Beton ?!

Diskutiere Beton ?! im Was ich unbedingt noch sagen wollte... Forum im Bereich Kaffeeklatsch; Heute werden Größenordnungen mehr Holz gerodet als damals. Aufforstung? Zum allergrößten Teil Fehlanzeige. Wenn dann noch anfangen würde, mehr aus...

  1. #21 Moccinist, 12.03.2018
    Moccinist

    Moccinist Gast

    Aus meiner Sicht gehen hier verschiedene Sachverhalte durcheinander:

    1. Wird der Tropenwald nicht abgeholzt, um daraus Baumaterial zu gewinnen, sondern um Flächen für Mais frei zu machen, der übrigens zur Ernährung der US-Rinder dient.
    2. Wird Tropenwald auch brandgerodet dort, wo die Armut in bestimmten Ländern den Nomaden kaum eine andere Wahl läßt - eine Folge der krass ausbeuterischen Weltwirtschaftsordnung.
    3. Werden Tropen- und Savannenbäume auch oft abgeholzt, um den europäischen und US-amerikanischen Bedarf an Grillkohle zu befriedigen.
    4. Ist Nachhaltigkeit ja generell nicht mit "Natur" oder ökologisch wertvoll zu verwechseln - auch wenn eifrige Greenwashingkampagnen heutzutage alles und jedes mit "nachhaltig" im Sinne von umweltverträglich ausweisen wollen.

    Nachhaltigkeit ist zunächst (vgl. den Link bei @turriga in Post #16) ein durch und durch ökonomischer Begriff: Die Holzwirtschaft wollte andauernde Ertragsmöglichkeiten und hatte zu diesem Zweck ein gewisses Waldmanagement eingeführt. "Nachhaltig" kann also jede Art der Profitwirtschaft sein - mit Ökologie oder der Belassung der Umwelt in einem Urzustand hat das aber nichts zu tun. Ich habe öfter den Eindruck, dass gewisse Kampagnenplaner die Unschärfe des Begriffs bewusst nutzen, um die Adressaten zu täuschen.

    Was Produkte aus Beton betrifft:

    Der Betonindustrie kann es ja sehr recht sein, wenn Espressomaschinen oder Stereoboxen aus diesem Werkstoff hergestellt werden - schließlich werben sie schon seit eh und je mit dem Spruch: "Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht."
     
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  2. hawi

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    Doch, ist er. Wenn der Urwald erst mal weg ist, ist er weg. Schau' dir mal die kläglich scheiternden Aufforstungsversuche in Borneo oder im Amazonas-Becken an. Das funktioniert nicht. Der Boden ist tot, wenn die ursprünglichen Bäume erst mal weg sind.
     
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  3. #23 S.Bresseau, 12.03.2018
    S.Bresseau

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    Das ist aber schon eine sehr eigenwillige Schlussfolgerung. Der Begriff wird auch anders verwendet. Mag sein, dass er im Forstbereich eine bestimmte Bedeutung hat und dort das Gewinnstreben im Vordergrund steht, aber eigentlich ist heute damit gemeint, dass man nicht verbrauchend handelt, sondern dass die Ressourcen regenerierbar sind. Das ist nach meinem Wissen aktuell nur bei pflanzlichen Baustoffen der Fall, die kompostierbar sind oder verbrennen können, das CO2 wird ja wieder zu Biomasse - solange der Kreislauf stimmt. Was er seit 200 Jahren nicht tut, und was uns bzw. unseren Nachkommen noch gewaltig auf die Füße fallen wird.
     
  4. hawi

    hawi Mitglied

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    Richtig. Das Problem ist, dass das Waldmanagement nur funktioniert, wenn der Boden das mitmacht. Und das ist gerade mal in Mitteleuropa und einigen wenigen Regionen der U.S.A. und der entsprechenden Klimazone in Asien so, wobei letztere aber nicht groß ist. Überall in den Tropen und in den nördlicher gelegenen Regionen mit Kontinentalklima (Sibirien, ensprechende Regionen Asiens, Kanada, ...) funktioniert das nicht, weil der Wald entweder viel zu langsam nachwächst (wir reden ja schon hier in D von Generationen) oder in den Tropen der Boden schlicht tot ist und dort gar nichts mehr wächst.
     
  5. #25 turriga, 12.03.2018
    turriga

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    Keine Ahnung warum, aber offensichtlich möchtet du mich gar nicht verstehen, bzw. sogar missverstehen. Ich habe mit keinem Wort geschrieben, dass ich das gut heiße, was mit den Regenwäldern passiert und mir ist auch die Problematik bewusst, dass eine Aufforstung dort an ihre Grenzen gerät (aus den von dir ja schon genannten Gründen), allerdings bedeutet dies mMn nicht, dass nachhaltiges Wiederaufforstung in Regionen, in denen dies durchaus möglich ist, eine sinnvolle Alternative darstellt.
     
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  6. #26 hawi, 12.03.2018
    Zuletzt bearbeitet: 12.03.2018
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    Doch, ich habe natürlich verstanden, was Du geschrieben hast. Das Problem, das Du geflissentlich ignorierst, ist, dass es auf Welt einfach viel zu wenige Regionen gibt, in denen man solches "Waldmanagement" betreiben könnte, wie es hierzulande gemacht wird. Damit lässt sich bei weitem nicht genügend Holz produzieren, um einen so extrem gesteigerten Bedarf zu decken. Schau' dir doch mal Rumänien an. Da wird gerade nahezu der komplette Wald für einen Winz-Konzern wie IKEA abgeholzt. Selbst wenn die Aufforsten würden, würde es nicht reichen, weil einfach nicht genügend nachwachsen kann in der Geschwindigkeit. Und das ist eine der wenigen Regionen, wo das Management von den klimatischen und geologischen Voraussetzungen funktionieren könnte.

    Edith sagt: schau' dir mal diese Tabelle mit den sog. Umtriebszeiten der hierzulande üblichen Bäume an. Da guxtu... o_O Da managt man die Bäume für seine Urenkel. In Regionen mit Kontinentalklima dauert das Wachstum nochmal deutlich länger - also kein Management möglich. Und in tropischen Regionen gibt es, wie schon mehrmals gesagt, das Problem mit den Böden, die weg sind, wenn der ursprüngliche Bewuchs weg ist.

    Wobei ich auch hier meine Zweifel habe, ob man das, was der Forst da im Wald tut, als nachhaltig bezeichnen kann. Bei uns in der Region sind sie mal wieder während der schlimmsten Regenzeit mit dem schweren Gerät (Harvester, fette Traktoren, 40t-Sattelschlepper, ...) in die Wälder eingefallen und haben gerodet, was der Wald hergegeben hat. Dabei wird der Boden so verdichtet, dass da auf absehbare Zeit nichts mehr wachsen kann. Sehr nachhaltig. :confused:
     
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  7. #27 Moccinist, 12.03.2018
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12.03.2018
    Moccinist

    Moccinist Gast

    Das Problem steckt im "eigentlich ist damit gemeint". Der Begriff ist aktuell diskursiv umkämpft. Deine Definition und Auffassung ist eine ethisch sehr akzeptable und ich würde ihr auch gerne zustimmen. Aber kürzlich habe ich bei uns im Stadtviertel Plakate gesehen, wo ein Mobilfunk-Reseller doch tatsächlich seine Mobilfunkflatrate als nachhaltig ausgewiesen hat. Und beim wissenschaftlichen Springerverlag gibt es seit noch nicht so langer Zeit einen Band "Nachhaltigkeitswissenschaften". Ich habe festgestellt, dass sehr verschiedene Akteure mit bestimmten Interessen sich dieses Begriffs bemächtigen - und zwar nicht aus puren erkenntnistheoretischen Impulsen heraus, sondern weil das Mitmachen beim Labeln mit diesem Begriff offenbar nützlich ist. Dann kommt das Übliche: Jede Menge Papers, Aufsätze und vielleicht sogar Lehrstühle zur Nachhaltigkeit werden installiert - und formen die öffentliche Begriffsbildung in ihrem Sinne aus. Mit "Umweltschutz" oder Ressourcenschonung haben diese Akteure oft gar nichts am Hut - eher mit dem Gegenteil. Aber man braucht öffentlichkeitswirksame Legitimationsmittel - und die beschafft man sich halt.
     
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  8. #28 gunnar0815, 13.03.2018
    gunnar0815

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  9. #29 Kuckuck24, 13.03.2018
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    Beton?!
    Ich mag euch, ihr verrückten Kaffeeleute.

    Ich bin beeindruckt, was ich hier so alles lesen kann. Das Thema Nachhaltigkeit hatte ich nicht so richtig im Kopf bei meiner Eingangsfrage? Und nun wird hier hin und her diskutiert. !!!
     
  10. Piezo

    Piezo Mitglied

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    Sorry, überlesen ...
     
  11. Germi

    Germi Mitglied

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    Schön zu lesen dass doch einige noch auf die Eingangsfrage eingehen.
    Man kann ja kaum noch eine Frage stellen ohne direkte Horden von Weltverbesserer gern aufzurufen die alles ankreiden was man finden kann
    Natürlich wohnt ihr alle unter freien Himmel und er Nerd euch von dem was ihr bereits abgestorben auf dem Boden findet.
    Etwas mehr Verhältnismäßigkeit wäre angebracht, überleg mal was ihr in eurer nachhaltig produziert können und biologisch abbaubaren Kaffeemaschinen ein füllt
    Das habe ich jetzt geschrieben während ich in meiner Betreuern Bude Sitze und mit meinem, mit seltenen Erden Folge Punkten Smartphone tippe


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  12. #32 S.Bresseau, 14.03.2018
    S.Bresseau

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    Bin weit davon entfernt Weltverbesserer zu sein. Ich habe ein Auto, esse hin und wieder Fleisch, heize mit Gas und verreise gern per Flugzeug.
    Es ging darum, ob Beton per se nachhaltig ist. Das ist er streng genommen nicht.

    Nur nebenbei: Bei der neuesten Raab-Show "Das Ding des Jahres" hat ein Autozubehör den Preis als Beste Erfindung gewonnen: ein faltbarer Anhänger. Unfassbar, deutscher geht's nicht. Sowas kann man sich doch leihen, wenn man keinen Platz hat.
    Aber Nummer Zwei war Einweggeschirr aus Blättern. Ziemlich genial. Vielleicht tut sich ja doch was.
     
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