Ich würde heute gerne ein heikles und sehr sensibles Thema ansprechen, das mich schon seit meinen Anfängen hier im Forum beschäftigt, zu dem ich aber nicht Stellung nehmen wollte, solange ich nicht die Geräte hatte, um meine Überlegungen systhematisch überprüfen zu können. Sollte jemand von Euch bereit sein, mit mir darüber zu diskutieren, wäre ich dankbar, wenn das möglichst ohne die üblichen Spaßbeiträge ginge. (Und ja: Ich habe mich in diesem Punkt auch an die eigene Nase gefasst!) Und zerpflückt mich jetzt nicht gleich in der Luft - ich versuche selbst noch, "to come to grips with it" und schreibe sozusagen ins Unreine.
Es geht um die Frage, wer "den besten Espresso" macht, ob es dabei nationale Präferenzen gibt und ob der Aufwand, den einige von uns treiben - so auch ich - gerechtfertigt ist. Es ist ja ein häufig bemühter Topos, (der in seiner Häufigkeit, mit der er vorgetragen wird, geradezu zum gängigen Klischee geworden ist) die Italiener würden den allerbesten Espresso der Welt "mal eben so" mit links aus dem Ärmel schütteln. Kurz den ST unter den Dosierer - klackediklack, lässig unter den Anbautamper gehalten, eingespannt und Bezugsknöpfchen gedrückt. Besonders häufig liest man diese Ausflüsse romatischer Euphorie im späten Sommer, wenn die Foris nach und nach aus ihrem Italienurlaub zu Hause eintrudeln.
Ich war nartürlich auch schon einige Male in Italien, habe einige Zeit in Rom gelebt und war auch in anderen südlichen Ländern unterwegs, die man landläufig mit gehobener Kaffeekultur in Verbindung bringt. Und ich kann dieses Klischee nicht bestätigen! Ich habe erst ein einziges Mal in der Öffentlichkeit besseren Espresso getrunken als bei mir zu Hause! (Ich sage jetzt nicht wo und bei wem - einige hier werden möglicherweise demnächst das Glück haben, es selbst zu erleben. Nur soviel: diese Person treibt noch mehr Aufwand als ich und hat mir Jahre an Erfahrung voraus!) Und wie sollte das auch möglich sein. Wir alle wissen, wie viele Parameter in glücklicher Fügung zusammenspielen müssen, auf wie viele Einflüsse wir angemessen und individuell reagieren müssen, damit ein Godshot entstehen kann.
Ich habe in den letzten Jahren, ohne das hier öffentlich zu diskutieren, jeden Parameter, der für mich kontrollierbar war, einzeln auf die Goldwaage gelegt und systhematisch überprüft, wie sich seine Veränderung auf das Ergebnis auswirkt. Und jeder hier kann selber feststellen, dass diese Handtierungen sinnvoll sind, weil sie das Ergebnis in der Tasse positiv beeinflussen.
Nun dürfte klar sein, dass sich der Aufwand, den wir zu Hause betreiben, unter kommerziellen Bedingungen in der Gastronomie kaum umsetzen lässt - es wäre der Ruin jeder Bar, wenn die Gäste 5 Minuten auf ihren kleinen Braunen warten müssten. Unter den Bedingungen einer Bar können in den richtigen Händen natürlich großartige Ergebnisse entstehen, wenn ein erfahrener Barista seine Maschinen optimal auf die kommerziellen Anforderungen eingestellt hat: feinerer Mahlgrad, etwas angehobener Brühdruck, Temperatur nicht zu hoch, und vor allem eine gute Bohne. Den Godshot aber wird er im Betrieb nicht herstellen können - den führt er uns in seiner Küche nach Feierabend an seinen eigenen Geräten vor, sollten wir in den Genuss kommen, von ihm in seine Privatgemächer eingeladen zu werden.
So - ich hoffe, das war jetzt nicht zu wirr, um Euch den Leitgedanken näher zu bringen! Mich würde jedenfalls interessieren, wie Ihr das seht.


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