Verfall der österreichischen Kaffeekultur

Diskutiere Verfall der österreichischen Kaffeekultur im Österreich Forum im Bereich Der beste Espresso der Stadt; Hallo Netz! Ich war in Graz und als ich durch die Stadt ging bemerkte ich das Kaffeehaus Sacher. Natürlich kennt man als Österreicher die...

  1. Wasu

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    Hallo Netz!

    Ich war in Graz und als ich durch die Stadt ging bemerkte ich das Kaffeehaus Sacher.
    Natürlich kennt man als Österreicher die Sachertorte, das Hotel Sacher usw., ist ja ein Stück Kultur, irgendwie......

    Darin Platz genommen as ich eine Sachertorte und trank einen kleinen Schwarzen, und Schock, der Kaffee kam aus einem WMF-Vollautomat. :shock:

    Unglaublich! Das gibts doch nicht!
    Verfällt die Kaffeekultur in Österreich?

    Oder eine andere Frage, was ist die österreichische Kaffeekultur?
    Der Siebträger? Der Filterkaffee? Der Vollautomat? :shock:

    Und noch eine Frage, ich dachte aus so einem teuren Vollautomat müsste doch was trinkbares kommen. Messen die Gastrovollautomaten nicht die Druchflusszeit und stellen danach automatisch den Mahlgrad ein?
    Tampert so ein 10.000€ Teil auch nicht richtig?
    Kann nichtmal ein Gastrovollautomat Espresso so halbwegs?

    Ich bin enttäuscht vom Kaffee Sacher, vom Gastrovollautomatenespresso und überhaupt.......:cry:

    Gerhard
     
  2. #2 bluebean, 28.03.2009
    bluebean

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Ich weiß wirklich nicht ob das Sacher in Graz repräsentativ für die österreichische Kaffeekultur steht. :lol: Ich meine Vollautomat ist schon arg aba ich hätte nicht wirkich VIEL besseres erwartet.

    @graz
    -Die österr. Kaffeehauskultur würde ich eher in einem Lokal wie dem Fotter in der Attemsgasse suchen...
    -Wenn du richtige amerikanisch/italienische Kaffeekultur mit sehr gutem Kaffee vom Walter suchst: gibts im Aroom, Anfang Petersgasse

    Wie schauts mit dem Verfall in der Bundeshauptstadt aus? ( Ich kenn sowieso nur den Begriff "Wiener Kaffeehauskultur")
    so long...
     
  3. Wasu

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Hallo Bluebean!

    Ich selber bin ja aus nähe Linz.
    Da gibt es das Kaffeehaus Meier mit eigener Rösterrei, das ist so wie ich es mir vorstelle.
    Aber der Vollautomat im Sacher, der hat mich sämtlicher Illusionen beraubt. :-(
     
  4. Alfred

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Da kenne ich noch mehr Beispiele - vor allem wenn österreichische Gastronomie ins Ausland exportiert wird. Die Wiener Kaffeehauskultur ist nicht unbedingt mit Kafffeekultur gleichzusetzen, es gelten andere Faktoren. Aber es gibt schon welche, die überraschend guten Kaffee ausschenken.

    PS - Auch das echte Kaffe-Sacher im Hotel bei der Oper ist eine traumhafte "Location", mit überragenden warmen Mehlspeisen (alleine die Marillenknödel) - trinkt dort lieber Tee ...
     
  5. Wasu

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Stimmt, danke für den Hinweis.
    Kaffeehauskultur und Kaffeekultur sind verschiedene Dinge, so hab ich das noch nie betrachtet :oops:

    Es kommt bei uns wohl nicht so auf den Kaffee an den man trinkt, sondern wo man ihn trinkt. :lol:
     
  6. anrubo

    anrubo Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    ich war noch nie in wien und bin da echt scharf drauf, könnte nicht mal jemand von euch wienern so ein "must see" für 3-5 tage erstellen, natürlich in einer anderen rubrik :)

    gruss
    andreas
     
  7. Wasu

    Wasu Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Anrubo, mach einen Thread auf über "Was soll ich mir in Wien ansehen".

    Könnt sein das ich auch reinschreibe, bin öfters in Wien....gibt aber auch genug Wiener hier im Forum, Tipps bekommst du sicher!
     
  8. anrubo

    anrubo Mitglied

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    ich mach das mal, wenn es akut wird ...
     
  9. #9 theltalpha, 30.03.2009
    theltalpha

    theltalpha Mitglied

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    :!: Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis, wenn man verstehen will, warum gerade in den großen und bekannten Kaffeehäusern der Kaffee oft am schlechtesten ist.
     
  10. #10 KardinalWest, 30.03.2009
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    VA's sind in der Gastronomie doch mittlerweile fast Standart... Und ehrlich gesagt ist mir beim "normalen" Verlängerten gleichbleibende VA-Qualität lieber als das, was oft aus schlecht eingestellten und lieblos bedienten Siebträgern plätschert. (Wir haben hier in Innsbruck ein Kaffeehaus mit einer 6-gruppigen Faema. Der Espresso schmeckt dort leider wie Regenwasser, dem man von Kaffee erzählt hat.)

    Ausserdem beinhaltet die österreichische Kaffeehauskultur (oder was davon übrig ist) stundenlanges sitzen, zeitunglesen und plaudern. Das ist erstens leider extrem unwirtschaftlich und zweitens schlecht vereinbar mit Espresso und Co, die ja schnell getrunken werden möchten.

    Gruß - Tom
     
  11. michlw

    michlw Mitglied

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    Die Beobachtung mit VA in Kaffeehäusern habe ich leider auch gemacht.
    Zum Beispiel im Cafe Diglas. :shock:

    Mir ist allerdings aufgefallen, daß sie bestimmte Kaffeearten mit dem VA zubereiten und andere wiederum mit der Gastro-ST-Maschine mit Mahlkönig-Mühle daneben.
    So wie ich das sehen konnte wurden stark Milchhaltige Getränke (Cappuccino mit Schlagobers oder Latte) mit dem VA hergstellt, die typischen Kaffeehaus-Kaffee (kleiner Brauner, großer Brauner, Einspänner etc.) mit dem ST.

    Was mich aber auch immer irritiert: Milchschaum wird sehr oft aus einer 1l-Kanne entnommen, die neben den Maschinen steht. Zuerst wird zB Cappuccino mit heißer Milch aufgegossen und dann kommt noch (alter und toter) Milchschaum aus dieser Kanne dazu - unglaublich, eigentlich!
     
  12. #12 bluebean, 30.03.2009
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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    @kaffeekultur:

    wisst ihr was beim kleinen braune/schwarzen etc die unterschiede zum espresso sind:

    so wie ich das verstanden hab, beides mit siebträger: aber "österreichischer kaffee" klassisch: andere kaffeemischung und durchlaufzeit?
     
  13. michlw

    michlw Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Vom Geschmack her würd ich ihne zwischen Espresso und Schümli einordnen - nicht so dick wie ein Espresso aber auch nicht so dünn wie ein Schümli.
     
  14. Alfred

    Alfred Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Das Diglas auch schon - traurig (nur wenn ich der Wollzeile bin, hab ich eh keinen Kaffee-Bedarf). Bis aufs abgedrehte Warmwasser auf den Toiletten hatte es bei mir einen hohen Stellenwert.

    Der Kampf "Wiener Kaffeehaus" gegen "das Espresso" ist ja legendär und gipfelte wohl im herrlichen Paul Hörbiger-Hans Moser-Film "Ober, zahlen".

    Dennoch sich dann der Siebträger durchgesetzt, doch selbst in meiner Generation (ich bin Jahrgang 62) war der nie ganz unumstritten, gerade für die "Melange" hatten die besten Häuser deshalb noch alternative Zubereitungsmethoden (z.B. das Dommayer - das leider auch nicht mehr das ist, was es Mal war). Die ganz noble Ecke wurde wohl vom Demel inspiriert, die mit ihrem "Kännchen Kaffee" irgendwie die Zeit angehalten haben. Die Geschichte Kaffee in Wien ist aber zu vielfältig, um sie in einem Thread abzuhandeln.

    Hinzu kommt die typische "Wiener Röstung", die irgendwo zwischen der Deutschen und Italienischen Röstung anzusiedeln ist- ob das Klimagründe hat, oder einfach technisch bedingt war (Aussortieren während des Röstens), kann man nur vermuten. Vielleicht mag ich deshalb die Triestiner (und die meisten Norditaliener) so sehr. Die guten Kaffeehäuser hatten und haben immer ihre eigenen Mischungen, und hüten sie wie einem Staatsgeheimnis gleich.

    Die Dichte der "Kaffeeauschankstellen" ist nach wie vor hoch, die Unterschiede sind groß, das Niveau an der Spitze verbesserungswürdig, in Summe aber immer noch recht anständig, mitunter gibt es echt positive Überraschungen, wo man sie am wenigsten vermuten würde. Auf über 400 km2 wird es schwer, einen Häuserblock ohne mehrgruppigen Siebträger zu finden ...
     
  15. Caruso

    Caruso Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Es gab vor dem 1. Weltkrieg eine große Anzahl sehr großer und sehr schöner, aufwändig ausgestatteter Kaffeehäuser im Zentrum von Wien, und auch eine große Anzahl einfacherer Kaffeehäuser in der Peripherie. In der Zwischenkriegszeit entstanden dann bereits die ersten "Espressos", wobei die Qualität des Kaffees in den Espressos wichtiger war als in den Kaffeehäusern, von denen einige in diesem Stil modernisiert wurden.

    Seit dem 2. Weltkrieg wurden zahlreiche Kaffeehäuser geschlossen und in Autohäuser, die es in der Zwischenzeit auch nicht mehr gibt, in Bankfilialen oder in Textilgechäfte, die es auch wieder nicht mehr gibt, umgewandelt. Einige Kaffeehäuser sind jetzt eher Restaurants, in denen man auch - wenns schnell geht - auch einen Kaffee trinken darf.

    Dafür wurden zwei Traditionskaffeehäuser, das Central und das Griensteidl, die es jahrzentelang nicht mehr gegeben hat, vor allem für die Touristen totalrekonstruiert. Das Cafe Mozart im Häuserblock des Hotel Sacher wurde zuerst zerstört, um einem Geschäft für die japanischen Touristen Platz zu machen, und nachdem nichts daraus wurde, wurde ein Phantasiekaffeehaus ohne jeden Stil wieder eingebaut.

    "Echte" Kaffeehäuser gibt es fast keine mehr. Wenn über Wiener Kaffeehäuser geschrieben wird, dann meistens über die sogenannte Kaffeehauskultur, die überhaupt nichts mit Kaffeekultur zu tun hat.

    Unter Kaffeehauskultur versteht man die schon zu Lebzeiten von den Protagonisten selbst verklärten, meist nicht sehr erfolgreichen oder eher verkrachten, mehr oder weniger geistreichen, immer aufeinander eifersüchtigen oder miteinander bis auf denTod verfeindeten, mangels anderer Befähigungen sich gegenseitig anschnorrenden und sonst literarisch oder journalistisch tätigen Existenzen und ihrem Umfeld, die sich mangels Heizmaterials für ihre Behausungen, meist einfachen, möblierten Zimmern, überwiegend in den Kaffeehäusern aufhielten, wo sie ausgiebig miteinander stritten, gegeneinander intrigierten, mit Genuss Misserfolge Anderer austauschten und kommentierten, eifersüchtig ihre Zeitungshaufen verteidigten, und viele, viele Gläser Wasser zu ihrem Kleinen Schwarzen konsumierten. Der Kaffee spielte dabei eine vernachlässigbare Nebenrolle.

    Toleriert wurden diese sehr sparsam konsumierenden Figuren von den Kaffeehausbesitzern, weil sie als Aushängschilder der Kaffeehäuser dienten und auch Publikum brachten, die diese Atmosphäre als Kulisse auf Zeit schätzten.

    Die wirklich koffeinsüchtigen Schriftsteller kochten ihren Kaffee so gut wie immer selber zuhause, denn exzessiver Kaffeekonsum im Kaffeehaus hätte innerhalb von Tagen zum vollständigen Bankrott und sofortigem Hausverbot geführt.

    Kaffeekultur gab es daneben schon. Viele Kaffeesieder vom alten Schlag waren stolz auf die Qualität des verwendeten Kaffees und der ausgeschenkten Getränke, aber das waren die Gründer und Betreiber der Espressos ebenso. Heute muss man froh sein, wenn der Kaffee weder sauer noch bitter noch beides noch schlicht grauslich ist, und da ist es wirklich egal, ob er aus einem Siebträger mit 5 1/2 g möglichst billigem Kaffeepulver oder aus einem VA kommt. Echte Kaffeekultur fand aber eher zuhause statt, wo sehr viele Familien sehr stolz auf ihren guten Kaffee waren, den sie mit großer Sorgfalt zubereiteten.

    Durch die flächendeckende Einführung der unglaublich praktischen elektrischen Kaffeemaschinen mit Warmhalteplatten und den enormen Preiskampf der stark beworbenen Marken und der damit verbundenen Verdrängung der kleineren Qualitätshersteller ist - abgesehen vom entseztlichen Löskaffee - die Qualität des Kaffees, der zuhause getrunken wird, in den letzten Jahrzenten enorm gesunken. Und daher wissen die meisten Leute gar nicht mehr, wie guter Kaffee schmeckt bzw. schmecken kann.

    Wo immer es passt, bringen wir jetzt statt der obligaten Weinflaschen Kaffee von unserem Lieblingsröster als Gastgeschenke mit, und bis jetzt war die Reaktion immer: "Was ist denn das für ein guter Kaffee, wie der riecht!"

    Das ist unser Beitrag zur Wiederbelebung der Wiener Kaffeekultur.
     
  16. #16 greencoffee, 01.04.2009
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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur


    Deren Kaffeekultur sind vielleicht die vielen Zeitungen und die zum Teil sehr ungemütlichen Stühle
    Mußt halt einen Fiacker bestellen da schmeckts du den Kaffee nicht so raus.:-D
     
  17. Alfred

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    @ Caruso

    Guter Beitrag, auch wenn Du Dich ein wenig mit den Epochen vertan hast - das Kaffeehaussterben begann mit und vor allem nach dem 2.ten Weltkrieg und weniger in der Zwischenkriegszeit - schon gar nicht in Form der Bedrohung von Espresso, Autohaus und Bankfiliale. Der Tiefpunkt war übrigens aus meiner Sicht das wunderschöne Kaffeehaus in der Mariahilfer Str. 22 - war dann die 2.te oder 3.te Filiale von diesem Doppelohrladen.

    Der 3.te Absatz wiederum ist genial und absolut richtig: Ich kann mit den totrenovierten oder retortenhaften Comeback-Versuchen auch nichts anfangen. Böse enden könnte es übrigens, wenn sich das Rauchverbot durchsetzt. In Wien ist die Zigarette zum Kaffee für viele wichtiger, als jene nach dem Akt - auch weil öfter. Ein Hawelka ohne Tschick, geht das? Selbst ein Ritter am Schadeck würde wohl zusperren (kein wirklich gutes Kaffeehaus, aber das vielleicht echteste der Stadt - ein touristisches Muss).

    Ja, sie werden weniger. Der negative Höhepunkt aus meiner Sicht ist dabei das Dommayer in Hietzing, das jetzt zur Verschleissstele einer Backwarenfirma aus Favoriten verkommen ist. Das wäre so, als würde die Wiener Austria Rapid übernehmen, oder zumindest im Hanappi spielen.

    Ganz klein schwarz würde ich es aber nicht sehen. Ob die Kaffeekultur zur Zeit wirklich am Tiefpunkt ist, würde ich sogar bezweifeln. Nach wie vor dominieren Siebträger, die 7 Gramm unterschreiten nur wenige, und so sehr wird am eingesetzten Material denn doch nicht gespart - die Spanne ist ja auch groß genug. Gespart wir mitunter ganz gerne am Personal, und das ist mindestens so fatal. Vor allem, weil dann doch just die einst berühmtesten Häuser (wenn sie dafür nur groß genug sind) auf einmal auf Supervollautomaten setzen, weil angelernte Kräfte die Siebträger weder richtig bedienen noch reinigen können.

    Die von Dir beschriebenen Gerätschaften sind eher in gastronomischen Sonderformen im Einsatz - vor allem im Bereich Catering und Hotellerie - grausig (besonders ärgerlich, dass österreichische Betriebe den Dreck ins Ausland bringen)

    Bei der Kaffeekultur in Privathaushalten bin ich mir nicht sicher: Ja man war stolz auf seinen Kaffee - und es sind viele kleine Hausröster aus meiner Kindheit (bin Jahrgang 1962) verschwunden, und auch etwas grössere. Einst weit verbreitete und gute Marken sieht man selten, andere gar nicht mehr. Den im AEZ gibt es nicht mehr, und auch nicht mehr die kleinen Kaufleute, die selbst geröstet haben. Sei froh, dass beim Billa nicht geröstet wird). Gibt es eigentlich den Naber noch, und den Santora? Aber ehrlich, ich bin seit 30 Jahren ein Mitglied der Espressofraktion, und habe früh gelernt, mich als Teetrinker zu präsentieren. Diskussionen mit Wienern zu diesem Thema sind zwar schwierig, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Widerstand in letzter Zeit wächst. Ich weiß, was für Umsatzrenner die letzten Jahre Vollautomaten und Nespressomaschinen waren - aber fast nur für den Sonntag. Und sie beginnen immer mehr Fragen zu stellen - und erst spät nach den Kosten, eher nach dem Aufwand und nach der Wartezeit nach dem Einschalten.

    Ein Teil der Kaffeekultur spielt sich bei uns in den Büros ab. auf den Arbeitsplätzen (vor allem in kleineren Firmen). Der Siebträger meines Zahnarztes ist ein wunderschönes Stück aus den 50-er Jahren, und mein Urteil seiner neuesten Kaffeeerwerbung schätzt er auch dann, wenn ich sowieso dank vorangegangener Behandlung samt Spritze ein wenig ausser Gefecht gesetzt bin. Abgesehen davon, dass das gar nicht leicht ist mit schiefem Mund seine Capus zu trinken, riecht dort irgendwie alles ein wenig nach Zahnarzt (schmecken kann ich in der Situation eh nicht). Mein Anwalt schwört gar nicht, oder wenn schon auf seine Pavonis (Siebträger modern und einarmig), dabei finden Besprechungen sowieso im Erdgeschoss statt - dort befindet sich nämlich ein Kleinod unter den Wiener Kaffeesiedern. Er kommt mich auch gerne besuchen :eek:)

    Nein, die Kaffeekultur ist hier nicht tot, sie hat sich nur verändert - dafür scheint sie mir gegen manche Auswüchse des aktuellen Trends wiederum ein wenig immun zu sein (für Latte Art hat man hier wenig Sinn - das hat aber glaube ich andere Gründe) - und auch das kann sie nur, weil sie ausreichend gefestigt ist.
     
  18. #18 Belgarath, 02.04.2009
    Belgarath

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Ich bin frech und frage jetzt nach, wo genau "dort" ist - würde ich nämlich gerne ausprobieren.

    Ansonsten finde ich sowohl Carusos als auch Alfreds Posting sehr gelungen, zumindest was den Schmunzelfaktor angeht. Carusos eigentliche Definition von Kaffeehauskultur (etwas eingeschränkt auf die Kaffeehausliteraten) ist aber recht gelungen, wenn auch vermutlich leicht überspitzt. Wer nun geschichtlich "korrekter" liegt, weiß ich nicht - bin ich doch erst viel zu kurz vom Kaffee-Virus infiziert :D

    lg,
    Klaus
     
  19. Alfred

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Café Kafka in der Capistrangasse - kein Weltwunder, aber ein Wunder, dass es sowas ein paar Schritte vom belebtesten Teil der Mariahilferstr. gibt. Den Kaffee kann man trinken.

    Wer amüsante Texte über die Wiener Kaffeehausliteraten mag, dem sei Friedrich Torbergs "Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten" ans Herz gelegt:
    Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten: Friedrich Torberg: Amazon.de: Bücher
    Es lohnt!

    Wie schon an anderer Stelle hingewiesen, es gibt es einen Film mit Hans Moser und Paul Hörbiger, der das Keffeehaussterben der Nachkriegszeit - den Kampf Wiener Kaffeehaus gegen das Espresso - als Rahmenhandlung verwendet:
    Ober, zahlen: Hans Moser, Paul Hörbiger, Rudolf Carl, Hans Lang, E. W. Emo: Amazon.de: DVD & Blu-ray

    Ebenfalls ein Kaffeehausfilm mit den beiden ist "Wiener G'schichten" aus dem Jahr 1940. Wenn mich nicht alles täuscht, wurden Teile im Dommayer gedreht (ich kann das jetzt verwechseln).

    Für die Filme sollte man schon alte Filme mögen - die Tante Jolesch kann ich nur wärmstens empfehlen - auch geeignet, wenn man schon jahrelang kein Buch mehr in der Hand hatte.


    Und eine Hiobsbotschaft: Der Kaffeeerbe Julius Meinl V. wurde heute festgenommen. Das wird zwar aber keine direkten Auswirkungen auf Meinl Kaffee haben.
     
  20. -MM-

    -MM- Mitglied

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    AW: Verfall der österreichischen Kaffeekultur

    Der Meinl Kaffe ist eh kein "Specialty Coffee" ;-) alles nur halb so schlimm, mit Kaffee hat der Onkel Julius eh nix zu tun..
     
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