Saure 3rd-Wave-Hipster-Plörre vs. totgerösteter Banausencaffè: EIN PLÄDOYER

Diskutiere Saure 3rd-Wave-Hipster-Plörre vs. totgerösteter Banausencaffè: EIN PLÄDOYER im Grundsätzliches Forum im Bereich Fragen und Tipps; (Sorry, das wird länger, aber vielleicht lohnt es sich.) Kennt Ihr das? Ihr seid unterwegs in einer coolen Stadt, entdeckt eine schicke...

  1. #1 chris_weinert, 22.03.2015
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2015
    chris_weinert

    chris_weinert Mitglied

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    (Sorry, das wird länger, aber vielleicht lohnt es sich.)

    Kennt Ihr das? Ihr seid unterwegs in einer coolen Stadt, entdeckt eine schicke Espressobar mit einer extravaganten Maschine, geht rein, und dann kriegt Ihr von so einem vollbarttragenden Karohemden-Typen einen penibel ausgemessenen Espresso hingestellt, der einfach nur nach Zitronenwasser schmeckt? Bah! Die Röstung war ja heller als Rohbohnen! Das ist doch kein Espresso! Schön Alarm machen mit Laborwaage, heididei, und dann so eine Grütze? Wissen die denn gar nicht, wo Caffèkultur herkommt? Ein Italiener würde sich hier direkt auf das Karohemd vom Barista übergeben!

    Schnitt!

    Kennt Ihr das? Ihr seid unterwegs in einer coolen Stadt, habt tierisch Bock, Euch einen guten Caffè reinzuzimmern, entdeckt diese hübsche Kaffeebar an der Ecke, von der Ihr schon vorher was gehört hattet, geht rein, bestellt, und was kommt da? Ein Espresso aus einer dieser totgerösteten "Hausmischungen", der mit Noten von "Schokolade" angepriesen wird, fett und flach, viel Crema und halt einfach nur total laaaangweilig, was soll der immergleiche Scheiß? Da kann man ja auch gleich Jacobs Krönung trinken. Oder einen Latte Macchiato mit Sirup! Haben die kein Interesse daran, wo die Bohne überhaupt herkommt?


    In meinem Bekanntenkreis höre ich beide Seiten immer wieder, und wenn ich ehrlich sein soll, ich war schon an beiden Ufern. Es kotzt mich tierisch an, wenn mir von 3rd-Wavern erzählt wird, traditionelle Röstungen wären "totgeröstet", man schmecke nix mehr, alles gleich. Robusta sei Dreck. Oder umgekehrt, wenn mir jemand erzählt, "Ja die Bar sieht schick aus, aber einfach nur sauer, sauer, sauer, und die kommen sich vor wie nochwas, das ist nicht meine Baustelle..."

    Korrektur, es kotzt mich nicht an. Es macht mich ein bißchen traurig. Weil: Beiden Lagern entgeht einfach etwas! Etwas? Nein, ganz viel!

    Ich bin großer Weinfreund, und gebe regelmäßig so "Weinkurse", Einführungen für Einsteiger, mit 10-12 Weinen, die einmal durch den kompletten Garten gehen. Wer sich da ein bißchen auskennt: Vom leichtesten Weißwein aus den Pyrenäen über die Neue-Welt-Chardonnay-Bombe, vom jungen Pinot Noir bis zum rauchigen Spanier aus dem wüstenheißen Toro. Jeder Wein hat sein ganz eigenes Faszinosum. Und das Schöne: Auch wenn's nicht bei jedem funktioniert, es gibt immer wieder einen Teil der Leute, die genau das auch so empfinden. Die ganz begeistert sind von einem Wein, aber sagen: "Ist nicht mein Favorit, aber unglaublich, was der kann!" Das muß doch auch beim Kaffee funktionieren!

    @Chris G hat neulich so schön sein Erlebnis mit dem aus Versehen zubereiteten Extrem-Ristretto beschrieben. So ähnlich habe ich auch vor 11 Jahren zum Caffè gefunden: Ich habe mir aus Versehen einen Ristretto bestellt, weil ich nicht wußte, was das ist, und war dann komplett weggeschossen von der Geschmacksexplosion. Was da alles drin war!

    Beide Lager verpassen genau das, nämlich WAS DA ALLES DRIN IST! Mein Plädoyer: Wer in einem dieser Lager unterwegs ist, und nicht im anderen, sollte unbedingt mal ans andere Ufer fahren. Der Schlüssel, um dort Freundschaften zu schließen ist wie im richtigen Leben: LASST EUCH DRAUF EIN!

    Wie das geht?
    Baut Euch Euer eigenes Aha-Erlebnis!
    • Bestellt den Kaffee vom anderen Ufer und nehmt Euch 10 Minuten Zeit. (Das ist nicht lang, andere Glaubenskonvertierungen dauern erheblich länger).
    • In den 10 Minuten immer wieder schnüffeln und die letzten Tropfen aus der Tasse rauskratzen und schmecken. Und immer wieder nur positiv interpretieren, denn:
    • Wichtigste Regel: Ihr MÜSST das, was Ihr da trinkt, geil finden.
    • Motto: Was steckt hinter dem primären Eindruck wie "Säure" oder "Würze"?

    Es ist absolut faszinierend, welche Nuancen sogar Robusta haben kann, was sich alles hinter dem Primäraroma "rauchig" verstecken kann. Wie voll und wuchtig eine hausbackene Barmischung daherkommen kann, die dann aber trotzdem einen endlos langen Nachgeschmack hinterläßt, der sich entwickelt von zimtiger Würze über karamellige Süße zu Moment mal! Was das gerade eine Blumenwiese??? Kann doch nicht sein! Weiter! Geht's mit Bitterschokolade, jetzt kommt auf einmal doch noch etwas Saures, aber nur ganz kurz. Und dann wieder ein bißchen Rauch. Ganz anders als die Mischung von gestern, die genau gleich aussah, aber viel mehr in die Honigrichtung ging, mit allem was dazugehört.

    Und umgekehrt ist es total abgefahren, was in einer Extraktion aus megahellen Bohnen steckt! Säure? Ja klar, aber WAS für welche! Genau wie Wein nicht nach Wein schmeckt, schmeckt das Zeug nicht nach Säure. Eine Brombeere schmeckt ja auch nicht nach Säure. Sie hat Säure. Aber eben auch Aromen! Es ist m.E. absoluter Quatsch, daß derartige Caffè keinen Körper haben, im Gegenteil, sie sind wie ein süßes Elixier! Ein Elixier, was in der Primärnote vielleicht Grapefruit hat (was ungefähr der "Schokolade" am anderen Ufer entspricht, das ist fast immer da), aber dann? Welche Gewürze, welche Blüten, welche Früchte? Allein, wenn es schon nicht mit Grapefruit losgeht, sondern mit Orange, süßer, aufregender, prickelnder. Oder Ananas, noch süßer, immer noch prickelnd. Und dann? Schmeckt man Marzipan, oder helle Schokolade, Sauerkirsche? Wenn man sich darauf einläßt, ist es der absolute Wahnsinn.

    Ich habe oben eine wichtige Regel vergessen: Ignoriert den Kontext! Ignoriert die Gäste, ignoriert den Laden. Alles Idioten um Euch rum? Egal! Ihr könnt Euch, sofern Ihr in einer ordentlichen Exbressobar gelandet seid, zu 95% sicher sein, daß der oder die Barista von dem Produkt, was sie oder er da herstellt, leidenschaftlich fasziniert ist. Und dafür gibt es einen Grund. Ihr seid kurz davor, den zu entdecken.

    Viel Erfolg! Und viel Spaß!

    Chris
     
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  2. #2 Bob de Cafea, 22.03.2015
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    Seh ich ähnlich,

    wenn man sich auf irgendwas festlegt, dann schließt man automatisch andere Dimensionen aus.
    Diese Dimensionen entwickeln sich ja auch weiter und nach einer Weile kann es sich durchaus lohnen, wieder einen Versuch starten und plötzlich gibt es in diesem Bereich vielleicht auch eine Facette, die man mag.

    Kurzum,

    beim Kaffee probiere ich stets beide "Lager", wobei mir in beiden "Lagern" Röstungen schmecken und manche nicht.
    Meine Tendenz geht jedoch Richtung klassischer Röstungen, da ich in diesem Gebiet deutlich mehr Favoriten habe.

    Just my 2 ct
     
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  3. #3 gunnar0815, 22.03.2015
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    Chris toll geschrieben da stehe ich voll hinter dir.
    Genau so sollte man da ran gehen.
    Verstehe dieses Lagerdenke auch nicht.
    Danke das du das mal so gut auf den Punkt gebracht hast.


    Gunnar
     
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  4. #4 gunnar0815, 22.03.2015
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    Die aus allen Lagern trinken ist dann die 4th-taste Bewegung.:)
    Es kommt es nur auf Geschmack an.
    Da kann ich mich dann gut anschließen

    Gunnar
     
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  5. #5 jazzadelic, 22.03.2015
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2015
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    Hallo Chris
    Wenn Du mal Lust auf ein Crossover Erlebnis hast, dann fahr im Frühling doch mal raus nach Potsdam zu den Espressonisten. Du bekommst dort einen perfekten Flat White bezogen mit einer KvdW Spirit. Verwendet weden allerdings keine hellen Röstungen, wie man angesichts der Maschine vermuten würde, sondern nur Bohnen ausgesuchter und wechselnder Röstereien aus Italien wzB Salimbene oder Mokarico. Auch der angrenzende Laden ist eine Reise wert.
     
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  6. #6 domimü, 22.03.2015
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    Ich hatte erst gestern Besuch vom anderen Ufer da. War sehr harmonisch. :oops: Irgendwie ist das fast schon nicht mehr zweideutig.:oops:
    Darf ich nach dem Anlass für diesen Thread fragen? In meinem Bekanntenkreis gibt es den Streit Säure gegen Asche nicht mehr, weil beide Fraktionen ihren Espresso sorgfältig zubereiten und die jeweils andere respektieren. Durch gegenseitige Besuche kommen wir ganz automatisch immer wieder mit der anderen Zubereitung in Kontakt, und da sich mein Geschmack in den letzten 4 Jahren verändert hat, wette ich nicht darauf, dass ich in 20 Jahren noch dasselbe bevorzuge. Auch im KN wird nach meinem Empfinden nicht mehr so heftig darüber diskutiert, weil es inzwischen mehr Röster gibt, die bewusst eine Rösttiefe zwischen den genannten Extremen wählen - die Grenzen verschwimmen.
     
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  7. #7 Dirk2/3, 22.03.2015
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    Ich denke, fruchtige Note sollte ins Bild passen. Und es braucht auch Vorbilder.
    Wenn ich Schokolade mit Orangennote probiert habe als Tafelschokolade und
    dann so eine Geschmacksrichtung im
    Espresso wiederendecke, erschließt es sich einem auch eher.
    Dunkle Johannesbeere mag ich in Natura nicht. Zu herb. Errinnert mich an Kot..e.
    Eine rote Beere mit Zuckermilch ist aus meiner Kindheit.
    Das ist positiv belegt.
    Deshalb mag ich die Frucht auch im Espresso.
    Z.B.beui Ernst Nr.3
    Gruß
     
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  8. #8 torkscoffee, 22.03.2015
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    Wenn du dann in den in den Buena Vida Coffee Club in Potsdam gehst und danach zu den Espressonisten dann ist das Crossover pur.Die sind neu in Potsdam und verwenden noch Machhörndl Bohnen.Werden bald selber rösten.
     
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  9. #9 horst freiraum, 22.03.2015
    horst freiraum

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    Haha, ich hatte Dienstag genau dieses Erlebnis - wo's den Fred hier schon gibt, kurz ein paar Zeilen dazu:

    Ich latsche durch den Prenzlauer Berg, in den ich pro Jahr vielleicht noch ein-, zweimal komme obwohl ich in Berlin wohne, und muss nach einem Termin zum Zug. Oha, linker Hand ein Café, vielleicht da einen kleinen Espresso aufm Weg? Wie heißt der Laden denn... The Barn, da war doch was, ach ja, mal im KN gelesen, Third-Wave-Gedöns. Egal, mal reingehen! (Und hier sieht man: Chris' Ansatz des "auf jeden Fall geil finden" war da nicht am Start bei mir, eher eine Offenheit mit einer Prise Skepsis dem zu erwartenden Klimbim außerhalb der Tasse gegenüber) Erstmal über den Poller gestolpert: Richtig, da war ja die Kiste im Tagesspiegel, keine Kinderwagen erwünscht und so. Egal! Wir wollen ja Espresso!

    Und ehrlich - zum Geschmack komm ich gleich noch -, ich dachte, ich bin im Film: Wie kann man denn ein Klischee so ÜBERERFÜLLEN? Machen die das absichtlich? Nur in Stichpunkten: 20.000€-Maschine, iPad statt Kasse, autistischer Vollhipster an den Reglern (Bart, Wollmütze, tätowierte Unterarme, Lederschürze à la Schmied), und dann natürlich: ST ausspannen, Gruppe spülen, ST penibelst reinigen, ruff auf die Waage, mahlen, wieder wiegen, ein paar Krümel rauspulen, einspannen, Tasse samt Waage drunter... Ich dachte am Anfang, der übt! War ja ruhige Mittagszeit, da lernt man gerne neue Leute an... Aber nix, er ließ mich erstmal fünf Minuten stehen (nach dem obligarotischen Wortwechsel "Ein Espresso bitte" - "Sorry, my German is so bad!"), merkte dann, dass ich auf das Ding warte, fragte mich dann nach dem Namen und hieß mich Platz nehmen. Hat ungelogen 15 Minuten gedauert, aber es waren ja noch drei Mädels mit Cappuccino vor mir da!

    Egal, ich kürz das mal ab: Nachdem ich das Zuckerversteck gefunden hatte (Warnschild: "We suggest that you try our coffee without sugar" usw.), explodierte mir ein Fruchtsalat im Mund. Der Doppelte in der Capputasse (könnten sie auch mal irgendwo erwähnen, hatte nen Einfachen bestellt) war hell und fruchtig, und jetzt kommt Chris ins Spiel: Ich vertrage zu viel Säure nicht und stehe auf Barschlampen - aber es war in der Tat eine Erfahrung wert. Wenn ich mal wieder da bin, probier ich mal, wie sowas mit Milch schmeckt.

    Aber, sorry: Was alles jenseits der Tasse betrifft, war ich fassungslos. Das war mehr Satire als Wirklichkeit. Ich würde gerne mal jemanden privat kennenlernen, der da arbeitet. Wie funktioniert die Einstellungspolitik? Muss man alle Attribute mitbringen oder wird man da eingekleidet? Gehört der Autismus (die Tasse und ich, ich und die Tasse, die...) dazu? Uff!

    PS: Der Fred zielt auf persönliche Erfahrungen ab, daher hier meiner ganz alleinige persönliche Meinung - bittebitte erspart uns allen Kommentare à la "wenn's dir nicht gefällt, geh doch woanders hin" - danke im Voraus.
     
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  10. #10 jazzadelic, 22.03.2015
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    Nur kurz ein paar Bemerkungen:
    • Seit den 50iger Jahren gibt es die verschiedensten Szenekulturen, ob Ted oder Billy, Mod oder Hippies, Punk oder Waver, Avandgardist, Headbanger, Popper oder eben Hipster. Alle haben ihren eigenen Stil und ihre Läden, die diesen widerspiegeln. Kann man sich jetzt wirklich noch über sowas wundern, Szenen sind doch seit Ewigkeiten ein fester Teil unserer Gesellschaft und nichts Ungewöhnliches. Auch einen IPad halte ich für ein gesellschaftsfähiges Allgemeingut.
    • 20.000 Eur Maschine aber kein Bock, die Bohnen abzuwiegen wäre einfach ziehmlich dämlich. Den Fruchtsalat hast Du deswegen geschmeckt, weil er sie abgewogen hat und sauber gearbeitet hat.
     
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  11. #11 Olmo, 22.03.2015
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2015
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    Hallo Chris,

    diesen Text zu lesen hat sich nicht gelohnt !
    Es dürfte nur sehr wenig 3rd-Wave - Trinker im KN geben, die nicht mit dunklen Röstungen angefangen haben.
    Ich kenne keinen.
    Das Wissen, was dunkle Röstungen leisten können und was nicht, ist bei 3rd - Wave´lern also durchaus vorhanden.
    Das Trinken " aus allen Lagern " oder das " Bauen eines Aha - Erlebnis " ist eine Chimäre, denn wenn sich die Geschmacksnerven erst an eine Seite gewöhnt haben, ist ein spontaner "Genuß" auf der anderen Seite eher nicht mehr möglich. Man müßte die Geschmacksnerven erst wieder umerziehen.
    Ein Changieren zwischen hellen und dunklen Röstungen ist nur wenigen " vergönnt ".
    Der eine spuckt alles, was auch nur irgendwie nach Röstaromen ( vulgo Asche ) schmeckt, wieder aus. Genauso, wie der andere, dessen Geschmacksnerven keine Säure gewohnt sind, dieses " Batteriesäure - Plörre " wieder ausspuckt.
    .
    Ansonsten gilt, was Dominik in #6 geschrieben hat.

    Grüße Stefan
     
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  12. #12 G. Kappen, 22.03.2015
    G. Kappen

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    Es ist IMHO wie mit dem Wahnsinn bei einigen anderen Berufen. Es ist nicht unbedingt notwendig. Aber es hilft manchmal.
     
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  13. kenny

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    Hi,
    Ich habe auch schon oft über dieses Thema nachgedacht, mag ich doch beide Stilrichtungen, Qualität vorausgesetzt, ganz gerne. Zu dunkel mag ich allerdings nicht mehr und bevorzuge auch im Alltag einen Mittelweg.
    Mich stört vor allem bisweilen, dass third waver indirekt mangelndes Qualitätsbewustsein oder schlechten Geschmack unterstellen, wenn man Appetit auf herzhafte Röstung hat. Umgekehrt wird oft Snobismus unterstellt.
    Ich bin dazu übergagangen, die jeweiligen Röstungen als völlig unterschiedliche Getränke (Gerichte) zu betrachten.
    Ja, und ich wiege auch die Barmischung ab:)
     
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  14. #14 chris_weinert, 22.03.2015
    chris_weinert

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    Leute, danke erstmal für Eure zahlreichen Rückmeldungen! Ich komme gerade nicht zum Antworten, muß noch meine Ration für die Woche backen, aber auf jeden Fall später!
     
  15. awild

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    Das sehe ich anders. Mir hat der Text viel Spaß gemacht. Sicherlich hat das Lagerdenken, wie dominü schreibt, bei einigen nachgelassen. Aber man stolpert immer wieder über traurige Gestalten, die anderen fast zwanghaft mitteilen müssen, dass deren Kaffeegeschmack minderwertig sei, sie keine Ahnung hätten, Banausen oder Hipster-Idioten etc. seien. Und das nervt mich ohne Ende.

    Das ist sicherlich richtig. Ich kenne fast niemanden, der nicht mal Malabar-Fan war... ;)

    .
    Das mag für dich und andere zutreffen, aber eine Verallgemeinerung halte ich für unzulässig.

    Es soll ja sogar Leute geben, die Rot- UND Weißwein mögen. Oder Champagner UND Cognac. Von Sterneköchen liest man immer mal wieder (keine Ahnung ob das eine Legende ist), dass sie sich gerne mal extrem einfache und derbe Kost gönnen. Gibt es hier jemanden, der sowohl Sushi als auch Pommes mag? Burger und Filet? Milchreis und Kimchi? Barolo und Cola?

    Ich wage die steile These, dass der eine oder andere hier sogar schon mal Tee mit Genuss getrunken haben wird. :cool:

    Ein Teil des "Problems" rührt vermutlich einfach daher, das die doch sehr unterschiedlichen Getränke, ein robistalastiger, röstaromatischer Blend und ein hell gerösteter Single Origin und die hunderte von Zwischenformen alle den selben Namen tragen: Espresso. Hieße eine der Varianten z. B. Pressoex könnte/müsste/würde man sich nicht mehr darüber streiten können, wer oder was der wahre Espresso sei.

    LG Andreas
     
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  16. #16 turriga, 22.03.2015
    Zuletzt bearbeitet: 22.03.2015
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    Gerade weil ich wieder Spaß am Kochen gefunden habe, gefällt mir auch hier zumindest der Ansatz dieser " 3W-Bewegung" schon, den unterschiedlichen Eigengeschmack eines qualitativ hochwertigen Produktes mit Sorgfalt sehr zu betonen!
    Bei meinen Selbstversuchen im so konsequenten Mahlefitz oder auch im MvM komme ich bisher aber auch noch nicht über Attribute interessant/spannend hinaus, was ein Indiz für den hier schon beschriebenen Umgewöhnungsprozess sein kann (nicht muss)!
    Wenn in der Breite die Sorgfalt bei klassischen, italienischen Röstungen top wäre (selbst in Italien nicht oft erlebbar), gäbe es vielleicht diesen Trend gar nicht oder zumimndest deutlich schwächer!
    Das KN ist ja leider voll von Beschreibungen der Enttäuschten, die sich die Espresso- Qualität zuhause bereiten, welche sie außer Haus kaum mehr gefunden haben, aufgrund vielfälltiger, negativer Faktoren wie Automatendichte, unzureichend geschultem und/oder unqualifiziertem Personal, mangelnder Sauberkeit, mangelnder Qualität der Bohnen.........!
     
  17. #17 jazzadelic, 22.03.2015
    jazzadelic

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    Ich hab zwar früher auch sehr gerne dunkel getrunken, Malabar fand ich aber schon immer modrig, stumpf und wirklich ekelhaft. Dann lieber ein Manaresi Rosso. Der knallt wenigstens.
     
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  18. awild

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    Oh je, dann hast du aber wirklich Pech gehabt und schlechte Qualität erwischt. Ich bin zwar überhaupt keine Malabar-Fan mehr, aber soooo schlimm habe ich ihn noch nie erwischt...

    LG Andreas
     
  19. lumi

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    Für die Statistik: Ich mag den Malabar auch nicht ... ;)
     
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  20. Olmo

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    @awild
    naja Andreas,
    das dürfte das Problem sein, nämlich von was Du Fan bist.
    Das definieren wir vll. unterschiedlich.
    Helle Röstungen ( Espresso, ich rede immer nur von Espresso ) von Quijote oder Phönix sind für mich keine hellen Röstungen, d.h.hier kann imho auch nicht zwischen hell + dunkel unterschieden werden.

    Aber wenn Dir 100% dunkel gerösteter Robusta oder einer Kenianer von Workshop gleichermaßen schmecken kann, dann freu Dich einfach.

    Ciao Stefan
     
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