1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

New york city - Schwieriges pflaster

Dieses Thema im Forum "Weltweit" wurde erstellt von Host, 24. Mai 2005.

  1. Host Mitglied

    Beiträge:
    870
    Ort:
    Berlin
    Hallo,
    New York City gilt als schwieriges Pflaster, was Espresso angeht. Allerdings erschient kurz vor einem NYC-Kurzurlaub ein Thread in alt.coffee, der sich mit ebendiesem Thema auseinandersetzte. Also dachte ich, daß ich ein paar der dort genannten Empfehlungen ausprobieren könnte.
    Der ultimative Espresso soll bei Gimme Coffee in Brooklyn gezapft werden. Der Laden selbst liegt unscheinbar in der Lorimer Street, ist eine längliche, minimalistisch eingerichtete Box und wird von hippen und semihippen bakelitbrillentragenden Apple-Laptop-Leuten besucht. Drin steht eine zweigruppige Mirage von Kees van der Westen und sie benutzen tatsächlich diese heißdiskutierten Siebträger mit herausgesägtem Boden. Als Espresso wird ausschließlich ein Triple-Ristretto (!) gereicht, d.h. 21gr. Kaffee in ca. 30ml Flüssigkeit in ca. 35sec. Der erste Eindruck ist tatsächlich herausragend, - weich, fast säurefrei, schwer, erdig, schokoladig und enorm körperreich bläst einem der erste Schluck fast um. Ich kenne das nur von süditaliensichen Ultra-Ristretti, die kaum den Tassenboden bedecken. Der Nachgeschmack hält allerdings kaum fünf Minuten an und fällt danach in ein dumpfes Nichts zusammen. Hm. Zwei Stunden später nochmal getestet, diesmal ist er nicht mehr so ganz auf dem Punkt wie vorher. Es sind vordergründig säuerliche Noten zu schmecken, wie manchmal bei mir zuhause, wenn ich versehentlich durch zu feines Mahlen einen Extremristretto zustandebringe. Allerdings immer noch sehr trinkbar, Nachgeschmack - siehe oben.
    Also was war das? Laut alt.coffee einer der derzeitigen Walfahrtsorte der US-Espressopsychophateszene. Wäre der Laden in Deutschland würde das hier wohl nicht anders sein. Obwohl Espresso in dieser extremen Konzentration schon attraktiv sein kann, wird dadurch meiner Meinung nach Komplexität geopfert. Die Frage ist, ob ein komplexer Espressokaffee in einem Ultraristretto geschmacklich eingeebnet, oder wegen unkontrollierbarer Säurespitzen eher untrinkbar wird. Stimmt letzteres, dann haben die bei Gimme Coffee vielleicht ihre Bohnenmischung auf die Bedürnisse ihrer Interpretation von Espresso ausgerichtet und entsprechend Komplexität (also die Mischung von "hohen" und "tiefen" Noten) zugunsten von nur "tiefen" Noten optimiert. Was schade ist, denn ein guter Espresso lebt von solchen Geschmacks- und Aromaspielereien, die sich nach dem Trinken auf der Zunge fortsetzen.
    Aber wer weiß, vielleicht bin ich ja auch unfähig, die Komplexität dieses Espressos zu erkennen :(
    Alles in allem aber ein lohnender Ausflug. Wer demnächst nach New York fliegt und etwas Zeit hat, sollte den L-train raus nach Brooklyn nehmen und dort reinschauen.

    Gimme Coffee
    495 Lorimer street
    U-Bahnstation Lorimer Street, dann noch ca. 10min zu Fuß.

    Grüße
    Horst
  2. koffeinschock Mitglied

    Beiträge:
    4.323
    Ort:
    Deidesheim
    tja...*g* is halt so ne sache mit wallfahrtsorten...die einen entdecken nen jungbrunnen und können auf einmal wieder laufen und lassen ihren rollstuhl stehen - für die andren ist es eine enttäuschung, weil sie vielleicht durch berichte bedingt mit zu hohen erwartungen da hin gehen... :)
    also zählt letztlich nur eins: dein geschmack
  3. nobbi-4711 Mitglied

    Beiträge:
    5.271
    Ort:
    Würzburg/Magdeburg
    Hallo Horst,

    schöner Bericht. Endlich mal jemand, der sich ein amerikanisches Caffe-Mekka aus der Nähe angeschaut hat.

    Dass sie einem nur "Triple-Ristrettos" andrehen wollen, hat

    a) mit der vielgelobten amerik. Dienstleistungskultur wenig zu tun. Wenn ein Kunde nur einen Espresso will, sollte er doch auch einen Espresso kriegen, oder?

    b) mich mal wieder in meiner (zynischen) Vermutung bestärkt, dass es jenseits des großen Teichs vor allem auf die Extreme ankommt. Siehe kalifornische Abgasgesetze und Pick-Ups mit 8l-Motoren, dürre operierte Models und dicke Fastfood-Hintern, Jungfrauenvereinigungen und eine riesige Pornobranche etc.....

    Mal abgesehen davon, dass ich irgendwann auch mal schlafen will. Bei der Portion müßte ich den letzten des Tages ungefähr um 10 Uhr vormittags trinken...

    Mal wieder leicht kopfschüttelnd über die Auswanderer

    Greetings \\//

    Marcus
  4. afx Mitglied

    Beiträge:
    2.358
    Ort:
    München
    [color=#000080:post_uid0]Also bei Intelligentsia in Chicago bekommt man auch single Ristretti, allerdings nur Black Cat, die anderen Espresso Röstungen haben sie nicht im Ausschank. Bisher der Einzige Espresso meines Lebens der ohne Zucker perfect war.
    Zuhause war der auch recht lecker aber nicht so perfekt wie vor Ort. Dummerweise machen die dort auch die Cappus damit, da kommt er nicht ganz so gut.

    cheers
    afx
  5. Host Mitglied

    Beiträge:
    870
    Ort:
    Berlin
    Kleiner Nachtrag: der verwendete Kaffee war bei Gimme Coffee, war ihre "Leftist" Mischung.
    Kopiert von der Website:
    Aroma: lighter, but intense
    Taste: meadow, then hardwood smoke
    Body: petrol soft velvet
    Aftertaste: sweet, utterly fulfilling
    Das mit dem body kann ich unterschreiben.

    Generell ist es so, daß in den "ernstzunehmenden" Läden als Espresso minimal als doppelter Ristretto angeboten wird, Gimme Coffee aber auch Ninth Street Espresso im East Village treiben das mit ihren Triple Ristretti halt noch eine Stufe weiter.
    Apropos Ninth Street Espresso, - auch eine der alt.coffee Empfehlungen. Der Laden liegt in einer netten und entspannten Ecke des East Village. Drin steht eine FAEMA E61 Legend ("especially produced for the shop, blablabla" sagte der Barista, - wers glaubt). Bei Ninth Street konnte man sehen wie übel ein verunglückter Triple Ristretto schmecken kann - nämlich eine unerträgliche Mischung aus bitter und sauer. Die Topfpflanze im kleinen Vorgarten möge mir die Entsorgung des Tasseninhaltes verzeihen :). Es war kurz vor Geschäftsschluß, vielleicht war das der Grund für diesen Unfall.
    Tampen tun sie übrigens alle wie die Weltmeister. In einem Shop, Joe´s, im Greenwich Village, Waverly Place, wurde der Espresso sogar mit einer Stopuhr gestoppt ("It´s been 27sec, - so a little on the short side"). Das Doppel-Ristretto war aber ganz o.k.
    Der einzige Laden, der übrigens einen Einzel-Espresso anbot, war Sicaffè im Financial District, John Street Ecke Nassau Street. Er war sehr gut gemacht und wunderbar vielschichtig mit deutlich blumigem Aroma.
    Alles andere, z.B. die Italo-Sandwichkette Sbarro konnte man espressomäßig komplett in die Tonne treten (über Starbucks muß man ja kein Wort verlieren, außer daß der triple shot hazelnut soy latte venti schmeckte wie ein großer Eimer überzuckerter Flüssig-Nachspeise).

    Grüße
    Horst



    Edited By Host on 1117026079
  6. sebsei Mitglied

    Beiträge:
    661
    Servus,
    bin in drei Wochen in NYC und werde versuchen, den ein oder anderen Kaffeeladen anzulaufen - wenn ich auch eher zu der Fraktion gehöre, die die Angewohnheit der Amis, alles doublen und triplen zu müssen eher befremdlich findet.

    Ansonsten erwarte ich mir kaffeetechnisch nicht allzu viel. Die kleine French-Press reist jedenfalls mit, und der Preground-Lavazza (gehört in USA zusammen mit Illy zu den Hi-End-Italienern =:cool: wird's für zwei Wochen wohl tun.

    Grüße,
    Sebastian.



    Edited By sebsei on 1117088596
  7. Hausbrandt Mitglied

    Beiträge:
    260
    Ort:
    Frankfurt a.M.
    Hat jemand irgendwelche Neuigkeiten oder Tipps zu NYC?

    Bin in Kürze dort und stelle ich mich schon auf das Schlimmste ein (immerhin kenne ich dort einen hervorragenden Italiener, der einen super Espresso fabriziert...)

    Ansonsten wird das wohl eher schwierig.
  8. SvenM Mitglied

    Beiträge:
    52
    Ort:
    Hamburg
    Espresso USA

    Hallo,

    ich war im Juni zuletzt in NYC, damals auch bei allen 3 o.g. Cafes (9th Street, Joe, Gimme Coffee).

    9th Street war mit Abstand am Besten (Synesso, nicht E61), dann Joe (ebenfalls Synesso), mit viel Abstand (nicht nur räumlich) Gimme Coffee.

    Bei 9th Street hatte ich mind. 10 Kaffees (an verschiedenen Tagen...), die ohne Ausnahme sehr gut waren (wenn man double/triple ristrettos mag).

    Derzeit bin ich gerade in St. Monica und war die letzten Tage immer bei Caffe Luxxe (ebenfalls Synesso), der Kaffee kommt von Vivace und schmeckt ebenfalls ausgezeichnet. Selbst ohne Zucker... Hier werden Double Ristrettos gemacht, verschiedene Röstungen für Espresso (hell) und Cappucino (dunkel).

    Es ist sicher Geschmacksache, ich mag amerikanischen Espresso sehr gerne, ist halt anders als italienischer.

    Gruss,
    Sven.
  9. P Mitglied

    Beiträge:
    76
    Ort:
    Basel
    Re: Espresso USA

    Inwiefern? Schärfer geröstet?
  10. SvenM Mitglied

    Beiträge:
    52
    Ort:
    Hamburg
    Im Gegenteil, die Röstung ist eher hell ('norditalienisch'), aber die Zubereitung ist hier sehr speziell:

    ca. 17-18g im 2er Sieb, leidenschaftliches Dosieren, Verteilen und Tampen, vom Anschalten der Maschine bis zum ersten Tropfen Kaffee vergehen gut und gerne 10-15 sec, das Resultat ist ein samtiger, cremiger Kaffee.

    In Italien ist der Kaffee m.E. deutlich dünner und rauher (aber ebenso lecker).

    Italiener bereiten den Kaffee eher beiläufig, selbstverständlich und wenig kritikfähig zu (gibt meist auch nix zu kritisieren), wohingegen die Amerikaner das ganze interaktiver machen, ohne mit der Wimper zu zucken 5 Shots nacheinander wegschütten wenn sie einem nicht gefallen und sehr daran interessiert sind über Maschine, Bohne, Mischung, Wetter, Tamper etc. zu diskutieren.

    Ob einer der Kaffees besser ist lässt sich genauso leicht ermitteln wie die Frage zwischen Rotwein und Weisswein.



    Sven
  11. Hausbrandt Mitglied

    Beiträge:
    260
    Ort:
    Frankfurt a.M.
    Habe jetzt endlich zwei sehr empfehlenswerte Adressen in NYC, die uneingeschränkt empfehlenswert sind:

    Zibetto, gegenüber Starbucks :D 6th Avenue und 56th street.

    Betrieben von einem Italiener, der eine simple Espressobar aufgemacht hat. Bohnen von Danesi, ziemlich perfekt zubereitet. War meine Rettung in NYC !

    Macchiato, 44th street (hinter der Grand Central Station, östliche Seite).

    Ebenfalls Danesi und kaum ein qualitativer Unterschied zu "Zibetto" festzustellen, wobei ich der Meinung war, dass Zibetto noch etwas besser ist.
  12. I-Iealey Mitglied

    Beiträge:
    147
    Ort:
    Kassel
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Ich hab im Moment einen Mann in NYC - lohnt es sich, ihm einen Auftrag zu geben, dass er irgendwas bestimmtes mitbringt?
  13. ECM Mitglied

    Beiträge:
    137
    Ort:
    Berlin
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Kaffee wohl kaum....was sich lohnt, sind die Microplane-Reiben. Die sind in USA erheblich günstiger als hier in D.
  14. galgo Benutzerkonto gesperrt (E-Mail ungültig)

    Beiträge:
    7.164
    Ort:
    home of the brodwurscht
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    wie/wo grabt ihr eigentlich immer solche uraltthreads aus ???

    microplane really rocks :)

    gruß, galgo
  15. dondi289 Mitglied

    Beiträge:
    673
    Ort:
    Aichach-München
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Ich bekenne mich hiermit zu einem 'alte-kisten' Öffner!
    Soeben aus NYC angekommen, finde ich es nicht schlecht manche Infos zu aktualisieren od. sie auch immer noch zu bejahen.
    - Cafe Grumpy in Chelsea (www.cafegrumpy.com) kann ich sehr empfehlen! Die frischgerösteten Bohnen (Heartbreaker Espresso von NOVO) musste ich gleich mit einpacken!
    - Ninth Street Espresso fand ich sehr sehr gut! Wie bereits von SvenM im 2006 genannt, sind die 'Amerikaner' sehr genau, was die Zubereitung und deren techn. Ausstattung betrifft. La Marzoccos mit spezieller Beleuchtung (okay, wers mag), 21 gr Siebe für Tripleshots, rituelle Zubereitung (man spürt die Leidenschaft in der Handhabung)
    - Zibetto hat mich enttäuscht, war aber auch richtig rushhour, der Laden war voll, viel Hast und der Kaffee schmeckte etwas dünn.
    - dafür war der Cappu von eine Straße weiter in der 56sten im Le Parker Meridien Hotel angesiedelte Café the knave eine Wonne. Das Zusehen bei der Zubereitung machte genauso viel Spaß wie bei der Ninth str Espresso.
    Das Beherrschen der Maschine, das Abstreichen des Kaffeemehls etc.... alles in einem nicht nur ein Gaumenschmaus (Okay, ich gebe es zu, ich schwelge immer noch..). Verwendet wurde Counter culture coffee. Hier ein Doubleshot.

    tja, für mehr tasting hat die Woche nicht hergegeben..
    Unterm Strich muss man ja auch sagen, alles ist subjektiv. Der Kaffee ist wirklich anders als bei uns. Nicht besser oder schlechter, sicherlich aber auch anders geröstet, das sich nicht in Farbe ausdrücken lässt.
    Also, falls jemand nach NY kommen sollte, gutes Schuhwerk mitnehmen und losmarschieren, die Blocks sind nicht zu unterschätzen.

    Gruß,
    Daniel
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2009
  16. timdelbeck Mitglied

    Beiträge:
    110
    Ort:
    dresden
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    ja, in sachen ninth street schliesse ich mich an - richtig gut!
    mittlerweile drei filialen, und überall lecker ;)
  17. Gomez147 Mitglied

    Beiträge:
    483
    Ort:
    Paderborn
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Hi,

    war dieses Jahr 2mal in NYC. Beim ersten Mal im März hatte ich 9th street und Zibetto getestet. Ninth Street sehr gut, Zibetto war eine Katastrophe, obwohl der Laden leer war. Hatte einen schnell Cappu morgens, der war dünn, sehr wenig von der Menge her und geschmacklich langweilig.

    Habe beim zweiten Mal (letzte Woche) aber folgende Bar entdeckt mit 3 Filialen in NYC:

    HOME

    Wir waren auf der 58th Street. Cappu gab es mit Latte Art. Espresso war sehr ordentlich. Kaum Bittertöne, runder Geschmack. Etwas helle Crema. Aber sehr aufwändig zubereitet, anständig getampt, frisch per Direktmahler gemahlen, Cooling flush an der BG usw. Durchlaufzeit passte etc.

    2$ für den single shot, 3$ für einen Double. Echt netter Laden, auch mit nettem schwedischen Ambiente und Leckereien.

    Grüße,
    Gomez
  18. salvi Mitglied

    Beiträge:
    29
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Hallo,
    ich bin in Kürze in New York und wollte fragen, ob jemand irgendein besonderes Cafe empfehlen kann ... ? Die letzten Postings liegen ja doch schon länger zurück ...


    Wär super! :) DANKE!
    LG Matthias
  19. dondi289 Mitglied

    Beiträge:
    673
    Ort:
    Aichach-München
    AW: New york city - Schwieriges pflaster

    Also, mein Posting liegt finde ich nicht soweit zurück.. okay, was heisst das schon.. aber ninthstreet espresso und grumpy sind mittlerweile feste Grössen in NYC.. bei allen anderen kann ich nichts sagen.. Ich wünsche Dir Godshots, viel Spass und gute Reise!

    lg, daniel
  20. salvi Mitglied

    Beiträge:
    29
    AW: New york city - Schwieriges pflaster


    Danke! Ninthstreet hab ich schon vor einger Zeit die Homepage mal gesehen, grumpy ist mir neu .. werd beide testen und Euch dann berichten! :) Danke nochmals, lg

Diese Seite empfehlen