Verhaftung von Klimaforschern / Ungehorsam / Maßnahmen

Diskutiere Verhaftung von Klimaforschern / Ungehorsam / Maßnahmen im Was ich unbedingt noch sagen wollte... Forum im Bereich Kaffeeklatsch; Grundsätzlich wäre ich nicht gegen Nutztierhaltung, aber leider ist der aktuelle Zustand der Fleischindustrie (selbst auf Bio-Niveau) so schlecht,...

  1. yoshi005

    yoshi005 Mitglied

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    Grundsätzlich wäre ich nicht gegen Nutztierhaltung, aber leider ist der aktuelle Zustand der Fleischindustrie (selbst auf Bio-Niveau) so schlecht, dass ich mich vor einiger Zeit entschieden habe, das System nicht mehr als Kunde zu unterstützen und auf Fleisch zu verzichten. Für mich ist das sowohl ein Beitrag zur Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks als auch ein politisches Statement als Konsument.
     
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  2. taurui

    taurui Mitglied

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    Hi bichel,
    kannst dir ruhig mal Videos 2,3 und 4 anschauen wenn dich die Lage interessiert. Im Prinzip ist Video 1 eine sehr gut gemachte Darstellung genau des Punktes, der auch im Artikel gemacht wird. Und die anderen Videos zeigen auf, dass dieser Standpunkt nur darauf basiert, dass wissenschaftliche Studien vom Autor des Videos nicht gelesen oder nicht verstanden wurden.
    Im Artikel werden die gleichen Fehler gemacht: Es wird angenommen, dass bei einer rein pflanzenbasierten Anwendung nichts in der Landwirtschaft und Verwertung von Pflanzenbestandteilen geändert wird, sondern einfach nur so weitergemacht wird, wie bisher - nur eben, dass die Verwendung sekundärer Pflanzenbestandteile durch Nutztiere nicht genutzt wird und daher alles weggeschmissen wird.
    Ist das wirklich eine realistische Annahme?
    Mal davon abgesehen halte ich die reine Effizienzbetrachtung von lebenden, fühlenden Lebewesen für moralisch verwerflich. Beispielsweise wird über den "Broiler", also die Hühnerzüchtung für Fleisch, so gesprochen als wären das einfach nur Protein-Erzeugungsmaschinen.
    Bring mal bitte diese Vision über die Zukunft der Nutztierhaltung (maximale Effizienz) zusammen mit der Vision einer Tierwohl-orientierten Nutztierhaltung. Das wird nicht klappen.

    Über deine Antworten bezüglich (Re-)Naturierung von Nutzflächen kann ich nicht antworten, es sieht aus, als hättest du darin viel mehr Wissen, als ich.
    Daher mal eine Frage: Wenn (aus welchen Gründen auch immer) Weide/Grasfläche nicht mehr gebraucht werden würde, wie könnte man diese Flächen möglichst gut als CO2-Senke nutzen? Tiere dort gedeihen lassen, ganz ohne Nutzgedanken von Fleisch oder sonstigen Produkten, wäre das eine Idee?
     
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  3. Xavier

    Xavier Mitglied

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    Moore sollen ganz gute CO2-Speicher sein, aber unsere Vorfahren haben nicht ohne Grund ganze Landstriche trockengelegt. Ist vielleicht aktuell auch nicht das beste, an Dünger zu sparen und Flächen stillzulegen.
     
  4. bichel

    bichel Mitglied

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    @yoshi005
    Es war noch nie so einfach zu gutem Fleisch zu kommen wie heute- vllt habe ich Glück aber ich hab allein in meinem Umfeld 4 Bauernhöfe die ganzjährig Weidehaltung betreiben, tlw. Sogar am Hof schlachten und reines Grünfutter anbieten. Diese Bauern schicken dir das ganze sogar in Kühlkartons wenn du den direkten Austausch mit Ihnen nicht pflegen möchtest (was ich jedem empfehlen würde der hier über Landwirtschaft redet- einfach mal hinfahren und reden!)- das ist für mich also eine schwache Ausrede und bewirkt das falsche- das wäre so wie wenn sich hier alle die Interesse an handwerklichen Produkten, Produktion aus Europa, etc. plötzlich nur noch Equipment aus China und Bohnen von Dallmayr kaufen würden und dann beschweren das erstere Produkte nicht angeboten werden. Besonders lustig finde ich dann die meist gebildeteren gut verdienenden die weil die Haltungsbedingungen ja so schlecht sind zum Ersatzprodukt greifen- Vergleicht mal die kg-Preise -> wenn jeder für Fleisch soviel zahlen würde wie für die industriell verarbeiteten Ersatzprodukte wäre auch bei den Tieren eine bessere Haltung wirtschaftlich- Beyond Meat Faschiertes-> 13,30/kg, Gemischtes konv. Faschiertes-> 7,13/kg, Bauer in Direktvermarktung wie oben beschrieben-> 15/kg, meine Entscheidung wäre hier klar zu Gunsten der Direktvermarktung-> das wäre für mich auch ein Statement. Der Politik wird dein Konsumverhalten da ziemlich gleich sein- den Bauern. Aber vllt kannst du ja definieren was so schlecht an dem "System" ist. Ich finde es leider ziemlich traurig das das System Gemüse mit Billig-Erntehelfern auskommen muss, leider auch mein lokaler Bio-Betrieb, beim System Getreide das dort eine massive Rationalisierung der Anbauflächen zu einem Abbau jeglicher Landschaftselemente geführt hat. Bewusster Konsum kann mMn nur möglich sein wenn man alle Alternativen kennt und einordnen kann.

    Der Artikel geht vorallem davon aus das was für Menschen nutzbar ist auch von diesen direkt konsumiert werden soll und die tierische Produktion die Lebensmittel-Effizienz insgesamt erhöht- sowie Flächen in Produktion hält die nicht anders zu bewirtschaften wären. In der Landwirtschaft wird nix weggeschmissen- was jetzt nicht werdendet wird, also Pflanzenreststoffe wird zu Dünger umgewandelt- das ist so ziemlich die einzige Sparte die ohne den massiven Druck den wir ihr wirtschaftlich auferlegt haben schon immer im Kreislauf gewirtschaftet hat. Die Aussage des Artikels ist schlicht das wir über den Umweg Nutztier aus diesen Reststoffen oder unverwertbaren Stoffen Lebensmittel herstellen können und am Ende noch Dünger oder bisweilen Energie gewinnen können. Ich bin mir sicher viele Sparten möchten sich diese Reststoffe als zukünftige Rohstoffe krallen- ich möchte das ihr euch vor eurem inneren Auge mal ein Stück Acker oder Grünland vorstellt- welche Stoffe im Verlauf eines Jahres dort anfallen (Regen, Stickstoff, etc.) und davon weggenommen werden (Korn, Stroh, Fleisch Milch) wo diese Stoffe am Ende landen (Kläranlage 500km weiter, etc.) und wie sehr man es sich leisten kann bei einer Kreislaufwirtschaft die Humus aufbauen soll Reststoffe zu verlieren. @ taurui wenn du nicht Angestellter bist wird dich als fühlendes Lebenwesen die Führungsetage mit ziemlicher Sicherheit auch einer Effizienzbetrachtung unterwerfen. Und die Effizienzaussage ist dahin gemeint das natürliche Organismen einfach irrsinnig effizient sind- mir fällt spontan keine menschliche Erfindung ein die ähnlich effizient arbeitet wie ein natürlicher Organismus.

    Auch die Videos picken sich wieder ein paar Daten heraus vergleichen diese und vergessen auf landwirtschaftliche Zusammenhänge, natürliche Limitierungen die eben in der Praxis, ganz konkret vor Ort vorhanden sind und lassen andere Aspekte die ich in meinem ersten Post genannt habe vollkommen außen vor. Genau über die Kernaussagen des Artikels wird nicht seriös gesprochen während dieser Zusammenhänge recht unaufgeregt darlegt. Ich kenne einige Betriebe die von Milch auf tierlos umgestellt haben (wirtschaftliche Entscheidung)- dort wird jetzt Grünland kompostiert und Kräuter als „high profit crops“ angebaut, das ist Intensivstanbau mit häufiger Bodenbearbeitung der keinen nennenswerten Beitrag für die Ernährung liefert und auch nicht für die Biodiversität- Vorteil ist man muss sich keinen veganen Anpöbelungen hingeben, baut Cocktail-Minze an und ist safe.

    Wenn wir Gras als Lebensraum erhalten wollen dann soll es auch beweidet werden. Mit ist egal ob sich hier eine NGO oder irgend ein Naturschutz-Spaßverein Beschäftigung oder Fördergelder beschaffen möchte- eine nachhaltige Bewirtschaftung die auch noch produktiv ist, ist die beste Nutzungsmöglichkeit, ich halte nichts von rewilding Maßnahmen die durch Kapitalisten-NGOs und Großadel aktuell in Europa gefordert werden- auch weil ich keine afrikanischen Verhältnisse haben möchte wo die Haupteinnahmequelle Naturtourismus ist und die Menschen aus ihrem Lebensraum vertrieben werden (passiert in AT schon dort wo die deutschen Milliardäre sich ganze Landstriche einkaufen). Bis WIR eine exportorientierte Landwirschaft gefordert haben die uns und halb Afrika BILLIGST ernährt damit wir in Kaffeeforen über Mahlscheibengeometrien palavern können hat das Zusammenspiel aus Natur bzw. Kulturlandschaft und Lebensmittelproduktion ja auch noch sehr gut funktioniert und einen sehr vielfältigen Lebensraum gestaltet. Der Wunsch bei manchen ist halt, die Landwirtschaft soll sich ändern, den Rest bauer wir ein bissl CO2 neutral um und weiter gehts mit Luxus und Konsum- da hab ich aber meine Zweifel.

    Mich würde ehrlich gesagt auch interessieren wann alle die in diesem Thread über Landwirtschaft und Ernährung philosophieren das letzte mal mit einem Bauern gesprochen haben und nicht von einem Youtuber auf einem anderen Kontinent der allerhand Studien unterschiedlicher kleiner Teilaspekte zusammenträgt und ein Bild einer Landwirtschaft zeichnet das meist mit den lokalen Gegebenheiten nicht vergleichbar ist. Diese Youtube-Videos die als Quasi-Monolge geführt werden- das ist doch kein menschliches Format, kein aktiver Diskurs. Wenn dich etwas interessiert dann geh hin und schau es dir an ohne Filter dazwischen-> Know your farmer gibt ja schon in den USA, CSA, etc. Wer dem Thema so viel Relevanz zumisst sollte sich das bitte auch mal hautnah ansehen.

    Zurück zum wichtigen Sektor-ich habe kürzlich einen Artikel gelesen wonach man in Wien in knapp 10 Jahren aus Gas raus möchte (soviele Installateure gibts glaub ich gar nicht), einer Stadt in der viele Gasheizungen in Altbauten stehen die aufgrund der Mietgesetze jetzt schon nicht legal kostendeckend erhalten werden. Die Bevölkerung regt sich dann auf wenn diese Gebäude (32.000 Gründerzeithäuser, 1/3 der Wiener Bevölkerung und damit das Gesicht der Stadt) durch effiziente (weil mehr Wohnraum, Dämmung) neue Gebäude ersetzt werden (natürlich mit entsprechenden Mietpreisen). Ich bin gespannt wie man dieses Thema lösen wird.
     
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  5. #85 yoshi005, 05.08.2022 um 12:52 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 05.08.2022 um 14:58 Uhr
    yoshi005

    yoshi005 Mitglied

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    @bichel Danke für Deinen Beitrag. Für mich persönlich habe ich den Schluss gezogen, dass ich meine CO2-Bilanz verbessern möchte. Das geht mit Fleischkonsum denkbar schlechter als mit pflanzlicher Ernährung. Ich bin Mitglied einer landwirtschaftlichen Kooperative und hätte für meinen Haushalt auch kein Problem an "gutes Fleisch" heranzukommen. Spätestens beim Außerhauskonsum oder wenn doch mal etwas vom Fleischer gekauft wird (der inzwischen viel Zugekauftes in der Theke hat) oder in der Gastronomie hört die Nachvollziehbarkeit schnell auf.

    Zu meiner persönlichen Entscheidung: Die Forderungen nach besseren Produktionsbedingungen werden ja oft mit Argumenten gekontert, nach dem Motto, es wäre sozial nicht zumutbar, dass Fleisch zum Luxusgut wird. Aus meiner Sicht spräche nichts dagegen, die Regeln für die Tierhaltung so anzupassen, dass nur die von dir gepriesenen Beispielbetriebe übrig bleiben. Dadurch würden die Fleischpreise natürlich ansteigen, was große Auswirkungen auf den Stellenwert von Fleisch im Speiseplan. Für mich wäre das verkraftbar und zumutbar.

    Wenn ich das Gefühl habe, dass der respektlose Umgang mit Tieren und der nicht wertschätzende Konsum von Fleisch nicht in Ordnung ist, möchte ich mit "gutem Beispiel" vorangehen. Ich lebe gut, fühle mich gesund und kann mich ausgewogen und erschwinglich ohne Fleisch und Fisch ernähren. Was das politische Statement angeht, möchte ich mich einfach nicht dem Vorwurf aussetzen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Ich spreche mit vielen über meine Konsumhaltung und spüre in meinem direkten Umfeld positive Auswirkungen. Meine Kinder und Arbeitskollegen essen inzwischen deutlich weniger Fleisch, der Betreiber meines Lieblingsrestaurant führt nach vielen Gesprächen inzwischen mehr fleischlose Produkte und man kommt mit vielen Menschen in eine Diskussion über Nahrungsmittelproduktion.

    Übrigens kann man sich gänzlich pflanzlich ernähren, ohne auf irgendwelche "Fleischersatzproduke" zurückzugreifen. Für mich ist das eine Übergangstechnologie wie Plug-In-Hybride. Aber das ist ein anderes Thema...
     
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  6. bichel

    bichel Mitglied

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    Danke für deine Antwort- ich finde toll das du bereits "am Produzenten" bist um die dabei zu unterstützen Qualität zu fairen Bedingungen zu produzieren. Zum Thema Fleischkonsum und Produktionsbedingungen sehe ich es gleich- Die Haltung von Nutztieren muss nach den höchstmöglichen Tierwohl-Standards erfolgen- Preise die einen gemäßigten Konsum zur Folge haben sind mMn auch ok als Nebenwirkung folgt dann der Konsum vllt etwas mehr der Ernährungspyramide. Ich frage mittlerweile beim Auswärtskonsum nach den Produzenten- wird fair produziertes Angeboten wandelt sich die Karte automatisch.

    Wieder zu einem anderen Thema:
    Mich beschäftigt seit langem das Thema Zweitwohnsitz und Tourismus als Flächenfresser- kennt jemand von euch Aufarbeitungen zu diesem Thema. Wieviel Fläche/Bauvolumen wird hier ineffizient genutzt? In einem Interview eines Pariser Behördenvertreters viel der Satz:"... es muss zukünftig überlegt werden ob eine weitere Verdichtung der Städte angesichts des Klimawandels sinnvoll ist oder die bereits vorhandenen, von der Landflucht betroffenen Strukturen wieder besser ergo zu dauerhaften Wohnzwecken genutzt werden sollten, damit auch in den Städten die Lage nicht weiter verschärft wird"- evtl. hat Zuvca dazu schon wo etwas gefunden? Die Baubranche wird ja zT mit 40% am weltweiten CO2 Ausstoß beziffert. Ist dieser (temporäre) Leerstand nachhaltig, wird dem Massenexodus aus bestimmten Regionen "vorgebaut"?
     
  7. taurui

    taurui Mitglied

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    Hi bichel,
    Abermals wirklich vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich muss das nochmal deutlich sagen: Ich finde es sehr wertvoll, wenn meine Überzeugungen auf die Probe gestellt werden und ich vielleicht manche Dinge überdenken muss. Deshalb frage ich auch (ernsthaft), wenn ich Dinge nicht ganz verstehe. Zum Beispiel, wie man Brachland möglichst gut als CO2-Senke benutzen kann ...
    Nur leider versteckst du die Antworten hinter irgendwelchen für mich nicht nachvollziehbaren Beschimpfungen von irgendwelchen virtuellen Gruppen, mit denen ich nix anfangen kann (was ist ein "Naturschutz-Spaßverein"? Was sind "Kapitalisten-NGOs" oder "Großadel"?).
    Ich möchte dennoch ein paar Punkte erneut aufgreifen, denn im Moment könnte ich innerlich sehr schnell abblocken, will aber tiefer verstehen:

    1. "Es war noch nie so einfach zu gutem Fleisch zu kommen wie heute" - ja, kann sein, aber darum geht es hier im Thread ja nicht. Es geht darum, wie wir individuell und gesellschaftlich zu einem Wandel beitragen können, der zu CO2-Neutralität führen kann. Und *ich* kenne nur Studien, die mindestens eine starke Reduktion der Nutztierhaltung fordern (auch in dem Artikel, den du verlinkt hast, war von 2/3 Reduktion die Rede). Mal von dem moralischen Aspekt, Tiere unter qualvollen Bedingungen zu halten und ohne Notwendigkeit zu töten, ganz abgesehen, aber das ist halt ein anderes Thema...

    Ich möchte hier noch einen Punkt aufgreifen: Vegane Ersatzprodukte. Für Menschen, die sich nur oberflächlich mit dem Thema beschäftigen, ist das natürlich ein "gefundenes Fressen": Schließlich ersetzt man ein unbearbeitetes Produkt durch ein industriell hochverarbeitetes Industrieprodukt.
    Aber: Wie hier auch schon betont, hat das erstmal nix mit veganer Ernährung zu tun. Man kann sich omnivor mit hochverarbeiteten Industrieprodukten ernähren, und man kann sich seit kurzer Zeit auch vegan mit hochverarbeiteten Industrieprodukten ernähren.
    Aber: Man kann sich sowohl omnivor als auch vegan komplett ohne diese Produkte ernähren, und ist deutlich besser dran, wenn man das tut. Wenn man sich die Zeit leisten kann und sich "einarbeiten" kann in die Zubereitung.
    Für mich: Kein Unterschied, alles möglich, auch alle Zwischenformen.
    Du wirst allerdings zugeben müssen, dass die meisten veganen Ersatzprodukte im Vergleich zu den tierischen Industrieprodukten Vorteile haben: Sie sind fürs Klima besser, für die Umwelt besser und Tierleid wird minimiert.

    2. "Der Artikel geht vorallem davon aus das was für Menschen nutzbar ist auch von diesen direkt konsumiert werden soll und die tierische Produktion die Lebensmittel-Effizienz insgesamt erhöht". Ja, mag sein. Aber die effizienteste Verwertung von Nahrungsmitteln führt nunmal ohne Zwischenweg zum Menschen. Die aktuelle Massentierhaltung ist nur möglich, weil Kraftfutter mit menschen-verwertbaren Zutaten an die Tiere verfüttert wird. Egal, wie effizient ein Tier sein mag - die Verluste auf dem Weg zum Menschen sind doch erwiesenermaßen gigantisch.
    Und, wie gesagt: Mit den Flächen, die nicht zur Herstellung von direkten Nahrungsmitteln taugen, kann man eben andere Dinge anstellen: Herstellung von technisch verwertbaren Produkten, Renaturierung (in welcher Art auch immer) und wer weiß, vielleicht ist man erfinderisch und kann manche Dinge doch für die menschliche Ernährung nutzen, die man aktuell nicht nutzt. Es gibt genug Konzepte.
    Und Dünger? Stickstoffdünger kann doch industriell hergestellt werden, und Gülle ist aktuell die größte Bedrohung für das Grundwasser, die es gibt, und muss dringend reduziert oder abgeschafft werden. Oder bin ich da falsch informiert?

    Und hier noch was: Klar, ich werde von meiner Führung auch in meiner Effizienz betrachtet (ich bin Angestellt). Aber ich lebe nicht in einem Körper, der auf Effizienz gezüchtet wurde und deshalb ständig an vermeidbaren Krankheiten leidet und in meiner Jugend getötet werde. So passierts beim Broiler. Kein guter Vergleich.

    3. Videos: Naja, da du hier nicht auf ein konkretes Video oder konkrete Inhalte eingehst, kann ich dir hier nicht argumentativ entgegnen. Der wichtige Punkt ist aber: Es gibt wissenschaftlich fundierte Studien mit dem Konsens, dass die Nutztierhaltung verringert oder abgeschafft werden muss, um dem Klimawandel und vielen anderen ökologischen Problemen zu entgegnen. Wenn du inhaltliche Tiefe willst, musst du die eben lesen. Youtube-Videos schaffen das natürlich nicht.
    Deine Anekdote mit den Kräutern ist halt auch nur das - eine Anekdote. Es geht um große, tiefgreifende Veränderungen, die nötig sind.

    4. "Der Wunsch bei manchen ist halt, die Landwirtschaft soll sich ändern, den Rest bauer wir ein bissl CO2 neutral um und weiter gehts mit Luxus und Konsum- da hab ich aber meine Zweifel."
    Da sind wir uns absolut einig. Luxus, Konsum und Wachstum mit nem grünen Label wird nicht klappen.

    5. "Mich würde ehrlich gesagt auch interessieren wann alle die in diesem Thread über Landwirtschaft und Ernährung philosophieren das letzte mal mit einem Bauern gesprochen haben" <- muss ich zugeben, ist ne Weile her. Aber Bauern sind hier, sorry, auch nicht der beste Ansprechpartner, weil ihre Existenz ja von unserem System abhängt. Klar sind sie voreingenommen. Ich frag ja auch keinen Porsche-Mitarbeiter, ob man nicht vielleicht weg muss von Luxus-Autos und persönlicher Mobilität.

    6. "ich habe kürzlich einen Artikel gelesen wonach man in Wien in knapp 10 Jahren aus Gas raus möchte" ... ja, pff, is halt kacke. Geht der Mobilitäts-Branche auch so. Aber wie ist CO2-Neutralität denn sonst möglich? Erklärs mir. Alte Zöpfe müssen ab, auch wenns weh tut. Ich seh wirklich keinen anderen Weg, auch wenn ich gerne einen kennen würde. Denn je weniger man ändern muss, desto einfacher und umsetzbarer und erfolgsversprechender wäre es ja...

    Aber ich hab das Gefühl, wir treffen uns einfach nicht, weil wir bisher nicht Quellen angegeben haben, die tief genug greifen.
    Ich versuchs mal.
    Lesestoff:
    Nahrungsmittelproduktion und Klimaschutz
    https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1523119113
    https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/3/034015/pdf
     
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  8. zarmomin

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    @Zuvca ich habe vor ein paar Jahren angefangen mich mit dem Thema Spenden und möglichst hoher CO2-Reduktion/Vermeidung fürs Geld zu befassen und würde Giving What We Can (auf Englisch Best charities in 2022: Most effective charities that maximise impact) und allgemein das Thema Effektiven Altruismus als guten Startpunkt empfehlen. Viel Spaß im Kaninchenbau :)

    (edit: Tippfehler, danke Telefon)
     
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  9. Zuvca

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    danke!!!!! cool, schaue ich mir an!
     
  10. Xavier

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    Zu 5.: Meinst Du nicht, dass unsere Existenz ebenso von Landwirten abhängt? In Europa machen wir ihnen die Arbeit schon schwer genug.

    Zu 6.: So einfach geht’s halt auch nicht, wenn man sich nicht in vorindustrielle Zeiten zurückbegeben möchte. Wärmepumpe und Fernwärme sind nicht überall realisierbar, vor allem nicht in Altbauten. Kosten auch Geld. Wärme ist aber in unseren Breitengraden lebensnotwendig. Sollte man nicht vielmehr überlegen, wie man möglichst viele für sinnvolle Klimapolitik gewinnen kann, statt Politik gegen die Menschen zu machen?

    Über die Antwort würde ich etwas nachdenken. Demokratie ist es auch, wenn einem persönlich das Ergebnis am Ende nicht passt.
     
  11. Zuvca

    Zuvca Mitglied

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    ganz „lustig“, beim altbauproblem hängen wir auch grade. gasetagenheizung und es ist nicht klar, mit welchem aufwand eine luft-wärmepumpe eingebaut werden kann (ich lese michvgrade erst ein in das thema, experten mögen mir allen unsinn verzeihen.
    wahrscheinlich wird es aber schwierig, zumindest beim verfügbaren budget. die konsequenz die wir wahrscheinlich ziehen werden ist nun mittlerweile, doch eine andere immobilie zu suchen.
    aber selbst wenn: wie ist es mit dem verwendeten kältemittel? ich fürchte einen schlimmen hasenbau….
    aber damit geh ich wohl besser in den häuslebauer thread. ich fand es nur interessant dass wir hier gelandet sind und das ein hauptgrund unserer entscheidung geworden ist.
     
  12. taurui

    taurui Mitglied

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    Doch, klar. Bin auch dafür, dass Landwirte besser gestellt werden müssen. Und ich bin auch überzeugt davon, dass Nutztierhaltung summa summarum eher Scheisse für die Landwirte ist, aber ist auch egal.
    Ich kann ja gleichzeitig wollen, dass Arbeitsbedingungen besser werden (in der gesamten Nahrungsmittelindustrie) und trotzdem darauf hinweisen, dass ein Wandel notwendig ist.
    Warum ist das ein Widerspruch für dich?

    Zu den Altbauten: Ja, hast schon recht. Klimapolitik kann man nicht machen, indem man Leute ohne Heizung im Winter sitzen lässt. Aber ist halt auch echt müßig, die aktuelle Situation zu bedauern, wenn die notwendigen Veränderungen doch schon seit >30 Jahren bekannt sind und die Politik es einfach nicht vorbereitet hat.
    Wir brauchen also Lösungen, die niemanden frieren lassen. Gibt sicher Konzepte dafür, ich muss darauf vertrauen, bekannt ist mir gerade nix. Hoffen wir das beste.
    Aber die Klimakatastrophe einfach weiterlaufen zu lassen, weil es schwierig ist alle mitzunehmen, hat am Ende eben viel viel viel viel viel mehr Opfer, das muss jetzt einfach jedem bewusst sein.
     
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  13. Marshall6

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    Hallo zusammen,

    Interessantes Thema. Hier ein Link, der Mann polarisiert stark, für Mich hat er aber bei einigen Dingen gute Ansätze.


    Später mehr ..
     
  14. Barista

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    Die spannende Frage ist aber, was machen wir, wenn Millionen anderer Altbaubewohner die gleiche Idee und Lösung für dieses Problem finden?
     
  15. Marshall6

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    Man kann hoffen, das diese Altbauwohnungen dann unvermietbar werden und somit der Eigentümer modernisieren oder abreißen muss. Als Mieter habe ich nach aktuellem Stand das Glück in einem Haus mit Wärmepumpe zu leben und erstmal wenig bis keine höheren Heizkosten zu haben. Wäre das anders, wäre ich schon „gestern“ umgezogen.
    Der Mensch kann mit den Füssen abstimmen, bzw. mit dem Geldbeutel.

    Andere Frage:
    Mein Arbeitgeber ist aus meiner Sicht fürchterlich hinterher was erneuerbare Energien angeht.
    ( Keine PV Anlage trotz großem Dach, kein einziges Elektro oder Hybridfahrzeug, kein Jobrad, dafür Gasheizung, Energieverschwendung, etc.)
    Auf durchaus freundliche Hinweise zur Energiewende und verwandten Themen geht er nicht ein, sieht nur die Kostenseite.
    Was macht man da? Die Firma wechseln? Oder erstmal einen Energieberater kommen lassen?
    Ist quasi ein ähnliches Problem wie bei vielen Vermietern, nur das der Wohnungsmarkt knapp ist, der Fachkräftemangel in die andere Richtung geht.
     
  16. Barista

    Barista Mitglied

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    Manche Aussagen muss man sichern, bevor sie wieder geändert werden.
    Wenn dein Plan realisiert wird und alle Häuser abgerissen werden, bin ich mir sicher, dass du mir den Füßen abstimmen wirst, nämlich auf dem Weg zu Camping Berger, wo du dir dann ein schickes Zelt für die nächsten Jahre aussuchen kannst.
    Und um auf dem Niveau zu bleiben: Wo ist denn der Vorteil des Neubaus gegenüber dem Altbau? In beiden kommt doch der Strom aus der Steckdose!
     
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  17. yoshi005

    yoshi005 Mitglied

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    Bewohnbare Häuser abzureißen und neu zu bauen ist mit Sicherheit die schlechtmöglichste Lösung für Umwelt und Klima.
     
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  18. #98 Zuvca, 07.08.2022 um 11:28 Uhr
    Zuletzt bearbeitet: 07.08.2022 um 12:01 Uhr
    Zuvca

    Zuvca Mitglied

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    @Barista
    deine beiträge sind alle formal gleich, keiner für das gespräch produktiv, nur spitzen die auf diffusion zielen. kann man so machen, muss man aber nicht.

    @Marshall6
    das eine wäre eine kostenbetrachtung (auch mit hinweis, auf zukünftig veränderte gesetzgebung). falls er kinder hat, kann man ihn auch einfach mal im persönlichen gespräch fragen, wie er eigentlich damit umgeht, wie es seinen kindern gehen wird und ob er sich die zahlen mal selbst angeschaut hat. ob er weis, was das bedeutet für seine kinder (falls er welche hat). verhalten wird idR nicht über argumente verändert sondern über motivation, dh emotionale betroffenheit. die kann monetär oder sozial vermittelt werden.
    aber es ist ein mühsames geschäft.
    neulich habe ich aber mit jemandem gesprochen, nett, intelligent, der meinte, er hätte in der schule aufgepasst, wir seien eh am ende der eiszeit. da war ich dann sprachlos.
     
  19. Coffeetoffi

    Coffeetoffi Mitglied

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    Macht ihr was energieintensives? PV für den Eigenverbrauch kann ja schlicht und ergreifend auch echt schnell viel Geld sparen. Vielleicht kriegt man ihn mit so nem komplett rational betriebswirtschaftlichen Argument einfacher als mit emotionalem?
     
  20. Marshall6

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    Ich mag deine Art zu diskutieren nicht, aber immerhin hast du mein Zitat nicht verändert.
    Da steht auch modernisieren, was du ignorierst. Ich würde gerne in einem Zelt o.ä. im Wald leben, ist in D aber verboten.
    Vorteil des Neubaus: PlusEnergiehaus mit Strom aus der Steckdose, der selbst erzeugt und in einem Speicher gepuffert wird.
     
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