Tricolate Brewer - 22:1 Ratio

Diskutiere Tricolate Brewer - 22:1 Ratio im Brühkaffee Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hallo, Seid ein paar Tagen arbeite ich mich in den Tricolate Brewer ein. [ATTACH] Ich habe ihn aus Irland von pscoffeeroasters.ie für ca. 50EUR...

  1. #1 MartinAusW, 01.08.2021
    Zuletzt bearbeitet: 02.08.2021
    MartinAusW

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    Hallo,

    Seid ein paar Tagen arbeite ich mich in den Tricolate Brewer ein.
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    Ich habe ihn aus Irland von pscoffeeroasters.ie für ca. 50EUR mit 250g Kaffee gratis (also kostet der Brewer ca. 32EUR + 9EUR Versand + 9EUR für den Kaffee). Er besteht aus 3 Teilen und 82mm Rundfiltern. Das Konzept ist ähnlich dem melitta Tassenfilter aus den 50ern oder wenn man eine Aeropress ohne den Stempel herunterzudrücken brüht.
    Melitta-1-Tassenfilter-50er-Jahre-Originalverpackung.jpg

    Warum finde ich den Brewer interessant?
    Laut der Tricolate Seite und den ersten Versuchen von Scott Rao, kann man mit diesem Brühgerät Ratios von 22:1 brühen. Praktisch bedeutet dies, das man vielen wertvollen Kaffee spart.
    Theoretisch wenn man jeden Tag ca. 1l Kaffee trinkt, verbaucht man pro jahr ca. 22kg Kaffee bei einem 16,5:1 Ratio. Mit dem Tricolate und 22:1 wären es nur ca. 16,5kg. Also 5,5kg Kaffee den man gespart hätte. Das tut einerseits der Umwelt gut und andererseits auch dem Geldbeutel.

    Wie brüht man ihn?
    Es gibt von Scott Rao, einigen YouTube Quellen und auf der Tricolate Seite ein paar sehr ähnliche Rezepte... Feiner mahlen als für einen V60; 3:1 Bloom danach das restliche Wasser aufgießen. Man braucht keinen Schwanenhals-Wasserkocher, da das Wasser auf den "shower head" aufgegossen wird, der dann das Wasser "optimal" verteilt. => Ich finde nicht, dass das Wasser optimal verteilt wird. Es bleibt einiges an Kaffeepuler trocken. Deshalb ist es ratsam wärend des Bloom ordentlich zu "swirlen". Wer ein flaches Bett mag, kann nach 4 Minuten einen erneuten Swril durchführen. Die Druchlaufzeiten bewegen sich von 6 bis weit über 10 Minuten.
    Mein aktuelles Rezept => Einfach das komplette Wasser (wie beim Cuping) direkt ohne den "shower head" auf einmal aufgeben, so gibt es kein trockenes Kaffeepulver. Den "shower head" danach auf den Brewer tun, damit das Brühwasser nicht so schnell ausküht. Nach 4 Minuten einen leichten Swirl und warten bis das Wasser durchgelaufen ist.
    Tipp: Wenn die 82mm Filter alle sind, werde ich die "Melitta 1 Rundfilter (92mm)" nehmen. Die passen sehr gut und man braucht keine original Filter organisieren.

    Das nevt!
    R0000014.jpeg R0000015.jpeg
    Man muss ihn gründlich nach einer Brühung reinigen. An den Wänden sammelt sich übriges Kaffeepulver und Öle.

    Wie schmeckt er im Vergleich?
    R0000005.jpeg

    Im heutigen Rennen...Tricolate, V60 und April. :)
    Kaffee: Hoppenworth & Ploch - Äthiopien Filter - komplexe Fruchtarmonen, viel Süße und viel Körper - sehr hell geröstet
    Tricolate: 15g / 16 Klicks auf meiner Comandante / 330ml - 97°C - 1x330ml / 12:00 Durchlaufzeit
    V60 : 15g / 18 Klicks auf meiner Comandante / 240ml - 95°C - 4x60ml/ 2:40 Durchlaufzeit
    April : 15g / 20 Klicks auf meiner Comandante / 240ml - 95°C - 2x50mlcenter+70mlcircle pour/ 3:00 Durchlaufzeit

    Ergebnis des Vergleichs:
    Der Tricolate hatte im Vergleich eine leichte Bitterlichkeit im Abgang, wenig säure, viele florale Noten, viel Körper. V60 dagegen die meiste Säure, sehr komplex (florale und fruchtige Noten waren erkennbar) und allgemein sehr saftig. Der April (mein persönlicher Favorit mit diesem Kaffee): Säure war zwischen V60 und Tricolate, viel Frucht und teartig. ... Disclaimer: Alle Kaffees waren sehr gut und doch wahrnehmbar unterschiedlich. Ich wäre in einer Kaffee-Bar mit allen Kaffees sehr zufrieden gewesen! Es kommt also auf den persönlichen Geschmack an.


    Mein Fazit (nach ein paar Tagen)

    Ob man noch einen Brewer braucht, muss Jeder individuell entscheiden. Er ist für mich nicht besser oder schlechter als ein V60 oder April (oder Kalita, Aeropress, Gabi,...), sondern einfach anders. Etwas mehr Bitterlichkeit und schwerer als die anderen Brühmethoden. Meine Frau trinkt ihren Kaffee gerne mit etwas Milch, was die leichte Bitterlichkeit gut aufhebt.
    Bei dunkleren Röstungen kommen sehr gut die schokoladigen Aromen raus. Ich finde vorallem bei dunkleren Röstungen ist der Tricolate super und da stört mich die Bitterlichkeit nicht so stark (=> Bitter Schokolade ;) )

    Um die Bitterlichkeit aufzuheben, habe ich schon versucht etwas gröber zu mahlen. Dann schmeckt der Kaffee nur wässriger bei 22:1. Bei einem normalen Kalita/April Mahlgrad und einem Ratio von 16:5 (damit es nicht zu wässrig schmeckt) bleibt immer noch eine gewisse Bitterlichkeit erhalten...das scheint entweder an meinen Rezeptversuchen zu liegen oder eine Eigenheit des Tricolate zu sein.

    Alles in allem ein neues Spielzeug in meiner Kaffeecke, dass zum weiteren Experimentieren einläd. :)

     
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  2. #2 Krillseeka, 01.08.2021
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    Ich hab den Tricolate mittlerweile auch ins Herz geschlossen. Zum einen erreiche ich damit eine Konsistenz, die ich sonst nur mit der Aeropress schaffe und zum anderen hat es mir der Geschmack bei höherer Extraktion bei einigen Kaffees sehr angetan. An einem von bisher 4 getesteten Kaffees bin ich aber gescheitert und habe den V60 wieder raus geholt.

    Bei normaleren Durchlaufzeiten (unter 5 Minuten) und normalen Kaffee-Wasser-Verhältnissen bleibt zwar die Konsistenz, aber das Ergebnis ist meiner Meinung nach äußerst mittelmäßig.

    Scott Rao hat in einem seiner Videos zu dem Thema auf Instagramm erwähnt, dass man den Tricolate nicht zu sehr swirlen sollte da dadurch die Durchlaufzeit deutlich erhöht wird. Das kann ich nach meinen Tests bestätigen. Sweet spot scheint so bei jeweils 2-3 Kreisbewegungen beim Bloom und beim Drawdown zu sein.

    Mein Rezept ist derzeit:
    • 20g Kaffee sehr grob gemahlen. Bei der Niche Zero auf 85. Das ist ungefähr eine volle Umdrehung vom Nullpunkt der Skala.
    • 440ml kochendes Wasser.
    • 1:3 Bloom für ca. 45s
    • Gesamtzeit je nach Kaffee um die 6 Minuten.
    Die von Martin erwähnten längeren Durchlaufzeiten hatte ich auch schon probiert, aber ich konnte keine Verbesserung der Ergebnisse feststellen. Eine der Kaffees war so ab 10 Minuten auch schon über extrahiert. Das scheint stark vom Kaffee abhängig zu sein.

    Vor der Bestellung hatte ich mir relativ wenige Gedanken zur Kompatibilität mit einer konischen Mühle gemacht. Bei genauerer Betrachtung erscheint es aber logisch, dass weniger Fines besser für das Brühverhalten wären. Hat das schon einmal jemand in der Praxis getestet?
     
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  3. #3 MartinAusW, 19.08.2021
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    Heute wurde etwas gesiebt, um der Frage nachzugehen, ob ein homogeneres Mahlgut mit weniger Fines einen Unterschied macht.
    Es kamen 20g mit 15 Klicks in das Schüttelsieb einer XeoLeo. Somit waren alle "Fines" unterhalb 350 microns ausgesiebt und es blieben 16,5g übrig.
    Ich hatte Lance Hedrick über IG kontaktiert, der auch gerade mit dem Tricolate experimentiert, was sein Rezept Vorschlag für den Tricolate wäre und habe mich an seinen Tipps orientiert.
    IMG_4110.png
    Tricolate "Lance Hedrick Style Brew"
    1 Pour - 33g 95°C sehr langsam auf den Showerhead geben und 2 Minuten "bloomen" lassen (...sorry für mein denglish :) )
    2 Pour - 297g 95°C sehr langsam auf den Showerhead geben ... nach 5 Minuten war das Wasser durchgelaufen

    Geschmack: Trotz des 20:1 Verhältnisses schmeckt der Kaffee sehr stark, fast keine Säure erkennbar, viel Toast und Vanille mit leichter Orange, nicht so bitter wie ohne "Fines-raus-Sieben" => Ich hatte den Kaffee am Morgen aus einer Frenshpress (30 Klicks / 95°C / 15:1) und da schmeckte er komplett anders. Gute Säure, tropische Früchte mit etwas Jasmin und Vanille.

    Spannend, wie die Brühmethode einen Kaffeegeschmack komplett verändern kann. Mir fehlt noch die angenehme Säure im Ergebnis. Mal gucken wie ich die wieder "reinzaubern" kann.
     
  4. #4 oldsbastel, 01.09.2021
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    Ich habe gesehen, dass du auch einen Melitta-Tassenfilter hast. Den habe ich auch unter meinen "Oldtimern", aber mit 60mm Filtern. Hast du den Tricolate mal direkt mit dem Tassenfilter verglichen? Der Tassenfilter hat ja ebenfalls sehr lange Durchalufzeiten und ist ja im Prinzip gleich.

    Ich nutze allerdings keine Melitta-Papiere, da es die in 60mm nicht mehr gibt. Ich habe stattdessen 60mm Papier aus dem Gastrobereich im 1000er Pack. Ich kann aber nicht sagen, welcher Hersteller das ist.
     
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  5. #5 MartinAusW, 02.09.2021
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    Obwohl der Tricolate und Tassenfilter fast gleich aufgebaut sind, finde ich den Geschmack sehr unterschiedlich.
    Ich glaube das liegt an der fast doppelt so großen Fläche des Filters (80mm beim Tricolate = ca. 50qcm vs. 60mm Tassenfilter = ca. 28 qcm).

    Ich finde der beste Vergleich ist wie zwischen V60 = Tassenfilter und Kalita = Tricolate. ... ich weiß der Vergleich hinkt stark, aber was besseres ist mir nicht in den Sinn gekommen um es zu beschreiben. (V60 ist meist etwas Säure betonter, dafür hat ein Kalita mehr Körper.)

    Dem Tricolate fehlt es einfach an Säure. Egal was ich bisher ausprobiert habe, die Säure will nicht herauskommen. Entweder es liegt an meinen Versuchen oder das ist tatsächlich das Profil was man aus dem Tricolate rausbekommt.

    Falls Jemand einen Tricolate sucht, ich hätten einen günstig abzugeben. :D
     
  6. #6 oldsbastel, 03.09.2021
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    Ich glaube, dass bei mir die langen Durchlaufzeiten eher am Filterpapier liegen.
     
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