ICoffee S-100CR Theorie und Praxis

Diskutiere ICoffee S-100CR Theorie und Praxis im Vom Rohkaffee zum Selbströster Forum im Bereich Rund um die Bohne; Liebe Gemeinde ... Wenn man zum Thema ICoffee die Foren durchsucht fällt auf, dass die Faktenlage sehr dünn ist. Ein paar Verweise auf Sweet...

  1. #1 Murmelbruder, 03.03.2014
    Murmelbruder

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    Liebe Gemeinde ...
    Wenn man zum Thema ICoffee die Foren durchsucht fällt auf, dass die Faktenlage sehr dünn ist. Ein paar Verweise auf Sweet Maria und ein paar allgemeine Aussagen auf Grund von Youtube Filmen. Fazit: Nichts Genaues weiß man nicht. Es hieß, eher finger wech. Ich will mit diesem Beitrag versuchen mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

    Für damals 600,- EUR habe ich direkt in Südkorea den Röster bestellt. Der Preis ist inkl. MwSt., Zoll und Versand. No Risk No Fun.
    Was soll ich sagen: Nach gut einem Jahr und ca 20Kg Kaffee habe ich die Entscheidung nicht bereut. Der Röster läuft sehr gut, zuverlässig und bringt gute Röstergebnisse. Aber es gibt einige Einschränkungen und Dinge zu beachten, auf die ich gleich noch eingehe. Mein unbedarfter Start mit dem Gerät war alles andere als einfach.
    Grundsätzlich ist der Röster für seine asiatische Herkunft recht solide gebaut. Der 2012 von mir gezahlte Preis war sicher etwas zu hoch. Inzwischen bekommt man das Gerät in der EU für unter 400,- EUR was meines Erachtens ein gutes Preis / Leistungs-Verhältnis darstellt. Einzig der Griffansatz am Rösttopf erscheint wackelig da das Material der Hohlnieten zu weich ist. Diese wären aber problemlos zu reparieren wenn sie brechen sollten. Ein paar M3 Schrauben mit Mutter lösen das Problem sicher dauerhaft. Bei meinem Exemplar waren auch einige Stäbe am Schutzgitter schief. Aber, es ist eben keine KitchenAid ..
    Der Aufbau ist einfach und sehr kompakt. Unter dem Glasdom befindet sich, in einem Behälter, ein herausnehmbarer Topf mit dem Rührwerk. Der Topf hat Schlitze am unteren Rand und steht auf einer Heizplatte welche ein Loch in der Mitte hat. Durch das Loch fasst der Antrieb des Rühr-Arms von unten in den Topf. Durch dasselbe Loch wird auch Luft in den Rösttopf gedrückt. Getriebemotor und Lüfter sitzen ein ganzes Stück unter der Heizplatte. Der Glasdom, Topfrand und der Behälter werden im geschlossenem Zustand durch Dichtungen und einem Verschluss mit einander Verbunden. So kann die, durch das Rührwerk eingeblasene, Luft nicht nach oben raus sondern muss durch die Bohnen und die Schlitze im Topf. Die Luft und das Rührwerk drücken beim rösten die Häutchen recht zuverlässig durch die Schlitze. Sie sammeln sich in einer herausnehmbaren Rinne unter dem Topf.
    Die Luft, jetzt zur Röstabluft geworden, verlässt den Behälter durch eine Öffnung nach hinten in die Abluftbehandlung. Diese lässt sich am besten mit dem Wort „Nachbrenner“ beschreiben. Die Abluft wird durch zwei Türmchen aus Keramik geführt. Diese enthalten je eine Heizwendel die rotglühend die Rauchbestanteile zu Ende verbrennt. Das Prinzip ist einfach und genial aber natürlich nicht Energiesparklasse A++
    Für erste Fragezeichen hat der Blick in die Bedienungsanleitung gesorgt. Die ist auf Koreanisch, liebevoll gestaltet mit allerhand seltsamen Piktogrammen. Im Wesentlichen kann man ihr entnehmen das es eine Vorheizstufe und neun Röststufen gibt. Die werden erklärt mit Menge und Röstgrad. Und zwar so ähnlich:
    Stufe1: 50g Kaffee hell, Stufe2:100g Kaffee hell, Stufe3: 150g Kaffee hell
    Stufe4: 50g Kaffee braun, Stufe5:100g Kaffee braun, Stufe6: 150g Kaffee braun
    Stufe7: 50g Kaffee dunkel, Stufe8:100g Kaffee dunkel, Stufe9: 150g Kaffee dunkel
    Sehr viel mehr konnte ich dem Blatt nicht entnehmen. Fakt ist das der Wählhebel natürlich keine Stufen hat sondern ein ganz normaler Poti ist, der auch zwischen drei und vier stehen kann. Hier ahnt man auch schon das Problem. Der Röster tarnt sich als Vollautomat mit den Einstellmöglichkeiten hell und dunkel. Da die Anleitung für mich nicht lesbar war mussten die Kollegen Versuch und Irrtum ran um der Sache auf den Grund zu gehen.

    Die Praxis:
    Bei der ersten Probe erwies sich der Röster als recht praktisch.
    Auf Vorheizen stellen, Einschalten, los geht’s. Und! .. ganz wunderbar leise. Die Internetvideos geben die Lautstärke nicht korrekt wieder. Sie liegt irgendwo zwischen Geschirrspüler und Mikrowelle ohne nervige Frequenzen. Es stört nicht wenn das Gerät in der Küche läuft da es wie jedes andrere klingt. Der Röster ist für das Südkoreanische Stromnetz gebaut 220V / 60Hz. Er funktioniert erst mal problemlos an 230V / 50Hz.
    Nach ca7 Minuten piepst das Gerät. Das Vorheizen ist abgeschlossen mein Bratenthermometer zeigt im Rösttopf ca 180°C. Dann habe ich ca: 100g Guatemala s.h.b. rein gegeben und mit Stufe5 den Röstvorgang gestartet.
    Nach 8 Minuten kam der First Crack nach zehn Minuten der Second Crack. Dann habe ich die Röstung abgebrochen. Das Ergebnis überzeugt optisch. Im Gegensatz zum IMAX sind die Bohnen heil und sehr gleichmäßig geröstet. Aber hätte ich sie nicht rausgeholt, die Maschine hätte sicher prima Zeichenkohle produziert. Ich erhielt einen zu dunklen aber auch unterentwickelten Kaffee. Geschmacklich sehr arm. Die Enttäuschung war groß.
    Ja prima, da stand ich nun mit meinem 600,- EUR teuren Röster. Während die IMAX das Aroma eher raus schleuderte hat es sich in der ICoffee gar nicht erst entwickelt ich hatte so eine Art Anti IMAX.
    Es war schnell klar dass es wichtig ist das Gerät zu verstehen und den einen oder anderen Parameter zu kontrollieren. Sonst wird das nichts. Wie ich genau dazu gekommen bin erspare ich euch. Aber Versuch, Irrtum und Ich haben nur ca 1Kg Kaffee weggeschüttet …

    Wie sie funktioniert:
    Die Programm-Intelligenz der ICoffee hält sich, bei genauerer Betrachtung, in Grenzen.
    Preheat / Vorheizen:
    Wenn der Wählhebel in diesem Sektor steht und die Maschine startet, wird vorgeheizt. Nach ca 6-7 Minuten piepst sie und stoppt. Vorheizen braucht man nur wenn der Röster kalt ist.
    Rührwerk läuft, Heizung läuft, Lüfter läuft nicht, Nachbrenner läuft nicht.
    Das eigentliche Röstprogramm läuft in drei Gängen ab. Man wählt eine Stufe drückt die Powertaste und es geht los.
    Röstgang :
    Heizung, Lüfter, Rührwerk und Nachbrenner laufen. Nach acht Minuten hat der Nachbrenner rot glühende Heizspiralen. Die Lüfterdrehzahl erhöht sich etwas. Nach der Röstphase. piepst die Maschine einmal und geht in den
    Entwicklungsgang:
    Heizung ist aus, Rührwerk, Lüfter und Nachbrenner laufen. Lüfterdrehzahl erhöht sich temperaturabhängig. Nach der Entwicklungsphase piepst die Maschine zweimal und schaltet auf
    Kühlen:
    Der Lüfter schaltet auf 100%.
    Dann schaltet sich das Gerät unter einigen Piepsern ab.
    Hier das Ergebnis der Stoppuhr.
    Rösten Stufe 1
    Röstphase: 9Min. Entwicklungsphase 4 Min. Kühlen 2Min.
    Rösten Stufe 9:
    Röstphase 18Min. Entwicklungsphase 8Min. Kühlen 4Min.
    Die Stufen 2-8 liegen gleichmäßig verteilt dazwischen.
    Es wird, wenn man sich die Zahlen ansieht, schnell klar das die Heizzeiten zu lang sind. Da selbst bei 150g shb der First Crack meist nach 8 Minuten erreicht ist. Wie die koreanischen Entwickler auf die Zeiten kommen ist mir schleierhaft. Eine Theorie von mir ist das der Röster in Südkorea bei 220V und 60Hz sich etwas anders verhält. Durch Zufall entdeckte ich das man zwischen Röst und Entwicklungsgang hin und herschalten kann in dem man den Powerschalter kurz drückt. Das sorgt schon für den nötigen Einfluss auf die Heizleistung.

    Wie man es macht:
    Der einfachste Weg s.h.b wie z.b. Kenia Guatemala Ätopien und Co. im ICoffee zu rösten ist:
    150g in die vorgeheizte Maschine geben und auf Stufe vier oder fünf den Röster starten. Sobald der First Crack deutlich vernehmbar ist einmal kurz den Powertaster drücken um in den Entwicklungsgang zuschalten. Ich stelle mir oft einen Kurzzeitwecker auf fünf Minuten und starte ihn dann.
    Sobald der gewünschte Röstgrad erreicht ist mache ich den Deckel auf und schütte den Inhalt des Topfes in eine kalte Schüssel. Der Röstvorgang stoppt sofort ein wenig pusten und schütteln. Fertig. Das ganze dauert in der Regel 13 Minuten.
    Das Ergebnis ist wirklich gut. Gleichmäßiges Röstbild guter Geschmack. Es fehlt an dieser Stelle nur das Thermometer um die Ergebnisse auch reproduzieren zu können wenn der Kaffee mal mehr oder weniger Feuchtigkeit hat. Auch das Feintunig ist ohne Temperaturmessung nicht möglich.
    Die Maschine läuft mit den kleinen harten Bohnen optimal mit 150g. Weniger röstet sich nicht gut. Der Kurzzeitwecker ist nur zur Orientierung. Ich versuche ca vier Minuten lang nach dem First Crack die Temperatur gleichmäßig zuhalten ohne in den Second Crack zugehen oder zu dunkel zu werden.
    Häufigster Fehler war, dass ich zu früh von Rösten auf Entwickeln geschaltet habe. Wenn man in der Entwicklungsphase das Gefühl hat es geht nicht mehr voran sollte man auf jeden Fall noch mal kurz den Powerknopf drücken. Die Heizung geht dann wieder an und man bekommt ihn zu ende.
    Bei weicheren Bohnen zb Brasil Santos oder Indian Malabar evt. sogar Monsooned muss man vorsichtiger ran gehen. Von den Monsooned Sorten passt zb nur 100g in den Röster die Bohnen sind viel größer und brauchen auch weniger Power. Das Umschalten von Rösten auf Entwickeln sollte vor dem First Crack, nach Farbe und Geruch, passieren.

    Grundsätzlich ist der ICoffee ist ein cooles Gerät.
    Die Vorteile sind:
    Der große Glasdeckel, der sich jederzeit öffnen lässt. Bei vernünftigem Licht lässt sich der Röstgrad immer gut einschätzen. Es können Proben genommen werden. Mit etwas Übung bekommt man den Röstgrad auf den Punkt genau hin.
    Die Abluftbehandlung funktioniert sehr gut. Rauch und Geruch werden wirksam reduziert. Die typischen Röstgerüche (grünes Gras, Heu und Brot) lassen sich trotzdem gut wahrnehmen.
    Das Gerät ist sehr kompakt die Maße über alles ohne Topfgriff sind b=23cm, h=31cm, t=33cm.
    Die Nachteile liegen auf der Hand:
    Das integrierte Röstprogramm funktioniert nicht und kann einem Streiche spielen da nur rudimentäre Anzeigen den Betriebszustand darstellen (blinkende LED)
    Es fehlt klar das Thermometer um reproduzierbare Ergebnisse bei verschiedenen Chargen zu erzielen.
    Die Heizleistung ist nicht regelbar. Es gibt nur an und aus.
    Die Lüfterleistung ist nicht regelbar. Der Lüfter läuft immer 30%. Ab 230°C 60%. Beim kühlen 100%.

    Uppala genau 100000 Zeichen um.
     
  2. #2 Murmelbruder, 03.03.2014
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    AW: ICoffee S-100CR Theorie und Praxis

    Schnell noch das Fazit hinterher ...

    Der Besitzer des ICoffee sollte auf jeden Fall ein wenig Spieltrieb und Bastelspaß mitbringen. Es dauert eine Weile bis man mit dem Röster zurechtkommt. Er ist ein wenig wie ein altes Auto. Man muss sich rein hören und fühlen ...
    Wenn man diesen Röster haben möchte sollte einem klar sein dass ein Thermometer nachgerüstet werden muss. Dies ist vom Hersteller nicht vorgesehen aber auch kein Hexenwerk.
    Die Tage schreibe ich noch was dazu.

    Grüße
    M.
     
  3. #3 silverhour, 03.03.2014
    silverhour

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    AW: ICoffee S-100CR Theorie und Praxis

    Hallo und willkommen im KN!

    Schön, daß Du uns einen hier recht mager vertretenen Röster vorstellst! So etwas macht immer Spaß! Zumal wenn man, wie ich, den Röster nur mal in einem Web-Shop gesehen hat...

    Neben der etwas pseudo-rustikalen Optik gibt es m.E. zwei Showstopper, die mich immer von der Kiste abhalten würden:
    Die Chargengrößen von max 150gr sind etwas dürftig, eine Nummer größer wäre schon wünschenswert.
    Die fehlende Temperatureinstellung ist eigentlich ein Unding und nimmt dem Ganzen viel Spaß. Auch daß die Röstdauer scheinbar nur über Mißbrauch der Programmeinstellungen funktioniert ist nicht wirklich überzeugend. Da könnte der Hersteller noch mehr raus hohlen.

    Ach ja, etwas konstruktive Kritik:
    Wir lieben Bilder!!! Viele schöne, detaillierte Bilder!!!
    Der Text ist zwar sehr informativ, aber auch etwas "gestopft" - einige geneigte Leser könnten abgeschreckt werden.

    Grüße, Olli
     
  4. ingom

    ingom Mitglied

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    Hallo Murmelbruder,
    es ist nun schon eine Weile her, dass du uns deine Erfahrungen / Tests mitgeteilt hast. Mich würde interessieren ob du noch immer diesen Röster verwendest und wenn ja, ob es schon die 2014 Version mit Digitalanzeige oder noch die ältere Version war. Ich bin z.Zt. auf der Suche nach einem guten, jedoch kleinen Röster, ohne Schnickschnack. Man sollte jedoch was sehen (Röstgrad) und hören (Cracks) können und der Röster sollte in Europa verfügbar sein (also mit CE und so). Und da fand ich bisher nur den icoffee. Gene ist zu laut, Behmor gibt's nicht wirklich bei uns und mehr kleine Röster kenne ich nicht. Würde mich mal interessieren ob du weitere Erfahrungen gemacht hast.
    Viele Grüße,
    Ingom
     
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