten und nach dem Zustand der PVC-Isolation geschaut:

    Bröselbaum.jpg

    Bröselbaum2.jpg

    ein grausiger Anblick: da war keine Isolation mehr und die Kupferseelen stark ausgeglüht. Ich hab dann noch einige solcher Katastrophenstellen im Kabelbaum gefunden und einen Sonntag damit verbracht, zunächst provisorisch neue Kabel einzuziehen, um ersteinmal die Funktion herzustellen. Für die Restauration ist aber klar, daß der alte Kabelbaum auf ein Nagelbrett kommt und komplett erneuert wird. Sonst wird es immer wieder mysteriöse Ausfälle geben. Was diesen Verfall verursacht hat bleibt im Bereich der Vermutung: Alter, Dauerhitze und wahrscheinlich auch unzulässig hoher Strom, der durch defekte Verbraucher verursacht wurde. Vermutlich ist die ganze Überwachungskette im Eimer (Füllstand, Druck, Temperatur). Das wird sich zeigen, wenn die Elektrik wieder läuft.

    Jetzt kann die Maschine endlich eingeschaltet werden, ohne das die Sicherung gleich rausfliegt. Jetzt können also auch die eigentlichen Tests gemacht werden, ob eben alle Ventile und Geber ordentlich spielen.

    Die ‚good news’: die Heizung geht noch, der Kessel wird warm und ist dicht und der Schütz, der die Heizung schaltet, tut. Leider fängt der an zu flattern, sobald die Solltemperatur im Kessel erreicht ist. Das äußert sich in wildem ein/ausschalten, völlig spontan ohne erkennbare Ursache. Die Heizung wird durch einen Druckwächter gesteuert (nicht Temperaturgeber). Der Pressostat (ein Membran-Schalter) schaltet einen Mikroschalter und der wiederum signalisiert der Steuerung den Zustand. Die Membran hat offensichtlich nicht mehr genug Hub, um den Mikroschalter eindeutig zu bedienen. Bei demontiertem Mikroschalter ist der Schütz zwangs-beruhigt und läßt sich durch händisches Bedienen des Schaltnockens ein/ausschalten. D.h. der Pressostat muss erneuert werden, weil die steuernde Membran einen alterungsdefekt hat. Damit kommt die Reparatur erstmal zum Erliegen: Teil suchen & bestellen, mit dem DHL-Zettel zur Post laufen und vor verschlossener Tür stehen, usw... man kennt das ja;-( Und schon taucht das erste Problem auf, was ich hier schon beschrieben hatte und inzwischen geklärt werden konnte:

    Der Pressostaten Thread
    Die angebotenen Pressostaten mit 1/4''-Anschluß (Verkaufstext) haben ein 13,2mm-Außengewinde - das muß man erstmal verstehen;-)

    Presso.JPG

    Wenn jemand einen Baugleichen hat oder weiß, wo ich den bekomme, dann bin ich für einen Hinweis dankbar - meine bisherige Suche hat nur Ähnliche zutage gefördert, aber keine Baugleichen.
    Als nächstes kommt dann einschalten und die Wasserkreisläufe testen,
    cheers
    Werner
     
  4. #4 swolf, 19.03.2020
    Zuletzt bearbeitet: 19.03.2020
    swolf

    swolf Mitglied

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    Moin auch,
    ich bin nun mit dem Maschinenschrott aus der Küche rausgeworfen worden und muss im Keller weitermachen;) ok, macht nichts - Hauptsache Dach überm Kopf;-))
    Einen Presso hab' ich inzwischen gefunden und bestellt, aber man kann ja schon mal weitermachen:

    Zunächst Wassereimer neben die Maschine gestellt und den Druckschlauch dort reingehängt, dann Einschalten, der Pumpenmotor läuft an, aber die Pumpe saugt kein Wasser an sondern läuft praktisch leer. Der Hauptfehler hier bestand darin, die Pumpe nach dieser langen Standzeit überhaupt einzuschalten, ohne sie vorher komplett zu reinigen. Nachdem kein Wasser angesaugt wurde, habe ich die Pumpe ausgebaut und mußte feststellen, daß sie nicht mehr mit der Hand zu drehen war und mit Zange nur mühsam.

    Dann die verschiedenen Pumpenthreads durchgestöbert und mich doch etwas gewundert, warum viele Leute der Meinung sind, die sei nicht reparierbar. Mir scheint doch eher das ist wieder eine solcher Weisheiten, die dem Motto folgen: "alle sagen das geht nicht, bis einer kam, der das nicht wußte und hats gemacht". So ungefähr ging's mir: ich hab die Pumpe erstmal aufgemacht, fand Krümelkram da drin und Kalk und die Flügel in ihren Schlitzen bombenfest und bewegungslos. Und genau das hat die Pumpe gekillt: nicht der Dreck und die Krümel, sondern die festen Flügel die sich in ihren Schlitzen nicht mehr bewegen konnten. In den wenigen Minuten des Probelaufs sind die Flügel komplett verschlissen und haben den Verdichterzylinder gleich mitgenommen: Totalschaden.

    Also: wenn ihr eine Maschine, die lange gestanden hat, in Betrieb nehmen wollt, vorher bitteschön die Pumpe genau prüfen: wenn sie mit der Hand wie in Honig geht, ist alles gut, wenn sie mit der Hand nicht zu drehen ist, dann sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Flügel fest (es kann auch mal passieren, daß das Kugellager klemmt, das sieht man dann aber, wenn da der Rost rausquillt;-). Das Zerlegen und Zusammenbauen ist ein Kinderspiel, da ist überhaupt nichts dran und wurde auch schon an mehreren Stellen beschrieben - das spar ich mir hier. Wenn es aber interessiert, kann ich das auch detailliert illustrieren. Hier noch ein paar Bilder der unbehandelten Komponenten - zunächst das Pumpengehäuse:

    image3.jpeg
    Entscheidend hier ist die lange Nummer - die beschreibt die Pumpe mit allen Eigenschaften - die Legende sieht so aus:
    2011matrix.jpg d.h. die Pumpe hat ein sehr kleines Fördervolumen von nur 25GPH = 75 l/h. Dieses Volumen wird definiert durch den Pendelhub der Flügel in der Pumpe und den Verdichterzylinder. Ich nehme jetzt an, daß die Gehäuse bei allen Pumpen gleich sind, nur die eingesetzten Verdichterkammern und Flügel unterscheiden sich - kann das jemand bestätigen?
    image2.jpeg
    Hier sind die wesentlichen Innereien zu sehen: wichtig dabei die vier Flügel (eigentlich sind das Schieber) und die beiden kurzen Stifte. wenn jetzt die Flügel in den Schlitzen festsitzen und die Pumpe dreht sich führt das zu einem gewaltigen Verschleiß an der Dichtfläche und im Verdichterzylinder:

    IMG_4461.JPG

    wie man sieht, haben die Dichtflächen schwer gelitten, bis sie schließlich soweit abgetragen waren, dass sie das Verdichtergehäuse nicht mehr verschließen konnten. Das geht dann offenbar sehr schnell - das Material ist ein sehr weiches Kunstoff-Carbon-Gemisch (nach Gefühl, ich kann keine Materialanalyse machen).

    Und das bringt mich eigentlich dazu, einen Reparatursatz zu suchen: das wäre die super-einfach-Lösung bei so einem Pumpenunfall. Aber es scheint, als ob die Ersatzteilversorgung nicht unbedingt Bestandteil des Geschäftsplans von Standex ist;-) Weiß jemand, wo ich einen Ersatzteil-kit herbekomme? Ich kann mir vorstellen, daß es vielen hier so geht, die dann abgenervt eine neue Pumpe kaufen, die dann u.U. auch nur eine Reparierte ist. Also denkt an die nachhaltige Wiederverwendung und helft Pumpenkits zu beschaffen:)

    Schönen Abend noch,
    Werner
     
  5. swolf

    swolf Mitglied

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    So, ich hab die Flügel (Schieber) auf einem Druckerpapier mit etwas Isopropanol abgezogen und die Schlitze der Pumpenachse gereinigt, so daß alles wieder leichtgängig ist. Das ganze nochmal schnell zusammengebaut für's Bild:
    Pumpe2.jpg
    eingekringelt sind die beiden korrespondierenden Flügel: der untere schiebt den oberen an den Zylinderrand. Nur wenn der Flügel durch Abtrag zu kurz ist, dann dichtet er nicht mehr - die Pumpe saugt weder an noch baut sie Druck auf. Bei der 25 GPH-Pumpe ist der Spalt zwischen Rotor und Verdichterzylinder (oben im Bild) sehr klein - wird der Spalt größer, wird auch das Pumpvolumen größer.

    Rein theoretisch würde es reichen, die Stößel (das sind die beiden Halbrund-Stifte, die in der Mitte zu sehen sind) ein paar Zehntel zu verlängern, dann wäre die Pumpe wieder dicht, saugt an und baut Druck auf....die Frage ist nur wie?

    (Corono-Pause-Bastelstunden-Modus=off)
    Werner
     
  6. #6 benötigt, 20.03.2020
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    Bin beeindruckt. Über Dein Detailwissen genauso wie über Deine Geduld, auch Kleinigkeiten auf den Grund zu gehen.
    Unverständnis muss ich allerdings über die Verbannung zum Kellerkind äussern.
     
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  7. swolf

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    ...alles nur angelesen;-) nach 35 Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit in einer großen Forschungseinrichtung hat man gelernt, den Dingen auf den Grund zu gehen;-))
    und zum Keller: ich habe schon ein riesiges Protestbanner aufgespannt aber meine liebe Frau ist völlig unbeeindruckt;-(

    Was hat es inzwischen an Erkenntnisgewinn gegeben?
    Ich hatte oben nach den Unterschieden bei Pumpen mit verschiedenen Pumpleistungen gefragt - einen Teil der Frage konnte ich heute selbst beantworten, wobei etwas recht Interessantes hervorgekommen ist. Ich hatte mir eine defekte Pumpe mit 80GPH Förderleistung besorgt und zerlegt:
    - der Spalt zwischen Rotor und Verdichterzylinder ist mehr als doppelt so groß im Vergleich zur 25GPH-Pumpe, wie schon vermutet,
    - der Innendurchmesser des Messinggehäuses ist bei beiden 44mm - die Gehäuse sind faktisch identisch,
    - Die Flügel sind ebenfalls völlig identisch bei beiden Pumpen
    - die einzigen Unterschiede sind der Verdichterzylinder und die Länge der kleinen Schiebestifte
    Mit den Schiebestiften und dem Lochdurchmesser des Verdichterzylinders werden die unterschiedlichen Pumpleistungen angepasst - sonst ist alles identisch...schon recht genial ausgedacht:

    Pumpenstifte.jpg
    links ein Stift der 25GPH-Pumpe (ca. 14,8mm), rechts ein Stift der 80GPH-Pumpe (ca. 16mm)
    genaues Maß kann ich angeben, wenn mein Messschieber 'ne neue Batterie hat.

    Die allereinfachste Variante eine Pumpe zu reparieren, die keinen Druck mehr aufbaut, ist, die Stifte der nächstgrößeren Pumpe verwenden und diese mit einem Dremel solange kürzen, bis die Summe aus zwei Flügelhöhen plus Stiftlänge genau den Innendurchmesser des Verdichters ergibt - easy - Pumpe gerettet für nix;-)

    Wer keine längeren Stifte hat, kann sich auch 2mm-Halbrund in Edelstahl besorgen und die nötigen Stifte selbst ablängen (es muß Halbrund sein, sonst funktioniert's nicht).

    Ich schätze mal, daß die Pumpe einem sehr hohen Verschleiß ausgesetzt ist, wenn sie trocken läuft. Da der Asynchronmotor in der Maschine nicht Drehzahlregelbar ist (nur mit einem Frequenzumrichter), kann man die Pumpe auch nicht langsam anlaufen lassen, wenn sie neu zusammengebaut ist. Damit steht das Wochenend-Projekt fest: Adapter basteln für die Akkubohrmaschine als Antrieb (sehr feinfühlige Drehzahlregelung), einen Schlauchanschluss mit Gardena-Schnellverschluß an Druckwasser und einen für Abwasser in den Eimer. Dann testen...ich bin gespannt;-)

    Schönes Wochenende und bleibt gesund,
    Werner
     
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  8. #8 banause, 21.03.2020
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    hallo Werner, habe auch neulich meine Procon reparieren müssen. Was mir in Erinnerung ist: zwischen einem Flügelpaar war eine kleine Spiralfeder, bisschen kleiner als die in Kugelschreibern, die die beiden gegen das Gehäuse drückt. Auf der Innenseite dieser beiden eine kleine Absenkung, wo die reinpasste. Flügel waren so lange wie deine, also nicht passgenau beim kleinsten Querschnitt! Diese beiden fördern mE beim Anlaufen, und bei vollem Tempo werden die beiden anderen durch die Fliehkraft auch gegen die Außenwand gepresst und fördern mit. Bedingung: alle 4 leichtgängig in den Führungen, hab sie ganz sparsam gerettet. Guck mal, ob diese Löcher auch bei deiner sind, und ob du ne passende Feder findest, evtl aus nem Elektroschalter oder so!
    Gruß Martin
     
  9. swolf

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    Hallo Martin, ich habe auch schon mal was von Federn etc. gelesen und konnte mir nicht vorstellen, was der Sinn sein sollte. Inzwischen sind mir weitere defekte Pumpen verschiedener Förderleistungen 'zugelaufen' (jemand hat sich meinem Forscherdrang ergeben und seinen Keller geräumt;-) - ich hab jetzt 5 Pumpen geöffnet, aber keine hatte eine Spiralfeder drin. Das macht aus meiner Sicht auch keinen Sinn und ist eher kontraproduktiv - warum will ich versuchen zu erklären:
    - zunächst das Prinzip der Pumpe: immer wenn sich ein Schieber (ich nenne sie jetzt Schieber und nicht mehr Flügel wie im englischen, weil das missverständlich ist) aus der Engstelle in Richtung größer werdendem Spalt bewegt, wird er durch die Schiebestifte vom gegenüberliegenden Schieber, der sich in Richtung Engstelle bewegt, nach außen geschoben, wodurch ein Spalt im hunderstel-Bereich konstant im gesamten Umlauf gegeben ist.
    - diese 'feste' Geometrie, stellt sicher, daß die Reibung (und damit der Verschleiß) zwischen Zylinder und Schieber minimal ist;
    - wenn jetzt ein Schieber in seinem Spalt nach langer Standzeit festsitzt, bedeutet dies maximalen Verschleiß für den Schieber gegenüber, wenn der in Richtung Engstelle dreht - deshalb bei Inbetriebnahme einer Maschine, die lange gestanden hat, immer erst mit der Hand versuchen zu drehen - sonst gehen die Schieber kaputt.
    - wenn nun statt der Schiebestifte eine Feder eingebaut wird, bedeutet dies, daß die Schieber permanent gegen den Zylinder gepresst werden und damit verschleißen - das ist nicht der Gedanke der Konstruktion einer Verdichterpumpe. Die Idee für eine Feder liegt zwar nahe, da die Schieber doch sehr stark an Kohlebürsten bei E-Motoren erinnern: dort ist aber der Anpressdruck erforderlich, um eine möglichst funkenarme Kommutierung zu ermöglichen - eine ganz andere Aufgabenstellung. Bei der Pumpe soll am besten gar keine Kontaktnahme stattfinden, vielmehr soll der Schieber auf einem Schmierpolster aus Wasser verschleißfrei gleiten. Das ist der Grund warum diese Pumpen 10 und mehr Jahre ihren Dienst tun - wenn sie richtig eingestellt sind.
    - zum Thema Fliehkraft: die Masse der Schieber ist verschwindend gering im Vergleich zum Druck der seitlich auf ihnen lastet: sie müssen immerhin 10...15 bar drücken. Ohne den mechanischen Schub der Stifte durch den gegenüberliegenden Schieber werden die sich nicht freiwillig aus ihrem Halteschlitz herausbewegen wollen;-)

    Hier noch zwei Bilder einer Pumpe mit 80GPH - links mit wegradierten Schiebern, rechts mit etwas längeren Schiebestiften, um den Verschleiß auszugleichen:
    IMG_4492.JPG IMG_4494.JPG

    Schau'n wir mal, ob die Pumpe dann auch pumpt;-))
    Werner
     
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  10. #10 banause, 22.03.2020
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2020
    banause

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    OK, verstehe, was du meinst. Ich hab anhand der Teile, die ich bei meiner vorgefunden habe, mein Denkgebäude erstellt, also inkl vorhandener Feder und ohne Vergleich mit anderen Pumpen. Was ich bei deiner Hypothese noch nicht verstehe: der Rotor ist doch eindeutig sichtbar exzentrisch in der Förderkammer. m.E. ist doch damit der Durchmesser in senkrechter Richtung auf den Bildern oben größer als bei waagrechter Stellung, oder? Wenn du eine starre Verbindung auf den maximalen Durchmesser justierst, klemmt das dann nicht beim Weiterdrehen? Bitte um Er-/Aufklärung.... Oder ist die Summe der gegenüberliegenden Spalt breiten bzw Abstände Rotor/Gehäusewand immer konstant? Dann würde es ja passen
     
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  11. swolf

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    ...genau so ist es - besser kann man es nicht beschreiben: die Summe der gegenüberliegenden Spaltmaße von Rotor und Zylinder ist immer konstant über den gesamten Umfang. Die Schieberpaare oszillieren relativ zum Rotor 1x pro Umdrehung. Das Spaltmaß zwischen Schieber und Verdichterzylinder wird praktisch durch die Halbrund-Stifte definiert und sollte wahrscheinlich so eingestellt sein, daß noch ein paar 100stel Luft sind für den Schmierfilm aus Wasser. Wenn der Spalt zu groß wird, baut die Pumpe dann eben keinen Druck mehr auf und saugt auch nicht an. Sie ist dann nur noch ein Quirl:D

    Wenn noch jemand eine defekte Pumpe rum liegen hat und sie los werden möchte, dann her damit:)

    Noch ein Hinweis zum Entkalken: es gab die Frage, ob dieses (vermutete) Carbon-Kunststoff-Gemisch von Schieber und Zylinder Zitronensäure verträgt: ja, tut es - habe sie einige Stunden gebadet, danach gingen die Schieber glatt in die Spalte des Rotors, waren nicht gequollen oder weich. Nur der Seegering, der die Pumpe verschließt sollte draußen bleiben: das Zink hat sich komplett abgelöst, d.h. der Korrosionsschutz war damit weg. Wenn man also die Pumpe nicht mehr mit der Hand drehen kann und sie nicht öffnen will oder kann, dann kann man sie auch komplett in ein Säurebad stellen und fluten - nur das Kugellager sollte draußen bleiben. Dann jede Stunde mal schau'n, ob der Rotor sich langsam löst.
    Schönen Sonntag noch - trotz alledem,
    Werner
     
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