Anfängererfahrungen mit Lelit PL-81T und Eureka Mignon Specialita

Diskutiere Anfängererfahrungen mit Lelit PL-81T und Eureka Mignon Specialita im Espresso- und Kaffeemaschinen Forum im Bereich Maschinen und Technik; Hallo zusammen, wir haben uns eine Lelit PL-81T gekauft, nachdem unser Jura C65 Vollautomat nach ca. 6 Jahren den Geist aufgegeben und damit den...

  1. #1 coffeecat, 06.06.2021
    Zuletzt bearbeitet: 06.06.2021
    coffeecat

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    Hallo zusammen,

    wir haben uns eine Lelit PL-81T gekauft, nachdem unser Jura C65 Vollautomat nach ca. 6 Jahren den Geist aufgegeben und damit den Weg zu einer Siebträgermaschine geebnet hat. Zu der Lelit haben wir uns die vielfach empfohlene Eureka Mignon Specialita gekauft, sowie einen schweren Tamper (mit Feder) und eine Feinwage. Nach den vielen nützlichen Infos, die ich hier gefunden habe, möchte ich hier nun meine ersten Erfahrungen mit diesem Setup schildern.

    Meine ersten Versuche sind allesamt kläglich gescheitert, weil ich anhand der Bilder in der Anleitung das falsche Sieb für das Doppelsieb gehalten habe. Nachdem mir dieser Fehler aufgefallen ist, habe ich nochmal in der Anleitung gesucht, ob ich es in der Aufregung übersehen habe. Aber ich habe keinen Hinweis gefunden, dass auf der Unterseite vom Doppelsieb ein Piktogramm von zwei Kaffeelöffeln, vom Einersieb von einem Kaffeelöffel und im "ESE Sieb" von einem Kreis (/Pad) eingraviert ist. Man hätte drauf kommen können, aber diese Info hätte mir viele Fehlversuche und erste Verzweiflungserscheinungen erspart :D

    Abgesehen von der etwas dürftigen Anleitung, sind mir neben dem äußerlich sehr positiven Eindruck zur generell wertigen Verarbeitung an meiner Lelit folgende Punkte negativ aufgefallen:
    • Sie kippelt auf ebenem Untergrund. Ich muss etwas unterlegen bzw. zwischen das Gehäuse und den Fuß stecken, weil die Maschine sich sonst sehr leicht bewegt und Espressotassen beim Bezug wandern.
    • Die Auffangschale ist auf der inneren, Hinterseite aus meiner Sicht eher dürftig verarbeitet. Scharfe Kanten und an die hinteren Schweißnähte sind nicht ganz hochgezogen. Aber um die Schale zur Spüle transportieren zu können, sollte sie eh nicht zu voll sein. Trotzdem geht durch die Verarbeitung nochmal etwas Volumen verloren.
    • Der Wassertank ist unpraktisch zu handhaben. Mir ist noch nicht klar, wie ich den vollen Wassertank einsetzen soll, ohne in den Tank hineinzugreifen. Auch weil man zum entnehmen des Tanks viel Platz nach oben braucht (ich würde behaupten, es geht nicht unter Oberschränken auf Standardhöhe) werde mir wohl etwas überlegen, wie ich den Tank mit einem Trichter in der Maschine befüllen kann.
    Mir ist außerdem aufgefallen, dass die Standardtemperatur werksseitig auf 95°C eingestellt war. Ich habe diese direkt auf 93°C reduziert, weil ich an vielen Stellen gesehen und gelesen habe, dass dies eine gute Standardeinstellung wäre.

    An der Mühle sind mir trotz der ebenfalls insgesamt hochwertigen Verarbeitung folgende Punkte negativ aufgefallen:
    • Der Siebträger-Halter ist nach dem Einsetzen recht wacklig.
    • Das Gehäuse ist nicht exakt über dem Fuß befindet, sondern leicht versetzt.
    • Die Verschlussklappe am Bohnenbehälter ist sehr schwergängig öffnen und schließen lässt, die letzten 5 Millimeter sind nur mit viel Kraft zu bewegen.
    • Der Aufkleber mit dem Namen ist an einer Ecke nicht gut klebt und löst sich (wurde vermutlich mit fettigen Fingern aufgeklebt)
    Aber diese Punkte sollten einen ja nicht davon abhalten, damit leckeren Espresso zuzubereiten, was natürlich viel Übung ist, die ich noch nicht habe. Mir ist natürlich auch klar, dass die Anleitung der Siebträgermaschine einem nicht auf ein paar Seiten die große Kunst vermitteln kann. Nachdem ich also viele Youtube Videos gesehen und viele Beiträge zu dem Thema gelesen habe, möchte ich hier nun gerne meine ersten Erfahrungen teilen und vielleicht bekomme ich ja noch ein paar Tipps, die mir das Üben erleichtern.
     
  2. #2 coffeecat, 06.06.2021
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    Mein grundsätzlicher Arbeitsablauf:
    1. Maschine ist auf 93°C Temperatur geheizt und der Siebträger mit Doppelsieb ist eingesetzt
    2. Pulverbehälter auf die Wage und Tara
    3. Bohnen abwiegen
    4. Mahlgrad prüfen/einstellen und Bohnen mahlen. Änderungen am Mahlgrad nehme ich bei laufender, leerer Mühle vor.
    5. Pulver wiegen und ggf. Menge anpassen
    6. Siebträger entnehmen und mit einem Tuch trockenwischen
    7. Pulver lose in den Siebträger schütten und mit dem Finger gleichmäßig ohne Druck im Sieb verteilen
    8. Mit dem Tamper gleichmäßig grade anpressen, bis die Feder nachgibt
    9. Siebträger vorsichtig einsetzen
    10. Warme Tasse auf die Wage und Tara
    11. Extraktion starten und Ausfluss sowie Druck und Zeit beobachten
    12. Extraktion beenden, nachdem sich die Crema gebildet hat, max 30 Sekunden vergangen sind oder bevor die Tasse überläuft
    13. Espresso wiegen
    14. Siebträger entnehmen und Satz auf Channeling (Löcher) und Feuchtigkeit prüfen
    15. Satz ausschlagen und Sieb mit Pinsel reinigen
    16. Maschine kurz spülen, um die Dusche zu reinigen
    17. Gereinigten Siebträger wieder einsetzen
    18. Espresso rühren (damit sich die Schichten vermischen), verkosten & dokumentieren
    Wenn ich Tamping-Fehler am Channeling im Satz erkannt habe, haben diese Versuche natürlich keine Aussagekraft. Ich habe sie also weder gewertet noch beschrieben, sondern den Versuch genau so wiederholt. solche Fehler hatte ich bei den ersten Versuchen häufiger, aber jetzt kommt es schon deutlich seltener vor.

    Material:
    • Ich nutze Hamburger Leitungswasser mit 5,8° dH laut Info der Wasserwerke und habe den der Maschine beigelegten Lelit Resin filter (MC747) am Zulaufschlauch eingesetzt. Eine Flasche Volvic steht bereit , um den Unterschied auszuprobieren, sobald ich mit den Leitungswasserversuchen halbwegs zufrieden bin.
    • Als Espressso verwende ich den traditionell gerösteten Solino Espresso (dunkle Röstung in Trommelröster, 23 Min bei 200°C). Die Röstung war am 16.3. und ich habe die Packung letzte Woche geöffnet.
    Hier nun meine Versuchsreihe mit dem Doppelsieb:
    1. Als erstes habe ich versucht, einen guten Mahlgrad an der Mühle einzustellen. Dazu habe ich die Mühle im laufenden Betrieb ohne Bohnen langsam feiner gedreht, bis ich den Nullpunkt anhand des "Klirrens" der Mahlscheiben gehört habe und sofort wieder soweit gröber gestellt, bis es nicht mehr zu hören war. Die Skala des Stellrades war dann sogar relativ genau bei "0". Nun hatte ich gelesen, dass Menschen gute Ergebnisse erzielt haben, wenn sie bei dieser Maschine Espresso dunkler Röstung etwa 2 Ziffern vom Nullpunkt entfernt mahlen. Mit dieser Einstellung und den in der Lelit Anleitung empfohlenen 14g Mahlgut für den Doppelträger wurde laut Manometer Druck um 10 bar aufgebaut und es kamen nach ca. 20 Sekunden nur wenige, hochkonzentrierte Tropfen "Espresso" raus. Da mein Tamper ein Feder hat, gehe ich nicht davon aus, dass der Anpressdruck zu hoch war, sondern dass der Mahlgrad zu fein war.
    2. Ich habe den Mahlgrad also Ziffer für Ziffer gröber eingestellt, bis ich bei der Mahlgradeinsetllung "4" mit weiterhin 14g Pulver ca. 30g Extrakt erhalten habe. Allerdings gab es hier einen zügigen Durchfluss und einen feuchten Kaffeesatz, was wohl auf eine geringe Extraktion hindeutet. Das Manometer hat auch nur grade so 9 bar erreicht. Meine Vermutung: Zu grob gemahlen oder zu wenig Pulver.
    3. Als nächstes versuche ich also bei gleicher Mahlgradeinstellung (4) die Pulvermenge zu erhöhen. Da ich gelesen habe, dass (für Doppio) für 55mm Siebträger 14,5g Pulver und für 58mm Siebträger 16g Pulver empfohlen werden, erscheint es mir sinnvoll, bei meinem 57mm Siebträger 15,5g zu probieren. Das Extrakt fängt nach 7 Sekunden an aus beiden Auslässen zu tropfen, läuft dann schön dunkel in einer schmalen Linie und wird erst nach 20 Sekunden heller. Nach 30 Sekunden habe ich 25g Espresso bezogen. Ich glaube, es hätte mehr Extrakt in einer kürzeren zeit durchlaufen sollen. Optisch gefällt mir das Ergebnis, aber die Crema könnte etwas ausgeprägter sein. Geschmacklich ist mir der Espresso viel zu unrund, denn er ist scharf und sauer im Abgang. Aber es fällt mir aufgrund der Intensität schwer, den Geschmack überhaup richtig einordnen/beschreiben zu können. Der Kaffeesatz ist verdächtig feucht, das sollte er wohl nicht sein.
    4. Mehr Pulver hat also nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Ich bleibe trotzdem bei der Pulvermenge von 15,5g und stelle ich den Mahlgrad wieder feiner ein, auf "3", um einen weniger scharfen Geschmack zu bekommen. Nun stimmt die Durchflussmenge nicht, ich erhalte nur ca. 15g Extrakt mit sehr intensivem Geschmack und sehr feuchtem Satz.
    5. Der letzte Versuch war vielleicht auch Quatsch. Mit Mahlgrad 4 hatte ich aus 15,5g Pulver nach 30 Sekunden 25g Extrakt. Feiner machen verringert die Durchflussmenge und die Konzentration wird höher. Hätte ich mir eigentlich denken können. Also gröber mahlen statt feiner.
    6. Mühle auf Mahlgrad 5, bis ich 15,5g Pulver habe. Das Extrakt kommt nach 5 Sekunden, wird nach 10 Sekunden blond und nach ca. 15 Sekunden stoppe ich weil die Tasse mit 45g voll ist. Der Satz ist feucht, trocknet aber nach dem rausnehmen innerhalb von 2 Sekunden gleichmäßig aus. Optisch bin ich zufrieden, geschmacklich erwarte ich nicht viel. Aber: Es ist geschmacklich bisher das beste Ergebnis! Noch etwas cremig und Ansätze von Ballance erkennbar. Aber auch sauer und ich bin natürlich längst noch nicht zufrieden.
    7. Weiter rantasten über den Mahlgrade. Mühle auf Mahlgrad 4,5, bis ich 15,5g Pulver habe. Das Extrakt kommt wieder nach 5 Sekunden, wird wieder nach 10 Sekunden blond. Ich lasse insgesamt 25 Sekunden bei ca. 8,3 bar laufen und erhalte mit 63g eine sehr volle Tasse. Der Satz ist feucht, trocknet aber auch wieder schnell. Optisch gut, geschmacklich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
    8. 15,5g Pulver auf Mahlgrad ca. 4,25: Extrakt kommt nach 5 Sekunden, wird wieder nach 13 Sekunden blond. Ich lasse insgesamt 25 Sekunden bei ca. 8,9 bar laufen und erhalte mit 48g eine volle Tasse. Der Satz ist feucht, trocknet aber auch wieder schnell. Optisch gut, geschmacklich noch ein guter Schritt in die richtige Richtung. Noch ein wenig sauer, aber auch kräftig und aromatisch :)
    Nachdem der Mahlgrad vorhin bei 4 noch zu fein war, müsste die optimale Einstellung wohl irgendwo zwischen 4 und 4,25 liegen. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich in so kleinen Schritten bewegt und ich wohl schon so dicht dran gewesen bin. Da ich langsam Herzrasen bekomme, es aber nicht übers Herz bringe, den Espresso wegzuschütten, werde ich hier wohl erst morgen weitermachen…

    Ich habe große Freude am ausprobieren und keine konkreten Fragen. Nützliche Tipps nehme ich aber natürlich gerne und dankbar entgegen :)

    Cheers!
     
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  3. #3 Mck9934311, 06.06.2021
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    Toller Bericht. Danke dafür. Freue mich auf weitere Berichte.
     
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  4. Lancer

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    Probier es doch mal mit frischen Bohnen. Zwei Wochen alt statt drei Monate.
    Gibt einige gute Röstereien hier in Hamburg die immer frische Bohnen auf Lager haben.
    Siehe hier: Hamburg?!
    Drei Monate alte Bohnen kämen mir z.B. nicht ins Haus.
    Ich frage immer nach dem Röstdatum.
    Am liebsten ist es mir, wenn es nur ein paar Tage her ist.
    Röstdatum älter 3 Wochen nehme ich gar nicht erst mit.
     
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  5. #5 Achim_Anders, 06.06.2021
    Achim_Anders

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    Danke für deinen tollen Einblick und super strukturierten Bericht.
    Vielleicht darf ich eine Anmerkung machen:
    Damit verteilst du zwar oben das Mehl, aber eventuelle Hohlräume bleiben bestehen.
    Ich fummele nicht mit den Fingern im Mehl, sondern schüttele den Siebträger leicht, bis ich eine einigermaßen Ebene Fläche habe.

    Dadurch kann ich danach Tampen und vermeide eventuelle Hohlräume von Beginn an.

    Das Schieben mit Fingern würde ich sein lassen.
    Einerseits aus hygienischen Gründen, andererseits weil das schütteln bei gleichem Ergebnis oben sowohl einfacher, als auch unter der Oberfläche zu besserem Ergebnissen führen dürfte.

    Viele Grüße und viel Spaß!
     
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